Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 52 (24.12.1930)
- Date
- 1930-12-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 52 Der Israelit 24. Dezember 1930 da die Kommission auf Grund internationaler Vereinbarungen unter den Auspizien des Völkerbundes ernannt wurde. Wie seitens des Kolonialamtes der Jüdischen Telegraphcn-Agentur mitgeteilt wird, entsprechen die Gerüchte, daß der sich augenblicklich in London aufhaltende Sekretär der arabischen Exekutive, Jamal Husseini, bemüht sei, die Veröffentlichung des Berichtes der Klagemauerkommission zu verhindern, nicht den Tatsachen. Die Verwaltung Palästinas soll dem Autzenaml unterstellt werden. London, 18. Dezember. Der Abgeordnete der Labour-Party Lt.-Cdr. Hon I. M. Kenworthy, hat auf dem Jubiläumsbankett des Hebrew Board of Guardians in Hüll eine Ansprache gehalten, in der er die aussehenerregende . Mi.seiluna machte, es werde die Verwaltung Palästinas wahrscheinlich dem Kolonialamte entzogen und dem A u tz e n a m t e u n t e r st e l l t werden. Er selbst habe der Regierung einen diesbezüglichen Vorschlag unterbreitet und sei überzeugt, daß er angenommen werde. Weiter erklärte Kenworthu, das; nur wenige Führer der Labour- Party bereit seien, der im Weißbuche über Palästina angekündigten Politik ihre Unterstützung zu leihen. Vor kurzem hat auch Lord Erleigh erklärt, daß mit der Unterstellung Palästinas unter das Außenamt zu rechnen sei. das ein bekannt orthodoxer Jude leitet, gab sich dort vertrauensvoll dem Messer des jüdischen Chirurgen und ließ sich, als schließlich die Transfusion nötig wurde, von einem dritten Juden Blut spenden. - Leider kam all diese Hilfe zu spät. Der Fall passierte erst nach Simp sons ruhmreichem Abschied aus Erez Israel. Schade, schade; was hätte er daraus gemacht! Personalien. Rußland. Die Ozet-Konserenz in Moskau geschlossen. Moskau, 17. Dezember. Auf der Moskauer Ozet-Konferenz wurde von einer Gruppe von Delegierten der Antrag gestellt, die Vereinigung privater Gesellschaften für jüdische Kolonisation Ozet und die Negierungskommission für jüdische Lanüansiedlung (Komzet) aufzulösen. Der Antrag wurde damit begründet, .daß es in der Sowjetunion keine besitzlosen Juden mehr gebe, die die Ansiedlung auf benr Lande anstreben, und daß der ungeheure Bedarf der Sowjetindustrie an Arbeitskräften eigene jüdische Organisationen, wie Ozet und Komzet, deren Funktionen auch von den allgemeinen Regierungsbehörden ausgeübt werden, entbehrlich mache. Rach längerer Debatte wurde der Antrag abgelehnt. Palästina. Ucberfall unter Berufung auf das Weihbuch. Jerusalem, 17. Dezember. In der Kolonie Kfar Jehoschua bei Rahallal wurden jüdische Kolonisten beim Pflügen von Beduinen überfallen. Ein Kolonist wurde verletzt. Fünf Beduinen wurden verhaftet. Rach seiner Verhaftung erklärte einer der Beduinen, er habe geglaubt, durch das Weißbuch sei der Boden Palästinas landlosen Arabern zugesprochen worden, und daß die Juden kein Recht auf Landbesitz in Palästina haben. Lin verpatzter Beleg. Jerusalem, 18. Dez. Sir Simpson war höchst gewissenhaft. In seinem Report befaßte er sich nicht nur mit den armen Fellachen, um sie vor der jüdischen Zudringlichkeit zu schützen. Nein, sein Herz war allen Arabern aufgetan, welche unter der lästigen Einwanderung leiden. So gibt er mitfühlend die Klage wieder, in Tel-Awiw, „der Vorstadt Jaffas", hätten die jüdischen Aerzte aus Europa sich so vermehrt, daß ihre arabischen Kollegen in Jaffa arbeitslos werden. „Denn das arabische Publikum hat keine Aversion, Juden zu konsultieren". Anscheinend hat das Colonial Office diesen Wink übersehen, denn es wurde nur die Einwanderung jüdischer Arbeiter gesperrt und nicht auch die jüdischer Aerzte. Aber vielleicht kommt das noch nach. Merkwürdig nur, daß jene starke arabische Aversion, welche Shaw und Simpson uns Juden so ankreiden, gerade bei den jüdischen Aerzten versagt. Starb da neulich Ehren-Muftis bester Freund und Pogromgehilfe, Scheich Shawadee aus Caza. Er hatte sich eine Blutvergiftung zugezogen, und, als das Ding schon schlimm stand, holte man den Arzt herbei, natürlich einen Konnationalen. Da winkte der Kranke zornig ab. Auch von Briten, Deutschen und sonstigen Christen wollte er nichts wissen. Er ließ sich den weiten Weg nach Jerusalem führen, ausgerechnet ins Spital Schaare Zedek, Freudenburg, 19. Dez. Am 1. Januar 1931 begeht, s. G. w., Frau Judith Kahn geb. Wolf (weit und breit bekannt unter dem Namen „Tante Jüdelchen"), Witwe des verstorbenen David Kahn I s. A., in Freuden bürg, Bezirk Trier, ihren neunzig st en Geburts tag. Am 1. Jpnuar 1841 in Wawern, Krs. Saarburg geboren, wohnt sie feit einem Menschenalter in Freuden bürg, wo sie sich durch ihr leutseliges und munteres Wesen der größten Beliebtheit bei Juden und Nichtjuden erfreut. Vielen hat sie durch Rat und Tat in allen Ze ten zur Seite gestanden. Als älteste Bewohnerin des ganzen Kreises ist sie eine lebende Chronik, und gerne erzählt sie aus ihrem abwechslungsreichen Leben von früheren Zeiten. Viele hat sie kommen und gehen sehen und auch an der Bahre von Kindern, Enkeln und Ur enkeln gestanden. Ein Beispiel echt jüdischer Frömmig -n sc* Ai Urgroßmutter und ArenkUn. feit, ist sie allen ein leudjtenbes Vorbild mit ihrem G'ttvertrauen. Sie ist ein wahres ir>ri nw, wie sie heute leider immer weniger werden. Sie hatte im Jahre 1911 das Glück, noch ihre goldene Hochzeit zu feiern. Leider wurde einige Jahre darauf ihr Gatte, der ebenfalls weit über die Grenzen der Heimat bekannte Pferdehändler David Kahn I f. A., dem ie eine treue Lebensgefährtin war, in ein besseres Jeneits abgerufen. Mit einer seltenen Körper- und Geistesfrische ausgestattet, steht' sie ihrem Haushalt heute noch selbst vor und erfreut so manchen durch ihren unverwüstlichen Humor Bor kurzem erlitt sie bei der Hausarbeit, die sie sich noch nicht aus der Hand nehmen läßt, einen Unfall. Der liebe G'tt, der sie in seinen besonderen Schutz genommen, und ihr unbegrenzter Wille zum Leben haben sie in diesen Tagen wieder genesen lassen, und so freut sich alles darauf, ihr zu ihrem Ehrentage die herzlichsten Glückwünsche darzubringen. Zwei Kinder, zwölf Enkel, siebenzehn Urenkel, wovon der älteste bereits 21 Jahre ist, werden den frohen Kreis ihres Festes bilden. Möge der liebe G'tt ihr das Glück schenken, auch noch ihren hundertsten Geburstag in derselben Frische begehen zu können. v"yny. Oberrabblner Akiba klein Vst» Eisensladt, 20. Dez. Ein Verhängnis ganz eigener Art hat es gefügt, daß unsere altehrwürdige Gemeinde, die Zenrum und Hauptort der berühmten Schema Kehilloth war und auch jetzt als die der Hauptstadt des Burgenlandes von hoher Bedeutung für die österreichische Judenheit ist, jahrelang keinen Oberrabbiner besaß. Als dann aber endlich vor wenigen Jahren der Mann gefunden worden war, der. würdig und geneigt schien, die Kette glänzender Namen 'ortzusetzen, da ergriff ihn alsbald eine unheilbare Krankheit, von der ihn Freitag, den 12. d. M., im Alter von 48 Jahren der Tod erlöste. Rabbi Akiba Klein, der rühere Oberrabbiner von Bekesczaba, war schon Männer geschaffen und gehegt hatten. Allein, es sollte anders kommen ... Auf die Nachricht von dem Hinscheiden des Oberrabbiners Klein hatten sich aus dem ganzen Lande zahlreiche Verehrer und offizielle Abordnungen zu dem Sonntag, den 14. d. M. stattgefundenen Begräbnis eingefunden. Im Trauerhaufe nahm Präsident Wärndorf e r von der Eifenstädtex Gemeinde tiefgerührt von dem geistigen Oberhaupt Abschied. Er versicherte, daß die Gemeinde seiner nie vergessen und sich für die Versorgung der vier unmündigen Kinder einsetzen-werde. Im Beth Hamidrasch, an der Stätte des Wirkens des Verblichenen, hielt sein Bruder Markus Klein, Budapest, einen ergreifenden Nachruf. In der Synagoge, wohin dann die Bahre gebracht wurde, hatten sich die Vertreter der Behörden, die ganze Gemeinde und die Abordnungen eingefunden. Dort würdigte zunächst Oberrabbiner L ö w y (Frauenkirchen) den Dahingegangenen und auch die Oberrabbiner Reich aus Oslany, E h r e n f e l d aus Mattersburg, Dr. H. Weih aus Wr.-Neustadt und Dr, Simon Posen aus Oedebnurg hielten ihrem verblichenen Amtsbruder bewegte Nachrufe. Als letzter Redner sprach noch Direktor Dr. Deutsch aus Budapest, und dann bewegte sich der Zug zur letzten Ruhestätte, an der ein Oheim des Verstorbenen, Herr Jekuthiel Weiß, ihm einige Worte des Abschieds widmete. Mit Oberrabbiner Klein ist ein Mann von edelstem Charakter, eine Zierde seines Standes, seiner Gemeinde und seiner Familie^, entrissen worden. -rraxwi Buchen (Baden), 19. Dez. Am 31. Dezember vollendet Herr Leopold Strauß sein siebzigstes Lebensjahr. Der'Jubilar — einer alten jüdischen Buchener Familie entstammend — erfreut sich allgemeiner Beliebtheit und Wertschätzung in den weitesten und verschiedensten Kreisen der Bevölkerung. Herr Strauß ist bereits 10 Jahre Synagogenrat in unserer Gemeinde und war auch ein Jahrzehnt als Stadtverordneter tätig.' Wir wünschen dem Jubilar einen heiteren Lebensabend, körperliche und geistige Gesundheit.! mv ll'-ivyi ruw ty Hamburg, 22. Dez. Zu dem in letzter Nummer erschienenen Nachruf über verschiedene Hamburger Persönlichkeiten ist noch folgender Absatz hinzuzufügen: Auf der Höhe seines Lebens ging B e n i Bond i von uns. Er war ein rechter Bondi, und so weiß die Welt, wieviel Güte, Wohlwollen und Hilfsbereitschaft von ihm ausging, wie tief fromm er war, welch ein Gatte voll Liebe, welch ein Vater voll Zärtlichkeit, welch ein Mann von Zuverlässigkeit" überall dort, wo er in Verwaltungen mitwirkte oder wo man in der Kaufmannswelt seinen Rat suchte. Möge seine tiefgebeugte Gattin, die Tochter unseres alloerehrten Hermann Gumpertz Vst an der Aufgabe, ihren Kindern das Gedächtnis dieses ausgezeichneten Mannes in seiner ganzen Schönheit zu erhalten, erstarken, möge sie darin Beruhigung und Trost ändern iraxa« Rabbi Meschulom Fischet Behr Roßjeni (Litauen), 18. Dez. Einen schweren unersetzlichen Verlust hat die litauische Judenheit durch das Ableben Fischet Vehrs in Roßjenr erlitten. Einer der angesehensten jüdischen Familien in Memel entstammend (sein Vater, Rabbi Elje Behr war Mechuton von Rabbi Jizchok Elchonon) vereinigte Rabbi Fischet Behr Thoraweisheit, profane Bildung und alle Eigenschaften des alten jüdischen Adels in sich, nVin'i rnvr in» Von Kindheit auf wurde er von großen Männern, gemäß seinen reichen Fähigkeiten, herangebildet und nach seiner Verheiratung saß er den größten Männern der Zeit zu Füßen, wie Rabbi Jizchok Elchonon, Malbim, Rabbi Israel Salanter, Rabbi Elje Kretinger, Rabbi Jizchok Petersburger usw. Mit all diesen Männern verband ihn innigste Freundschaft bis zu deren Ableben. Erstaunlich war das ■ Geschichtswissen Vehrs, besonders aus der Zeit der Sabburäer und Gaoniten. Einige einer Abhandlungen auf diesem (Bebiete mürben im Mainzer „Israelit" veröffentlicht und fanden seinerzeit größtes Interesse. In einem Werke vbv» weist er, ähnlich wie später Rabbi Jizchok Halevi, Grätz schwere Jrrtümer und Fehler bei Darstellung bedeutender gechichtlicher Ereignisse und Perioden nach. ' Es muß nicht erst betont werden, daß der Heimgegangene führend war im jüdischen Leben Roßjenis und Litauens. 31 Jahre stand er als Gabbe der Talmud-Thora vor und seiner Kraft ist es zu verdanken, daß die Talmud-Thora in Roßjeni eine Musterchule für ganz Litauen ist. Ebenso lange war er Gabbe des litauischen Kolels der Rabbi Meir Baal Hanes-Büchsen für Palästina,-und seine Tätigkeit in diesem Amte dokumentierte seine ganze aufopfernde. Liebe zu Erez Israel. ~ Rabbi Fkschel Behr war einer aus der guten alten Zeit, aber auch mit dem Maßstabe früherer Generationen gemessen, einer der Besten. Er wird in Roßjeni und Litauen unvergessen bleiben. n'asar,.. N. F. Gr. Rabbi Jizchok Bäuminger Krakau, 20. Dez. Mit Jizchok David Bäuminger ist eine führende von einer früheren Wirksamkeit her als der hochgelehrte und hingebungsvolle Raw und Leiter einer Jeschiwa,- als l Persönlichkeit aus religiösem wie politischem Gebiete aus bescheidener Mann von tiefster Frömmigkeit bekannt und dem Leben gegangen. Ein treuer Wächter der alten Keil. schien er wie kaum ein anderer Bewerber geeignet, hilla und ihrer geheiligten Tradition, stand er eine Reihe der Nachfolger der großen Rabbonim von Eisenstadt zu von Jahre nauf seinem Posten als Bizepräses dev werden. In einer Epoche religiösen Besarlls konnte man Krakauer Gemeinde. Ein Mitbegründer der von ihm erwarten, daß er den Glanz Eisenstadts wie-jAgudas Jisroel, hatte er von der ersten Kattoderherstellen werde, den diese und noch viele andere witzer Versammlung bis zur zweiten Kenessio in Wierr