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Der Israelit · 1931-01-01 · Heft 1 (1.1.1931) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 1 (1.1.1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Der Israelit Nr. 1 Seite 3 1. Januar 1931 - - . günstig für die Juden des Ostens. Dem vielfachen WrmWe, oaß die Völkerbundskommisston ihre Behauptungen mit Mater is a l belege, ist sie bis jetzt nicht nachgekommen. Es steht fest, daß die Kommission des Völkerbundes selber Opfer von Mystifikationen geworden ist, Mle aus Unkenntnis der Lage im Osten und dies Emigrantenelends herrühren. Die Herren der Kommission sahen in allenjüdischen Männern- und Frauen-, die-, gezwungen durch behördliche Schikanen, sich über die Grenze schlichen, um ein überseeisches „Tor der Hoffnung" zu erreichen, Mädchen-Händler oder deren lebendige Ware. Es war unverantwortlich, auf Grund solch ungenügenden Materials einen Bericht abzufasten, Äe-r mit dem Gewichte des Völkerbundes den Weg indie Welt findet. Es ist aber ebenso unverantwortlich von Blättern, die Recht und Freiheit künden, solche Verleumdungen blind!lings zu übernehmen und zu Axiomen zu erheben. Zwangssonntagsruhe im Lande des Sabbats. Ueber den vielen Sorgen und Aengsten um und in Palästina darf -eine Verordnung des Hochkommissars nicht übersehen werden, die, wenn auch lokal begrenzt, von hoher prinzipieller Bedeutung - und größter Tragweite für die geistige Struktur Er-ez Israels ist. In den Stsinb-rüchen für den Hafenbau von Haifa, in denen alle drei Konfessionen, ingroßer Anzahl auch Juden, beschäftigt sind, wurde die zwangsweise Arbeit s r u he am Sonntag e i ng e f ü h rt. Juden und Mohammedanern steht es frei, auch am Sabbat, bezw. Freitag zu feiern, also zwei Ruhetage bei vermindertem Wochenlohne zu halten. Damit werden Juden in Palästina Opfer einer Maßregel, die in der Gola als speziftstifche Goluserscheinung -angesprochen und empfunden wird. Begründet wirddie Maßnahme mit wirtschaftlichen Rücksichten, w,eil die Betriebsleitung sich zum größten Teile aus christlichen Engländern Zusammensetzt, denen der kirchliche Ruhetag heilig -ist. Wo aber >in der Diaspora wurde die d>er jüdischen Bevölkerung oder dem Sabbat ans Leben gehende Zwangssonntagsruhe anders erklärt und gerechtfertigt, als mit wirtschaftlichen Notw-end>igkeiten? Palästinas Juden können diese Zwangsmaßnahme nicht einfach hinnehmen, wollten sie nicht anders eignen Präzedenzfall schaffen helfen, der sich verhängnisvoll auch anderswo auswirken könnte. Bei allen Leiden und Schickungen, Me über die Häupter unserer Brüder -in Erez Israel in letzterer Zeit gingen, konnten wir sie doch um eines beneiden: Sie lebten in einem Lande, wo der Jude nicht, „trotzdem" er Jude ist, sondern weil er Jude ist sein volles Recht genoß; in einem Ländle, in dem es keine Staatskirche mit Monopolstellung gab, sondern Mie drei Konfessionen in gleichem Maße voll und restlos zu ihrem religiösen Rechte kommen. Soll es darin auch im Lande der Väter anders werden? Die wirtschaftliche Einbuße, bie bereits 200 Juden durch diese Verordnung erleiden, bedeutet Entrechtung eines bestimmten Bevölkerungsteiles, dem man so was wie eine Heimat versprach. Aber darüber hinaus darf man nicht die Gefahren außer Acht lassen, die aus den „Steinbrüchen bei Haifa" für die jüdischen Arbeiter und Angestellten in anderen Betrieben und besonders in -dien Amtsftellen drohen. Und auch eine geistige Gefahr, sogar eine sehr schwere, birgt die Maßnahme für eine Jugend, die wertiger iM Religiösen wurzelt und vor die Versuchung gestellt wird, in einer krisenhaften Zeit unter Preisgabe des Sabbats sich das tägliche Brot zu verdienen. Die festeste Burg für den Sabbat war und ist in Palästina immer noch die öffentliche Meinung. Wehe, wenn, was G'tt verhüten mag, eine Bresche in diese Burg geschlagen wird, wennmit behördlichem Zwang und unter dem Drucke der Zeit von gewisser Seite mit der Entheiligung des Sabbats ein Anfang gemacht wird. Wir haben in der Diaspora eine von ganz kleinen- Anfängen ausgegangene Entwicklung in dieser Beziehung erlebt, die uns mit Angst und Grauen erfüllenmuß. Unverzüglich muß der Protest, — nicht des Protestes wegen, sondernmit dem Zwecke einer Abstellung des Nebels — e-infetzen. Die zuständige Stelle in diesem- Falle ist die offizielle Vert r e t u n g d e s o r t h o d o x e n I u d e n t u m s in Jerusalem und Palästina. Ihr aber müssen sich auch alle anderen jüdischen- Kreise und Instanzen anschließen, denen der Sabbat noch heilig ist. Wir dürfen nicht, wie zu Anfang der Klag-einauer-Bervegung, den Fehler wiederholen, mit der „nationalen Ehre" zu kommen. Für den Engländer ist d-er Sonntag lediglich eine Sache der Religion-, so fetzen wir dem die heil i - gen P o st ul ate unserer Religion entgegen. Machen wir der Regierung klar, daß mit dieser Maßnahme nicht allein unser politisches Recht und unsere nationale Würde, sondernunser Heiligstes getroffen wird, die Quelle unseres Seins. Die Herren werden einsehen, daß es nicht angeht, einer Unbequemlichkeit in der Betriebsleitung wegen jüdische Arbeiter vor die Alternative zu stellen, entweder auf einen Tagelohn zu verzichten oder den Sabbat zu entweihen. Will man Rechte des Bürgers wahren, so wahre man zu allernächst das Recht, das mit ihm geboren ist. Die Stsinbrüche bei Haifa dürfen den Eckstein des jüdischen Lebens nicht in die Brüche schlagen. Die Ostjuden in Deutschland. Auf Grund des soeben veröffentlichten Werkes von Prof. Silbergleit über die Ergebnisse der Volkszählung van 1925 in Preußen bearbeitete die Sektion für Wirtschaft und Statistik des Jiddischen Wissenschaftlichen Instituts (Jrvi) das Material über die ausländischen Juden. In Preußen befanden sich 1925 über 76 000 jüdische Ausländer auf eine jüdische Gesamtbevölkerung von 404.000, d. i. 18,9 Proz. Es ist anzunehmen, daß im Deutschen Reiche sich die Zahl der jüdischen Ausländer auf ca. 100.000 beläuft, d. i. 17—18 Proz. der jüdischen Gesamtbeoölkerung (564.000) Deutschlands. Im Jahre 1900 waren in Deutschland über 41.000 jüdische Ausländer, was nur 7 Proz. ausmachte: i. I. 1910 erreichte, wie anzunehmen, die-Lahl der jüdischen Ausländer in Deutschland cä. 60.000 Seelen — beinahe 10 Proz. der gesamten jüdischen Bevölkerung in Deutschland-. Die Zahl der ausländischen Juden war also im 20. Jahrhundert stets im Wachsen begriffen, sie stieg prozentuell von 7 Proz. i. I. 1900 auf fast 18 Proz. i. I. 1925. Ueber 80 Proz. sämtlicher jüdischer Ausländer Preußens -im Jahre 1925 stammen aus osteuropäischen Ländern. Polnische Staatsangehörige unter ihnen waren über 46 Proz., sowjetrussische und staatenlose fast 19 Proz., österreichische über 12 Proz., tschechoslowakische fast 5 Proz. Die jüdischen Ausländer sind in noch höherem Maße als die deutschen Juden in dien Großstädten konzentriert. In den 10 größten jüdischen Gemeinden Preußens leben 82 Proz. der jüdischen Ausländer. In Berlin selbst leben fast 44.000 jüdische Ausländer — über 25 Proz. der jüdischen Gesamtbevölkerung Berlins und über 57 Proz. der Gesamtzahl jüdischer Ausländer- Preußens. Die Gliederung nach Geschlecht und- Alter ist bei deutschen und ausländischen Juden sehr verschieden. Unter den deutschen Juden sind die Frauen (fast 53 Proz). in der Mehrheit, unter den ausländischen dagegen sind die Männer (über 52 Proz.) in der Mehrheit. Die deutschen Juden zählen wenig Kinder im Alter bis 5 Jahre (6,1 Proz.), viele Erwachsene im Alter von 16 bis 65 Jahre (74,5 Proz.) und sehr viele Alte über 65 Jahre (9,2 Proz.): die ausländischen Juden weizession. So war daher auch die Ausübung eines jeden Handwerks ohne vorherige Erlaubnis, die für teueres Geld erkauft werden mutzte, nicht denkbar. Am das Jahr 1776 befand sich der damalige König Friedrich der Große auf einer Reise durch die neuermorbene Provinz Westpreutzen. Aus dem Wege zwischen Filchen und Schönlanke, schlug ein vom Sturm gepeitschter Baumzweig gegen den Verdeckwagen des Königs und zerbrach hierdurch eine Fensterscheibe. Natürlich wurde es dem alten Fritz sehr ungemütlich im Wagen und ließ er in Schänlanke Halt machen. Bald sammelte sich eine Menge Neugieriger um den Wagen. „Leute" sagte der König, „könnt Ihr mir nicht einen Glaser besorgen, der mir das hier wieder ganz macht?" Sofort trat ein Mann hervor und gab sich für einen Glaser aus. „Wie heitzt er", fragte ihn der König. „Grünfeld - Majestät." „Kann er mir eine Scheibe in den Wagen einsetzen?" „Ich kann wohl, aber darf es nicht", antwortete der Glaser. „Weshalb nicht? forschte der König weiter. „Als Jude erhalte ich keinen Meisterbrief und ohne einen solchen darf ich das Elasergewerbe nicht selbstständig ausüben", erwiderte Grünfeld. Der König forderte ihn nun auf, die Scheibe nur ruhig einzusetzen, was auch schnellstens geschah. Grünfeld erhielt auf Veranlassung des Königs, zu seiner größten Freude nach einigen Monaten einen Meisterbrief. Im Jahre 1790 hatten Schönlanke und auch seine Nachbarstüdte auch keine christlichen Glaser; Am 10. September 1970* stellen Rat und Bürgermeister daher den Antrag, „datz sich der jüdische Glaser Bär Markus dort als Glaser niederlassen darf." Am 30. September 1790 wird dies vorläufig genehmigt, „man soll sich aber bemühen, einen christlichen Glaser hinzuzuschassen." Von damals an, unter der Regierung Friedrichs des Grohen, bis zu heutigen Zeit übten auch weiter stets Juden in Schönlanke den Elaserberuf aus. (Aus Hessen.) Der vor kurzem im „Israelit" veröffentliche Aufsatz, der den durch Annahme der Stiftung eines in Amerika lebenden Herrn Rosenthal bedingten Uebertritt der Gemeinde Beerfelden — um diese handelte es sich in den ermähnten Ausführungen — von dem orthodoxen Darmstädter Rabbinat in den Bezirk des auf dem Boden der Reform stehenden Nabbinats Darmstadt 1 beleuchtete, hat in dem in Mainz erscheinenden „Mitteilungsblatt des Landesverbandes der israelitischen Religionsgemeinden Hessens" einen Widerhall gesunden, der alles überbietet, was man sich im anderen Lager gegen da; ges tze treue Jude itum er'auben zu lö men glnibt. Der Einsender hat aus dem Arsenal der kulturkämpferischen Reform aus der Zeit der 40er und 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts die verrostetsten Waffen ausgegraben und wirft mit gehässigen Schlagworten um sich, wie „Erbpächter des echten Judentums", „Starrheit" und ähnlichen Blüten lieblosen Nichtverstehens. Diese Gehässigkeit bekundet sich auch in der wiederholten und ge-- fliessentlichen Anwendung des Prädikats „separatistisch" das am Erscheinungsorte des Blattes einen besonders odiosen Beigeschmack hat und mit dem der liebevolle Glaubensgenosse die Orthodoxie zu stigmatisieren versucht. Man soll es wirklich nicht für möglich halten, datz in der heutigen Zeit, wo die Anfeindungen von außen in einem ungeahnten Ausmaß auf uns einstürmen, ein jüdisches Blatt seine Spalten einem solch geradezu hysterischen Ausbruch des Hasses gegen die eigenen Glaubensbrüder öffnet. Was sagt wohl der in der gleichen Nummer mit zwei Beiträgen vertretene K.-Mitarbeiter des Mitteilungsblattes dazu, unseres Wissens derselbe, der bei der Werbung für den Landesverband so gern die Worte der Sophokleischen Antigone zitiert: Nicht Milzuhassen, mitzulieben bin ich da! Wie sagt er doch selbst in der nämlichen Nummer: „Wie schön wäre es doch, wenn die Menschen immer ihre Taten mit ihren Worten in Einklang zu bringen wenigstens versuchen würden!" Befremdlich und zugleich schmerzlich ist es auch, dag die Schriftleitung ohne jeden Vorbehalt diesen Erguß abgedruckt hat; wie soll sich das mit der immer behaupteten Neutralität des Verbands vereinbaren? Und wenn der Einsender auf die Frage des Feuilletons, was man sich wohl bei der Behörde für Gedanken über jüdische Gkaubenstreue und Charakterfestigkeit machen möge, meint, dort wisse man, datz alle Gebiete menschlischen Denkens dem Gesetz der Entwicklung unterworfen sind, so ist die Verbindung der Entwicklungsgesetze mil amerikanischen Dollars zweifellos eine Entdeckung des Herrn 'Verfassers. Aber Charakterfestigkeit war es jedenfalls, wenn drei Kirchengemeinde die von dem gleichen Spender angebotene Stiftung für Kirchenglocken dankend abgelehnt hat, vielleicht auch nicht ohne sich Gedanken über die Mentalität dieses „hochherzigen Stifters" zu machen, dem die einem „Herzensbedürfnis" entspringende Dankbarkeit des Einsenders ohne Weiteres gegönnt sei. Wochenkalender. o. 3. - 10. Jan. 1331! v. 14. - 31. Tebet 8691 Samstag Iamz 14 »rm Sonntag 4 15 Montag 5 16 Dienstag 6 n Mittwoch 7 18 asipfl Donnerstag 8 19 Freitag 9 20 Samstag 10 21 nw»

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