Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1931-01-01 · Heft 1 (1.1.1931) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 1 (1.1.1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2450652-2450653--77533-2535170
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 6 Nr. 1 Der Israel tt ' •' - 1. Januari93l ' nahmebestimmungen. zu Gunsten der Juden und Mohammedaner in zweiter Lesung vom Parlament angenommen worden. *•• Das Gesetz hat nun, abgesehen von seiner allgemeinen Bedeutung für den Schutz der religiösen Gewissensfreiheit, im Falle seiner Annahme> auchim Hinblick aus die i n n e r j ü d i s ch e n Verhältnisse in England eine weitreichende Konsequenz. Bisher kannte die englische Verwältungspraris, ohne daß eine ausdrückliche gesetzliche Regelung nach dieser Richtung vorlag, als offizielle Vertretung der Judenheit Grotzbritaniens, ja sogar des ganzen Imperiums, lediglich den Chief-Rabbi. So war denn auch bei der Neuregelung des Schechitowesens vom Gesetzgeber in Aussicht genommen, daß als behördlich zugelassene Schochtim nur diejenigen zu gelten haben würden, die vom Chief-Rabbi eine Autorisation zur Ausübung ihres- Berufes erlangten. Dank der energischen Arbeit des Heimgegangenen Rabbi Dr. V. Schönfeld s. As^/ der in dieser Verleihung eines neuen Monopols an den Chief-Rabbi mit Recht eine ungeheure Gefahr für das religiöse Judentum in England erblickte, ist es nun gelungen, bei dieser Gelegenheit endlich einmal die ses Monopol des Chief-Rabbi zu brechen. Es wurde eine Vereinbarung dahin getroffen, datz nicht der Chief-Rabbi und sein Besdin allein, sondern eine Kommission, bestehend aus diesen beiden Instanzen, daneben aber auch von zwei Vertretern der ostjüdischen Fed ration of Synagogues, eines Vertreters der sp an i schpo tu gie fischen Gemeinde und eines Vertreters der Ad atz Jisroel bezw. des Verbandes orthodoxer Gemeinden zuständig sein soll für die Autorisation« der Schochtim. Jede Gruppe, kann die Autorisation der von ihr vorgeschlagenen Schochstim fordern. Zwar sind mit dieser Regelung die ostjüdischen Rabbonim, der einzelnen Gemeinden sowohl in London, als in dev Provinz ebenfalls unzufrieden, weit sie auf dem Standpunkt stehen, datz die Ueberwachung des Schächtwesens und die Erteilung der Kabolo an die Schochtim den lokalen Rabbinaten nicht aus der Hand genommen werden darf. Allein es darf doch nicht verkannt werden, datz es sich in dem vorliegenden Fall vor allen Dingen darum handelt, den Anfechtungen gegen die Schechita die. Spitze abzubrechen. Zu diesem Zwecke war es nötig, -dem Gesetzgeber die Beruhigung zu geben, datz eine Vertrauen verdiieneudo Zentralbehörde die Garantie für die fachliche und religiöse Eignung der Schächtbeamten übernehme. Unter diesen Umständen wird es vor allen Dingen Aufgabe der ostjüdischen Rabbinen sein, dafür zu sorgen, datz die „Federation ok 8ynagogue8" möglichst gestärkt und ausgebaut wird, damit ihre rabbinischen Vertreter alsdann innerhalb der neuen Kommission neben dem Vertreter der A d a tz Jisroel das Schwergewicht ihres Wortes und ihres Ansehens für die religiösen Interessen in die Wagschale werfen. Zwar werden diese religiösen Interessen auch unter dem heutigen Chief-Rabbi und seinem Besdin keineswegs gefährdet sein, aber richtig ist, daß kein Mensch heute wissen kann, wie der Nachfolger des Chief-Rabbi Dr. Hertz dereinst aussehen wird. Weitere Entwicklungen nach links sind beim englischen Oberrabbinat durchaus im Bereiche des Möglichen. Aus diesem Grunde scheint die neue Regelung in der Tat als eine im Interesse des orthodoxen Judentums Iiegende Errungenschaft betrachtet werden zu können. Spanien. Die erste öffentlich-rechtliche Synagogengemeinde in Spanien. Madrid, 21. Dez. Zum ersten Male seit 1492, dem Zeitpunkt der Vertreibung der Juden aus Spanien, konnte sich in Madrid öffentlich eine jüdische Gemeinde zum Gebet in einem jüdischen G'tteshause, das als solches anerkannt Ist, versammeln. Ein Kreis von etwa 30 Männern hat mit Genehmigung der Negierung die erste spanische Synagogengemeinde gegründet. Die Feierlichkeit selbst spielte sich in schlichtem Rahmen ab. Anwesend war auch ein Vertreter der Madrider Polizeibehörde. Der französische Bankier Bauer, der als finnischer Generalkonsul fungiert, und dessen Familienmitglieder in nahen, persönlichen Beziehungen zu König Alfons von Spanien stehen (die Tochter von Bankier Bauer gehört zur Suite der Kö-' nigin), wurde zum Präsidenten der Gemeinde gewählt Seinen Interventionen beim König ist es vor allem gu danken, wenn jetzt nach langen Bemühungen die jüdische Gemeinde anerkannt worden ist, und er war es auch, her eiy.en WWHWWM nEAWeE^ entA^^iWU; Willen der kirchlichen Behörden —^auf Sem: Zwstfriem von Sevilla ^sn Hetz» furMhische AeKber 'Reservierte wuiM, Bankier--Bauer Hät auch die «^nanziellen LckstÄ^W aus der Unterhaltung der ^Synagoge entstehen, übernommen.^ . 's, :■.’'][[■ ... -y - f | l Ngch der Gründungsfeier wurde ein Protokoll hnd ein vorläufiges Gemeindestatut durch den anwesenden Polrzeiosfizier verlesen und unterzeichnet. Der von einem Gemeindemitglied gestellte Antrag auf Anstellung eines Kültusbeamten wurde aus'Mangel an finanziellen Miteln abgelehnt^ -—Das Gebäude, in dem sich .die Synagoge befindet, liegt im Zentrum der Stadt. Das Bethaüs selbst trägt sephardische Prägung, in einem Nebenraum ist eine kleine Bibliothek und eine Sammlung von Kultgeräten, aus Prioatbefitz und staatlichen Museen stammend, untergebracht worden. Palästina. Brich Schalom Mid die Wahlen zur Jüdischen Nationalversammlung. Jerusalem, 21. Dez. Kläglich der am 15. Jan. stattsindenden Wahlen zur jüdischen -Nationalversammlung Palästinas (Afsefath Haniwcharim) hat die Vereinigung „Brith Schaloni" sämtlichen Kandidaten .einen .Fragebogen unterbreitet, dessen Beantwortung die Einstellung jedes der Kandidaten zum Problem der jüdisch-arabischen Verständigung ersichtlich machen soll. Der Bogen enthält auch die Frage, ob der Kandidat geeignet sei, der Afsefath.Haniwchyrim die Ausarbeitung eines detaillierten Programms für die gegenüber den Arabern zu befolgende Politik Vorschlägen, und den Gedanken eines auf konstitutioneller Basis zu: errichtenden binätionylen jüdisch-arabischen Staates in Palästina, in dem Juden und Araber ohne Rücksicht auf Volkszahl, die gleiche Rechte haben sollen, zu akzeptieren. Systematischer Lanvfriedensbruch durch Araber in Palästina. J e r u s a l e m , 24. Dez. In letzter Zeit häufen sich Fälle von Besitzzerstörung und Landfriedensbruch durch Araber auf jüdischem Grund und Boden in Palästina. In verschiedenen Teilen des Landes ist es dadurch, datz Araber versuchten, jüdische Bauern an der Arbeit zu hindern, oder selbst jüdischen Boden in Bearbeitung zu nehmen, vielfach zu Zusammenstößen zwischen Juden und Arabern gekommen. Bisher sind folgende derartige Fälle bekannt geworden: In Kfar Jehoschua, auf einem Bodenkompler in der Nähe von Nahallal, der der American Zion Commonwealth gehört, versuchten zehn Beduinen jüdische Siedler daran zu hindern, die Aecker umzupflügen. In der Nähe von Gan Schmuel im Distrikt Chedera wollten Araber aus einem zirkafsifchen Dorf der PICA gehörige Parzellen in Bearbeitung nehmen. In Herzliah, Distrikt Tel Aviv, weigerte sich eine arabische Familie, in jüdischem Eigens tum befindlichen Boden zu räumen. Auf dem Jnfiatgebiet bei Chedera, das auf Grund gerichtlicher Entscheidung den Juden zugesprochen worden ist, haben vier Araber ein Grundstück im Ausmaß von 35 Dunam besät. Die angegriffenen Juden haben in allen Fällen Widerstand geleistet, es kam..zu tätlichen Auseinandersetzungen und Steinbombardements. Die Polizei war genötigt, in einigen Fällen Verhaftungen vorzunehmen. Obwohl diese Zusammenstöße keineswegs ernsten Charakter trugen, müssen sie doch wegen ihrer Häufung Bedenken erregen. In maßgebenden jüdischen Kreisen neigt man der Ansicht'zu, datz es sich hier um planmäßige,! zu dem Zwecke, die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Problem des Bodenmangels zu lenken, unter dem di^ Araber angeblich zu leiden haben, hervorgerufene Unruhen handelt. Inzwischen haben die Araber gegen die für die Juden günstige Gerichtsentscheidung über das Jnfiatland bei Chedera Berufung eingelegt. Im Hinblick auf diese Berufung hat die Polizei von Chedera die Fortsetzung der von den Juden auf den Fiatböden begonnenen landwirtschaftlichen Arbeiten untersagt. Dagegen legt sie merkwürdigerweise der Fortführung der von den Arabern begonnenen Arbeiten keinerlei Hindernisse in den Wegs. (J.-T. A.) twnskommitees (Emigdirect), - Dr.- K rein i m, "Sutzdrt MniMhar her .Weife vor Vertretern der Hteff? über' tzfe. gegenwärtige Lgge uyd .die Mussichten der jüdMen Emigrationsbewegung: . 1| V '' ■ " deiB länget BW deiMm Juden „verschlossenen" Länder sind in diesem Jahre Kanada und Südafrika hinzugekommen. Den „überschüssigen" Juden Europas, stehen nunmehr nur noch die unbesiedelten..und, zum. .KeÄe noch unkultivierten Gebiete Südamerikas offen. IM Vorjahre haben wir 15 000 Juden, die aus den übervölkerten Gebieten Rußlands, Polens, Litauens und anderer osteuropäischer Länder, äüswyndern mutzten, ..nach Südamerika gebracht. Aus Polen .wandern jährlich 20.000 JÜden. aus, da dieses Land nicht einmal .für die Stammesbeoölkerung, geschweige denn für die. Juden, genügend Raum, bietet. Was soll also aus den dortigen Juden werden? Während die Notwendigkeit der Auswanderung größer ist als jemals zuvor, sind die hierzu erforderlichen Mittel knapper und die Auswahl der Gebiete freier Einwanderung kleiner geworden. Alle Länder verschlietzen nacheinander Neileinwanderern, nicht bloß den Juden, sondern Ausländern im Allgemeinen, ihre Tore. Gegenwärtig ist Südamerika das geeignete Jmmigrationsgebiet. Wir -sind bemüht, dort meue Länder für die Einwanderung von Juden zu erschließen. Brasilien, Ar- Hen.tinipn und Muguay sind verhältnismätzig:älte Sied-- lunZSgebiete. Sporadisch fand auch eine Einwanderung: fand auch eine Einwanderung von . Juden nach Chile und Venezuela statt. Südamerika als jüdisches Immigrationsgebiek. Npwyork-, 15. Dezember. Der Präsident des Bereinigten jüdischen Jmmigra- Wir stehen vor der Aufgabe, den Auswanderern nicht: nur die Ueberfahrt, sondern auch ihre Niederlassung an Ort und Stelle zu ermöglichen. Bisher genügte in der Regel nebst dem Reisegeld eine Beihilfe von 10 Dollar pro Kops, da die Leute selbst einige Mittel besäßen'. Heute aber sind die Verhältnisse schlechter als jemals zuvor. Durch Erlangung von Fahrtbegünstigungen für die Auswanderer konnten im vergangenen Jahre 107000- Dollar an Transportkosten erspart werden. Unsere Fürsorge darf sich nicht darauf, beschränken, die Auswanderer in die neuen Länder zu bringen, wir müssen auch dafür Sorge tragen, daß sie sich nicht zerstreuen, sondern in Gruppen zusammengeschlossen bleiben, sodatz jüdisches Gemeinschaftsleben erhalten, Entmutigung durch Vereinsamung vermieden und die Bildung jüdischer Gemeinden ermöglicht werden kann. In Argentinien besteht bereits ein 200 000 Seelen umfassender Jischuw. Im Jahre 1929 gewährte Hicem 25 000 aus Polen ausgewanderten Juden, von denen 5600 nach Palästina und 15 000 nach Südamerika gingen, seinen Beistand. Die amerikanische Wirtschaftskrise und die Inden. London, 15. Dezember. Wie „Manchester Guardian" berichtet, sind durch den Zusammenbruch der „Bank of the United Sta tes" vor allem Iud en betroffen worden. Die Bank hatte in Grotz-Newyork 59 .Filialen. Sie war hauptsächlich von Juden geleitet, und auch die Mehrzahl ihrer Klienten waren - Juden. Fusionsoerhandlungen mit drei anderen ebenfalls jüdischen Bankinstituten und zwar der Manusacturers' Trust Company, der Public National Bank und dem International Trust sind gescheitert. Die Bank of the Unitet States ist im Jahre 1913 von Josef Marcus gegründet worden, der schon ipi Jahre 1908 eine Bank für Lohnempfänger ins Leben gerufen hatte. Das Gründungskapital betrug 100 000 Dollar, nach dem Kriege jedoch wurde -die Tätigkeit der Bank durch eine" Reihe von Fusionen erweitert. Als die Nachricht von der schwierigen Situation der Bank bekannt wurde, setzte im Newyorker Ghetto ein Run der Einleger auf die Filialen ein. Unter der Menge von 20 000 Menschen, die sich vor den Filialen der Bapk angesammelt hatten, spielten sich bis in die Morgenstunden Szenen wilder Verzweiflung ab. Vermischtem London, 25. Dez. Die Jahresversammlung der Beerdigungsbrüderschaft der A d a ß I i s roel fand unter dem Vorsitz von Mr. M. R. <5 ch m i d t statt. DerSchgtzmeister, Mr.Hamburaer, erstattete den Finanzbericht, der einen Eingcmg^vH Lst. 1800 aufrvies. Der GefellschA, Wh W A KöpperMM MMWossen, P daß sie einen enmuhrtzichen Faktor im orthodoxen, jüdischen Leben in Lönoon darstellt. Mr, S). A- Goodman berLhtet über das Wexk W Union der orthddoxen Ge«

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.