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Der Israelit · 1931-01-22 · Heft 4 (22.1.1931) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 4 (22.1.1931)
Date
1931-01-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 4 I K ];■ r 5!; n I! I Der Isra el i t 22. Januar 1931 DIAL2N “ Puder bewahrt Ihren Liebling vor Wundsein. informiert worden zu fem, haben den Inhalt eines Interviews, das von Sr. Majestät König Carol einem amerikanischen Journalisten gewährt wurde, publiziert. Die Czernowitzer Blätter reproduzierten nach den Zeitungen Deutschlands den Inhalt dieser Aeußerung, welche lebhafte Kommentare hervorgerufen hat. Das Ministerratspräsidium, welches von dieser Publikation Kenntnis erlangt hat, autorisiert uns, die Lokalpresse zu informieren, daß das von Sr. Majestät dem König gewährte Interview weit davon entfernt ist, wahrheitsgetreu wiedergegeben zu fein. Es ist bedauerlich, daß die mißv e rstä n dl i ch e Wiedergabe auch in die rumänische Presse gedrungen ist. Für kcks Ministerialdirektorat: Generalsekretär A. Crudu." Wissenschaft. Bon Dr. C. C. in A. In früheren Zeiten war die Wissenschaft dem Juden kein Problem. Alles Denken und Forschen kreiste ausschließlich um einen einzigen Mittelpunkt, um die Thora. Außerjüdisches Denken war gleichbedieutend mit unjüdischem Denken. Außerjüdische Denkobjekte und ihre Denker gehörten daher auch nicht oder nicht mehr zur jüdischen Gemeinschaft: sie schieden sich entweder freiwillig von ihr oder wurden aus ihr ausgeschlossen. Durchbrochen wurde das Gleichförmige dieses Zustandes durch die arabisch-spanische Epoche. Hier bewährte sich die großartige Fähigkeit dse jüdischen Volksorganrsmus, das in den Organismus von außen Eindringende in seine Struktur organisch einzuverleiben. Die außerjüdischen Wissenschaften wurden nicht um ihrer selbst willen betrieben. Sie hatten samt und sonders nur den alleinigen Zweck, die Wahrheit der Thora und ihrer Lehren zu beweisen. Man forschte und grübelte, gespannt in der ständigen Erwartung, im nächsten Augenblick irgendeine jüdische Lehre aufs neue bestätigt finden zu können. Auf diese Weise wurde auch die niHtjüdische Wissenschaft in den Kreis des Religiösen einbezogen. Eine Divergenz zwischen Religion (xfjora) einerseits und Wissenschaft andererseits war unmöglich. Als aber die Aufklärung und die neuzeitliche Wissenschaft in die heiligen Hallen des Judentums embrächen;- gÄantz:es nicht, sie in»den- Be-: reich der: jüdischen-! Religion hineinzuziehen.Der! Weg . der arabisch-spanischen! Epoche . war! nicht mehr gangbar,!tveil der -Stoff des Wissens so um-' fangreich geworden war,: daß evwon den «jüdischen Gelehrten, die sich! mit außerjüdischer Wissenschaft befaßten, nicht mehr bewältigt werden konnte. Es blieb eine Unmenge Wissensstoff, der einfach nicht mehr in jüdischem Sinne zu bearbeiten war. So entzog er sich der jüdischen Beherrschung, wurde selbständig unddiktierte nun seinerseits dem Judentum.. Es ergab sich! daraus die Doppelherrschaft von Wissenschaft und Thora. Die Vertreter der Devise „Thora im Derech Erez" machten aus der Not eine Tugend; um wenigstens den Anhängern der Thora dies Nebeneinander einigermaßen erträglich.M wachen. Die Brücke zwischen beiden Herrschaftsbereichen bAMf die Apologetik,, die zu beweisen versucht,'daß.beide Bereiche nebeneinander sich ' pertragen . können, daß keine der Lehren des einen Bereiches denen des. anderen zu widersprechen braucht. .. Es gibt nun Kreise, Ue es als unerträglich empfinden, daß zwei Lehensgebiete.-gleichzeitig den Juden beherrschen, sollen. Für ste gibt es daher nur eine Entscheidung: Einer der beiden Machthaber muß weichen. Da für sie die Thora das Primat besitzt, so muß . die Wissenschaft verschwinden. Jegliche Beschäftigung mit außer- -jüdischen Disziplinen ist von Übel, soweit sie nicht füp! den LebenSUnterhalt unbedingt notwendig ist. i 'Beide Prinzipien — „Thora im Derech Erez" und Nür-Thora — sind Halbheiten; zwei Machtfaktoren nebeneinander sind auf die Dauer wirklich untragbar, zumal die Thora doch auch hier — wenigstens theoretisch — den Anspruch erhebt, das ganze Leben, also auch die Wissenschaft, zu umfassen. Wo ist bei dem Prinzip „Thora im Derech Erez" die absolute Herrschaft det Thora über die Wissenschaft geblieben? Die Vertreter des Nur-Thoraprinzips treiben Vogel Stauß-Politik. Es nützt nichts, durch einen Federstrich die Wissenschaft fort zu dekretieren. Sie ist trotzdem da und heischt ihr Recht. Beide Prinzipien bergen aber auch Gefahren für die Jüdischkeit. Wie nun, wenn in jemandem das Primat der Thora nicht mehr so kraftvoll wirksam ist? Wird er sich da nicht für das Primat der Wissenschaft entscheiden müssen? Dies hätte zur Folge, daß beim Prinzip „Thora im Derech Erez" die Thora nur noch insoweit gilt, als die Wissenschaft nichts Gegenteiliges behauptet. Für das Prinzip Rur-Thora würde die Folge sein, daß an die Stelle der Thora die Wissenschaft tritt; aus Nur-Thora würde Nur- Wisfenschaft. Eine Gesundung kann und wird nur eintreten, wenn es gelingt, die, Wissenschaft zu-einem Faktor jüdischer Religiosität zu machen. Nicht geduldet darf sie im Judentum sein, sondern sie muß selbst zum Inhalt jüdisch-religiösen Handelns werden. Der Trieb zur Thora muß auch den Trieb zum Forschen und Denken mit umfassen. Wenn dies gelingt, haben wir die Wissenschaft, haben wir die Welt gewonnen. Mit seinem Denken und Forschen sucht der Mensch in alle Winkel des Kosmos vorzudringen, zu den fernsten Fernen des Makrokosmos und zu den kleinsten Feinheiten des Mikrokosmos. Wir wissen, daß es für den Menschen zwei verschiedene Wege gibt, zu einem Objekt zu gelangen, je nach der Art des Triebes, der den Menschen beherrscht: Unter der Herrschaft des bösen Triebes ist es der Weg des Habens, unter der des guten Triebes der Weg des Werdens, des Einswerdens. Die moderne Wissenschaft geht den Weg des bösen Triebes, den Weg des Habens. Der Mensch will die Welt erobern; er will ihre Gesetze erforschen, um sie sich dienstbar zu machen. Der Mensch will Herrscher über die ganze Natur sein. Er will seinen Besitz an Wissen mehren. Der Weg des guten Triebes wüpe.^m anderer. Hier sucht der Mensch mit demM/Erforschenden Kosmos, und zwar gerade durch' die1 Forschung, eins zu werden, mit dem Kosmos sichln vereinigen, den forWndMMMchen undden-erfbrschten Kosmos zu Emus! zu 'ugestälteN. j i DtüM 0 sich 'demnach im Denken und Fürscheln de'?:Trieb aus;-Mn Kosmos zuni^ lebendigen - Organismus zu -machen, so ist Denken und Fotschen eben die lebendige Bewegung des Organismus:>-KöÄn>0s. Weil der K-oismo's 'eitll einziget^ leb end ig er Organismus ist^ muß er lebendige Bewegungen besitzen, durch die er lebt, und ohne die er sterben muß. Da nun im Menschen der. Trieb zur Verbindung mit dem Kosmos sich im Denken und Forschen zeigt, da Denken und Forschen die Verbindungzwischen dem Menschen und'-dem Kosmos darsiellen, so müssen eben Denken' und Forschen die lebendige Bewegung des Kosmos fein, diejenige kosmische ebenLige Bewegung, die durch den denkenden Menschen als einer lebendigen Zelle des Kos-, mos hindurchgeht. Wenn der- KoÄnos kein lebendiger Organismus mit dem Menschen als Zellen wäre, würde der Trieb zum--Denken und Forchen im- Menschen ^gar Acht vorhandem:ft.in.. Nurider einheitliche Lebensström des Organismus! Kosmas ftreibt seine einzelnen' ZÄen zuÄftanderr sin, treibt älso auch ben Menschen zu-d-errEb-M: > gen. Deilem des-' Kosmos. -Diese' den;MenfPnst reibende Kraft gelangt im Denken und Forschem zum Ausdruck. ■ E . 7 - (Schluß folgt.) llonerpovclenre« * llacdrlcblen. Deutsches Reich. Am die Schächtscllge in Thüringen. 1 Berlin, 15. Jan. Auf Betreiben dc:r Mtionalsozialisten, legt die thüringische Regierung — wie wir bereits gemeldet haben —- dem Landtag den Entwurf eines Schächtverbotgesetzes vor. Der Entwurf ist bereits in Plenum und im Ausschuß in der ersten . Lesung beraten worden. Wie nunmehr verlautet, wollen der Landbund und die Wirtschastspartei dem Gesetzentwurf ihre Zustimmung nicht geben, weil verschiedene Berufszweige dadurch schwer wir 1s ch östliche Schädigung befürchten. Auch, die drei Industrie- und Handelskammern in Thüringen haben Bedenken zum Ausdruck gebracht. Alle sind gegen eine landesgesehliche Regelung dieser Frage. Falls aber die bürgerlichen Parteien die Eesetzesvorlage ablehnen sollten, wollen die Nazis — so erklären sie — es zur Landtagsauslösung treiben. Aaschruth-Präparate. Berlin, 15. Jan. Aus Anregung von Rabbiner Dr. Meyer Munk s. Ä. Berlin rief im Jahre 1926 die Vereinigung tradition ell-ge setzest reue rRabbin er Deutschlands eine Kommission ins Leben, der Rabbiner, Chemiker, Mediziner, und Apotheker angehören und deren Ausgabe darin besieht, pharmazeutische Präparate und solche für Genußzwecke hinsichtlich ihres Käschruth und insbesondere ihrer Zuverlässigkeit für Pessach zu prüfen. Die gründliche Facharbeit dieser Kommission hat ergeben, daß viele Medikamente aus tierischen Substanzen hergestellt werden und demnach ausgesprochen trefe sind. So wird beispielsweise' die Erundsubstanz der Pepsinpräparate - aus Schwrinemagen, andere Substanzen aus Hirn, Galle und dergleichen gewönnen. Auch vieleder Präparate, die im Jahre hindurch von gesunden Menschen genossen werden,. enthalten tierische Stosse. Für Pessach ist die überwiegende Zahl der Medikamente nicht verwendbar, weil sie entweder Alkohol enthalten oder aber die Bindemittel aus Weizenstärke bestehen. ~ Die bezeichnte Kommission hat für Pessach eine Liste hercvusgegeben, in der eine große Anzahl unentbehrlicher Heilstosse angeführt sind, die direkt chomez sind. Ebenso weisen andere Broschüren wie die von Münz, aus zahl-, reiche täglich benutzte Präparate hin, die .religionsgesetzlich. Mnzukäfsige. Stoffe^ enthalten, Die . F^Ige-ist, . daß. viele der rituell' lebeydjtzn^Iuljittb. dieser Präparate.; enthalten . oder, aber,daß:,ste^^bewußt,. diese unerkaubM Stoffe..Jahre. hlnhprch e.inyeh'meij.,,A^p für Schwerkräfte »istes. stets Unerquicklich und bahurch oft heilungshem.yieiH, wenn sie, wa^ .ja. 'in,. diesem^ Fall.reiß gionsgeseWchl zPässig. ./-ist, nHt,',skos'chere..' stanzen genießen. ... ... . V:. Um diesem Uebelstand abzuhelsen, werden nunmehr aus Anregung durch die Chemisch - pharmazeutische Fabrik Dr. Laboschin A.-G. Berlin,' Präparate hergestellt, die als. „Kaschvuth-Präparate" absolute Gewähr für rituelle Zuverlässigkeit bieten. Die.'Herstellung dieser Präparate ist dem Chemiker Dr.' Roiy, einem Mitglied der oben - benannten Kommission' des' gesetzestreuen Rabbinerverbandes übertragen worden. Herr Dr. Rom prüft die Rohmaterialien.und. leitet und überwacht die Produktion. 4; n .. I# .•$ . wksty.. Geplant ist die Herstellung von Nähr- Und ^-Heilmitteln, wie auch von-Mstigen' Produkten, die sotvohl Wr. den Jahresgebrauch:wie:" für den Pessachbedarf -fdibriziM wkrWKä' Durch diesä -üeü^ Einrichtung' werden die tgesetz^- 1 reüMöJuden indierLäge^loÄsetzt, sich ^notwendige!Rähimittesrllind ersörderliche^MAikameM'MÄrläsfig'ktzHer öesch^ffen zu" können:'-Ditz' Präparate wetdem unter ödr Bezeichnung „KaschMHÄfiräpatüte-c iN^öeik^ HaMell.'^gebracht werden auch in Apotheken und Drogerien erhältlich: sei"-! > . . ' ■ .

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