Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Isra el i t Nr. 1 Seite 5 1.' Jänuau193l ' Die heutige' Rümmer gelängt infolge, des bürgerlichen Feiertags M am Samstag in die Hände der Leser. Nach verschiedenen Referaten,Jvärde die Versendüng eines Rundschreibe NS beschlossen, in dem es u. a. .heißt: „Seit längerer--Zeit'schon stehen für jüdische Kinder jüdische Pflegestellen, die von unseren Vertrauenspersonen geprüft sind und dauernd überwacht werden, in ausreichendem Masse zur Verfügung. Trotzdem erhalten wir oft die Meldung, daß jüdische Kinder i n,-ch r i st l i ch e P s l e g e st e l l untergebracht sind. Im Interesse der jüdischen Gemeinschaft und traft unserer Verantwortung für verlassene jüdische Kinder, bitten wir. dringend die jüdischen Gemeinden und ..Wohlfahrtsinstitutionen, ihre Schützlinge, für die sie sorgen, sofort in "'jüdische Pflegestellen zu geben. Nur dann kann den verlassenen dischen Frauenbund Elberfeld." Wir bemerkten schon wiederholt zu diesem Thema, datz es damit allein nicht getan ist, wenn man jüdische Kinder vor Unterbrinung in n i ch t j ü d i s ch e n Häusern bewahrt, sie müssen auch unjüdischem Einfluß in jüdischen Häusern entzogen werden. Unter dieser Vorraussetzung können ^oir den Äufruf nur empfehlen." Red. Generalversammlung der osljüdischen Vertretung Nürnberg, 29. Dez. Am Sonntag, den 28. Dezember, abends 7.30 Uhr wurde in Nürnberg in der Eermanenhalle, die E e n e - r alversammlung des o st jüd es ch en G es amtausschusses unter großer Beteiligung abgehalten. Schon vor einigen Tagen verschickte die neugegründete sogenannte „Demokratische Fraktion im Gesamtausschuß", hinter her das Minjan „Ahawas Scholaum", Eberhards- . straße, und mehrere liberal denkende Ostjuden stehen, .Wahlaufrufe, in welchen.die Reorganisation des Gesamtausschusses verlangt wurde. Dieser Fraktion gegenüber verbündeten sich die Minjonim „Ahawas Thora" Reit- ackerstraße, „Achi-Eser", Feuerweg, und die ostjüdische Jugend gemeinfchaft. Diese Verbindung stellte sich zur Aufgabe, die bisherige, meist aus orthodoxen Herren bestehende Vorstandschaft, wieder durchzusetzen. Der erste Vorsitzende, Herr Chaim K a tz , berichtete über die rege Tätigkeit des Gesamtausschusses in allen ostjüdischen Angelegenheiten und nachdem die gesamte Vorstcmdschaft entlastet wurde, ging man zur General-; debatte über. ' Innerhalb der Generaldebatte kam es plötzlich zu einem großen Tumult, sodaß man gezwungen war, die Polizei eingreifen zu lassen. Nachdem 2 Herren der „Demokratischen Fraktion" für einige Zeit den Saal verlassen hatten, nahm die Versammlung wieder ihren ruhigen Verlauf. Um 11.30. Uhr wurde die Generaldebatte durch Abstimmung beendet, sodaß man zur Wahl übergehen konnte. Trotz größter Propaganda der „Demokratischen Fraktion" gelang es der orthodoxen Verbindung, daß die bisherige Vorstandschaft, ..zhzn Teil einstimmig, gewählt wurde. Holland. Refq^nbestrebungen in Holland. - ' Haag, 24. Dez. (Es war bisher der Stolz des holländischen Judentums, daß die Einheit der Gemeinde nirgends in Frage gestellt wurde, auch dort, wo der größte Teil der Eemeindemitglieder in ihrem Privatleben dem E'ttesgesetz den Rücken gekehrt hatten. Die liberalen Juden Hollands haben selbei immer den größten Wert daraus gelegt, die Gemeindeinstitutionen im strengsten Einklang mit dem religiösen Gesetz zu erhalten und in dieser Hinsicht die Autorität der Rabbinen rückhaltlos änzuerkennen. Merkwürdigerweise treten jetzt, in einer Zeit, da das Reformjudentum doch überall so ziemlich abgewirtschaftet hat, hier Bestrebungen hervor, einen reformierten jüdischen Gottesdienst eingurrchten. Zwar stehen bisher nur wenige ..Initiatoren hinter.dem Plane, .die,zwar über Geld, nicht aber über großen Einfluß verfügen. Immerhin verdient die Bewegung einige Beachtung und sie findet energische Ablehnung sowohl bei der erdrückenden Mehrheit der Gemeind emitglied er, als selbstverständlich aüch aller Oberer abbinate. - ' Schweiz. Konstituierung der Haffkine-Stistung. Lausanne, 21. Dez. Die. Amtszeitung der schweizerischen Bundesregierung veröffentlicht eine offizielle Bekanntmachung über die Die Woche. Berlin. In Ahrendssee, direkt am Strand, wurde aus dem Nachlaß der Eheleute Justizrat Wilhelm Hausmann und Frau ein Erholungsheim für jüdische Akademiker und deren Frauen eingerichtet. Die Eröffnung wird im Frühling 1931 erfolgen. — Im Alter von 75 Jahren starb der bekannte Historiker Geheimrat Adolf Warschauer. Er wirkte früher als Professor der Geschichte an der Akademie in Posen und wurde später, 1912, Direktor des preußischen Staatsarchivs in Danzig. Seine Werke über das Archivwesen find grundlegend. München. Die Anpöbeleien und' Verleumdungen des in München erscheinenden nationalsozialistischen Organs „Der Stürmer" häufen sich in unerträglicher Weise. Ein Gesuch des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, Landesverband Bayern, um energische Einschreitung wurde vom bayerischen Innenministerium abgelehnt. Men. Das von der Studentenschaft beschossene „Studentenrecht" an der Wiener Hochschule für Welthandel, das auf dem Rassenparagraph beruht, wurde vom Kuratorium der Hochschule a u ß e r K r a f t gesetzt. Amsterdam. Die Amsterdamer jüdische Gemeinde gibt seit einiger Zeit unter dem Titel „Phoenix" ein Gemeindeblatt fürHolland heraus. Prag. Die Lage der jüdischen Bevölkerung in Karpathorußland, wo ein strenger Winter herrscht, hat sich durch unerhörte Steuerschikanen erheblich verschlechtert. Die jüdischen Parteien sind an den Finanzminister mit einem Gesuch um Abstellung des rigorosen Eintreibungsmodus herangetreten, ebenso um eine Milderung der die Juden am schwersten treffenden Steuergesetze. Bukarest. Eine Reihe gegest Juden demonstrierender Studenten wurde wiederum vom Gerichte frei gesprochen. Aus den Dörfern agitierenantisemitische Agenten und wiegeln die Bauern gegen die Juden auf: Auf eine Anfrage im Parlamente versprach der Innenminister, alle notwendigen Maßnahmen zur Eindämmung der antisemitischen Propaganda zu treffen. Paris. Jacques Stern wurde zum Unterstaatssekretär für die Kriegsmarine im Ministerium Steeg ernannt. Es gehören somit zwei Juden dem neuen Kabinette an. — Es tagt hier zur Zeit ein Kongreß jüdischer Hochschüler. In einem Berichte wurde bekanntgegeben, daß gegenwärtig über 5000 jüdische Studenten aus dem Auslande, infolge der Judenhetze an den europäischen Universitäten, an französischen Hochschulen studieren. — In Dran in Algerien ist es zu antisemitischen Ausschreitungen gekommen. Der Bürgermeister der Stadt, Deputierter Dr. Molle, leitet persönlich die antijüdische Propaganda und hält bei jeder Gelegenheit blutrünstige Reden, in denen er die Bevölkerung zu Gewalttaten gegen die uden aufreizt. Die sozialistischen Deputierten beabsichtigen, in dieser Angelegenheit eine Interpellation in der französischen Kammer einzubringen. London. „Jewish Chronicle" will aus guten Quellen erfahren haben, daß der für den 24. Februar nach Karlsbad einberufene Zionistenkongreß auf einen späteren Zeitpunkt verlegt wird. — Die „Habimah" beginnt am 29. Dezember ein l Gastspiel im Phönix-Theater in London, Charing Croß. Die Habimah, bringt in London :6. Werke ihres Repertoire zur Aufführung. Vorschau. Vor dem Gericht wurde ein Pole zu acht Jahren schweren Kerkers .verurteilt, weil er den Juden Israel Sprühregen ermordet hatte. Grund: Israel Sprühregen hatte sich mit seinem Freunde, natürlich in jiddischer Sprache, unterhalten. Das ging dem . Polen Kowalczyk so sehr auf die Nerven, daß er dem Juden den Dolch in den Unterleib stieß. Vor Gericht entschuldigte sich der Mörder damit, er sei in Wut geraten, weil " der Jude nicht polnisch sprach. — Auf der Konferenz des Verbandes der j ü d i s ch e n S ch a uspieler in Polen in Warschau wurde festgestellt, daß der Besuch der jüdischen Theater in Polen trotz niedrigster Eintrittspreise infolge der Wirtschaftskrise so gesunken ist, daß mit der Schließung einer Reihe von Bühnen gerechnet werden muß. Konstituierung der Stiftung des unlängst verstorbenen großen jüdischen GelehrtenProfessor Hasskine. Sitz der Stistungist Lausanne, die Verfügung und die Kontrolle über dieselbe haben der Hilfsvereiu der deutschen Juden in Berlin und die' .Waadtländische Kantonalbank in Lausanne. Wie bereits mitgeteilt wurde, betriff^ das 'Kapital der Stiftung eine Summe von 1500 000 schw. Francs. Der Zinsertrag soll nachdem letzten^.Willen Professor Hasskines zur Unterstützung von Jeschiwoth und Talmud Thora - Schulen verwendet werden. Frankreich. Die Wirtschaftslage in Argentinien und die jüdische Einwanderung. Paris, 11. Dezember. > Die Zentralleitung der in Hicem vereinigten Orgaganisationen Hias-Jca-Emigdirect hat allen jüdischen Auswanderungskommitees ein Zirkular zugehen lassen, dem wir., nachstehende Mitteilungen entnehmen: Die provisorische Regierung in Argentinien ^hat sich vollständig konsolidiert, die politische Situation im Lande ist normal. Infolge des Regierungswechsels wurden jedoch zahlreiche öffentliche Arbeiten, die unter der gestürzten Negierung in Angriff genommen wurden, unterbrochen, sodaß Tausende von Arbeitern entlassen werden mußten. Diesträgt nebst der schweren Wirtschaftskrise des Landes, - auf deren Ueberwindung angesichts der niedrigen Preise für Agrarprodukte aus dem Weltmarkt vorläufig keine Aussicht besteht, zum rapiden Ansteigen der Arbeitslosigeit in Argentinien bei. Bei den Arbeitsvermittlungsämtern der Soprotimis - laufen Arbeitsgefuche von Personen, die schon vor zwei bis drei Jahren eingewandert sind, in großer Zahl ein. Trotz des in der Erntezeit gesteigerten Arbeitsbedarses wird aus den Kolonien der. Jca ein Ueberschuß an Arbeitskräften gemeldet. Ans allen diesen Gründen sind nicht nur für die Berufslosen, sondern auch für qualifizierte Arbeiter und erfahrene Handwerker immer schwerer Verdienstmöglichkeiten zu erlangen. Die Leitungen der Jca und der Soprotimes von Politik Argentiniens in keiner Weise geändert. Die Leistungen der Jca und der Soprotimis von Buenos Aires warnen jeden, der in Argentinien nicht nahe Verwandte besitzt, die in der Lage sind, für seinen Unterhalt bis zur Besserung der. wirtschaftlichen Situation zu sorgen, dringed vor der Einwanderung nach Argentinien. fJ. T. A.) England. Zum Ableben Lord Welchetts. London, 28. Dez. Am Samstag verstarb nach längerer Krankheit Lord M e l ch e t t, in der englischen Industrie und Wirtschaft allbekannt als Schöpfer des „Englischen Chemietrust", im jüdischen Leben als Vorsitzender des Council der Jewish Agency in letzter Zeit viel genannt. Er erreichte ein Alter von 62 Jahren. Im politischen Leben Groß-Brftaniens spielte Lord Melchett eine führende Rolle. Lord Melchett, bis 1928 als Sir Alfred Mond bekannt, war väterlicherseits deutscher Abstammung. Er saß mehrmals als Abgeordneter im englischen Parlament und war von 1-916 bis 1921 Minister für öffentliche Arbeiten, später Wohlfahrtsminister im Kabinett von Lloyd George. Seit 1928 war er aber Wortführer der konservativen Partei im Oberhaus. Seine industriellen Unternehmungen sind weltumfassend und die sozialen Einrichtungen in seinen Betrieben sind beispielgebend. Seit der Balsour-Deklaration schloß sich Lord Melchett mit ganzem Herzen der Aufbauarbeit in Palästina an. Er mir auch Präsident des zionistischen Landesverbandes in England. ,Auf wiederholten Palästmareisen konnte er seine Liebe und sein tätiges Interesse für Erez Jisroel bekunden, so auch durch Schaffung der Mond-Plant a-g e n. Nach Bildung der Jewish Agency stand er, wie Louis Marschall, an der Spitze derselben. Nach dem Tode Marschalls war er ihr erster und einziger Vorsitzender. Er legte jedoch nach dem Erscheinen des letzten Weißbuches, mit dem Rücktritt Weizmanns, zum Zeichen seines Protestes seinen Vorsitz nieder und bekämpfte seitdem energisch die Palästina-Politik der Regierung Macdonalds. Als Nachfolger Lord Melchetts tritt dessen Sohn, Sir Hem— Mond, der heute schon dem Unterhaus als konservatives Mitglied angehört, als Lord ins Oberhaus. In zionistischen , Kreisen wird erwartet, daß der Sohn auch die Aufgaben und Arbeiten des Vaters im jüdischen Leben übernimmt. .. Der Lchuhder Schechita in England. , . . ^London, 29. Dez. Wie vor 14- Tagen bereits von hier gemeldet, ist das Gesetz über das Schlachtwesen einschließlich der Aus-