Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1931)
- Date
- 1931-01-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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8. Januar 1931 D er Is ra el it Nr. 2 Seite 5 Korrespondenzen « nacbricbten. Deutsches Reich. »eichskoaferenz des Verbandes oWdlscher!- Orgamsationea iü Deutschland. Hannover, 4. Jan. In Anwesenheit von 57 Delegierten aus allen Teilen -es deutschen Reiches und einer großen Gästeschar begann am Sonntag,. den 4. Januar, in Hannover die Tagung!der 4. R e i ch s k o-n s e r e n.z des Verbände s o st jü d ischer O r g anis at io n e n inD eu t schland. Namens des Präsidiums der Rejchserecutive des Verbandes begrüßte Herr H a a r p u d e r die Delegierten und dir Gäste. Es folgten Begrüßungsansprachen nnd Vorlesung mehrerer Begrüßungstelegramme auswärtiger Organisationen. Nach Wahl des Präsidiums erstatte Herr Fett, Mitglied des Präsidiums der Erecutioe des Verbandes vstjüdischer Organisationen/ den Rechenschaftsbericht für das .verflossene Geschäftsjahr. Auch in diesem.Jahr hat der Verband Gelegenheit gehabt, ZU beweisen, daß das Ostjudentum einen nicht zu unterschätzenden Kultursaktor im jüdischen Leben in Deutschland darstellt. Der Verband hat auch an Amfang zügenommen. Die Berliner Gruppe, die vor einem Jahre 22 Vereine zählte, zählt heute deren .35. Der Gruppenverband Südwestdeutschland zählt heute .26 Vereine. In dem Grupp env erb and Rheinland-Westfalen find etwa 90 Proz. der Ostjuden des Rheinlandes organisiert. Trotz Wirtschaftsnot -weist der Etat der Ortsgruppen zusammengenommendie stattliche Summe von Ä00 000 Mark auf. Diese Gelder wurden zum. Teil für soziale, zum Teil für humanitäre, kulturelle und religiöse Zwecke verwendet. Ick vergangenen Jahre hat sich der Verband auch näher mit der Fräge einer Organisation in den westlichen Ländern aüseinandergesetzt. Im März findet eine Tagung von Vertretern dieser Länder statt. Auch, an jüdischen wissenschaftlichen Institutionen hat der Verband mitgearbeitet. Einer: der wichtigsten Programmpunkte des Verbandes ist sein Kampf um die G l e i ch b e r e ch i i g u n g innerhalb d er jüdischen Gemeinden in Deutschland. Dieser Kampf wird so lange weiter gehen, bis die . theoretische Anerkennung der Forderung nach Gleichbe- -rechtigung auch seitens eines großen Teiles der Liberalen sich in -allen Gemeinden praktisch - ausgewirkt hat. Daß die jüdischen Gemeinden von der Mitarbeit der Ostjuden nur profitieren können, ist eine anerkannte Tatsache; das Ostjudentum ist ein belebendes Element in der Gemeinde. _ Die Nüchmittagssitzung des Sonntag war der Haupt- -crussprache üb«! die aktuelle Probleme!,des/Verbandes gs- " -widme!. Äck:/Abend fand eine große öffentliche! Kund-. gebung stäÜ,M der.-die! Herren! Benzipn ft e tt, /Dt. I. I, Ta übes ,!s^r a ko wtzky, /Dr./ Koretz; Wchld- . mann und | ^lstar E o l d r eich ÄnMüchen /hielten! Vorn iReformrealgymnafrÜM 'IachM'. Köln, 6. Jan. Zu Ostern 1931 eröffnet die Jawne die erste Ober- ' . Prima.. Du.die Oberstufe des Reformrealgymnasiums ins- - besonders auch im Dienste der neuest Vorbildung jüdischer. Volksschullehier und Lehrerinnen steht/macht die Leitung Lder Anstalt darauf aufmerksam, daß Anmeldungen für die Obersekunde zum April 1931 stauch von Auswärtigen) umgehend an den Direktor (St. Apernstr. 29—31 zu richten sind. Gefamtausfchutz der Ostjuden. -;i: Nürnberg, 5. Jan. In ihrer Nummer 1 vom 1. ^Januar berichten Sie . ub^r die Generalversammlung des hiesigen G e s a miau ^schusses der OstjüdeN./Am nicht .ein' MWes Bjild von 'der Einstellung undj'lSruppierung dekWen eüistehen züi! lassen, muß sestgestellt werden, daß ^^ich ^/bei. der neugegründeten „Demokratischen Fraktionstf.nicht!. etwa um eine liberale Vereinigung''handelt, watz schon daraus hervorgeht, daß dieselbe (Punkt 2 des Programms) . „Förderung der Talmud-Thora-Schule" verlangt Die Woche. Berlin. Die Jüdische Volkspartei hat mit Schreiben unter hem 5. Januar 1931 ihren Vertreter aus dem Bömitee der zwischenparteilichen Besprechungen zurückgezogen. Zürich. Das „Israelitische Wochenblatt für die Schweiz"/feiert sein 30jähriges Bestehen mit einer gehaltvollen Festunmmer. Wien. Die österreichische Völkerbundliga bereitet anläßlich des bevorstehenden Jubiläums des zehnjährigen Bestandes des Völkerbundes eine Adresse vor, an der sich auch die jüdische Völkerbundliga Oesterreichs, die Wiener Israelitische Kultusgemeinde und die „Union deutsch-österreichischer Juden", deren Präsident Dr. I. Ornstein ist, beteiligen. Antwerpen. Bei Anwesenheit des Gouverneurs von Belgisch-Kongo, Colonel H e n e n, wurde in Elisabethville (Belgisch-Kongo) eine große Synagoge eingeweiht. — Im Alter " von 46 Jahren verstarb plötzlich der Präsident der orthodoxen Jüdischen Gemeinde von Brüssel, Josef Zimmermann, einer der Führer, der belgischen/Juden. -Luxemburg. In Luxemburg, wo ca. 300 jüdische Familien wohnen, darunter 100 aus dem Osten, ist durch die letzteren ein „Bet Am Jwri" errichtet und feierlich eingeweiht worden. London. Die Verhandlungen zwischen der Regierung und . den Vertretern d er I. A. werden am 7. Januar wieder ausgenommen. Lemberg. Im Städtchen. Horodenka verunglückten , am Donnerstag infolge einer Kesselexplosion in her Mikwah 2 5 jüdische Frauen, von denen 8 sofort tot waren. Von den anderen sind einige lebensgefährlich verletzt. Bukarest. Vor einigen Tagen hat der 17jährige Gymnasialschüler Dumitrescu ein Attentat gegen den Chefredakteur des „Adeverül", Emanuel So cor, verübt, indem er zwei Revolverschüsse auf ihn abgab. Es stellte .sich heraus,, daß Dumitrescu vom Sohne des Antifemitenführers Cuza zu dem Attentat angestiftet und ausgerüstet worden war. Socor, einer der freiheitlichsten Schriftsteller Rumäniens, kein Jude, tritt für das Recht der Juden ein. Jerusalem. 20 Araber aus Hebron, die sich nach dem Gemetzel vom August 1929 nach Aegypten geflüchtet haben, wurden auf Beschluß der ägyptschen Regierung an P a - löst in a aus geliefert. Die arabische Presse in Aegypten erhebt Protest mit der Angabe, es handele sich um politische Verbrecher. — Vom Berufungsgericht in Haifa wurde der umstrittene Boden bei der Kolonie E h e d e r a, 7500 Dunam, definitv den jüdischen Kolonisten zugesprochen. — Die jüdischen Gewerkschaften in Palästina begehen ihr lOjähriges. Jubiläum. Die Arbeiter-GewerkfchaftenMürden Ende Dezember 1920 auf einer KonfeptzrH in Haifa ins Leben gerufen. — Das ZeWülkomitee der „Union fepbardischer Juden" hat in einer Resolution den Waad Leumi. aufgefordert, den Termin der Wahlen! zur. jüdischen! Nationalversammlung für Palästina! (Ässefath, Haniwcharim) neuerlich . / zu verschieben, da es den fephardifchen / Juden! mcht möglich sei, zur Wahl zu gehen, ' : solange - nicht! die Wahlordnung in einigen '.-. Punkten ähren Wünschen entsprechend abgecin- //'dert ski./k-77- Miei die ITA. zu berichten weiß,! i hat ötf ExekMve der Jew ifth Agency mit : ' Rücksicht auf ^die schwere Finanzlage beschlossen, keine neuen Einwänderungszertifikate für Chaluzim auszugeben. Newyork. Im Alter von 83 Jahren verstarb hier der Gründer der Alliancen-Schulen im Orient, Nissim Behar. Der Name Behärs, er stammt aus Jerusalem, war in früheren. Jahren viel genannt. Seit 30 Jahren war er im Aufträge der A. I. U. in <21 m e r i f a ' tätig. — Im Alter von 48 Jahren verstarb hier der Herausgeber/der „Jewish Tribüne" und Vorsitzende der Exekutive der „Associated Preß Industries of America", David N. M o s e s s o n. In einem Beileidstelegramm rühmt Präsident Hoover die Leistungen des Verstorbenen im Dienste der jüdischen Kultur und seinen Kamps für die Verwirklichung hoher ethischer Ideale. Warschau. Die polnische Telegraphenagentur erklärt, daß die Nachricht " (auch voy uns gebrächt), wonach Polen die Afrikakolonie Angola von Portugal ange- - kauft hätte, um dort u. a. auch Juden anzufyk siedeln, aus der Lust gegriffen sei. »b h-mpt,Schlich <mj Jnittattve einer Anzahl dem Mmjan „Ahawas Scholaum" .angehörender Mitglieder, gegründet wurde. Etz ist daher auch voUjtändig abwegig, einen Gegensatz zwischen dev „Demokratischen Fraktion" und" der sog. „orthodören' Verbindung" in religiöser Beziehung zu konstruieren, zumal letztere das gleiche liberale Mitglied gewählt hat, das auch der „Demokratischen Fraktion" angehört. Neben Forderungen rein lokaler Art, will die „Demokratische Fraktion" ein Gegengewicht schaffen gegen die von einigen Zionisten beliebte Betonung des national-jüdischen Charakters, was schließlich eine Verschmelzung mit der „jüdischen Volkspartei" bezwecken soll, sowie gegen unerwünschte Einmischung Unberufener in Belange rein vstjüdischer Natur. Ebenso entsprichst es nicht den Tatsachen, daß sich das Minjan „Achi-Eser" und die „Ostjüdische Jugendgemeinschast" gegen die „Demokratische Fraktion" verbündet hatten, da diese offiziell keinerlei Stellung zu den Wahlen genommen haben. Drohendes Schächtverbot in Bremen. Stenten, 5. Jan. Das Stadtparkäment von Bremen, die Gesetzgebende Körperschaft des /Staates Bremen, bereitet ein Schächtverbot vor. Ei r nationalsozialistischer Abgeordneter hatte angefragt, wann es nun endlich eingeführt würde, und zur Verwunderung Aller hat der sozialdemokratische Sachreferent hieraus erwidert, daß bald ein Bericht der Deputation erscheinen wird, der die Aufhebung des Schächtens -empfiehlt. Da auch di: nichtantifemitifche sozialdemokratische Partei anscheinend für das Schächtverbot stimmen wird und in diesem Parlament zur Zeit die antisemitischen Hktlerianer und Deutschnationalen die stärkste Gruppe sind, ist zu befürchten, baß die Vorlage zum Schächtverbot angenommen wird. Dies wirkt auf weiteste Kreise umso befremdlicher, als von einem Schächtverbot ja picht allein die lokale jüdische Gemeinde, sondern vor allem auch die Versorgung der. Schisse des Norddeutschen Lloyd mit Koscher-Fleisch, also das reisende jüdische Publikum Amerikas, sehr schwer betroffen sein würde. In hiesigen Kreisen hält man es für im höchsten Grade verwunderlich, daß eine auf den Fremdenverkehr angewiesene Hafenstadt wie Bremen sich durch völkische Hetzer dazu verleiten läßt, em wichtiges Neisepublikum von der Berührung mit ihr auszuschalten. Veltkonferenz der agudistischen Jugend in Danzig. Danzig, 30. Dez. In diesen Tagen fand in Danzig eine Weltkonferenz der agudistischen Jugend (Zerre Agudas Jisroel) statt. Die Delegierten I. Eisenberg und M. Krongrad berichteten über die Bewegung in Polen, wo 300 agudistische Jugendgruppen bestehen, die sich aus religiös-kulturellem Gebiete intensiv betätigen. Warschau besteht ein Seminar für „Melamdim" zur Ausbildung gualifizierter Lehrkräfte für religiöse Elementarschulen. Lewenstein berichtete über die , Bewegung in der Schweiz, Rabbinet Vredenburg über Holland, Wnß über die Tschechoslowakei, ferner: wurden Berichte über Deutschland, Palästina, Amerika, Belgiens Skandinavien und Litauen erstattet. Nach' einer sehr angeregten Diskussion wurden Beschlüsse, über Verstärkung des religiös-kultuxellen Geistes unter der Agudah-Jugend in-Europa und Amerika, über einen Redneraustausch zwischen Ost- und' Westeuropa usw. gefaßt. Sitz der Leitung des Weltverbandes bleibt Zürich. Beschlossen wurde ferner die Einberufung einer' Welt- Mgendkonferenz aller der Agudas Jisroel nahestehenden Jugendgruppen. In die Leitung des Verbandes wurden gewählt: Lewenstein-Schweiz (Vorsitzender), Krongrad- Polen, Blau-Palästina, Gordon-Amerila, Rabb.. Vredenburg-Holland, Fisch-Rumänien, Goodman-Englanb'/.^riedmann-Belgien, Kahan-Dänemark, Ascher-Litauen, Hadgkow-Lettland, Bondi-Oesterreich, Miß-Tschechoslowakei. °° Schweiz. Oktober 1931 Kalenderreform-Konferenz. G e n f, 29. Dez. Der Zeitpunkt für - die Einberufung der Konferenz zur Reform des Gregorianischen Kalenders ist nunmehr auf deä Oktober/ 1931 festgelegt worden. Rach einem Bericht des Verkehrsausschusses des Völkerbundes werden die- Vorarbeiten, die .von den verschiedenen Nationalausschüssen über die Kalenderresorm unternommen werden, im März 1931 beendet sein. Bei der künftigen