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Der Israelit · 1931-01-15 · Heft 3 (15.1.1931) · page 16

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 3 (15.1.1931)
Date
1931-01-15
Page
– (sequence 16)
Language
German
Belongs to
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\ Seite 2 Nr. 2 D er Israelit B I ä t t e r 15. Januar 1931 für die unumgänglicheVor a u §1 e tz u n g zu erhalten. Hingegen jpll dieser Rahmen mit des Erfolges, weil -gerade bei Wr Vertre- Neuem Inhalt erfüllt werden. Auch idie Agudoh- Jugend^gänischkion chird'in Zukmrft^hrie Arbeitsweise, und namentlich ihre Erziehungsmethoden ähnlich 'der des Esra und damit iK Geiste der tern der Orthodoxie die nationale Leidenschaft durch das Moment der religiösen Gesinnung, wie sie im Wesen der orthodox-jüdischen Ttadition liegt, wesentlich gemildert wird. (Schluß folgt.) Epilog zum Delegierkevtag der AgudaS'Jisroel-Zugend- Organisation nebst einem Vorschläge zur Ausgestaltung der Weilerarbett. Von Dr. med. Willy Hvfmann in Frankfurt a. M.> Die Delegiertentagung der Agudah-Jugend Deutschlands, die Ende Dezember 1930 in Frankfurt a. M. stattfand, war in mehrfacher Hinsicht gegenüber früheren Veranstaltungen ähnlicher Art interessant. Auch m der Jugend spiegelt sich das Bild der heutigen Zeit getreulich wider Die teilweise recht stürmischen Debatten waren trotzdem^ von äußerster Nüchternheit imfr Sachlichkeit Beträgen. Wir könnten nicht sagen, daß es wgeüd ein Moment auf dieser Tagung gegeben hätte, das uns gefühlsmäßig besonders ergriffen oder erhoben hätte. Die Parole lautete: Sachlichkeit, und vor allem: So wie bisher geht es nicht weiter, es muß anders werden! Genau wie außerhalb unseres Kreises im Leben den Völker, in der Wirtschaft oder in der Politik, ohne daß auf der anderen Seite von den so Sprechenden ein klar umrissenes Programm oder eine energische, zielbewußte Devise ausgegeben wurde. Erfreulich war aber bei all diesem Stürmen und Drängen ein ernster Wille zur.Mitarbeit, der sowohl m den Kommissionssitzungen als auch in so manchen aus der Tagung selbst gehaltenen Reden klar und deutlich zum Ausdruck kam. Was zunächst die Hauptfrage anbelangt, die schon monatelang vorher die Gemüter bewegt hatte, so will uns bedünken, daß sie in befriedigender Weife gelöst wurde. Schon auf dem Bundestage 1927 zu Frankfurt a. M. war in mehreren Referaten das Problem erörtert worden: soll die Agudas Jisroel-Jugendarganisation den Charakter einer festgelegten Organisation behalten, oder soll sie ähnlich dem Esra überwiegend nach der Seite der Jugendbewegung hin ausgestaltet werden? Besonders die Hamburger Gruppe hatte sich im vergangenen Jahre lebhaft dafür eingesetzt, daß man den äußeren Rahmen der Organisation sprengen soll, und einen Antrag eingebracht, der dahin zielte, die bisherige Jugendorganisation in ein Jugend-Dezernat bei der Landesorganisation umzuwandeln. Denselben Zweck verfolgte auch ein Antrag der Frankfurter Gruppe. Der Sinn dieser Anträge ist vor allem auch darin zu suchen, daß die-Jugend ihre finanziellen Sorgen und Röte aust die- Schultern: der Alten abzuwälzen sucht, denn letzten Endes hängt ja wie überall der Erfolg! einer Organisation von dem Mitteln ab, die sie für die Erreichung ihrer Ideale ausgeben kann. Diesen organisatorischen Ballast möchte die Jugend gerne los sein, um sich ganz den Aufgaben ihrer Erziehung, Ausbildung, Pflege der Geselligkeit usw. widmen zu können. Nun ist es sicher richtig, daß die Landesorganifatron in den vergangenen Jahren die Jugendorganisation materiell nicht so unterstützt hat und auch nicht so unterstützen konnte, wie es wünschenswert gewesen wäre. Allein auch eine Jugendorganisation hat schließlich die Pflicht, ihre Mitglieder für das Leben zu erziehen» zumal, wenn ein großer Teil ihrer Mitglieder selbst schon im praktischen Leben steht. Das Leben selbst macht es uns aber nicht immer so bequem, daß wir unsere materiellen Sorgen einfach auf andere abladen können, ganz abgesehen davon, daß ja auch die Jugendorganisation die bestimmte Aufgabe zu erfüllen hat, der großen Agudoh- Organisatton ihre künftigen Mitglieder zu tatkräftigen Mitarbeitern zu erziehen. Die Anträge Hamburgs und Frankfurts wurden abgelehnt, und man beschloß, den Rahmen der Organisation modernen Jügendvewegung äusgestalten. So weit es nötig ist, soll auch zur Gründung von Schülergruppen geschritten werden, wie dies ja in Frankfurt bereits mit Erfolg versucht wurde Man hat es mit voller Absicht vermieden, etwa eine Konkurrenz gegen, bm Esra zu schaffen, oder diesem gar den Kampf änzusagen, im Gegenteil, man hofft, daß. es durch den neuen Kurs der Jnnenarbeit viel mehr als bisher gelingen wird die Esräer auch in die Agudoh hmeinzuziehen Wie auch Jacob Rosenheim in seinem großen Referate bei der öffentlichen Kundgebung, die anläßlich des Delegiertentages stattfand, hervor hob, ist und bleibt der Esra geistig trotz aller organisatorischen Trennung mit der Agudoh und deren Idealen verbunden und zieht mit ihr am gleichen Strang. Auch wir hoben ja kürzlich erst an anderer Stelle, hervor, daß' e-st zwei Wege gibt, wie sich die Jugendorganlsation, vom rein organisatorischen Standpunkte aus gesehen, zum Esra stellen kann. Bedeutsamerweise hat die Delegiertentagung den gewählt, der den Csräern den Eintritt und die Mitarbeit in der Jugendorganisation erleichtern will. Auch die Person des neuen Vorsitzenden, der selbst aus dem Esra hervorgegangen ist, dürfte in dieser Beziehung eine gewisse Gewähr für die Zukunft bieten. Es war durchaus logisch, den Vorort der Or ganisation nach Hamburg zu verlegen. Von der Hamburger Gruppe ging im Laufe des letzten Jahres die sachliche Opposition gegen die alte Leitung aus. Es ist vielleicht auch an dieser Stelle nicht überflüssig, hervorzuheben, daß die Hamburger keine persönliche, sondern lediglich sachliche Opposition getrieben haben. Es war daher nicht mehr als recht und billig, dieser Opposition die Gelegenheit zu geben, ihre Bestrebungen in die Tat umzusetzen, zumal die Hamburger Gruppe anerkanntermaßen auch sonst gut gearbeitet hatte. Der bisherige Organisations-Vorstand hat selbst die Forderung nach einer Verjüngung der Leitung aufgestellt. Die Delegierten-Versammlung ist diesem Wunsche bereitwilligst nachgekommen und hat einen Vorsitzenden gewählt:, der fast 20 Jahre jünger ist als der bisherige. Sie hat ihm außerordentliche Vollmachten erteilt und ihm das Recht zuerkannt, sich seine Mitarbeiterselbst zu wählen, die auswärtigen naturgemäß im Einverständnis mit den betr. Gruppen und Bezirken. Während man bis dahin in der Jugendorganisation die Gepflogenheit hatte, Männer an die Spitze zu stellen, die schon längere Zeit im Lebett' standen und auch schonWer gewisse Erfahrungen, naEntlich auf dem'Gebiete der Organisation, verfügtes hat mast 'dieses Mal wssitgeheüde Rücksicht. astf.die Wünsche der jüngeren Kreise geWmmen. Außerdem' hatte' .sich..auch.Im Laufe der Tagung her.ausgestellt, daß der neue Vorsitzende, der, sich ja..von Merufs wegen mit Erziehungsarbeit zu befassen hat, besonderes Verständnis für die in Frage kommenden Probleme besitzt und auch die Arbeiten der betr. Kommissionen wesentlich gefördert hat. Trägt so, rein äußerlich betrachtet, die Regelung der neuen Leitung den Charakter eines Experimentes, fo ist doch vor allem zu berücksichtigen, -daß die Verlegung des Vorortes an den Sitz der Landesorganisation und das damtt wohl selbstverständliche Zusammenarbeiten mit dieser eiste gewisse Stetigkeit und eine Fortführung der immerhin auch. notwendigen organisatorischen ' Belange verbürgt. / . - Noch ein Wort über das Verhältnis her.Jun^- gen zu den Alten, oder sagen wir besser, den von. der Jugend „so genannten" Alten, wie».es auf' der ganzen Tagung in ungeschminkter Form Mm Ausdruck kattst Unsere Weisen haben die Hebensalter in bestimmte Perioden eingeteilt. Sie sagten: „Mit 20 Jahren zum Zielanstreöen, mit 30 Jahren zur Kraft, mit 40 Jahren zur Einsicht, mit 50 Jahren zum Rat, mit 60 Jahren zum Alter, mit 70 Jahren zum Greisenalter." Unsere heutige Zeit ist bekanntlich schnellebig geworden. Im. Zeitalter des. Flugzeuges und Luftschiffes, des Radios und dös Propellerwagens laufen für unsere Jugend offenbar auch die Lebensprozesse schneller ab. Für unsere jungen Leute von 20 bis 25 Jahren sind Männer von 35-^45 Jahren, die nach der Ansicht der jüdischen Weisen auf der Höhe und in der Vollkraft ihrer Lebensbetätigung stehen, schon senil in. ihren Aufassungen geworden und als abgelebte Greise zu betrachten, ja einer der noch jüngeren Redner - bxauchte im Scherze die Wendung „er komme sich schon selber über Nacht senil geworden vor". Einen so schnellen Alterungsprozeß finden wir allerdings bei Rabbi Eleasar ben Asarjah, ohne daß man etwa behaupten kann, «er fei auch in seinem Denken senil geworden. Es ist klar, daß man — um diese Angelegenheit von der ernsten Seite aufzufassen — mit dem Schlagworte „senil"> das heute von der Jugend ebenso freigebig verteilt wird wie ein anderes „baalebattisch", eine .bestimmte Denkrichtung kennzeichnen und brandmarke:! will, die angeblich für die Forderungen und Wünsche der Jugend kein Verständnis hat. Es ist selbstverständlich heutzutage genau so nötig wie zu allen Zeiten, daß die Jugend stürmt und drängt und die Aelteren vorwärts treibt. Es gäbe ja sonst keine Fortsch-ritte, auch nicht auf dem Wege der Erreichung unserer Ziele. Allein diese notwendige Bewegung der Jugend darf nicht in eine Geringschätzung oder gar in eine Verachtung der Aelteren ausarten. Was heißt denn: baalebattisch? Soll damtt gesagt sein, daß die 'Lebensausfassung eines verheirateten Mannes, der eine Familie gegründet und für diese im schweren Daseinskämpfe um Nahrung zu ringen hat, auf Grund seiner Erfahrungen, die er im Leben machen mußte, sich in vielen Punkten von der eines, jugendlichen Stürmers unterscheidet und notwendigerweise unterscheiden muß? Nun, unsere Weisen waren in dieser Hinsicht anderer Meinung. Sie sagen, der Mensch verdient erst dann die Bezeichnung „Odom", wenn er eine Frau heimgeführt und damtt eben praktisch den ganzen Problemkomplex, der mit einer Famikiengründung und dem Eheleben zusammenhängt, kennen gelernt hast Erst als verheirateter Mann wird der Jude zum Vollmenschen, und gerade weil unsere Weisen so tiefe Kenner aller Seiten des menschlichen Daseins waren, weil sie mit dem feinsten psychologischen- Verständnis in alle Winkel menschlichen Erkennens und Fuhlens vordrangen, gerade darum gaben sie dem Vaal Habajis die Krone des Odom. Es ist u. C. ein verhängnisvoller Fehler, auch unserer^ geetzestreuen Jugend, hier einen Gegensatz zwichen der Auffassüng der Jüngeren und' der durch Lebenserfahrung '' Gereifteren konstrÄerenzu wollen. Das sind fremde Etömente/die ,'äüs. der n i chtj ü d i s ch e n allgemeinen JMendbewegung unserer Zeist in die Köpfe.ustsester Jungen eingedrungen sind, und wir scheuten ün^ nicht, abernur bezüglich dieses einen HunMs von einer Ä s simila tiö n all die' fremde Um-' welt auch bei uns zu sprechen. Trotz alles Gu- :en, das die moderne Jugendbewegung zweifellos auch für uns gebracht hat, muß für uns die Parole lauten: die Alten m i t den Jungen: oder: rage Deinen Vater und er wird esDir'künden, Deine Alten und sie werden es . dir sägen! Auch zum Erziehen gehört ein gewisses Maß Lebens-' erfahrung, und selbst auf die Gefahr HKst daß man auch unsere Anschauung für seni'l oder b aa l eb a ttis ch hält, wagen wir es zu' sagen: Bei uns sollen nicht die Kinder die Eltern, s o n d er n >d i e Elt e r n dl > K'ich-.' der erziehen. ., ^Mnübrigen muß maE doch bei Änep kühlen ‘ ündl.-nüchternen Betrachtung der ganzen moder-! nen^Ehtü-ng in der Jugendbewegung betonen» ' daß frch heute ein endgültiges Urteil noch nicht; ällem> laßt: Nicht W o r te find- - entscheidend,' ' andern Taten. Der springende Punkt ist doch »er, wie sich die jungen Menschen einmal im Leben bei der Meisterung der sich ihnen ent-

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