Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1931)
- Date
- 1931-01-15
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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dfee fandcsopgonifotiön dcp Jlgürfos-Jispocl in Deut fefilaad.?, Jahrgang Hamburgs 15 Januar 1931 / 26; Tebet 9691 Nummer L Lchristleimng: Wölf S. Jacobson in Kamburg. Aus Mein Memorandum der „Agudas Zisroel". Aeberreichk dem Colonial Office in London am 9. Dezember 1930. 1. Wir hatten bereits in früheren Eingaben, die mir an das Colonial Office richteten, Gelegenheit, die Rcstur des Gegensatzes zu definieren, in der sich die Weltorganisation „Agudas Jisroel" als VeHeterisi der orthodoxen Judenheit zur zionistischen Organisation befindet. Während wir die ^Vergänglichkeit und aktuelle Fortdauer des jüdischen Volkstums und die, unzerstörbare Verbindung des jüdischen Volkes mit seinem Lande mit der gleichen Energie bejahen und anerkeNn-en wie der Zionismus, verwerfen wir aus der Tiefe unserer Ueberzeugung die vorn Zionismus vvrgenoMMene Vekweltkichung. des. jüdischen Volkes und Halten die zionistische Maxime, daß Religion Privatsäche sei, fsir einen Verrat cch der westgeWchtlichen Aufgabe des G'ttesvolkes und an der g'ttlichen Offenbarüntz. Palastma ist uns im Smne dek jüM^N Trad.itM eH . heilig e s Laüd, in ÄW sich judMeä Leben und ein nationales jüdisches Heim, nür dann erheben ünd erhalten kann, wenn innerhalb dieses Heimes did Autorität des noch heute lebendigen jüdisch-religiösen Gesetzes restlos anerkannt, wird. . 2. Da die Wiederhexstelluntz der. jüdischen Stadtlichkeit auf den Boden des heiligen Landes von der Thorü und bon den Propheten im Emklaäg mit dem allgemeinen. Äüfschchung der Menschheit zur reinen Sittlichkeit geweissügt und verheißen ist, so erwarten Wik diese.Herstellung nicht von bloßen politischen Konstellationen uNd MÄspülitischeN Maßsiahinen-, Aus diesem Gründe H diein „ÄtzudaS Jiswel", organisierte Orihöboxie nieWl^ in die WbertrÄung ver? fasien, in der Balfour-Erklärung den SchlüM zu der von den Propheten yerheißenen Erlösung zü erblicken, sondern sie begrHt inHeser. DeWratihn — NnbeschädÄt ihrer. Weitreichenden politischen . Bedeutung vch allem. die. praktische Möglichkeit, das Uns heilige r e l i h r ö s e Gebot des W ohü e n s im h e iti ge n L an d e und M ProSukttvierüsigf eines Bodens für WohnzweÄe zum ersten Male -m Lause der jüdischen ExilDgeschichte in größtem Mäßsthbe zu erfüllen. / " ' V. h. Aus den unter 1. und 2, entwickelten theoretischen Grundlage^ der agudlstischen Palästina- Politik ergeben sich für die Praxis folgende Schlußfolgerungen:;;;; i a) „Agudas Jisroel" kann mit der zionistischen Lrganisatiion in brüderlicher Einheit,. Vorgehen, solange es sich darüm handelt, dgs gemeinsame Interesse des jüdischest Volkes an der Einwanderung und Mnsiedlung in Palästina,..sowie an der restlosen Sicherung von Leben und Eigentum im heiligen Lande zu vertreten. , In diesem Sinne erneuern wir die in unserer Erklärüna vom 9. November ausgesprochene Verwahrung gegen Wortlaut untz Geist des Wei'ßbuchkp, dessen ofsenkundigerGegenfätz^ zur .Balfoür?Dekläration durch die Interpretationen der britischen Regierung, vor . dInr. Uttterhause nicht aufgeklärt und nicht aus der WM, geschaffte worden ist. Die agudistische Orgamsatröü ist jedoch geyMgt, dje (ßemejnsaWeit der yyKslWn, «xme NW^Zionisrnusund Agencyahzulehnen; und sHWndig^pMügehM^jBalb Mitziöfe öhM-W tiMMe-MagMVetvgcht kommest. .MWdem bMüWWeMvWe M dM AMWbeMrM M 'KW MsteT.KM stuNdie. FördMyg des wirtschaftlichen Aufönüs und die Vertretung der politischen Interessen des jüdischen Volkes gehört, sondern auch die Finanzierung und Verwaltung des C r z i e h u n g s w eseNS und der Volk sk u l t ü r i m w ei teste njl mfang e, hat sich die in „Agudas Jisroel" organisierte Orthodoxie außerstande gesehen, an der Jewish Agency teilzunehmen, weil nach den Prinzipien des jüdischen Rel'igionsgesetzes eine noch so mittelbare Förderung irreligiöser oder areligiöser Erziehungsinstitutionen religiös verboten ist. Jedenfalls steht-die Tatsache fest, daß infolgedessen „Agudas Jisroel" in der Jewish Agency ihre berufene Vertretung nicht erblicken kann und daß die Mandatarmacht darum u. E. moralisch verpflichtet ist, neben der Jewish Agency „Agudas Jisroel" als Vertreterin des eigentlichen Kernes der an Palästina interessierten geschichtlichen Jüdenheit zu betrachten. Es würde zweifellos dem Sinne und Geiste der Bälfour-ErkläruNg widersprechen, die ja nicht an einzelne Parteien in der Judenheit, sondern an das ganze jüdische Volk gerichtet war, diesem wider Willen die Jewish Agency als alleinige Vertreterin zu oktroyieren. Wir haben, kn abgelaufenen Jahre in der praktischen Politik, die wir in Palästina vielfach gemeinsam mit den zionistischen Instanzen.verfolgten, zur Genüge bewiesen, daß wir gewiß nicht geneigt sind, die Schwierigkeiten der palästinensischen . und. britischen Regierung durch separatistische Tendenzen innerhalb der jüdischen Gemeinschaft selber zu vermehren. Wenn es sich aber jetzt .-darum handelt, die. Grundlage der Palästina-PoNik vielleicht aus Jahrzehnte hinaus neu zu bestimmen, so fühlen wir uns durch unser Gewissen. verpflichtet, unseren Standpunkt, der lediglich den Standpunkt des geschichtlichen Judentums darstellt, mit aller Entschiedenheit selbständig zur Geltung zu bringen. Wir beantragen daher in erster Reihe, unsere Organisation sowohl in London, als in Jerusalem grundsätzlich neben der Jewish Agency zu allen Beratungen zuzuziehen, die von prinzipieller Bedeutung für die Beziehungender Mandatarmacht zu Palästina und züm jüdischsn Volke sind. 4. Aus den DMegüngen zu 2. ergibt sich, daß wir in höchstem Mäße nicht nur an der Q u a n - tität, sondern auch an der Quälität der palästinensischen Einwanderung interessiert sind. Wenn Eure Exzellenz in einem in der Presse wiedergegebenen Interview Ihre besondere Sym^- pathie mit dem.älten Typ des frommen jüdischest Palästinä-Jrstmigranten Ausdruck verliehen habest, so erweckt diese von tiefer Einsicht in das Wesen des tzalästmensischen Problems zeugende Pemerküng ein sympathisches Echo in unserem Herzen. Wir hegen zwar nicht den Wünsch und den Willen, die aus mancherlei Ursachen dem Glauben unserer Väter leider mehr oder minder entftemdeten zionistischen Chaluzim von dem Boden ihrer und unserer Väter fern zu halten; wir würdigen den Idealismus, von dem diese jungen Menschen beseelt sind und hegen die Hoffnung, daß sie ober ihre Kinder dereinst aus dem heiligen Boden tzür Tradition ihrer Väter zurückkehren werden. Aber wir erblicken die schwerstest Gesähren für die^ Zukunft der palästinensisch-jüdischen Siedlung in der B e v o r z ü g u n g dieser religiös-radikalen Elemente und in deni relatives Ausschluß des weiten Kreises der tief religiös gesinnten.jüdischen Jugend, Ke von A. I. vertreten.wird. Wir haben jahrelang vergeblich versucht, Änserer- Orgänisativn und insbesondere üstssrer.. in Poten - bestehenden Arboiterorganisation den. gÄühvenden Einfluß M?MKnWchen/EdrmaH«tungStzmter M erwirken. Wir richten jetzt an Eure Exzellenz den dringenden Appell, bei der Neuorganisation des Einwanderungswesens dafür zu sorgen, daß überall, bei der Bildung Von Einwanderungsämtern Vertreter der A. I. zugezogen' werden müssen, um eine un p art e i ische Handhabung der Verteilung der Zertifikate zu sichern. 5. Wir haben in Ziffer 5 unserer Erklärung vom 9. November bereits dem Gedanken Ausdruck verliehen, daß die in A. I. organisierte Orthodoxie so wie ihr die in der biblischen Ueberlieferung klar zum Ausdruck gebrachte besondere Bruderbeziehung zum arabischen Volke als Bestandteil ihrer religiösen Tradition allezeit gegenwärtig war, so auch jetzt in der aktuellen Tagespolitik die eng st e Z u - sammenarb e it mit dem arabischen Rachb a rvol ke in Palästina als politisches Ideal betrachtet. Die Beziehungen der Orthodoxie zu den arabischen Landesbewohnern waren von jeher die allerbesten und insbesondere auch die religiösen Führer des arabischen Volkes erblickten in den ihre Tradition heilig haltenden frommen Juden 'eine ihnen durchaus sympathische Menschengruppe. Es ist natürlich, daß durch die von gewisienlosen^Hetzern im August 1929 ver- ' ursachten Pogrome, denen Hunderte von jüdischen Seelen, darunter hoffnungsvolle, ganz dem Thorastudium hingegebene Jünglinge zum Opfer fielen, die Beziehungen zwischen dem arabischen Volke und dev: Orthodoxie »stark beeinträchtigt worden sind. Es ist auch klar, daß angesichts dieer Vorkommnisse die Vertreter der A. I. im heiligen Lande im -engsten Einvernehmen mit allen anderen jüdischen Parteien zur Verteidigung ihres Lebens und ihrer Sicherheit sich zusammengeschlosien haben. Aber nichtsdestoweniger sind wir der Ueberzeugung, daß jeder V e r s u ch ei.n e r V ex st and i gun g zw is ch e n d em arabis che nun d dem jüdisch e n V o l k e nur d ann.gelingen kann, wenn in diese Verhandlungen vor allen Dingen d je Vertreter der Orthodoxi.e, die Dertreter der A. I., e i n g e s ch a I tet werden. Nur sie werden imstande sein gegenüber arabischen Repräsentanten diejenigen Töne des gegenseitigen religiösen Verstehens anzuschlagen, die die Voraussetzung für das Zustandekommen einer wirklichen Harmonie ist. Wir beantragen in diesem Sinne bei der Fortsetzung der Versuche, eine Aussprache und Verständigung zwischen dem arabischen und jüdischen Volke herbeizuführen, Vertreter unserer Organisation, neben derjenigen der Jewish Agency bezw. Waad leumi in allen Fällen heranzuziehen. ü. Wir haben 'in Ziffer 6 unserer Erklärung bereits ausgesprochen, daß die organisierte Orthodoxie, ihren Traditionen getreu, jederzeit bereit ist, mit arabischen Vertretern in jeder Form bauend züsammenzuwirken, die die Lebensinteresien des jüdischen Volkes wahrt. Sollte es zur Verwirklichung des von der Regierung ins Auge gefaßten Legislative Council kommen, so setzen wir voraus, daß dabei eben jene elementaren Lebensmteresien des jüdischen Volkes, insbesondere auch das Recht auf Einwanderung und Ansiedlung sowie alles, was zur Austechterhaltüng der Sicherheit dient, im Sinne des Mandates unabhängig von wechselnden parlamentarischen Mehrheiten verfassungsmäßig gewahrt werden. Ist diese Voraussetzung erfüllt, so versprechen wir uns von einem Legislative Council heilsame Wirkungen für die Beziehungen der beiden aüf Zusammenärbest angewiesenen Völker^ die Palästma bewohnen. Wir haktön jedoch auch Der? böi eme ängemeffene Vertretung der Orthodoxie