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Der Israelit · 1930-12-24 · Heft 52 (24.12.1930) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 52 (24.12.1930)
Date
1930-12-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 52 Der Israelit 24. Dezember 1930 Dauerwellen und Haararbeiten ist Vertrauenssache! EUGEN OCHS Spezialist dafür Moselstr.16 . Taunus 1593 Unverbindlicher Besuch erbeten ■hbhhb Augemmcken der Gefahr, Wenn noch dazu eine Spaltung innerhalb der jüdischen Gemeinschaft eine Verminderung ihres Lvroerstand-es herbeiführt, stellt sich ausgleichend die Rückverbindung ein, d. h. der Anschluß an die Kette der Geschlechter vor uns und das Vensenten in uns selbst, dieweil wir die Substanz unserer Eltern und Voreltern in uns tragen. Mit Spiritismus habe das nichts zu tun, das Gesetz findet seine rein naturwissenschaftliche Erklärung. Es ist wirklich so, daß die Toten in uns leben, und der Friedhof ist in Wahrheit ein „Haus des Lebens". Rückwärtige Verbindung ist somit nichts anderes als ein Hinabtauchen in den Lebensstrom, der durch uns geht. Die jüdische Geschichte besteht aus lauter Analogien zwischen Ereignissen der Vergangenheit und gegenwärtigen Erlebnissen. Wer Geschichte nicht nur lernt, sondern erlebt, hat die Rückverbindung mit dem eigenen Unterbewußtfein. Vergangenes wird -ihm Eigenes und Persönliches.! Diese Feststellung, von uns mit eigenen Worten nach einem Berichte der ITA. formuliert, ist unstreitig richtig, so richtig, daß kein Wort dagegen einzuwenden ist, höchstens brns, daß es unsere weisen Lehrer mit weniger Feierlichkeit, mit wenger Umstand undbar aller philosophischen Umnebelung, kurz und prägnant, mit dem Worte aussprachen: „Jede jüdische Seele hat mit am Sinai Nestanden! ..." Im Lichte dieser klaren und bündigen These gesehen, erledigt sich aber der ganze Fragebogen, von dem Zweig ausgeht, von selbst. Woher es kommt, daß in Stunden der Gefahr für feine Existenz sich d-er jüdische Kreis nicht zu einer Einheitsfront 'zusammenschließt, sondern sich -in Gruppen und Parteien spaltet? Es kommt von nirgends her — weil es gar nicht stimmt;' weil jede Sammlung gleichgearteter Elemente immer auch eine Trennung gegenüber anderen Teilen bedeutet. Im Bewußtsein, oder sagen wir mit Zweig, im „Unterbewußtsein" der lebendigen Kraft, die in uns schlummert, die wir von den „lebendigen Toten im Hause des Lebens" beziehen, haben wir das innere Streben, bicfe unsere größte und einzige Kraft den Gefahren entgegnzusetzen. Die Träger dieser Kraft — vielleicht richtiger: die v o n d i es e r Kraft Getragenen — sammeln sich. Und diese Sammlung ist zugleich eine Trennung, eine reinliche Scheidung-, eine Kampfansage an diejenigen, die die Rückoerbindung mit der Substanz der Väter verloren haben und Heil und Rettung auf Wegen suchen, die nicht'die unseren sein können. Als der große Juda Makkabi all die Flüchtlinge und die Höhlenbewohner zu einer kleinen, für die Substanz der Väter entflammten Schar sammelte, so bedeutete diese Sammlung selbstverständlich einen jähen B r u ch m i t d e rg r o ß e n u n d mächtigen Partei derer, die in Anpassun g an Griechen und Griechentum Heiland Rettung s u ch t> e n. Als sich nach dem modernen Hellenismus zu Anfang und in der Mitte des vorigen Jahrhunderts die — nicht vom Unterbewußtsein — vom klaren- Bewußtsein ihrer ewigen Verbundenheit mit der jüdischen Vergangenheit Beseelten zusammentaten, um die Trümmer einer jahrzehntelangen Zerstörung abzutragen und den Aufbau auf altem gereinigtem Grunde vorzunehmen, da schrieen die Anderen: Trennung, Austritt, F r i e d e n s b r u ch! Aber es war Sammlung, Zusammenfügung der zum Bau gehörenden Teile, die Reaktion der gesund gebliebenen Teile der jüdischen Volksseele -auf Gefahren, die dieselbe bedrohten. Was die Rückverbindung mit dem alten Gesetz nicht verloren hatte und hat, hielt und hält — trotz kleiner Nuancen — zusammen und ist gesondert von den Anderen. Das ist Sammlung und Einigung durch Teilung-und Trennung. Arnold Zweig warnt zum Schluß vor' der Furcht Vieler, die Rückverbindung herzustellen; nicht die Rückverbindung, sondern L-te Furcht vor d e r f e l b e n muß den Menschen schwächen. Schöpferische Leistung ist ohne innige Verbindung mit dem- -in uns liegenden inspiratorischen Quellen undenkbar. Eine Lösung der Rückverbindung ist gleichbedeutend mit einem Verstopfen der Quellen unserer Kruft, einem Abschneiden des Stranges, der die geistigen Ströme der Vergangenheit uns zuleitet. Was g e w e f e n ist, ist die Bürgerschaft d-esfen, was ist undwas kommen wird. Gut gesagt! Aber wenn Arnold^ Zweig das alles weiß, warum kann er zu Anfang feines Referates die Quellen für die Widerstandskraft des jüdischen Volkes nicht in d-er biblischen Zeit, in den vom Sinai beschatteten Gefilden suchen und finden? Warum müssen danndie „n-ationalen Substanzen" -als Aberglaube zurückgewiesen werden, wenn man unter „nationalen Substan-' zne" das versteht, was wir darunter verstehen: inneres!/Verbündensein mit dem V ä t e r g u t, das kein Väter erbe ist, sondern unveräußerlicher Ei gen besitz? Wir vermissen —: und vermissen gern —‘in den Schlußfolgerungen Zweigs, vorausgesetzt, daß-sie von der ITA. dem Sinne nach , richtig wiedergegeben sind, die „ Rü ck v e r b i n d u n g mit dem Ausgangspunkt sie in es die ferate s. Korrespondenzen « Nachrichten. Deutsches Reich. Zu den Repräsentantenwahlen in Berlin. Berlin, 14. Dez. Zu den Betrachtungen, die wir vor 14 Tagen den Berliner Nepräsentantenwahlen widmeten, schreibt uns der Berliner Misrachi folgendes: „Sie schreiben in Ihrem Artikel: „Dia gleiche gute Absicht, (wie die Jüdisch-liberale Zeitung sie für die liberale Fraktion in der Repräsentanz zum Ausdruck bringt) als unbestellter Vormund die religiösen Interessen der mundtoten Konservativen zn wahren, bekundet auch die Volkspartei, die —- leider — in der Taft 3 oder 4 gesetzästreue Repräsentanten in zionistischer Vermummung in sich birgt." Es ist falsch, daß die volksparteiliche Fralstion 3—4 gesetzestreue Repräsentanten umfaßt, richtig ist viel-- mehr, daß von den 14 Sitzen, die die Vvlkspartei innehat, acht von in-Gesinnung und - Lebensführung zum °Hesetzestrerien Lager gehörenden Persönlichkeiten eingenammeu werden, hiervon sieben organisierte Misrachistsn. - Ihre Bemerkung, daß dir Volkspartei sich zum „unbestellten Vormund der religiösen ' Interessen" aufwirft, ist ebenfalls unzutreffend. Bei der Wahl zur Berliner Repräsentanz.vor 4 Jahren hatte die konservative Partei 2900 Stimmen. Bei der Wahl, die jetzt stattfand, brachte sie es nur auf 1390 Stimmen. Sie hatte also über die Hälfte ihrer Anhänger verloren. Wir schätzen die Gesinnugstreue der früher konservativen Wähler zu hoch ein, als daß wir annehmen könnten, daß die der konservativen Partei abgesprungenen Wähler liberal gewählt haben. Wir wissen, daß Scharen von früher konservativen Wählern, im Vertrauen zu den von der Volkspartei aufgegestellten Misrachisten, die volksparteiliche Liste gewählt haben. Wir wissen außerdem, daß die Masse der volksparteilichen Wähler aus den Berliner Ostjuden besteht, die das jüdische Gesetz nicht nur kennen, sondern es , auch in allen seinen Teilen restlos zu erfüllen suchen. Diese, unsere Wählerschaft, die in ihrer Anzahl mindestens das zehnfache von dem darstellen, was ie konservattiven Parej an Wählern aufgebracht hat, geben der Volkspartei nicht nur d..a s Recht, s on b z i n legen i h r d i e int a b - weisliche Pflicht auf, die religiösen Interessen in der Berliner Jüdischen Gemeinde, zu vertreten. Eine andere Vertretung für diese Interessen gibt es nicht, denn es war keine Wählerschaft vorhanden, die einer anderen Partei das Vertrauen, religiöse Interessen zu vertreten, schenkte. Wir wollen davon absehen, deny hier scheint uns nicht der richtige Ort zu. einer solchen Auseinandersetzung zu sein, zu untersuchen, ob die Ursachen zu dieser Entwicklung in der bisherigen Vertretung der konservativen Partei, in der, Repräsentästz der Berlinei' Gemeinde liegen oder darin, daß die Volkspartei sich in den letzten Jahren das Vertrauen der religiös gerichteten/Juden Berlins in erhöhtem Maße gewonnen hat. Tatsache bleibt, daß die von der Vvlkspartei aufgestellte Liste mit ihren religiösen. Vertretren G o s l cr.r , W^a g n e r - T a u b t r , Hornstein, Prof. Pick, Dr. W o l f s b e r g, Mos es G o l d m a n n , R a u in der konservativen Judenheit Berlins, außerordentlichen Zuzugj/an Neuwählern erreichen konnte, während die von der konservativen Partei aufgestellte mehr als 50 Prozent ihrer bisherigen Stimmen einbüßte.. Anscheinend hat also die von Ihrem Korrespondenten festgestellte „zionistische Vermummung der volksparteilichen religiösen Kanditaten auf die konservativen Wähler nicht abschreckend gewirkt." Wir bemerken hierzu, daß es uns selbstverständlich nicht in den Sinn kommen kann, die gesetzestreue Lebensführung und noch viel weniger die gesetzestreue Gesinnung der Herren und Damen, die hier:, als Vertreter, der konservativen Judenheit Berlins genannt werden, einer hochnotpeinlichen Untersuchung zu -unterziehen. Uns war die überzeugungsgemäße Zugehörigkeit zur Orthodoxie nur von 3 oder 4 Gewählten bekannt, und es soll uns sehr lieb sein, wenn wir uns in dieser Hinsicht einer allzu pessimistischen Beurteilung schuldig gemacht haben. An dem Grundsätzlichen unserer Ausführungen wird jedoch dadurch nicht das Geringste geändert. Was wir beklagen, ist die Tatsache, daß das gesetzestreue Judentum es sich gefallen lassen muß, in der Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde nur noch als eine anonyme Größe von einzelnen Individuen vertreten zu werden, die nicht einmal dis Schmach mehr empfinden, die in dieser Anonymität liegt. Unter der neutralen Firma einer „Vvlkspartei" finden ich Männer zusammen, die über jüdische Treue und jüdische Wahrheit diametral entgegengesetzte Anschauungen hegen, und denen dieser Leben und Tod bedeutends Gegensatz nicht mehr wichtig genug i st, um eine, besondere körperschaftliche, ja sogar auch nur fraktionelle Vertretung nach außen zu fordern!'Das unjüdische Prinzip „Religion ist Privatsache" kommt durch diese Tatsache zu einem geradezu niederschmetternden Ausdruck. Man muß schon mit Blindheit geschlagen sein, um nicht zu erkennen, welche lebensgefährliche Situation durch eine solche Entwicklung für das Bewußtsein der Heranwachsenden Jugend insbesondere entsteht. Gewiß hat die Einsendung darin recht, daß die zionistische Vermummung der volkparteilichen religiösen Kandidaten auf die konservativen Wähler in Berlin nicht abschreckend gewirkt hat. Das besagt eben, daß die konservativen Wähler leider nicht mehr wissen, welche entscheidende Stellung -Bekenntnis und Treue zu G'tt und seinem Gesetze in der Wertskala des jüdischen Bewußtseins, einnehmen. Die Massen sind qn dieser Trübung ihres religiösen Beiputztseins, gewiß unschuldig. Verantwortlich sind die..Führer, d.i.e in den- Jahren, , die hinter uns liegen, der zionistischen Verwirrung' nicht 'rn,ist der genügenden Entschiedenheit entgegeugetreten sind. Die ostjüdischen Massen insbesondere, die in Berlin wohnen -und die von Haus aus an prinzipielles Denken Nicht gewohnt sind, sind überall, insbesondere aber im Westen, in Gefahr, der zionistischen Begriffsverwirrung züm Opfer zu fallen. Man braucht sich also nicht darüber zu wundern, daß dies insbesondere in Berlin der Fall war, wo die Organisationsarbeit der Agudas Jisroel bisher mnter'den Ostjuden kaum irgend welche Wurzel schlagen konnte.. Inwieweit für diese Entwicklung nicht nur die Konservativen der Jüdischen Gemeinde in Berlin, sondern auch die Führer der selbständigen orthoren Gemeinden und der Agudas Jisroel eine Verantwortung trifft, soll in. diesem Zusammenhang nicht untersucht werden, so wenig, wir in diesem Punkte die Selbstkritik scheuen möchten.. Schweiz. Von der schweizerischen Thora-Lehranstalt Ieschiwah „Lz-Chajim" in Montreux. p ' .. . . M.on t r-e u r , 19. Dez. Jn/einem Rundschreiben an die Eltern und Freundsher Jeschiwoh entbietet ihnen die Leitung nach Schilderung der Erfolge, aber auch den finanzieller Schwierigkeiten der: Jeschiwoh folgende Vorschläge:

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