Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 52 (24.12.1930)
- Date
- 1930-12-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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24. Dezember 1930 Der Israelit Nr. 52 Seile 7 an allen Arbeiten und. Aufgaben der Agudas Jisroel eifrig mitgewirkt. Auf der zweiten Keneffio Gedaulo wurde er in den Zentralrat gewählt. Auf der letzten. Landeskonferenz der Agudas Jisroel hatte Bäuminger eine führende Rolle. Im ersten polnischen Senat hatte Bäuminger seinen Sitz als Repräsentant der Orthodoxie. Das Haus Bäumingers in Krakau war ein wahres crMirt’ nri rra* Alle bedeutsamen Beratungen in Sachen des orthodoxen Klall fanden in diesem Hause statt. Er war ein Führer von jüdischem.Wissen und unermeßlicher Tatkraft. In der Kehillaverwaltung fand eine. Trauerfeier statt, in der der Präses der Gemeinde, Dr. -Landau und der Präses des Kehillarates, Deputierter Stempel, der Trauer Ausdruck gaben. Bei der sah man viele polnische Rabbiner, u. a. den Deputierten Oberrabbiner Lewin und den LublinerRaw. .-ra:«;»- Damen und Herren, herzlichst willkommen, beitrag 40 Pfg. pro Person. Eine öffentliche Trauerkundgebung für Joseph Länger Sonntga, den 28. Dezember, abends 6 Uhr präzis, findet in den Räumen des Mekor Chajim, Langestr. 18, eine öffentliche Trauerkundgebung für den Heimgegangenen Präsidenten des Mekor Chajim, Joseph Sänger statt. In Gedenkreden wird von Verwaltung und Dozenten gezeigt werden, was Sänger V'xt für das Thorajudentum unserer Stadt, wie " Chajim gewesen ist. Es soll eine Vermischtes. Berlin, 18. Dez. Das Preisrichterkollegium der Man- Heimer-Stiftung, hat in seiner Sitzung von der Verteilung eines ersten, zweiten und dritten Preises abgesehen Es -hat drei gleiche Preise von je Mk. 300 und einen Anerkennungspreis von 100 Mk. zuerkannt. Gießen, 20. Dez. Vor 25 Jahren kamen die israelitischen Lehrer Oberhessens auf Einladung des Herrn Rabbiners Dr. Hirschfeld hier zusammen, um einen Fortbildungskursus ins Leben zu rufen. Seit dieser Zeit finden sich nun regelmäßig alle 4—6 Wochen der größte Teil der oberhefsischen Lehrer, sowie auch einige Kollegen aus Nassau im gastlichen Hause des Herrn Rabbiners ein, um unter dessen bewährter Leitung zu „lernen". Dieses „Lern"-Jubiläum sollte nicht ungefeiert bleiben, und so versammelten wir uns heute, nach oorangegangenem „Lernen", im Hotel Grünewald zu einer kleinen, schlichten Feier. Der Wunsch, der alle Anwesenden erfüllte, daß der Schiur wie bisher auch weiter bestehen bleibe, wurde dabei wiederholt zum Ausdruck gebracht, und die Hofnung, daß rnva alle Teilnehmer an diesen schönen Zusammenkünften noch viele, viele Jahre daran teilnehmen mögen. Briefkasten. Vas Zion, Rexingen. Betrag eingegangen und wurde dem Bestimmungszweckzugeführt. S. Betrag eingegangen und wurde weitergeleitet. Die Woche. Delegiertentag der Agudas Jisroel-Jugendorgamfation. Wie schon kurz mitgeteilt, findet vom 25. bis 28. Dezember ds. Js. in Frankfurt a. M. der ordentliche Delegiertentag-der Agudas Jisroel-Jugendorganisation statt. Am Donnerstag, den 25. Dezember, vormittags 9 Uhr, ist Sitzung des gesamten Organifationsoorstandes im Heime der Agudas Jisroel-Jugendgruppe, Schwanenftraße 12. Diese Sitzung ist intern. Nachmittags um 3 Uhr findet dann in den Räumen des „Mekor Chajim"-Vereins, Langestr. 18, die Eröffnung des Delegiertentages und dessen erste Sitzung statt. Die zweite Sitzung findet Fretiag vorm. 9 Uhr ebenfalls in den Räumen des „Mekor Chajim" statt und wird bis gegen Mittag dauern. Freitag Abend um 8 Uhr wird ein gemütliches Zusammensein für die Teilnehmer des Delegiertentages in den Räumen der Jugendgruppe. Schwanenftr. 12, für Gäste und Mitglieder mit Bewirtung veranstaltet. Schabbos früh, 7.30 Uhr, findet für Interessenten wie immer, das Frühminjan in der Schwanenstr. 12 statt, um 11.30 Uhr vorm, wird in den Räumen des „Mekor Chajim"-Vereins efn Schiur für die Teilnehmer des Delegiertentages abgehalten. Sollte sich die Notwendigkeit ergeben, die Verhandlungen des Delegiertentages am Sonntag vorm, fortzusetzen, so würde die weitere Tagung im Heim der Jugendgruppe abgehalten werden. Der Zutritt zu den Verhandlungen des Delegiertentages steht jedem Mitglieds der Jugend-, Orts- und Frauengruppe der Agudas Jisroel frei. Die Kundgebung am Samstag, den 28. Dezember abends im Saalbau, ist öffentlich. - Wir bitten unsere Freunde um regen Besuch unserer Veranstaltungen. — Nähere Auskünfte erteilt das Büro des Delegiertentages Schwanenstraße 12. Kundgebung der Agudas Jisroel. Anläßlich des Delegiertentages veranstalten die Orts-^ Frauen- und Jugendgruppe der Agudas Jisroel im S a a l b a u (Junghofstraße, kleiner Saal) Samstag, den 27. Dezember, 30.45 Uhr, eine großeKundgebung. Es werden sprechen: Jacob Rosenheim: „Die gegenwärtige Lage der Agudas Jisroel-Weltorganifation". Wolf S. Jacobson, Hamburg: „Die praktischen Leistungen des Keren Hathora". Umrahmt werden die Vorträge von Sologesängen des Herrn L. Finkelstein, unter Begleitung der Frau Klärchen Wohlfarth am Klavier. Wir erwarten, daß unsere Mitglieder sich vollzählig an dieser Veranstaltung beteiligen. Auch Nichtmitglieber, Unkosten-. Vorstandsmitglied Fritz Sondheimer. Er hat seine s geistige Frische und Arbetskraft ll/2 Jahrzehnte lang bereitwillig und mit großem Interesse in den Dienst der Gemeinde gestellt. Als Vorstandsreferent bei den Etatberatungen hat er mit scharfem Verstand eine eingehende Kenntnis der Materie gepaart, im Pflegamt des Krankenhauses Gagernstraße seine Liebe zur Gemeinde unermüdlich betätigt. Mögen immer Männer von seiner geistigen Bedeutung und Hingabe im Dienste der Gemeinde wirken. Der Vorsibende reiht „ein frohes Ereignis" an. . . „ . __ Rabbiner Dr. Cäsar S e l i g m a n n hat seinen 70. Gespeziell dem Mekor \ burtstag gefeiert. Er habe in den Kreisen, die seiner Feierstunde fern, ihm > Anschauung nahestehen, befruchtend auf das religiöse zum -ehrenden Andenken und uns zum Ansporn. Alle Leben, habe in Frische und Lebendigkeit für die Jn- Mitglieder des Mekor Chajim wie der anderen Lernvereine, sowie alle Freunde des Heimgegangenen, sind höflichst dazu eingeladen. Mit Rücksicht auf den zu erwartenden starken Besuch wird um pünktliches Erscheinen gebeten. Damen haben 'Zutritt. Don der Israelitischen Gemeinde. Letzte Sitzung der Gemeindevertretung in dieser Zusammensetzung. Da mag füglich einiges Grundsätzliche und Sonstige gesagt werden. Fundament der Einheitsgemeinde ist eine sehr weitgehende Duldsamkeit. Was weltanschaulich und praktisch geschieden ist, wie Wasser und Feuer — traditionelles und „zeitgemäß" gewandeltes Judentum — ruht und wirkt hier unter einem,Dache, wird von einem einigenden Band zusammengehalten. Bewohner eines Hauses müssen sich schließlich vertragen, können nicht in stetem Unfrieden miteinander leben. Gegensätze tiefgreifender Art werden notgedrungen zurückgestellt, jede der beiden religiösen Hauptrichtungen trachtet danach, i h r Feld zu bebauen, ihren Weinberg zu hüten, muß aber auch naturgemäß dem Nachbarn und Mitbewohner gestatten, daß er das Gleiche tut. Hier erscheint eine nicht zu verkennende und noch weniger zu unterschätzende Inkongruenz. Für den Betrachter von draußen muß zunächst der Eindruck erweckt werden, als ob es zwei Sorten von Judentum mit gleicher Existenz — und gleicher Geltungsberechtigung gibt, die verträglich zusammen wohnen können. Daß dem nicht so ist, ist den Konservativen der Einheitsgemeinde so klar wie nur irgendeinem. Aber sie rechtfertigen ihren Standpunkt damit, daß sie unentwegt die Hoffnung hegen, Ueberläufer aus dem. liberalen Lager zu erhalten. Mit andern Worten: sie schreiben der Tauröh und sich selbst als deren treuen Trägern eine so gewaltig werbende und anfeuernde Kraft zu, daß sie Erstarrtes beleben und halb Verglommenes neu anfachen werde. Demzuliebe nehmen sie, sicherlich nicht frohen Herzens, mit in Kauf, daß sie, um die Verwirklichung ihrer eigenen religiösen Belange und Ziele zu erreichen, konzedieren müssen, wo ihnen der Sinn mehr danach stände, zu bekämpfen, bewilligen müssen, wo sie ablehnen möchten. Wir scheuen uns nicht, bei aller Würdigung ihrer Persönlichkeiten, offen auszuspre chen, daß wir das für einen Irrtum halten, ohne elbstverftändlich als Laie halachifch irgendwie urteilen zu wollen. Wir fürchten, daß die oft in ein sehr beleihendes Gewand gehüllte Reform viel stärker und nachhaltiger auf das überzeugungstreue Judentum abärbt, dieses viel mehr und nachteiliger beeinflußt als umgekehrt. Sachlich und politisch erscheint es uns daher nicht angebracht, wenn ein konservativer Führer der Frankfurter Einheitsgemeinde stets mit weitausholender Geste unter Pauken- und Drommetenschall die Einheitsgemeinde als Gebilde der „höchsten Toleranz" preist. Denn diese Toleranz quillt ja letzten Endes nicht aus innerster Ueberzeugung, sondern ist nur edles Mittel zu edel gemeintem Zweck. , Und auch Toleranz hat schließlich ihre Grenze, muß zurückprallen vor dem überlieferten, dem einzig wahren Judentum. Da wären wir glücklich bei der F r a n k f u r - er Einheitsgemeinde angelangt. Ließe sich das Gesagte ausschalten, so könnten wir dem Wollen und Wirken, der Art des Tuns und Treibens ihrer Gemeindevertretung unbedingt Anerkennung zollen. Zunächst: sie hat Köpfe — vereinzelt allerdings auch Hitzköpfe. Es ist eine ernste Gehaltenheit des Tons in ihren durchweg öffentlichen Sitzungen, die kaum je ausartet. Fraktionen und hinter den Kulissen die sehr gut zuammengesetzten Kommissionen haben das redliche Betreben, verantwortungsbewußt zum Wöhle des Ganzen zu arbeiten. Niemand meint sich, alle nur die Sache. Jeder opfert mit freudiger Bereitwilligkeit Zeit und Mühe. Der Vorsitzende, wenn er nicht gerade vorübergehend mit dem ihm durch Personalunion engst verbundenen Schulratsvorsitzenden des Philantropin. kollidiert, leitet die Versammlungen mit außerordentlichem Takt, beherrschter Ruhe und trotz seiner liberalen Einstellung rühmenswerter Objektivität allen Parteien gegenüber. Vorstand und der ihm angegliederte Syndikus wissen ihre Beschlüsse und Vorlagen geschickt zu verteidigen. Von Etatberätungen abgesehen, bietet die Kürze der Sitzungen ihre besondere Würze. Von den drei auch räumlich vereinigten Fraktionen, Konservative, Volksparteiler (lies Zionisten) und Liberale sprechen in der Regel nur die geistig und rednerisch bedeutenden Führer oder ihre Vertreter. Kurzum — es ist für den Beschauer ein interessantes und wertvolles Bild von drei Hauptströmungen des gegenwärtigen Judentums. Letzte Sitzung dieser Gemeindevertretung. Letzter Abschiedsgruß des Vorsitzenden an das Heimgegangene tereffen des Gesamtjudentums gewirkt. Auch die Kreise, die weltanschaulich von ihm geschieden sind, anerkennen seine reine und vornehme Persönlichkeit. Wir wollen den Nachhall des Jubels, der auch in einer großen Gratulationskur und in einer Festnummer des Gemeindeblattes seinen Niederschlag fand, nicht stören. Der historischen Gerechtigkeit halber aber müssen/'.wir doch in Erinnerung bringen, daß dieser Dr. Cäsar S e l i g m a n n der Verfasser der berüchtigten „Richtlinien" ist und stets von sich bekannt hat, er ordne Vernunft und Wissenschaft der Tradition über. Wir hegen im Uebrigen auch recht erhebliche Zweifel, ob es auch der Würzburger Raw f. A. übernommen hätte, diesem ausgeprägten Reformer im Namen der Gemeindevertretung glückwünschend zu nahen, wie sein Nachkomme. Eine religiöse und eine — nun sagen wir einmal minder religiöse Institution tauchen aus dem Plan auf. Zeitlich zunächst die minder religiöse, das alte Kampfobjekt, genannt „Philantropin". Die Streitaxt ist für den Moment begraben, Vorstand und Schulrat haben sich geeinigt, Gemeindeverwaltung und Konservative haben einen gewissen Sieg erfochten, die bisher stolz und beharrlich behauptete Machtherrlichkeit des Schulrats von eigenen Gnaden hat eine gewisse Nachgiebigkeit gezeigt. Die Zahl der Schulratsmitglieder wurde von 9 auf 11 erhöht, 7 Sitze davon nimmt die Gemeindeverwaltung an. Und zum ersten Male seit Bestand des Philantropin wird ein konservativer Bürgerdeputierter, d. h. nicht der Gemeindeverwaltung Angehöriger in den Schulrat entsandt. Trotz alledem bleiben wir skeptisch hinsichtlich dieser jüdischen Schule. Ihr geistiges Oberhaupt deutschtümelt uns zu viel, zu stark, zu betont prononziert. Ein weiteres Neues ist entstanden: ein Volksschulr a t des Philantropin, der aus den 11 Mitgliedern des Schulrats und 4 von der Gemeindeverwaltung zu ernennenden Bürgerdeputierten besteht. Die Finanzen des Gesamtphilantropin werden für 1931/32 durch einen Gemeindezuschuß von Mk. 28 8 000 (als Höchstgrenze) gesichert. Dann: die religiöse Institution, der Verein „Israelitische R e l i g i o n s s ch u l e ", der die R e l ig i o n s s ch u l e n und Synagogen Hermesweg und Unterlindau umfaßt. Ungunst der Zeiten in Verbindung mit einer nicht sonderlich glänzenden kaufmännischen Geschäftsführung haben ein namhaftes Defizit zuwege gebracht und die Gefahr einer Zwangsversteigerung der Synagoge Unterlindau trotz deren aus Platzmieten herrührendem Ueberschuß von jährlich etwa Mk. 7000.— nahegerückt. Hier muß und wird Wandel geschaffen werden. Ein Ueberbrückungskredit von Mk. 10.000 wird genehmigt, zu befürchten ist allerdings, daß man auf dieser Brücke nicht sehr weit gehen können wird. Der Vorstand des Vereins wird sich unter Aenderung der Vereinssätzung künftighin in der Mehrheit aus Mitgliedern der Gemeindeverwaltung zufannnensetzen, der Gemeinde steht das Recht zu, den gesamten Grundbeü^ unter Uebernahme der Lasten zu erwerben. Das gesamte Geschäftsgebahren wird der Kontrolle der Gemeinde unterworfen, es soll Vorsorge getroffen werden, daß die gewährte Subvention rein und ausschließlich für den Religionsunterricht verwendet wird und nicht etwa teilweise zur Abdeckung von Schulden und Aehnlichem. Eine völlige Vergemeindung verbietet die angespannte Finanzlage der Patronatsbehörde. Kinder helfen Kindern und amüsieren sich. Warum soll nicht auch die neueste Kombination von Kunst und Technik,, der Tonfilm, in den Dienst der guten Sache genommen werden? So fragte sich der rührige Vorstand der Jüdischen Frauenvereinigung und annektierte kurz entschlossen eine Tonsilmpremiere im „Roxy" zugunsten des von ihm betreuten Hortes f ür jüdische Mädchen. Kopf an Kops — und was für schöne Köpfchen — saßen die kleinen Leute Sonnag Vormittag in den Stuhlreihen des Roxy-Palastes, die Gesichter voller Freude und spannender Erwartung. Es dauerte lange. Die Kleinen wurden ungeduldig. Dann aber ging der Vorhang auf, die lustigen tollen Sprünge der Micki - Maus begannen, und ein paar hundert Kinderherzen hüpften im Takte der wiegenden Musik mit, zwischen Staunen und Lachen und Beifallsäußerungen. Dann sah man ehr viel Sport unb Spiel, auch allerliebste ABC- Schützen auf den Bänken einer holländischen Schule sitzen und singen. Nun wurden Schiffsmaste, Schornsteine sichtbar, man sah etwas von der Welt, schwarze und weiße Menschen, auch gelbe mit Schlitzaugen; man sah Affen aus Zedern und Dattelpalmen klettern. War man auf Ceylon, in Aegypten oder in China? Schwer zu