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Der Israelit · 1931-01-08 · Heft 2 (8.1.1931) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 2 (8.1.1931)
Date
1931-01-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 2 Der Jsräetii 8. Januar 1931' Kalenderreform, das läßt sich heute schon übersehen, wird es tzch aber nicht mehr, wie man früher annehmest konnte, um die vollständige Neuaufstellung, sondern lediglich um die Festlegung der beweglichen Kirchenfeste, wie Ostern usw. handeln. Die Konferenz wird dabei nur die Aufgabe haben, die Meinungen, die von den Regierungen, den Wirtschaftsgruppen und den interessierten Kreisen geäußert «erden, zu ordnen und auf ihre Eignung hin zu prüfen. Da die endgültige Reform des Gregorianischen Kalenders in letzter Linie aber von den Religionsgemeinschaften abhängt, werden diese aus gefordert werden zu dieser Konferenz Beobachter zu entsenden. Belgien« Schwere ökonomische Süsis der Mischen Bevölkerung Antwerpens. Antwerpen, 30. Dez. Infolge der im Diamantenfach herrschenden schweren Krisis — in diesem Fache sind bekanntlich Tausende Juden als Schleifer, Wäscher u. am. beschäftigt — hat sich die wirtschaftliche Läge der Äntwerpener jüdischen Bevölkerung außerordentlich kritisch gestaltet. Diese Lage wird gekennzeichnet durch die in den letzten Tagen vorgekom-, menen Selbstmorde einiger angesehener Juden, sowie durch die Rückwanderung einiger Hundert aus Osteuropa stammender jüdischer Familien und alleinstehender junger Leute in ihre alten Heimatländer: Zahlreiche jüdisch«! Familien sind auf öffentliche Wohltätigkeit angewiesen Arankreich. Di« Schechiia-Frage im Geineinderat von Paris. Paris, 23. Dez. Der Gemeinderat von Paris hat, sich vor einigen Tagen mit der Frage der Schechita befaßt und seiner Ileberzeugung dahin Ausdruck gegeben, daß vom StastdpUUkt der Humanität gegen die rituelle Schächtung kein Einwand erhoben werden kann. Im offiziellen Organ der Pariser StadtgeMeinde ist ein Artikel aus der Feder des Präsidenten des französischen Tierschutzvereins Dr. Toveau de Eoumelles erschienen, in dem erklärt wird daß sich auf Grund sorgfältiger Untersüchüneng die jüdische Schächtmethode als die h u m a n st e SchlachtUNgS «1 erwiesen hat. Portugal. Marranen gründen eine Iefchiwah in Oporto. Saloniki, 28. Dez. Auf Einladung eines in Amsterdam zu dem Zwecke, den portugiesischen Märranen die Rückkehr zum Judentum zu erleichtern, gebildeten Komitees hat sich Rabbiner Baruch Ben Jacob aus Saloniki nach Oporto begeben, Um die dortigen Marranen mit jüdischer Lehre und jüdischen Gebräuchen vertraut zu machen. In einem an einen Freund in Saloniki gerichteten Brief schreibt Rabbi Ben Jacob: In Oporto, der bedeutensten Stadt im nördlichen Teile Portugals, ist jetzt, zum ersten Mal seit der vor mehr als 400 Jahren erfolgten gewaltsamen Bekehrung der portugiesischen Juden zum Christentum, eine Synagoge im Bau. Es gibt dort eine kleine jüdische Gemeinde von sieben jüdischen Familien aus Polen und 12 Marranen-Familien. Besonders hoffnungsvoll für die Entwicklung der Rückkehrbewegung unter den Marranen muß die vor kurzem erfolgte Gründung einer Iefchiwah in Oporto stimmen, die. unter dem Namen „Rosch Pinah" von sieben marranischen Rabbinatskandidaten ins Leben gerufen wurde. Die Hörer dieser Iefchiwah, die aus von zahlreichen Marranen bevölkerten nordportugiesischen Dörfern stammen,, werden nach Vollendung ihrer Studien in ihre Heimatsorte zurückkehren, um die jüdische Lehre unter den Marranen, die zum Judentum zurückzukehren beabsichtigen, zu verbreiten. erledigte die Versammlung unter dessen Vorsitz aus Grund der Referate des Vizepräsidenten. Dr. Julius Gabor und des Generalsekretärs Dr. Ladislaus Bakonyr die Tagesordnung. Der Jahresbericht des Kanzleipräsidiums wurde zur Kenntnis genommen, die Schlußrech-- nungen und das nächstjährige Budget wurden genehmigt. Es wurde beschlossen, dir staatlichen Subsidien nicht den einzelnen Rtligionsgemeinden, ' sondern den Gemeindedistrikten zur Verfügung zu stellen und sie entsprechenden, der Vertiefung des GlaübenslebeNs und des Religionsunterrichtes dienenden Zwecken züzuführen. Ferner den. Religionsunterricht für Kinder der in Dörferstlebenden jüdischen Bevölkerung dstrch Anstellung von Wanderlehrern und Errichtung von Religiostsunterrichtszesttralen nach Tunlichkeit auszubauen. Die Verfammlung ermächtigte das Präsidium der Ländeskynzlei, beim -Kultusminister im Interesse der durch die. Entziehung her,Maatssuh ventionrn in ihrer Existenz bedrohten jüdischen Volksschulen in der Richtung vorstellig zu werden, daß irrt Rahmen der Durchführung des Spargesetzes der Fortbestand der bedrohten Schulen gesichert werden, fömtfc. Rabbi David Tewle katzenelleriboHen ■ H a m bürg, 6. Jan. 7^,.K«rz' ppr RedstWrnsfchlü^ übermittelte uns Herr-Prof. M a r k o st inHamburg die Kunde vom ' Ableben des Seniors der russischen Rabbiner, Rabbi David K atz «-n-, e Ilfit b o gen in Leningrad (Petersburgs, DieZeituud der Raum reichen für eine entsprechend^ Würdigung 'sticht, mehr aus. Das soll in nächster Nummer nachgeholt werden.. Es sei nur gesagt, daß mit Rabbi Katzenellenbogen eine der markantesten' Gestalten, einer dertätkräftigsten Män-- ner in der Führüng der rüssischen JuVeNh'eitaus denr Leben geschieden ist. Er hatte die Leiden der Uebergangs» zeit, alle Verfolgungen durch die Sowjets über sich ergehen lassen, und blieb auf seinem Posten, um seinen. Brüdern in ihrer materiellen und geistigen Not betzustehest- Ein Stück der jüdischen Geschichte in Rußland wirämrl ihm zu Gvabe getragen. Sein Andenken wird dem Judentum des Ostens zum Segen gereichen, vrr- ' Angarn. Jahresversammlung der nevlogen Distrikts- Präsidenten in Budapest. B u d a p e st, 26. Dez. Die Präsidenten der neologen Gemeindedistrikte sind am 22. Dezember in Budapest zu ihrer Jahresversammlung zusammengetreten. Nach einer Ehrung des Präsidenten der Landeskanzler, Baron Adolf Kohner, |o)eti« Die Aktion zur Reinhaltung der jübfchen Familie. Wilna, 2. Jan. In Auswirkung der vom ,Mhofez Ehajim" gÄeiteten Aktion ist hier ein FraueWrniteä gebildet worden» das großartig arbeitet Und schon mancherlei Erfölge zu verzeichnen Hat.. Cs geht: eine Bewegung: durch die Massen, ein Windzug, der durchaus luftreinigend wirkt. Im orthodoxen Wochenblätt >Das Mort" M ein 'spaltenlanger Aussätz in Hebräischer Sprache vom „Chofez Chajim" veröffentlicht, der nur als. Fortsetzung seiner Reden; anzüsehen ist. Er bespricht zuerst die krisenhaften Züstände, die schwere materielle Nötj in det sich die' Juden allüberall sogar in Amerika befinden. Den Gtünd für diese gütliche Strafe über Israel kann er nur in der Äbnahnie des Thoralernens, in der Erschlaffung . des jüdischen Geistes erblicken. Kennt man aber die Quelle des tlebels, so gibt es kein anderes Heilmittel, als diese Quelle Kl verstopfen. Die -alten Lern-Chewraus für Baale Batttist, Kaufleute und Handwerker müssen wieder aufblühen. Vor allem muß iwr W ä a d Hajeschiwot h, durch dän die großen iittb kleinen Lehranstalten in ZeytzaHrtauen erhalten werden, finanziell und moralisch erstarken. Schulen, Institute und Vereine müssen die bedrohte Jugend für die Thvra Wiedergewinnen. Der „Chofez Chajim" sieht kn der Not der Zeit die U e b e r g a n g s l e i d eit vor d e r G e u l a, die aber nur beschleunigt werden kann durch Werk« der jüdischen Liebe und durch das Bestreben eines Jeden, die Ehre der Thora zu heben. England. Empfang einer Delegation der «Agudas Iisroel" bei Ünterfkaaksfekretär Dr. Shiels iin EolonÄk Likaue«. Beilegung des Konfliktes ln Slabodko. K o w n o, 5. Jan. Endlich fand die Rabbinersrage in Slabodko ihre befriedigende Lösung. Rabbi Josef Susmanowitz, ein anerkannter Gaon, aus Jerusalem stammend, der Schwiegersohn Rabbi Mosche Mordechai Epsteins, wurde in der letzten Gemeindeversammlung mit 614 gegen 375 Stimmen der Gegenpartei zum Rabbiner von Släbodko und zugleich zum Leiter der Iefchiwah gewählt. Man darf hoffen, daß nun der Friede in die Gemeinde einkehrt, zum Segen für die Gemeinde und des altwürdigen Thorazentrum. . Hujjlattö. Der Arbeitsplan von Agro-Joint für 1931. Moskau, 31. Dez. Der Arbeitsplan von Agro-Joint für das Jahr 1931 sieht keine weitere Hilfeleistung für die jüdischen Siedler in den Gebieten von Krioojrog und Cherson vor, weil sich die dortigen Kolonisten bereits ohne fremdü Hilfe behaupten können. Dagegen wird die Arbeit von Agro-Joint in. allen übrigen Gebieten, in denen, sich dies«: Organisation bisher betätigt hat, weiter fortgesetzt werden. Sein besonderes Augenmerk wird Agro-Joint der Kolonisationsarbeit in der Krim zuwenden, wo im Laufe des nächsten Jahres weitere 5000 Juden auf dem Lande angesiedelt werden. ' (Offizielles Communique) London, 30. Dez. Dr. Dnimond S h i e l s, M. P., Ilnterstäatsfekretär^ für die Kolonien, empfing heute Rabö. Pin ch a> K o h n, Präsident der „Agudas Jisroel" Weltorganisation und Mr. H. A. Goodman, Sekretär der pöll-- tischen Exekutive dre Agudo. . Die Deputation legte Dr. Shiels die Anschastungem der Ägudo-Organisätwn in Bezug auf die jüngste EsttrviSlung in Palästina und insbesondereaus diejenige Gegenstände dar, die mit dem unlängst von Seiner Mä-- jestät Regierung veröffentlichten Weißbuch in Verbindung, stehen. In dreser Hinsicht würde Bezug genommen auf den vorgeschlagenen gesetzgebenden Rat/tn Palästina, auf Einwanderungserleichterungen für mittelständische Elemente: und insbesondere für Talmudstudenten, auf das Gemeindegesetz für Palästina und auf die neueste Verordnung: wegen der Zwangssonniagsruhe in best Steinbrüchen von Athlit. Dr. Shiels versprach, den ihm unterbreiteten An» trägen sorgfällige Beachtunß zu schenken. Er betonte seine Freundschaft für die jüdischest Ideale, aber auch' seine Meinung, daß diese Ideale nur durch freundschaftliche Zusammenarbeit unter allen Teilen der palästinensischer Bevölkerung realisiert werden könnten. Die Athlit-Vejrordnung sei nach reichlichen Erwägungen.erlassen worden. Sie soll« in keiner Werse einen Präzendenzfäll darstellen, 'ei vielmehr aus reist ökonomischest Mottven erlassen worden, weil durchdie siebentägige Arbeitswoche die Astsgaben stark vermehrt wurden und das Aüfsichtspersonal 'ieben Tage in der Woche arbeiten mußte, was ferne Ge- 'undheit und Arbeitsfähigkeit beeinttächtigte. Die Sache werd e j ed o ch weiter b eo b achtet wer den und er hege gewiß die größten Sympathien für die religiösen Bedenken, die ihm von der Agudo-Delegation vorgettagen seien. Werzmann über die Vechandlungen zwischen I. A. und englischer Regierung. London, 29. Dez. 'Auf der Jahresversammlung -der englischen Zionisten referierte Dr. Weizmann über die Verhandlungen zwischen den Vertretern der Jewish Agency und der englischen Regierung: Wenn auch über die Einzelheiten dieser Verhandlungen vorläufig noch nichts Genaues mitgeteilt werden könne, fei doch begründete Hofft nung vorhanden, daß „die Jewish Agency auf Grund der Resultate dieser Verhandlungen in die Lage verletzt werden wird, ihre Arbeit in Palästina frei von den 'chweren Hindernissen, die ihr bisher im Wege standen und die den Ausbau des Jüdischen Nationalheims bisher behindert haben, fortzusetzen." Die zionistische Arbeit, die von freiwilligen Zuwendungen abhängig ist, werde durch die gegenwärtige Wirtschaftskrise, deren Ende nicht., abzusehen ist, äußerst erschwert. Jeder Jude müssä ich klar machen, daß sein Beitrag für den Aufbau; des Jüdischen Nationalheims einen Pflichtposten an der Spitze, 'erstes persönlichen Budgets bilden muß. Die politische Bewegung und ihre Erfolge, würden zunichte; werden, wenn wir die ökonomischen und finmyrellen Mittel zur Ausführung unserer Arbeit nicht aufbringen sollten^ m

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