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Der Israelit · 1931-01-01 · Heft 1 (1.1.1931) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 1 (1.1.1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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h N h : t V' ff. Seite 4 Nr. 1 Der Israelit . Januar:1931 fen 9,5 Proz. Kinder, 73,8 Proz. Erwachsene'und nur 3 Proz. Alte auf. Somit ist der Prozentsatz der Alten bei den deutschen dreimal so hoch wie bei den ausländischen Juden; auch Personen im Alters von 51 bis 65 find bei den deutschen Juden stark vertreten, zweimal soviel als bei den aus ländischen Juden. In der Berufsgliederung ist kein bedeutender Unterschied zwischen jüdischen Inländern und Ausländern, wohl aber zwischen Juden und Nichtjuden, festzustellen. lieber 26 Proz. der ge samten erwerbstätigen Bevölkerung Deutschland beschäftigen sich mit Landwirtschaft, während von den erwerbstätigen Juden nur 1,5 Proz. Ackerbau treiben. In Industrie und Handwerk sind beschäftigt: Gesamtbevölkerung — 36,6 Proz. deutsche Juden — 20,6 Proz., ausländische Juden — 27,9 Proz. Im Handel einschließlich Verkehr: 15,3 Proz. — 49,7 Proz. — 49,8 Proz. Der Verkehr spielt unter den erwerbstätigen Nichtjuden eine bedeutend größere Rolle als bei den Juden; es ergibt sich, daß im Handel selbst (ohne Verkehr) die Gesamtbevölkerung mit nur 10 Proz. aller Erwerbstätigen, während die Juden mit 49 Proz. vertreten sind. Die ausländischen Juden weisen bedeutend mehr Beschäftigte in Industrie und Handwerk auf (27,9 Proz.) als die deutschen Juden (20,6 Proz.). In einigen Berufe: machen die ausländischen Juden einen bedeutenden Prozentsatz der Gesamtzahl der in diesen Berufen beschäftigten Juden aus, z. V.: im Schlosserhandwerk 29 Proz., Schokoladen- und Zuckerwaren 29 Proz., Herstellung von Kleidern und Wäsche 30 Proz., Barbiergewerbe 34 Proz., Hau sier- und Straßenhandel 36 Proz., Schuhmacherei und Schuhindustrie 44 Proz., Herstellung von Zigaretten 47 Proz., Kürschnerei und Rauchwarenbearbeitung 54 Proz. Es bestätigt sich also nicht die verbreitete Meinung, daß im nicht beneidenswerten Berufe des Hausier- und Straßenhandels sehr viel ausländische Juden beschäftigt sind; es sind dies nur 3,3 Proz. sämtlicher im Handel beschäftigten jüdischen Ausländer (unter den deutschen Juden treiben Hausier- und Straßenhandel 2 Proz. aller im Handel beschäftigten deutschen Juden). Sehr gering ist der Prozentsatz der Juden unter dem Beamtentum unddem Militär, in den freien Berufen sind sie aber stark vertreten: die Gesamtbevölkerung weist nur 3,7 Proz. Angehörige der freien Berufe unter den Erwerbstätigen auf, bei den deutschen Juden sind es 8,4 Proz., bei den ausländischen Juden 6,2 Proz. Es ist interessant, einige absolute Zahlen über den Anteil der jüdischen Ausländler in manchen freien Berufen anzuführen. So sind unter 626 jüdischen Theaterunternehmern und Direktoren 174 Ausländer (27,8 Proz.); unter 896 jüdischen Schauspielern und Musikern 298 Ausländer (33,3 Proz.); unter 208 jüdischen Kinobesitzern 63 Ausländer (30,3 Proz.); unter 379 jüdischen Filmschauspielern 128 Ausländer (33,8 Proz.); unter 330 jüdischen Sängern und Gesanglehrern 136 Ausländer (41,2 Proz.)'; unter 66 Tänzern' und Tänzerinnen 17 Ausländer (25,8 Proz.); unter 192 Redakteuren 41 Ausländer (21,3 Proz.); unter den jüdischen Geistlichen und! Kirchenbeamten machen die Ausländer 21,5 Proz. aus. Der Unterschied zwischen Juden und Nichtjud-en in der Berufsgliederung ist groß genug, noch tiefer aber ist die Kluft in der sozialen Gliederung. Die beruflich selbständigen machen aus: bei der Gesamtbevölkerung 16 Proz., bei den deutschen Juden 49 Proz., beni den ausländischen Juden 46 Proz. Die Angestellten: 17 Proz. — 34 Proz. — 38 Proz. Die Arbeiter: 47 Proz. — 7 Proz. — 14 Proz. Der Prozentsatz der Selbständigen ist bei den Judlen dreimal höhler als bet Nichtjuden, der Prozentsatz der Arbeiter ist bei den ausländischen Juden zweimal so hoch als bei den deutschen Juden, aber dreimal niedriger (bei den deutschen Juden fast 6mal niedriger) als bei den 'Nichtjuden: Im Handle!, Mschließlich Verkehr, machen die Selbständigen aus: bei der Gesamtbevölkerung 22 Prag., bei den deutschen Juden 53 Proz., bei den ausländischen Juden 54 Proz. Angestellte in Handel, üftd Per kehr: 42 Proz^ — 35 Proz. — H4 Proz. Arbeiter in Handel und Verkehr: 29 Pxvtz. —- 2 Proz. 3 Proz. Die entsprechenden Ziffern für Industrie und Handwerk sind: Selbständige:, 13 Proz. bei der Gesamtbevölkerung, 42 Proz./bei' den beiiit schen Juden, 40 Proz. bei den ausländischen Ju den; Angestellte: 11 Proz. — 32 Proz. — 22 Proz.; Arbeiter: 74 Proz. — 20 Proz. — 34 Proz. Rechnen wir Angestellte, Arbeiter und häusliche Dienste Berrichtlende zusammen und bezeichnen sie als Lohnempfänger mit dem Worte „Proletarier", so ergibt sich, daß 'die Gesamtbevölkerung 68,4 Proz,, die deutschen Juden 43,4 Proz., die ausländischen Juden 47,7 Proz. proletarische Elemente zählen. Die mitarbeitenden Famlienangehörigen sind b-ei den obigen Zahlen nicht berücksichtigt worden. In Berlin ist der Abgründ in der Berufsgliederung von Juden und Nichtjuden nicht so tief. Die Gefamtbevölkerung weist auf: Beschäft tigte in der Industrie 45 Proz., im Handel 26 Proz.; die deutschen Juden 25 Proz. in der Industrie, 44 Proz. im Handel; die ausländischen Juden 32 Proz. in der Industrie, 45 Proz. im Handel. In der Großstadt Berlin merken wir eine Annäherung in der Berufsgliederung' zwischen der jüdischen und der nichtjüdischen Bevölkerung^ bei Juden erhöht sich der Prozentsatz der in der Industrie Beschäftigten, bei Nichtjuden: der im Handel Beschäftigten. Korrespondenzen « nacbricbten. Deutsches Reich. Gemeindekämpfe in Leipzig. Leipzig, 18. Dez. Welch gehässige Form der politische Kampf innerhalb der jüdischen Gemeinde, meist infolge des leidenschaftlichen Temperaments der zionistischen Volkspartei, annimmt, davon sind die Vorgänge in der Gemeindever tretung Leipzigs, über die wir kurz berichten wollen, ein trauriger Beweis. Die Leipziger Jüdische Gemeinde besitzt eine Verfassung, die allen Begriffen von Recht, und Billigkeit Hohn spricht. Sie legt zwar allen Gemeindemitgliedern, wie selbstverständlich, die gleichen Pflichten auf, schließt aber die Ausländer ungeachtet der gleichen finanziellen und sonstigen Leistungen vom Genuß der gleichen Rechte aus. Die Ostjuden, die numerisch die erdrückende Mehrheit der Gemeinde darstellen, dürfen dennoch' nur den vierten Teil der Repräsentanten wählen und im Vorstände sind sie überhaupt nicht vertreten/ Gegen diese schmachvollen Zustände kämpfen öwohl die Orthodoxie, als die zionistische Volkspartei an, dis jetzt jedoch mit negativem Erfolg. * Der Kampf ist deshalb aussichtslos, weil nach sächsischem Gesetz das System def Zwangsgemeinde in krassesten Form herrscht, die Gründung von Austrittsgemeinden verboten und der Austritt aus der Religionsgemeinde als Austritt aus dem Judentum gilt. Da die liberale Majorität ihr Vorgehen mit patriotischen Motiven begründet, ist auch bei der Stäatsregierung ein Verständnis für die Beseitigung des Unrechts nicht zu erzielen. Es bleibt somit nur der Weg gütlicher Verhandlungen, auf dem im Laufe der Jahre auch kleinere Reformen erzielt wurden. Für die Orthodoxie ist aber der Kampf um die Beseitigung des Wahlunrechts nicht der einzige Gegenstand des politischen Ringens, sondern es ist vor allen Dingen auch ihre Aufgabe, für die' Erhaltung der für eine jüdische Gemeinschaft lebenswichtigen religiösen Institutionen zu sorgen. Die Volkspartei, deren Endziel ja die Volksgemeinde ist, in der das Religiöse in den Hintergrund tritt, hat für diese Sorgen der Orthodoxie natürlich nicht das rechte Verständnis und sie kann daher auch andere Methoden zur Erreichung ihrer Ziele anwendenwenn sie glaubt, sich dadurch die Gunst der Massen sichern zu können. Nur aus diesen demagogischen Rücksichten ist die Demonstration zu verstehen, die die Volkspartei •»l.'-v..-.,;. Zeii 49 Tel. Hansa 27JJ30- / in der letzten Zeit durch eineH siAiettuAntrag auf Re-- vision des Wahlrechtes vornehmen zu istüssen glaubte. Da die Liberalen in der letzten Sitzung aus die Argumente der Volkspartei gar nicht mehr eingingen, sondern nach. Schluß der zionistischen Rednerliste eine vor- , her. verfaßte, schriftliche Erklärung: zur Verlesung brachten, durch die der zionistische Antrag abgelehnt wurde, verließen die volksparteilichen Vertreter Günter Protest die Sitzung, eine Demonstration, der ,sich auch der Vertreter der Poale Zion anschloß. Gegen die orthodoxen Vertreter in der Gemeindestube, die dieses demagogische Spiel nicht mitmachen durften, wollten sie nicht das im jahrelangen mühsamen Ringen auf religiösem Gebiete Erreichte in Gefahr bringen, begann nun in der zionistischen Presse ein Kesseltreiben von so rüder Art, wie man es bislang selbst hierzulande noch nicht kannte. Man beschimpfte die Orthodoxen als „Verräter", schob ihnen „unlautere Schachergeschäfte" unter und scheute sich sogar nicht-'eine anerkannte Thoraautorität in die Oeffentlichkeit zu ziehen, die mit der Sache auch nicht das Geringste zu tun hatte. Gegenüber diesen Vorwürfen veröffentlichten die orthodoxen Vertreter in den jüdischen Zeitungen Leipzigs die nachfolgende Erklärung: , E s . i st n i ch t w a h rdaß die. Vertreter der Orthodoxie gegen den von der Volkspartei eingebracksten Antrag auf Revision des Wahlrechts gestimmt haben. Wahr i st vielmehr, daß die Vertreter der Ortodorie immer und überall fürdie Abänderung des Wahlrechts eingetreten sind und eintreten werden! Daß. sich die Vertreter der Orthodoxie der Demonstration der Volkspartei nicht angeschlossen haben, geschah lediglich aus der Erwägung heraus, daß derartige Aktionen nur Verbitterung schaffen, niemals aber die Gegner des gleichen Wahlrechts von der Berechtigung der Forderung nach Gleichstellung aller Mitglieder der jüdischen Gemeinde überzeugen können. Die ungeheuerlichen Behauptung von der „Verschacherung des allgemeinen Wahlrechts" durch die Vertreter der Orthodoxie wird wohl jeder gerade denkende Mensch ohne weiteres als das auffassen, was sie in Wirklichkeit ist — als ein durchaus unjüdisches und unfaires Agitationsmittel, das jede jüdische Partei verabscheuen sollte. Daß sie der Wahrheit nicht entspricht, wird in allerkürzester Zeit an offizieller Stelle der jüdischen Oesfentlichke.it bekanntgegeben werden. Nur der Ernst der Zeit hält die Angegriffenen davon zurück, die Urheber und Verbreiter dieser Unwahrheit vor dem entsprechenden Forum zur ■ Rechenschaft zu ziehen. Wir geben uns der bestimmten Erwartung hin, daß Wiederholungen und weitere Verbreitung dieser Unwahrheiten nicht mehr erfolgen werden, nachdem deren Unrichtigkeit festgestellt ist; wir würden uns sonst genötigt sehen, trotz der uns zurückhaltenden Erwägungen die entsprechenden Maßnahmen zu 'ergreifen. Die. Demokratische und Orthodoxe Fraktion der Gemeindesitzung. .i. A.: S. B.. Goldrei. Die Ungeheuerlichkeit der zionistischen Angriffe eraßt man erst, wenn man erfährt, daß zwei der zionistischen Vertreter in der Gemeeindestube deutsche konservative Jehudim und erste Vorsteher zweier Synagogen ind. Auch diese Herren mußten unter dem Drucke der Parteidisziplin die Stimme ihres jüdischen Gewissens gewaltsam ersticken, um durch Schweigen das demagogische Treiben zu decken . Wieder ein klassisches Beispiel, welches Unglück für die Klarheit des. jüdischen,Bewußt- 'eins die Einkapselung konservativer jüdischer Menschen: in die volksparteiliche Zwangsjacke bedeutet. Pflegestellen für jüdische Kinder. Düsseldorf, 20. Dez. Die Zentrale für jüdische Pflegesielt e n w e s e n und jüdischer Ado p t i o n s v e r-- mittlung, Elberfeld, hatte die rheinisch-westfälischen Vermittlungs- und Vertrauensstellen am Donnerstagchen 13. November in die Düsseldorf-Loge. zu "einem Schülungsnachmittag eingeladen. Aus 15 verschiedenen Städten waren die Vertreterinnen gekommen. ii

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