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Der Israelit · 1931-01-22 · Heft 4 (22.1.1931) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 4 (22.1.1931)
Date
1931-01-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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22. Januar 1931 Der Israelit Nr. 4 Seite 5 Feier des 80. Geburtstages des Staätsrats Teitel und des zehnjährigen Bestehens des Verbandes russischer Juden. - - 23 er I in, 12. Jan. i; Am Sonntag, den 11. Januar, fand im großen Saale des Brüdervereinshauses ein Doppel fest statt; die Feier des 80. Geburtstages des Führers der russischen Juden in Deutschland, Herrn Staatsrat Jacob Te i t e l, und die Feier des 10 jahrigen Bestehens des Verbandes russischer Juden in D,e u t s ch l a n d , dessen Wirkung zur Erhaltung Hunderter, ja Tausender notleidender .jüdischer Flüch^.ingsfamilien beigetcagen hat. Zu der Doppelfeier hatte.! sich Hunderte russisch-jüdische Familien auch zahlreiche Persönlichkeiten der deutsch-jüdischen Gesellschaft mit ihren Damen eingesünden. Zum Ehrenpräsidenten der Veranstaltung war Herr Dr. Bernhard Kahn, europäischer Direktor des Joint Distribution Kommitee gewählt. Geleitet wurde die Veranstaltung von Herrn Dr. Leo Bramson, Vorsitzenden des Verbandes Ort. Er gab eine Charakteristik der großen Persönlichkeit Teitels und einen Umriß der Wirksamkeit von Teitels Schöpfung: dem Verband der russischen Juden. Es sprachen dann der Schatzmeister und Vizevorsitzende des Verbandes Dr. A. Goldenberg, der Vizevorsitzende Dr. B. Schirm a n und das" stellvertrtende Vorstandsmitglied Dr. Joseph Kahn, die bas Wirken des Verbandes Umrissen und insbesondere darauf hinwiesen, daß die Feier in dieser Zeit der Not in einem schlichten Rahmen.vor sich geht. Im Namen des P r eutz is ch en Land esv erbau d e s jüdischer Gemeinden begrüßte dessen stellvertretender Vorsitzender, Herr R.-A. Dr. Alfred Klee. Justizrat Dr. Julius Brodnitz, sprach als Vorsitzender im Namen des Central-Vereins deutscher Staats bürger jüdischen Glaubens. Herr Dr. Bernhard Kahn sprach als einer der jüngeren Freunde von Jacob Teitel Worte der Huldigung für den greisen Menschenfreund Für den Hilss verein der deutschen Juden sprach Herr Sanitätsrat Dr. Feilchenfeld. Zuletzt sprach Herr. Staatsrat Teitel selbst und dankte füralle die ihn gewordenen Ehrungen. Verein für die jüdischen Interessen Rheinlands E. V. Köln, 19. Jan. Der Verein für die jüdischen Interessen' Rheinlands hat auf den 18. Januar seine ordentliche Mitgliederversammlung wie alljährlich einberufen. Wie bekannt, ist diese Mitgliederversammlung seit Jahren zu einem Ereignis für die Provinz geworden. Die Mitglieder kommen mit ihren Familien und die Kölner Freunde gesellen sich dazu. Nach Ablauf der Tagesordnung wird von einem auswärtigen Redner em populär-wissenschaftlicher Vortrag gehalten. Diesmal ' war Herr Ministerialrat H. Goslar- Berlin'.so liebenswürdig, feine geschätzte 'Kraft in den Dienst unseres Vereins zu stellen. Schon der Name zog nach vielen Hinderten zählende Teilnehmer an, sodaß der große Festsaal der Rheinlandloge nebst seiner Galerie ganz gefüllt war. Durchdrungen von echtem jüdischen Empfinden sprach der Mann aus der Praxis sozialen Wirkens, der an hoher Stelle, an der die Fäden ulles politischen Geschehens zusammenlaufen, der Heb erblick über das Ganze hat. Er sprach über die Zukunft l>es deutschen Judentums, das nur auf der Basis, die Rabbiner Hirsch gegründet hat. Tauroh im Derech Erez, sich erheben kann. Er sprach von allen Gebieten des geistigen Strebens und rief zurück zum Lernen, zur jüdischen Schule und zur Heiligung des Sabbaths. Es braucht nicht gesagt zu werden, daß die eindringlichen'Worte aus dem Munde eines hohen Staatsbeamten ihren Eindruck auf die Zuhörer nicht verfehlten. Tosender Beifall lohnte 'seine Ausführungen. Herr Rabbiner Dr, Wolf verstand es wie immer, durch eine formvollendete und inhaltstiefe Ansprache die Versammlung zu einer spontanen Beifallskundgebung mitzureißen, die zeigte, welch großes Maß von Beliebtheit mnd Anerkennung er sich in den angeschlossenen Gemeinden und bei den Teilnehmern an der Versammlung erfreut. Vorher hatte der Vorsitzende, Herr Nathan K a h.n, die - Versammlung begrüßt und einen Bericht über die Tätigkeit dÄ Vereins gegeben, der, wie auch in früheren Jahren, nicht an der Außenseite haften blieb, sondern die Geistigkeit dessen, wcvder Verein erstrebt, zu deutlichem, klaren und begeisterten Ausdruck brachte. Cr betonte insbesondere, daß trotz der schwierigen Wirtschaftslage die ideellen Aufgaben' des Vereins in weitgehendem Die Woche. Berlin. Von unbekannten Personen werben in Berlin Gelder gesammelt für die Bildung eines „Jüdischen S e l b ft s ch u tz e s". Der „ C entr alve r e i n " wie der „Reichsbund jüdischer Frontsoldaten" warnendringend vor diesen Sammlungen, da keine Gewähr für richtige Verwendung der Gelder bestehe. Darmsiadl. Die Gießener „Studentenschaft" hat den Beschluß gefaßt, die Annahme des Numerus clausus gegen die Juden zu beantragen. Nunmehr beantragt die D e - makratische Vereinigung in Darmstadt rm Hessischen Landtag chie Auflösung der Gießener „Studentenschaft". Men. Ein nationalsozialistischer Gemeinderat, der in einem Flugblatte aufforderte, keine Weihnachtseinkäufe bei Juden zu machen, wurde auf die von jüdischen Kaufleuten geführte Klage vom Gerichte zu Sch. 50.— Geldstrafe und Veröffentlichung des Entscheides in mehreren Lokalblättern verurteilt. Genf. Es dürfte nun feststehen, daß die Frage der Klagemauer vorläufig in Genf nicht zur Verhandlung kommt, da England den Bericht der Klagemauerkommission bisher dem Völkerbunde noch gar nicht eingereicht hat. Paris. Der Bürgermeister der Stadt Oran in Algerien, Deputierter Dr. Jules Molle, ist infolge eines Herzschlags plötzlich gestorben. Dr. Molle war der Führer der antisemitischen Bewegung im Oran. Vor ungefähr einem Monat hatte die antisemitische Agitation Dr. Molles in Oran neuerlich einen derartigen Umfang angenommen, daß sich Abgeordnete veranlaßt gesehen haben, in der französischen Kammer eine Interpellation über die Vorgänge in Oran einzubringen. — Bei der Eröffnung der Französischen Kammer hielt der Alterspräsident, Deputierter Maurice Sibille, eine Rede, in der er u. a. betonte, daß es in Frankreich keine Judenfrage gäbe. Die religiösen Vorurteile, die früher auch in Frankreich herrschten, seine heute restlos verschwunden. Budapest. General Mak a r o f, der Sohn des unter diesem Namen bekannten Admirals im rufsisch-japänifchen Krieg, ist, wie ungarische Zeitungen berichten, mit der ganzen Familie zum Judentume übergetreten und hat den Namen Abraham angenommen. ,Er will in den Dokumenten seines Vaters Zeichen für die jüdische Abstammung der Familie gesunden haben, und wollte daher zur Religion der Väter zurückkehren. Er nimmt seinen Wohnsitz in Palästina. Triest. Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Giacomo S e p i l l i, wurde mit dem Offizierskreuz der italienischen Ehrenlegion, und zwar mit Rücksicht auf die von ihm geleiteten mustergültigen humanitären Institutionen der Gemeinde, ausgezeichnet. Rom. Die zionistische Landesorganisation in Italien wünscht, daß der nächste Z i o n i st,e n k o n - greß in Abbazia abgehalten werde. Die italienischen Regierungskreise würden der Zionistentagung auf italienischem Boden sehr günstig gegenüberstehen. Florenz. In hohem Alter r erstarb in Florenz der ehemalige Minister Vito F i n z i. Finzi, der Jude war, nahm aks Freiwilliger an den italienischen Freiheitsckämpfen von 1866 teil und besaß eine Reihe der höchsten italienischen Auszeichnungen. In der italienischen Risorgimento-Bewegung hat er eine bedeutende Rolle' gespielt. London. Infolge der Abreise des Außenministers H ende r f o n nach Genf mußten die Verhandlungen zwischen der Regierung und der Jewlsh Agency verschoben werden. Sie werden frühestens erst in einem Monat wieder ausgenommen werden können. — Die englische Regierung ernannte Herrn Leon Simon zum Generaldirektor für das Telegraphen- und Telefonwesen Großbritanniens. Jerusalem. Für das Begräbnis von Mohammed Alis, dem indischen Mohammedanerführer, das am 23. Januar in Jerusalem stattfindet, sind umfassende Vorbereitungen getroffen. Es werden 5000 Ehrengäste aus Indien, Syrien, Aegypten ufw. erwartet. Oberrabbiner K u k wurde inoffiziell mitgeteilt, daß der Regierung seine Beteiligung an der Bestattung sehr erwünscht wäre, — Der Liverpooler Universitätsprofessor John G a r st a n g begab sich an der Spitze einer Expedition nach dem Jordantal, um die Mauern von Jericho auszugraben. — Die von Aegypten an Palästina als Beteiligte an den Augustmetzeleien ausgelieferten 17 Araber wurden aus Mangel an Beweisen auf freien Fuß gesetzt. Maße durchgeführt werden konnten, dank der unermüdlichen opferfreudigen und selbstlosen Hingebung des Vereins-Rabbiners Herrn Dr. Wolf. Die Versammlung schloß sich dem Dank, den der Vorsitzende Herrn Dr. Wolf zum Ausdruck brachte, durch überaus starken Beifall an. Der unermüdliche Rendant des Vereins, Herr G r ü n s f e l d , hat es auch im vergangenen Jahre trotz der allgemeinen wirtschaftlichen Röte zuwege gebracht, die Vereinsmaschine in Gang zu halten. Möge es ihm auch weiter gelingen, in seinem Streben, dem sein Sinnen und Denken und seine Tatkraft gehört, erfolgreich zu seist. Mögen diese 'Tagungen sich immer mehr Freunde .erwerben und dazu beitragen, die Saat des Judentums wieder aussprießen zu taffen auf den Fluren am Rhein, auf denen einstmals die Pflanzungen der Tauroh üppig blühten. .Möge der alle Glanz der Taurohkrone wieder dorthin zurückkehren. Zahlenmäßiger Rückgang der jüdischen Bevölkerung Württembergs. Stuttgart, 5. Jan. Der Verband Israelitischer Gemeinden Württembergs veröffentlicht ei/.e statistische Uebersicht über das.religiöse Leben in den jüdischen Gemeinden Württembergs, der u. a. zu entnehmen ist, daß unter den Juden Württembergs i. I. 1)27 104 Geburten, 165 Sterbefälle, 13 Austritte aus dem Judentum und ein Ilebertritt zum Judentum zu verzeichnen waren. Im Jahre 1928 zählte man 83 Geburten, 149 Sterbefälle, 9 Austritte aus dem Judentum und 6 Heb erlritte zum Judentum. Im Jahre 1929 zählte inan 101 Geburten, 152 Sterbefälle, 14 Austritte aus dem Judentum und 2 Uebertritte zum Judentum. Unter 65 Eheschließungen i, I. 1927 waren 15 Mischehen; unter 77 Eheschließungen i. I. 1928 7 Mischehen; unter 72 Eheschließungen i. I. 1929 waren 16 Mischehen. Nach den Mitteilungen des Amtsblattes der Evangelischen Landeskirche find i. I. 1928 zehn Kinder aus evangelisch-jüdischen Mischehen geboren worden, von denen sechs evangelisch getauft wurden. Die Zahl der Kinder aus solchen Mischehen betrug 1929 zwölf, von denen ebenfalls sechs getauft worden sind. Unter den evangelischen Konfirmanden waren 1928 sechs Kinder aus evangelisch-jüdischen Mischehen, diese Zahl hat sich 1929 auf zwölf gesteigert. Eine wichtige Reichsgerichtsentscheidung über den Austritt aus der Gemeinde. Hamburg, 19. Jan. Es gibt noch heute einige Einzelstaaten, wie Bayern, Sachsen und andere, die kein Austrittsgesetz besitzen. Namentlich von Seilen der Gemeinden in diesen Staaten wurde immer wieder betont, daß ein Austritt aus der Gemeinde nur zugleich mit dem Austritt aus der Konfession möglich sei. So fühlten sich insbesondere in Sachsen und in Bayern^m großer Teil der Orthodoxie gezwungen, innerhalo einer Gemeinde zu verbleiben, der anzugehören einen Gewissenszwang bedeutet. Nunmehr hat das Reichsgericht in einer Mecklenburger Sache (Urteil vom 4. November 1930, IV. 69/30, im Auszug abgedruckt: Höchstrichterliche Rechtsprechung 1931, Nr. 129) für ganz Deutschland das Recht des Einzelnen f e st g e st e l kt, aus der Gemeinde, ohne zugleich aus d em Judentum austreten treten. Die bedeutsamen lauten: Nr. 129 Art. 135 ff. R. Verf. Die in den Art. 135,' 136, 137 Abs. 2 (vgl. auch Art. 124 Abs. 1 S. 3 R. Verf.)" gewährleistete Religionsfreiheit umfaßt die Vereinigung nicht nur in der Richtung des Zusammenschlusses zu einer Religionsgesellschast, sondern auch in der Richtung des Austritts aus einer solchen Religionsgesellschast. Auch Körperschaften des öffentlichen Rechtes (Art. 137 Abf. 5, 6), sin) keine Zwangsverbände aller Angehörigen eines religiösen Bekenntnisses, selbst, wenn sie dies vor dem Inkrafttreten der R. Verf. gewesen sein sollten. Der Austritt aus einer israelitischen Gemeinde ist deshalb unter der Herrschaft der. R. Verf. zulässig, unabhängig - davon, ob der Austretende »»sich damit vom . Judentum, der mosaischen Religion/ lössagen will oder sich nach wie vor zu dieser Religion be- _ kennt. (RE. IV. 3. November 1930 69 30. Die Entscheidung ist für die Orthodoxie in Bayern und Sachsen von höchster Bedeutung. zu müssen, auszu- Cätze dieser Entscheidung

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