Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1931)
- Date
- 1931-01-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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15. Januar 1931 Der Israel i t Nr. 3 L>eitc 7 tungen durch'die Ankunft einer Delegation von Warschauer Sofrim. , Sie zeigten' ganze Bündel von Te - f'ill in, in deren Gehäuse sich Nur Pergamentfetzen, mit zerschnittenen G'ttesnamen, befanden. Solche' Tefillin wurden in Warschauer jüdischen Buchhandlungen verkauft und gekauft. Die Fälschungen und Schändungen scheinen aus Galizienzu stammen. Spuren führen nach dem Städtchen Holeschitz, unweit von Belz. Die Rabbiner sprachen sich dahin aus, daß Man beim s Anblick einer solchen Heiligtumsschändung, zumal von jüdischer Hand begangen/ reißen müßte, Es wurde üyter hem Mndrück i»rs Geschehenen einstimmig ein Aufruf /berchlossen und abgefaßt, darin alle Juden gewarnt werden, 'TefWn und sonstige heilige Gegenstände ln Läden oder bei Händlern zu kaufen, die nicht Vertrauen besitzen und rabbimsche Empfehlung nicht aufweisen können. Ein Unglücksfall fordert ein schweres jüdisches '' Opfer. Warschau, 12. Jan. In Jarno b r e z e g , einem Städtchen, wo jährlich hunderte Chassidim zur Jahrzeit ihres Rebben, des nivp zusammenftrömen, fand der bekannte Agudaführer und thoragelehrter Rabbi Meier E ck st e i n aus Rzeszow auf tragische Weise einen raschen Tod. Infolge vün Unvorsichtigkeit schienen in seinem Quartier die Gashähne offen geblirben zu sein, und Rabbi Meier Eckstein starb an Gasvergiftung. Bei der Beerdigung spielten, sich furchtbare Szenen ab. Rabbi Eckstein war seinerzeit von der Aguda als Kandidat für den Sejm ausgestellt. Die polnische Judenheit hat einen ihrer Besten verloren. Er würde aus Beschluß der im Städtchen anwesenden Rebbes ganz in der Nahe des in dem der von ihm verehrte Reb'be schlummerte, zur letzten Ruhe gebettet. rrason tzoUand. Das Budget der Jüdischen Gemeinde Amsterdam für 1931 Amsterdam, 5. Jan. Der Vorstand der aschkenasischen Judengemeinde in Amsterdam hat für das Jahr 1931 ein Budget in der Höhe von 1060 000 Mark ausgestellt. In Hartem bei Amsterdam wurde ein neues Spital der jüdischen Gemeinde eröffnet. Das Spital trägt den Namen. seines Stifters Joles, eines der reichsten und angesehensten Mitglieder der jüdischen Gemeinde Amsterdam. Kundgebung der holtändisäM Oberrahbiner gegen den jüdischen Liberalismus. ... A m ft e r d a m , 8. Jan. < :J :i - - 1 >• . In Amsterdam hat eine Konferenz der OSerrabbiner der holländischen Provinzen stattgefunden. Die Konferenz nahm in scharfer Weise gegen den von ausländischen Kreisen gemachten Bersüch/' die jüdisch-liberale Bewegung nach Holland' zu übertragen/ Stellung. Die Konferenz gab ihrer Meinung dahin Ausdruck, daß das liberale Judentum nicht'auf deni Boden eines positiven Judentums stehe, und sprach die zuversichtliche Erwartung aus, daß 'sich die holländische Judenheit geschlossen von der Bewegung fernhalten werde. - Rumürüen. Scharfe Maßnahmen der rumänischen Regierung gegen chen Antisemitismus. ' ' Bu k a r e st, 7. Jan. Wie jetzt bekannt wird, ist der Beschluß der rumänischen Regierung, die antisemitischen Terrororganisationen „Erzengel Michael" und'„Eiserne Garde" aufzulösen, auf die persönliche' Intervention des rumänischen Königs zurültzuführen. In Ausführung dieses Beschlusses wurde auf Anordnung des' JnüetiWnistMüMs in der Nacht vom 3. auf den 4. Januar im Lokal der „Eisernen Garde" in Bukarest eine Haussuchung durchgeführt, und das Archiv üüd dw gesamte s Korrespondenz beschlagnahmt. Das Lokal würde versiegelt. Im Anschluß daran würden in. den Wohnungen einer Anzahl von Führern der „Eisernen Garde" Haussuchungen vorgenommen und Mehrere Antisemitenfüchter 'Mthäftet. Den Besitzern von Versammlüngslökälen m ^Bukarest wurde verboten, Versammlungen der „Eisernen Äärde^ in'ihren Saleckzuzulässen. Die' Saälberitzer haften DDMWM Whalümß dieses'Verhdh^^md" Mörden EGWtreÄSsfWüÄ Gericht gestelltwerden/ ' ' ' -' 'T)Ä ' Ant^rnchtsminister' hat' andie Schulbehörden die Weisung erteilt, Studenten oder Schüler, die sich an öffentlichen Persammlungen antisemitischer Organisationen beteiligen oder Mitglieder politischer Geheimorganisationen sind, aus den Schulen aUszüschlietzen und dem Gericht ZU übergeben. Gegen die sogenannten „Kulturpropagan^ disten", welche unter dem Vorwand der Bekämpfung der Freimaurerei in den Schulen und unter der Bauernschaft antijüdische Verhetzung treiben, wird in Zukunft mit derselben Strenge wie gegen kommunistische Agitatoren vorgegangen werden^; Generalversammlung der transfylvanischen Orthodoxie. Dej, 11. Jan. Dieser Tage fand hier die Ordentliche Delegiertenversammlung der Transfylvanischen Orthodoxie statt (sie muß nach Statut einmal in 6 Jahren stattsinden). Es galt dieses Mal neben der üblichen Tagesordnung, auch viele Streitigkeiten und Unstimmigkeiten zu schlichten, die soweit gediehen waren, daß im November 30 Vertreter von Großgemeinden in einer Konferenz zu Großwardein die Schaffung einer zweiten orthodoxen Zentralstelle beschlossen hatten. Man darf sagen, daß der Delegiertentag in Dej ersprießliche Friedensarbeit geleistet hat. Er war von 172 Gemeindevertretern besucht und nahm sich für seine Verhandlungen drei Tage Zeit. Die Beratungen und Wahlen führten zu mancher scharfen Auseinandersetzung. Schließlich ging doch aus den Wahlen eine Körperschaft hervor, die auch mit ihren Laienmrtgliedern ausschließlich auf streng orthodoxem Standpunkt und fest zur Sabbatheiligung steht. Nunmehr kamen die Unstimmigkeiten, die zur Großwardeiner Konferenz geführt hatten, zur Sprache. Herr Ö r d e n t l i ch-Dej mahnte in einem eindringlichen Referat zur Erhaltung der Einheit und des Friedens und Machte Vorschläge, dahingehend, daß die Eroßwardeiner Kommission, bei aller Selbstständigkeit in wirtschaftlichen und politischen Fragen, der Zentralkanzlei angegliedert sein soll, welche ihrerseits die Kosten des Apparates aus ihren Mitteln bestreitet. Auf diese Weise ließe sich die zwischen einigen Gemeinden und der Zentralkanzlei gestörte Harmonie wieder Herstellen. Auch wird in Zusammenhang ein Weg gefunden werden, die Schulden der Gemeinden zu tilgen und ihre Institutionen zü erhalten bzw. auszübauen. Aufgabe der Kommifsion wäre die Regelung vieler politischer und sozialer Probleme, wie Abschaffung des Sab batwochcn Marktes, Versorgung der jüdischen Soldaten mit koscher Kost und dergleichen mehr. Die Anträge werden grundsätzlich angenommen. Die letztere Frage war dann Gegenstand einer ausgiebigen Verhandlung, die zur Bildung einer Spezialkomm i f s i o n führte, welche sofort an die Arbeit ging, um das Geld äüfzubringen und sich mit den zuständigen Militärstellen in Verbindung zu setzen. Man hofft, daß dje Regierung' die Menage-Gelder der jüdischen Soldaten in bar oder Materialien zur Verfügung stellt, alles übrige muß von den Gemeinden aufgebracht wefrden. Der B e r i ch t der Z en tr a l k a nz l ei über ihre siebenjährige Tätigkeit liegt den Delegierten im Drucke! vor. Daß manche Anstrengungen nicht zum erwünschten Erfolge geführt haben, liegt an den schwierigen Verhältnissen. In Sachen des Sabbatdispenses für j ü bis che Schüler der Staatsschulen wird ein Antrag der „Machsike Hadaß" angenommen, wonach demnächst eine aus markanten Persönlichkeiten der Orthodoxie in Siebenbürgen zusammengesetzte Abordnung beim König vorstellig werden soll, um eine Abstellung des religiösen Gewissenszwanges in den Schulen zu bewirken. ' * Palästina. Die Wahlen zur Asifath haniwcharim. Jerusalem, 6. Jan. Die am Montag endlich durchgesührten Wahlen zur Asefathhaniwcharim haben, um das Endergebnis vorwegzunehmen, mit einer nicht mehr wegzuleugnenden Deutlichkeit den Beweis erbracht, daß diese sogenannte Delegiertenversammlung Nichts weniger als eine Vertretung der jüdischen Bevölkerung Palästinas darstellt, und daß es der Gipfel der Ungerechtigkeit wäre, wenn die Oeffentlichfeit und die Regierungs-Instanzen diese Körperschaft imh ihren Ausschuß, den Waad leumi, als kompetenten Sprecht des Jifchüw betrachten wollten. In Jerusalem haben sich nur 20 Prozent.der wahlmündigen Gesamtbevölkerung beteiligt und nur 37 Prozeitt Är Mitglieder der Kneses Israel. Im ganzen gingen/ tiotz Agstatioü der Arbeiterpartei und der Revisionisten, 9000 Wähler an die Arne, während, um eine Vergleichsziffer zu nennen, 11000 Juden in Jerusalem ihren Austritt aus der Kneses Israel seinerzeit erklärten. In anderen Städten war die Wahlbeteiligung noch geringer, so z. B. in Tiberias 650 von 3500 Wählern. Eine vernichtende Niederlage hat der M i s r a ch i erlitten/der überhaupt nur 5 Delegierte durchgebracht hat. Wenn die Führer des Misrachi nicht mit Blindheit geschlagen sind, müssen sie endlich einsehen, daß es aussichtslos ist, die Interessen des Thorajudentums innerhalb der Lneses Israel zu vertreten! Auch die „Allgemeinen Zionisten" mit 5 Deputierten, d. h. also die Gemäßigten, spielen keine Rotte mehr. A l l e i n herrsch e n d sind lediglich die 32 Delegierten der Arbeiterpartei und die 15 der Revisionisten! Die Lanoteute in den Kolonien und der .Mittelstand sind den Wahlen demonstrativ ferngeblieben, weil man von vornherein wußte, daß gegen die radikalen Parteien nicht auszukvmmen ist. Aufhebung der Verordnung über die Zwangsfonntagsruhe in Athlit. Jerusalem, 8. Jan. Der High Eommissioner hat der hiesigen A g u d a s Jisroel-Zen träte soeben telephonisch mitgeteilt, daß die Verordnung über die Einführung der Zwangssonntagsruhe in Athlit, gegen die sich sowohl die palstinensische Agudas Jisroel in schriftlichen und mündlichen Vorstellungen, als auch die Exekutive der Agudas Jisroel in persönlichen Vorstellungen beim Colonial Office in London gewandt hatte, soeben ausgehoben worden ist. Man nimmt hier an, daß die Aufhebung der Verordnung auf direkte Weisung des Colonial Office in London an den High Commiffioner erfolgt ist. $Cmeicifa~ Rathan Straus gestorben. N e w y o r k, 12. Jan. Im hohen Alter von 63 Jahren verstarb am Montag, den 11. Januar, in Newyork Nathan Strauß, der große jüdische Philantrop und ' Menschenfreuand. In der amerikanischen Judenheit ist die Trauer um Nathan Strauß groß. Nicht nur in Amerika, sondern in der ganzen Welt hatte der Verstorbene, dessen menschenfreundliches Wirken zur Abwendung von vielem Unglück beitrug, und dessen Kinderschutzanstalten und Anstalten für Milch- Pasteurisierung, in zahlreichen Ländern Tausenden von Kindern das Leben gerettet haben, einen großen Namen. Nathan Strauß wurde im Jahre 1846 in Ottersberg (Rheinpfalz) geboren. 1854 wanderten seine Eltern mit ihm aus Deutschland nach den Vereinigten Staaten aus. Im Jahre 1672 trat er in die Import-Firma seines Vaters L. Strauß u. Sons ein und wurde dann Teilhaber des Newyorker Warenhauses R. H. Mary u. Co., sowie /des Brooklyner Warenhauses Abraham u. Strauß. In der demokratischen Partei Newyorks spielte er von je eine führende Rolle. ' 1898 wurde er Präsident des Newyorker „Board of Health". Von dieser Zeit an begann seine weltumfassende gesundheitliche und philantropische Tätigkeit. Er schuf insbesondere nicht nur in den Vereinigten Staaten, die er 1911 bei dem Berliner Internationalen Kongreß zum Schutze der Kinder und 1912 beim Tuberkulose-Kongreß in Rom vertreten hat, sondern auch in zahlreichen europäischen Ländern Stationen zur Verteilung von pasteurisierter Milch. Nathan Strauß war Ehrenbürger von Newyork. Perloaalien. Halberstadt. 12. Jan. Am 2. Januar bestand die Firma M. Reichenbach, Darmhandlung, Fleischereimaschinen, Geräte und Bedarfsartikel, Halberstadt, Gerberstraße,12 und Sedanstraße 81, vierzg Jahre. Die Firma wurde am 2. Januar 1891 von Herrn Moritz Reichenbach in Q u e d l.i n bürg gegründet. Seit 1906 befindet sich die Firma in Halberstüdt. Alm, 4. SJan. Durch den Heimgang von Moritz Oettin gerader nahezu 77 Jahre alt wurde, hat das religiöse Gemeindeleben eine fühlbare Lücke erfahren. Sowohl, im Wohltätigkeitswie im Wanderarmenverein hat er sich ein ganzes Menschenalter geradezu vorbildlich betätigt. Für ihn war es selbstverständlich, bei jeder Tuharoh zugegen zu sein. Ebenso war ihm Bikkur Cholim eme aufrichtige Herzensangelegenheit. In der Synagoge vermißte man ihn nur, wenn er durch Krankheit zürückgehalten wurüd. Schn ^ausgeprägter Döhltätig^eits» sinN Und feine 'Spenden beim AuftüfLn zur Thora W- •; {