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Der Israelit · 1931-01-15 · Heft 3 (15.1.1931) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 3 (15.1.1931)
Date
1931-01-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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♦ »w *p*~vg,«« 15. Januar: 1931 Dleiben, daß sie wider sich selber wüten. Deutlich sind die /verschiedenen Kräfte zu unterscheiden, die sie gegen ihr -eigenes weltanschauliches Interesse Hetzen: Da ist die Indolenz, die sich nur um das'eigene Seelenheil kümmert; da ist diemisrachistifche Ertatonr; da sind die Schwachmütigleit und die Ahnungslosigkeit,1: tausend er konservativer Ostjuden gegenüber zionistischer Beeinflussung. Und da ist, bis zu einem gewissen Grade, noch eines: Der Gegensatz zwischen Gemeinde- und Uustrittsorthodorie ... Nicht daß etwa von verantwortlicher Seite der Austrittsorthodqrie /irgendwie gegen -die, Bemühungen der Berliner Gemeindeorthodoier gearbeitet worden wäre,— ich wurde, im Gegenteil, von führenden Persönlichkeiten des ^Austritts zu meiner Kandidatur beglückwünscht und -ermuntert. Auch sonst dürfte die Mehrzahl der Aus- " trittler den Kandidaten der konservativen Partei Erfolg gewünscht haben. Aber es kamen doch Fälle von verbissener Feindseligkeit vor, die besser nicht vorgekommen wären. Und umso lebhafter ward ich dadurch der Tatsache inne, datz bei einem Kampfe, wie dem eben verflossenen, gerade die ausgesprochensten Träger der Thoratreue mit ihren, trotz ihrer geringen Zahl beachtenswerten Kräften, ausgeschaltet sind. Ich meine, es wäre Zeit, darüber nachzudenken, wie die beiden Lebensformen der heutigen deutschen Orthodoxie in ein beiden förderliches Verhältnis zueinander gebracht werden könnten, — ein Ziel, das ja auch der Redaktion des absolut austrittlerischen „Israelit" vorschweben mag, wenn sie in der Nachbemerkung zu dem Artikel eines Gemeindenorthodoxen „in der praktischen Politik" „die brüderliche Zusammenarbeit von Gemeindeorthodoxie und selbständiger Orthodoxie u nb e s ch ad e t frei e st en Ideen kämpfe s" für „wünschenswert" erklärt. Es ist ja auch sonnenklar und die eben besprochenen Wahlen zeigen es nur wieder einmal warnend auf, datz gegenseitige völlige Abschlietzung nur zum Untergang beider Formen führen kann. Wenn die Reihen der Gemeindeorthodoren sich immer mehr lichten — einige hundert noch Unentwegte allein werden die Jüdisch teil nicht retten, um so weniger, als ja bekanntlich auch bei Ihnen der Geist des Abfalles nicht immer erfolglos anklopft. Grotzzügige gemeinsame Arbeit in Lehre und Tat Ist erforderlich, um wieder Zeiten allgemeiner jüdischer Thoratreue heraufzuführen: Zeiten, in denen echte Jüdischkeit nicht mehr aus lächerliche Minoritäten beschränkt fein Und Austritt auch für penibelste Jereim nicht mehr in Frage kommen wird. Jüdische Not in Deutschland. Berlin, 7. Jan. Der Vorsitzende der Zentralwohlsahrtsstelle der beut.- föen Juden, Herr Rabb. Dr. V a e ck, sandte ein Rundschreiben an die der Zentralwohlsahrtsstelle angeschlossenen Gemeinden und Organisationen, in welchem u. a. ausgeführt wird. 1. Für die Gesamtheit der jüdischen Wohlfahrts- - pflege mutz gelten: Nicht Abbau, sondern Verstärkung aler Leistungen. Die Sachverständigen dsss Reiches der Länder -und der Gemeinden wie der freien Wohlfahrtspflege/stimmen dann/überein, daß die von den /besten Fachkräften/geleistete Arbeit in allen Gebieten der Fürsorge" zugleich-die zweckyiätzigste. und sparsamste ist. Dies bedeutet, bei voller Würdigung/ des Wertes der ehrenamtlichen Arbeit, datz nirgends' die ausgebildete, hauptberufliche, wohlfahrtspflegerische Kraft entbehrt werden kann. 2. Im gegenwärtigen Zeitpunkt besteht die erhöhte /Notwendigkeit zu genauester Durchordung der Arbeit. Je- Des auch nur teilweise Leerstehen von Anstalten und Heimen mutz zur Prüfung Anlatz geben, ob die Möglichkeit einer Vereinigung und dadurch sparsamerer und besserer Arbeit besteht. Auch vor jeder Neueinrichtung von Anstalten empfehlen wir, diese Fragen, zum Gegenstand von Beratungen der beteiligten Gemeinden und Organisationen mit der Zentralwohlsahrtsstelle zu machen. ... 3. Wir sprechen ganz allgmein die dringende Bitte -aus, in allen schwierigen Fragen mit uns in Verbindung zu treten. Besonders gilt, dies auch für die zweckmätzigste Beteiligung an Sammlungen aller Art, für die Gewährung von Beiträgen an Einrichtungen, Organisationen nisw. ... Wir wenden ucks mit Nachdruck gegen/die Beschaffung von Mitteln durch Wohltätigkeitsfeste.und sonstige festliche Veransta! tungen. Aus ideellen, aber/auch aus materiellen Grunzen müssen solche Veranstaltungen ab- ' gelehnt werdest;' sie widersprechen dem Geiste jeder jüdischen 7-und jeder: neuzeillichen Wohlfahrtspflege, sie bringen in den wenigsten? Fällen einen nennenswerten Ertrag, in' Der Israelit allen Fällen aber schwächen sie den Geist echter Opferbereitschaft. - 4. Im Vordergründe unserer eigenen Arbeit müssen im gegenwärtigen Zeitpunkte stehen: a) die sozialpolittischen Ausgaben, b) alle- Aufgaben der Jugendwohlsahrt, c) die Erhaltung unserer gesundheitsfürsorgerischen Einrichtungen, d) die Sorge für die Arbeit in den Kleingemeinden. Das Rundschreiben schlieht mit den Worten: „Der gegenwärtige Augenblick stellt unserer Gesamtarbeit außerordentliche Aufgaben. Nur durch einmütige Zusammenarbeit aller Beteiligten, nur durch Verstärkung aller Bemühungen können sie erfüllt werden." Sitzung -es Rates des Preußischen Landesverbandes. B e r l i n, 12. Jan. In der gestern stattgehabten Sitzung des Rates wurde beschlossen, den Verbandslag auf den 22. und 23. März einzuberufen. Auf der Tagesordung stehen, abgesehen von den Regularien, die Fragen des Judengesetzes, des Reichsverbandes, der Gründung einer Peufionskasse, ferner Beamtenrecht und Normalstatut für Gemeinden. Selbstverständlich bildete im übrigen die wirtschaftliche Not der jüdischen Gemeinden den Hauptgegenstand der Beratung, ohne datz bestimmte Beschlüsse gefaßt werden konnten. Der Landesverband bittet in allen Fällen, in denen kleine Gemeinden sich auflösen, Synagogen und Synagogengrundstücke nicht zu verkaufen, sondern vorher sich mit dem Landesverband in Verbindung zu sehen. Hinsichtlich des „Büros für Schächtschutz-Angelegenheiten" beschloh der Rat, gemeinsam mit dem Zentralverein in dauernder Fühlung mit dieser Zentralstelle zur Abwehr der schächtgegenerischen Bestrebungen zu bleiben. Dem Berliner Rabbinerseminar wurde eine Ergänzung der Subvention in Höhe von Mk. 7500.—, dem Reichsbund für jüdische Siedlung eine solche von Mk. 3000.— bewilligt Dagegen war man nicht in der Lage, dem Weltverband Schomre Schabbos für das laufende Rechnungsjahr eine Unterstützung zu gewähren. Reichskonferenz des Verbandes ostjüdischer Organisationen in Deutschland. H a n n o o e r, 6. Jan. In der Vormittagssitzung des zweiten Konferenztages, am Montag, den 5. Januar, referierte Dk. Alexander R o f e n f e l d über „Jugendarbeit und Kultur." Dr. Israel Taubes hielt ein Referat: „Die wirtschaftliche Lage und das Genossenschaftswesen." Er wies auf die schwere Wirtschaftskrise in der ganzen Welt hin und beleuchtete besonders' die schwierige Lage des jüdischen Kleinbürgertums in Deutschland. Die Konferenz nahm eine Reihe Resolutionen an, darunter die fylgenden: „Der Verband ostjüdischer Organisationen ist eine überparteiliche jüdisch-nationale (also nicht überparteilich. Red.) Organisation und führt auf dieser Grundlage eine selbständige Gemeindepolitik. Abmachungen mit anderen Parteien oder Gruppierungen sind nur dann zulässig, wenn: die Partei oder Gruppierung den Verband als selbstständigen und gleichberechtigten Verhandlungspartner anerkannt hat und seinen Forderungen zustimmt; wenn eine Abmachung vorher die Zustimmung der Executive gefunden hat. Die Reichskonferenz fordert die Leitung der Verbandes auf, dahin zu wirken, datz Parteien oder Gruppierungen, mit denen Bündnisse abgeschlossen werden^ der Verbandsleitung gegenüber die Verpflichtung übernehmen, im Rahmen der Beschlüsse der Reichskonserenz zu handeln. . Die Reichskonferenz spricht allen im Kampf um die .Gleichberechtigung stehenden Gruppen ihre vollste Sympathie aus und verspricht feierlichst, diesen Kampf mit allen Mitteln zu unterstützen. Die 4. Reichskonferenz sieht als eines der wirksamsten Mittel zur - Linderung der Not die organisierte Selbsthilfe -an undempfiehlt, um dem Verarmungsprozetz entgegenzuarbeiten, die Schaffung jüdischer Darlehenskassen und Kreditgenossenschaften. / Dir Konferenz ersucht die jüdischen Gemeinden, Landesverbände und jüdischen Körperschaften, durch baldigste Zurverfügungstellung von Geldmitteln die Gründung von Darlehens- und Kreditgenossenschaften zu ermöglichen. Die 4. Rerchskonserenz lenkt die Aufmerksamkeit der breiten jüdischen Oeffentlichkeit des Auslandes auf den in Deutschland bei der Ostjudenheit herrschenden Ver- _ Nr. 3 Seite 5 elendungsprozetz, macht darauf aufmerkfcimkeit, daß durch die Auswanderung keine Sanierung, sondern lediglich eine Verschleppung der Not erfolgt ist, und appelliert an die jüdische Oeffentlichkeit im Auslande, ihr die weitestgehende Hilfe angedeihen zu lassen." Zum Präsident der Executive des Verbandes ostjüdischer Organisationen in Deutschland wurde Herr Benzion Fett gewählt. Die Executive wurde ebenfalls gewählt. Bundestag des Zeire Misrachi in Deutschlands Leipzig, 6. Jan. Der 3. Bundestag des Zeire Misrachi für D e u tfchland fand vom 25. bis 23. Dezember 1930 in Leipzig statt. Dr. Jesaja Lerbowitz, Köln behandelte das Thema: „Gesetzestreues Judentum und soziale Verpflichtung." Er kam zu dem Ergebnis, datz Arbeit im Sinne einer radikalen Umgestaltung der sozialen Verhältnisse der jüdischen Gemeinschaft eine Vorbedingung zur Erfüllung der Thora ist. Der erste Schritt auf diesem Wege sei die Rekonstruktion einer autonomen jüdischen Gesellschaft, Mitarbeit am Zionismus. Praktische Fragen erörterten Rudolf Herz, Gehringshof („Gesetzestreue Hachfchara und Thaluzrutharbeit in Deutschland"), und Grete Winter, Köln („Unsere-Verpflichtung zum Gesetz und ihre Begründung"). Besonders an das letzte Refe.at schloß sich eine rege Debatte über Erziehungsfragen an. Besonderes Interesse fand das Rerferat des Bundesvorsitzenden R.-A. Erich Michaelis, Hamburg über „Po itische Probleme des Zeire Misrachi." Hier kam klar zum Ausdruck, datz der Zeire Misrachi milder Richtungder Farbstein und Fischmann im Gesamtmisrachi endgültig gebrochen hat, jener politischen und wirtschaftlichen Methode, die dem Misrachi in Erez Jisroet und im Galuth dadurch, datz sie ihn diktatorisch beherrschte, schwer schädigen, j a fast völlig ruinieren konnte. Das Plenum betonte in dieser Frage seine Einhelligkeit mit dem deutschen Misrachi. Auf dem stark besuchten öffentlichen Begrützungsabend referierte Dr. Oskar Wolfsberg, Berlin über „Thora wa Awoda." Es wurden mit dialektisch-antithetischer Methode die. Ziele des Zeire Misrachi als politischer und als Erziehungsgemeinschaft gekennzeichnet: Soziale Gesinnung im Geiste der Thora, die, in harmonisch zu Tat und Denken erzogenen Menschen zu einer nach den Grundsätzen des praktischen Sozialismus konstruierten Gesellschaft führen soll. Dls Delegierter des Brith Olamith berichtete Skuratowski, Jerusalem über die Lage des Hapoel Hamisrachi in Erez Jisrael. W e i tz b e r g , Hamburg referierte über den Keren T h o r a w a äwoda. Den Tätigkeitsbericht der Zentrale erstatte Richard L a f o w s k i, Hamburg. Die Mitgtiederzahl des Bundes hat sich feit dem letzten Bundestag verdreifacht. Die Ehaluzruth hat im Laufe der letzten Berichtsperiode einen starken Aufschwung genommen. Die Wahl der neuen Zentrale, fiel nach Köln auf Grete Winter und Dr. Jesaja L e i b o w i tz, mit' dem Recht der Kooptation.'^ Teigung des Zentralausschusses des Allgemeinen Rabbinerverbandes. Leipzig, 9. Jan. Am 5. Januar tagte in Leipzig in den Räumen der Leipzig-Loge der Zentralausfchutz des „Allgemeinen Rabbinerverbandes in Deutschland." Nach Begrüßungen und Erstattung des Geschäftsbericht, referierte Gold mann, Leipzig über das Thema: „Spizielaufgaben des Rabbiners und seine Ausbildung für sie". Nach der Debatte fanden die folgenden Thesen Goldmanns Annahme: In der Ausbildung des rabbimschen Nachwuchses sind neben den Hauptgegenständen der Ausbildung als Spezialgebiete Pädagogik, Apologetik und soziale Tätigkeit zu betonen. Dies soll dadurch geschehen, datz an den theologischen Lehranstalten Lehrstühle für diese praktischen Aufgaben errichtet werden, deren. Inhaber aus der rabbinischen Praxis hervogehen sollten. Zur Erlanung der Anstellungsfähigkeit ist es wünschenswert, datz jeder Kandidat ein Jahr lang als Hilfsrabbiner in einer großen oder mittleren Gemeinde arbeitet. Rosenthal, Köln referierte über die „Kalenderreform" und die der Sabbatheiligung drohenden Gefahren, die mit der Einführung eines Blankotages verbunden sind. Die folgende Erklärung wurde beschlossen,

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