Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1931)
- Date
- 1931-01-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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15. Januar 1931 Köoperatipn zum Geigenstan'd einer zwanglosen Besprechung zu machen, ist Ne Aufgabe der in Berlin zufamm-entretenden beiderseckigen. Kommissionen. Wir sind überzeugt, daß die Besprechungen von dem schweren Ernste der gegenwärtigen Lage erfüllt und von dem Bewußtsein getragen sein werden, daß die' religiösen, politischen' und wirtschaftlichen Probleme, die sich für 'jhap bbp an px knüpfen, durch die Ereignisse der beiden letzten Jahve und durch die aktuelle Krise an Gewicht n i ch t per Tor e n, sondern er - h e b l i ch g e w o n n e n h a b e n. Die verzweifelte Lage, in der sich Millionen jüdischer Brüder in. der ganzen Welt befinden, muß ja die Sehnsucht und den f e st e n Willen, nach Erez Jisroel truszuwandern, mit elementar e r G e w a l t von Tag zu Tag steigern, und die Orthodoxie'kann vor dieser Entwicklung, die sich jetzt sogar in Amerika geltend macht, ihr Auge keinen Augenblick verschließen. Sie muß daher aufs ernsteste prüfen, wie sie ihrer Verant-, wortung gerecht wird und welche Möglichkeiten bestehen, unter gewissenhafter Wahrung ihrer absoluten organisatorischen Selbständigkeit und kompromißloser Durchsetzung ihrer religiösen Prinzipien eine praktische Zusammenarbeit mit allen an Erez Jisroel interessierten Kreisen im Jnteresse des jüdischen Volkes möglich ist. Amerika entdeckt neue Beschränkungen. Ein findiger Kopf in der Regierung der amerikanischen Union hat entdeckt, daß sich zur Zeit in den Vereinigten Staaten 400 000 Aus { ä n de r oh ne g ü l t i g e Äufenthaltsb ew illig ung befinden. Ein Viertel dieser Zahl, also 100 000 Menschen zunächst, will der Herr, Staatssekretär für Arbeit und Einwanderung, D o a k, kurzerhand au sw e i s e n l a ss e n. Wenigstens hat er es im Sen a t e auf vielfache Anfragen erklärt und bestätigt. Etappenmäßig nähert sich Nordamerika, das feine Größe und seine Kraft einzig der freien Einwanderung verdankt, der Politik der chines i sch en Mauer, -mit der die Grenzen völlig vorder EinfuhrneuerMenschenkrastgesperrtwerden. Seit einigen Jahren hat Amerika d.as Quote n g e s etz, nach dem die Zahl der jährlichen Einwanderung auf die einzelnen Länder prozentual verteilt wird. Das scheint dem Irnmigratis nsko mite e nicht zu genügen, so hat es jetzt auf Anweisung des Repräsentantenhauses einen neuen Gesetzentwurf ausgearbeitet, die sogenannte Johnsonbill, wonach unter Beibehaltung des Quotensystems die gesamte Ein¬ D e r Israelit Wanderung auf -ein Zehntel der bisherigen Höhe reduziert werden soll. Äber auch damit sind die Wünsche und Gelüste der Einwanderungsgegner noch nicht befriedigt. Die bereits im Lande zwar als friedliche, rechtschaffene, arbeitsame und gewinnbringende, aber ohne genügende Formalitäten lebenden Menschen müssen hinaus! Repräsentantenhaus, Senat und Regierung sind einverstanden. Zunächst Hunderttausend! Hunderttausend Menschenexistenzen müssen vernichtet werden, um einer bürokratischen Verordnung gerecht zu werden. -.Daß diese hunderttausend Menschen fast durchweg Juden sind, wird die Welt nicht erheblich aus dem Gleichgewichte bringen. Als man vor einigen Jahren zwei rialienische Arbeiter in Amerika — wie man sagte, ohne genügenden Jndizienbewelis, gewissermaßen auch nur um dem Wortlaute eines Paragraphen der Rechtsordnung Genüge zu leisten — auf den elektrischen Stuhl brachte, ging mit Recht ein Zittern durch die Welt von Pol zu Pol. 100 000 Menschen—zunächst—, denen es nach unermeßlichen Irrfahrten endlich gelungen ist, irgendwo auf der Erde ein kümmerliches Plätzchen für sich und ihre Kinder an der Sonne zu finden, werden wieder ins Elend hinausgestoßen. Wie viele von ihnen werden zu Grunde gehen unter weit größeren Leiden und Qualen ,als die, welche der elektrische Stuhl bietN? Die Weltpresse beschränkt sich darauf, die Tatsache zu v e r z e i chn e n , ohne besondere Erregung zu zeigen. In einem humanen Amerika von anno dazumal hätte man sich die logische Konsequenz aus der festgestellten Tatsache der^pierhunderttausend „Illegalen" auch anders vorstellen können. Etwa so: Man sehe sich diese „blinden Passagiere" der Menschheit etwas näher an und stelle fest, wie viele von ihnen durch ehrbare fleißige Arbeit sich eine Existenz und dem Lande Segen gebracht Haben. Danach erkenne man, wie ungerecht die einschränkenden Verordnungen sind, die diese wertvollen Elemente nicht ins Land hinein lassen wollten und revidiere sie gründlich. Die Wanderungsbill müßte dann eine Reform an Haupt und Gliedern — im Sinne der Menschlichkeit — erfahren. ' Wer gegen seine innere Natur handelt, begeht ein Verbrechen an sich, das sich früher oder später in irgend einer Form rächt. .Das gilt von Völkern und Ländern genau so, wie von einzelnen Individuen. Arbeitet nicht die amerikanische Union gegen ihre eigene innere Natur, wenn sie, das größte Ernwanderungsbecken der Welt, der „Schmelztiegel der Menschheit", sich gegen den Zufluß neuer frischer Kraft absperrt?! Nr. 3 Seite % Rabbi David Tewele kahenellenbogen Vst in Leningrad. Von Pros. Dr. Isaak Marlon in Hamburg. Wie bereits kurz mckgsteW, ist am 30. Dezember 1930 in Leningrad der bekannte Oberrabbiner David Tewele K a tz e n e l l e n b o g e n im Alter von 81 Jahren verschieden. Mit dem Verstorbenen ist einer der größten Vertreter des Rabbinertums zu Grabe geleitet worden. Er war nicht nur einer der hervorragendsten Talmudisten und angesehensten Rabbiner der Gegenwart, sondern auch ein Mann von hohen, menschlichen Eigenschaften. R. David Tewele Katzenellenbogen wurde 1850 in Tauroggen (Kowno-Gouvernement) geboren, wo sein Vater und Großvater Rabbiner waren. Er stamme aus einer uralten rabbinischen Familie und war der 28. in der ununterbrochenen Reihe der Rabbiner, die bis auf den berühmten Hohen Reb Löw aus Prag zurückgehen. Schon als Kind hat er sich durch seine besonderen Fähigkeiten ausgezeichnet und wurde als pVy bekannt. Als zwölfjähriger Knabe wurde er von Rabbi Israel Salanter gesegnet, der ihm u. a. gesagt hat: „Sie müssen Russisch lernen, denn Sie werden einst Rabbiner in einer großen Stadt sein". Als Sechszehnjähriger stand er im Briefwechsel über talmudische Fragen mit Rabbi David Tewele KatzeneNenbogen lungen zu sämtlichen Wochenabschnitten. In erster Reihe für jüdische Familien und für die reifere jüdische Jugend Es ist das erste de-artige Buch in ungarischer Sprache. Daher füllt es schon in dieser Beziehung eine große Lücke in der ungarisch-jüdischen Literatur aus, und ist es schon von diesem Standpunkte aus arfts allerwärmste zu begrüßen. Um so mehr steigt aber die Anerkennung für das Verdienstliche dieses Werkes, wenn wir die dem umfangreichen Buche vorausgesetzten Empfehlungsschreiben von zwei solchen rabbinischen Autoriräten wie Oberrabbiner Fürst in Wien und Oberräbbiner Fuchs in Großwardein lesen. Da soll nun vor allem sestgestellt werden, daß beide hervorragenden Rabbiner diese Gelegenheit wahrnehmen, un, dem Verfasser, der wegen seiner Treue zu den Prinzipien S. R. Hirschs selbst in dem eigenen Lager nicht überall die Anerkennung findet, die ihm ob seiner mannigfaltigen Verdienste zweifelsohne gebührt, — daß nun beide hervorragende Rabbiner den vorliegenden An-, laß geradezu f r e u d i g st ergreifen, um die auch von den heftigsten Opponenten des Verfassers nicht wegdisputierbaren Verdienste desselben in überaus ehrenden Worten auszusprechen. Auf das neue Buch übergehend, schildert Herr Rabbiner F ü r st '"2 mit ergreifenden Worten die große Gefahr, die aus dem Umstande hervorgehen muß, daß der jüngeren jüdischen Generation in Ungarn, die häufig auch in den orthodoxesten Häusern nur die ungarische Landessprache spricht und versteht, keine geeigneten Bücher zu religiöser Belehrung und Erbauung in ungarischer Spräche zur Verfügung stehen, und die daher aus' den ihr zugänglichen 'n e o l o gen Schriften nur einen Geist der Opposition gSgen die heiligsten Überlieferungen des alten Judentums, in sich aufnehmen muß. Herr Öberrabbiner Fuchs spricht sich in ähnlchem Sinne aus. . . Wir glauben, anstatt jeder weitläufigen Besprechung | dieser bedeutsamen Neuerscheinung, uns auf die Mitteilung üefer knappen Auszüge der beiden Empfehlungsschreiben, die im hebräischen Originale viel eindringlicher und eingehender sind, beschränken zu dürfen. Nur das eine wollen wir noch hervorheben, daß der Verfasser sich in seinen .Ausführungen. wenn sie auch größtenteils durchaus originell in Fassung und Gedankengang sind, auf klassische Autoren der jüdischen Homiletik und Religionsphilosophie stützt, namentlich aber den großen Meister der Neuzeit, S. N. Hirsch W häufig zum Stützpunkte nimmt und zitiert. Und so wünschen auch wir dem schön ausgestatteten, umfangreichen Buche besten Erfolg. .nmnrrnm nmnn Kleines Feuilleton. Lin interessantes Lehmmm-Vondi-Dokumevk. Zu unserem Leitartikel aus Anlatz des hundertsten Geburtstages Rabb. Dr. M. Lehmanns >sr in der jüngsten Nummer stellt uns Herr Rabb. Dr. Josef Unna, Frankfurt (M.) die Kopie einer nsmn nnnn zur Verfügung, die R. Schmuel B o n d i, der, wie man aus dem Akte sieht, selber n".n von den o’Vm bet Zeit besah und zehn Jahre intermistisch und ehrenamtlich die Stelle eines xmai an tn-4>et Mainzer Religionsgesellschaft verwaltet hätte, Rübb. Dr. Lehmann erteilte. Mit diesem Schreiben tritt er-seine Würde-, an den jungen Rabbiner ab. Das in vielfacher Hinsicht interessante »historische Dokument sei hier wörtlich wiedergegeben: - 'n nsnnv nmna riwian ann .p’nnn '-raim by nn t>y» '33n 'n® insi> nt )82i> sa® rna® i"-n n®s nn p ms» i-n» Dar D'poisv o"® niain tik» iixa ran» '\m ’Vxr naiV ">n mr 'mme »nRlin bbob pan® i’>y '28 n'yai D'n'»i>n ay ~mb 0,1 nV’Vi anmjn a’nann bai ns'i>ni pv'2 wm mo’8 nna -sn®' ’jaV nmnV nsrn nya mr> «tvp pp pp nana D2 D'pDism -naVnn D’ nii>isaa 'nvai>i i>p®a^ ii> an m rnwm n' bv rmxa '«nr» »aa aV iivai» niraan -«nv in »asa nisi> nsin nmwn ii» 'nnai wana 'pinai tsa nvraniii my isnVnpT n-a«i iai> pns nma sin® n®«a irni>np 'ia ijm onsai nnini» mVyV snp’® sin 'isni '8n®' ni-on nn nv3an nna ]mw» qsi ,n®8 'n nann p n'8» 'n ann isnia nnm v®a nvinpa® nan i>ai>i naa nsnm nnnn •>*» ®' .a'nns iiavi> n38 '»i nuan rnu '38 p8® nis» Domsan naan nsp® nr ptn Vinn psan ann p «w'nn n2®a oansr p'pn n"as a^yaasa i"L8p apy rn» mpnxai nmna i>na 18anyi8 ns rn» 3"ip i3n3®a a*in i>ii2n msan psan annai ninani nya d-3® n®y insi> nr dj .nanani an8o®»ntn p"pn nns ms a’®a 'n''n vni>npn S"a i>"sr nyaa'^y a'i> rna oomsan ann nn'aa r®ayi 'iai ®'R ]'8® aipaa *a”pi> nnm -no’8 p2va nan ni>8® i>ab ,D’aan ma'aoa ihis -jiaoV »in ’isn n®8 i>"3,n ®'8 wanpa ®' n nn psa nmy oa 'S nsr ii> 'nana p i>s I'i,paa aiv r»i3»i» 'wsn 8i» aV a'®nV unnrya -'n' p'i>yni nninvn lanaiasi n»inpn iinnin nya Hiar niann^i nmna nann pivyi>i n'»»a® annsi» rni*®m n' bv ana .p8 a'3®i am' ma'ns ay iV n®8 i>aa -',rn a®,n nanai, armn B'raVna ydb i~mn ^iV« n-n f3"a na rn» 'U'VXN MAN ja 'X1VV 7pn pyn nixa nir» * * Es sei noch ans einen Fehler hmgewiefen, der dem Autor des Leitartikels in der Eile unterlaufen ist. Selbstverständlich lernte Dr. Lehmann in seinen jungen Jahren bet Rabb. Dr. Hildesheimer Vsr nur in Halberstadt nicht in Berlin, da Dr. H. erst . 1870 nach Berlin an dre Adas Jisroel kam.