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Der Israelit · 1930-12-24 · Heft 52 (24.12.1930) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 52 (24.12.1930)
Date
1930-12-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 52 Tauroh wohnten. Vielleicht ist llas der Sinn jenes Wortes, daß höher der Standpunkt des Zurückkehrenden als der des von jeher Frommen P. Manche Kreise der Orthodoxie stehen Birnbaum in Skepsis und Zurückhaltung gegenüber. Sie verstehen nicht, was in der Seele dieses Mannes vorgegangen ist, stehen dem so teilnahmslos gegenüber wie der Seemann dem Entzücken des Landbewohners, der zum -ersten Male das Meer erblickt. Ich glaube nicht, daß -es für die Orthodoxie spricht, daß sie sich mit der Selbstverständlichkeit des Ererbten zufrieden gibt, ohne die Werbekraft d es orthodoxen Gedankens auszuwerten, im fremden, aber auch im eigenen Lager, wo schon manches brüchig geworden ist, regenerationsbedürftig. Lhr Orthodoxen — entschuldigen Sie, daß ich „ihr" sage, ich möchte aber auch dazu gehören — betrachtet die Tauroh als ncniö' nicht aber ist sie Euch mnix»- Ihr lebt mit ihr in ruhiger Ehe: Gewohnheit und Gewöhnung bestimmen Euer Verhältnis zu ihr. Das heiße, werbende Erlebnis des ersten Sichfindens, dies fehlt Euch. Birnbaum erlebt es. Der Niederschlag dteses Erlebnisses ist die Aulim-Jdee." IV. Es kriselt überall. Hier aus äußeren, dort aus inneren Gründen. Die eine Weltanschauung löst die andere ab, das eine Glaubensbekenntnis das andere. Die Welt wird von einer Erschütterung in die andere gerissen, schwankt voneinem Extrem zum anderen. „Ein Fels im Meer steht Israels Glaube, Z-eine Ueberzeugung". Für uns kann es kein Schwanken, kann es kein Hin und Her geben, keine neuen Götter, weil die alten nichts taugen. Unser Glaube, unsere Weltanschauung: Was Abraham einst erkannte, feinem spätesten Enkel noch wird es das letzte Ziel allen Erkennens bedeuten. Was Moses am Sinai empfing, dem letzten treuen Sohn des jüdischen Volkes ist es und bleibt es G'ttes Gesetz, G'ttes Gebot. Form und Inhalt sind unwandelbar, keiner Entwicklung unterworfen, weil ubwandelbar der G'tt, der sie gab, er der Ausgangspunkt und das Ziel aller Entwicklung ist. Wenn also auch in der orthodoxen Jugend so etwas wie eine Krise — ich glaube das Wort ist krasser als die Dinge, die es beschreiben soll — vorhanden ist, so kann es sich nicht um Form und Inhalt selber handeln, sondern nur darum, wie Form und Inhalt, Judentum und Jüdischkeit auf uns wieder jenen starken, erhaltenden und gestaltenden Einfluß gewinnen können, daß wir von den Erschütterungen, Umwälzungen, inneren und äußeren Nöten der Umwelt unberührt bleiben, daß die Ausein- 2 er I s r ae l i t andersetzung mit dem, was u m ims ist, das, was i n uns ist, nicht gefährde oder auch nur berühre. Ich meine, die Aulim-Jdee — auch wenn nicht Jeder von uns sich ganz zum Aulim-Programm zu bekennen vermag — enthält so viel Kraftvolles, Urjüdifches, Ewiglebendes, daß wir im Ringen mit der Umwelt und um uns selber von dort her viel Förderung erhalten können und wir uns daher freudig zu ihr bekennen, dieses „Sonderinstrüment für Selbsterziehungsarbeit" dankbar benutzen sollten. WiS.J. Wochenrundschau. Wm Zur Delegierkentagung der A. 2. 2.0. In dieser Woche tagt in Frankfurt a. M. die Aguda-Jugend. Es entspricht der Tendenz der Zeit, daß diese Tagung im Stile größter Sachlichkeit, nüchterner Geschäftsmäßigkeit abgehalten werden soll. Von besonderen Referaten wird ebenso abgesehen wie von einer öffentlichen Kundgebung währendder ganzen Tagung-, nur als Ausktang des hoffentlich gut verlaufenden Zusammenseins ist eine solche geplant. Fragen der O r g -a n i s a t t o n und der E r - ziehung, die Inangriffnahme sozialer Aufgaben werden die Delegiertenzu beschäftigen haben, all das, was feit einem Jahre und länger die agudistifche Jugend Deutschlands bewegt und bedrückt hat. Das Problem des a g u d i st i f ch e n Nachwuchses — des Nachwuchses für die Jugend- und für die Ortsgruppen — soll zu lösen versucht werden, nachdem es viele Jahre schon die Gemüter beschäftigt und erhitzt hat. . Ueber die zukünftige Form der Jugendorganisation wird ein endgültiger Beschluß herbeigesührt werden müssen. Das Verhältnis zu den in Deutschland lebenden östlichen Gesinnungsgenossen —eine wie uns scheint dringende und wichtige Angelegenheit — muß geklärt werden. Die Aguda-Jugend hat sich also mit vielen wichtigen Punkten zu beschäftigen-. Wir wünschen ihr, daß die Entschließungen, die sie saßt, das Ergebnis vorsichtigster, ernstester, verantwortungsvollster Ueberlegung seien: ■ ' ' 24. Dezember 1930 wir wünschen ihr aber vor allem, daß es dieses- Mal nicht bei Entschließungen bleibe, sondern daß die Resolutionen Taten -im Gefolge haben» Zukunftsarbeit, zu deren Ausführung sich überall die treuesten, bewußtesten Menschen finden-, die Begeisterung und Ausdauer, Lebendigkeit und Ruhe in rechter Mischung zum schweren Werke mitbringen. laxaM iipm- , ' Eine Aktion für die Reinhaltung der jüdischen Familie. Man erzählt, in- -einer Stadt des Ostens wurde am Tage, da ein „Schomer Schabbos- Verband" gegründet würde, vom Nabbinate ein Fasttag angefetzt. Gewiß ist der Tag nicht zu segnen, an dem sich erweist, daß Israel nicht mehr in all seinen Teilen und- Schichtenein Volk der Sabbatheiligung sei, so daß eigene Verbände zur Sabbathut nötig seien. Um wieviel niederdrückender müßte das Gefühl für uns sein, daß heute im Judentum von Oft und West auch schon. Aktionen für nnövon mnt? unternommen werden müssen. Wo aber die Dinge soweit gediehen sind, woeine Lawine der Sittenlockerung auch die j ü -- dis che Gasse erfaßt hat, um alte geheliligle Sitte mit hinunter zu reißen, wollen wir doch die Männer loben und preisen, die mutig in die Bresche treten und zu einer moralischen und sittlichen Reinigungsaktion -aufrufen. Wir wollen ihr Tun auch für andere Länder, in denen es gewiß nicht bester aussieht, empfehlen. Der greise Rabbi Israel aus Radin» genannt „Chofez Chajim", der dieser Tage sein 90. Lebensjahr vollendet hat, begab sich in Begleitung mehrerer Rabbiner nach Wilna, wo einegroße Konferenz feiner harrte, wo ein gewaltiges Auditorium feinen zündenden Worten lauschte- Nebenher sprach der jugendliche Greis vor einem tausendköpfigen Frauenpublrkum in der großen Schul'über das Thema 'interim rnnvdurch die allein die Heiligkeit des jüdischen Volkes, sein' Bestand und die Glückseligkeit für Jeden und- Alle in Israel gesichert bleiben. Andere Redner verdolmetschten, interpretierten und trugen die Worte in eine noch weitere Oeffentlichkeit hinaus. Zum Schluß erteilte der greise Rabbi vor der geöffneten Thorarolle der Gemeinde und allen Gemeinden den P r i e st e r s e g e n. Wer an dieser DemonstratiVn, so berichten Wilnaer Zeitungen, teilgenommen hat, dem erschloß sich -ein Quell von mrtüi nVirp aus dem er fein Lebtag Reinheit und Heiligkeit schöpfen wird. Die unmittelbare Auswirkung der Rede zeigt sich in der Schaffung eines Frauenkomitees, mit der Aufgabe, eine eifrige Propaganda in Ge- Verantwortung. Von Rabbiner Dr. M. Lewin in Hamburg. Joseph, der Patriarchensohn, wird von unseren Alten mit Vorliebe als p'121 pi ■> bezeichnet. Seine ganze Lebensführung rechtfersigt voll und ganz diesen Ehrennamen. Jeder Strich des Lebensbildes, das die Schrift von Joseph zeichnet, bezeugt es, daß er in Wahrheit gewesen der Fromme, der Tugendgerechte, der Reine und Lautere in der erhabensten Vollkommenheit. Wie rücksichtsvoll und versöhnlich tritt er doch seinen Brüdern entgegen in dem Augenblicke gerade, da sich diese Joseph zu erkennen gegeben und auf beiden Seite-r die Schatten der unglückseligen Geschehnisse aus dem Gedächtnisse hervortauchten. Die eisige Starre, die das Schuldbewußtsein der Brüder um ihre Herzen legte, brach er durch den warmen Hauch echtes brüderlicher Liebe und wahrer inniger G'ttesfurcht, die aus seinen Worten entgegenwehte: orna» '2 wwa im brri laxjm b» nnn llwwb 7V« ’anVw '2 nan mm „Härmt euch ja nicht ab und nicht verdrieße es euch, daß ihr mich hierher verkauft habt, denn zur Lebenshaltung hat mich der Herr vor euch gesandt. Bereits zwei Jahre ist die Hungersnot mitten im Lande, und noch kommen fünf Jahre ohne Pflügen und Ernten. nbm nobsb oab pNa miKE? naV D'vb oa^sb -pbn 'wbpi So hat mich der Herr vor euch gesandt, um euch ei’fi Ueberbleiben auf Erden zu bereiten, euch am Leben zu erhaltung, zur großen Eretftuug." . . . jDiese und die diesen Sätzen folgenden Worte voller Herzlichkeit fanden auch den Weg zum Herzen und überzeugten die Brüder davon, daß in Josephs Seele nur Liebe wohnte und die Pietät gegen den alten Vater den Groll gar nicht aufkommen ließ. ... Noch mehr aber deutet uns die Schrift an. Der Vater vernimmt, was er auch in feinen kühnsten Hoffnungen nicht erträumt: nns» pH baa bwn »an 'ai m t|OV> tu? «Joseph lebt noch, jo* Walter ist er im ganzen Lande Aegypten", darum auch nnb pvrm nt ’a iab rs'i ward starr sein Herz, denn er glaubte ihnen nicht. Nicht allein der Zweifel regte sich in seiner Brust, auch die bange Sorge, wie sich, wenn wirklich Joseph lebt, nun wohl in Zukunft das Verhältnis zwischen seinen Söhnen gestalten» wurde, ob nicht etwa Joseph in seiner Machtfülle, das chm angeta-ene Leid an seinen Brüdern heimzuzahlen, suchen werde, — solche und" ähnliche Gedanken ließen den alten Vater zuvor gar nicht zum vollen Genuß der Freude an der Nachricht, die er eben gehört, kommen. Das hatte Joseph vorausgesehen und darum hatte er eine besondere Botschaft dem Vater übermitteln lassen, vnb “Di is?s t]ov man äa ns vVk inan'i- Sie berichteten ihm alle Worte Joseph, die er zu ihnen geredet n*>e? ie?k nibasn nrr ni'i in8N8v?b wi' Da sah er die Wagen, die Joseph gesandt, ihn hinzuführen." Hatte nicht Pharao die Wagen gestellt? Das müssen wohl Wagen besonderer Art gewesen sein, die da der Sohn neben denen des Honigs dem Vater noch gesandt? Wie sinnig ist da der Ausspruch unserer- Alten: nvnv nbrv mnaa aantt vivva poiy ">n nna np ivvivw In jenen Worten deutet die Schrift an, daß Josephzur Bekräftigung der Botschaft an den Vater, diesem als Zeichen melden ließ, in welchem Abschnitt er zuletzt von ihm unterrichtet wurde. Dieser Abschm'tt.isiis Pas? rana»-. das Kapitel von der Verantwortung, die die Umgebung: mitträgt für jedes Verbrechen, das in Hier Nähe geschieht», hafte tief in seinem Gedächtnis und werde ihm selbst zur Mahnung, daß, wenn die Brüder an ihm gesündigt,, »auch er nicht ohne Schuld sei. Mit solcher Gedankenfolge hat Joseph die Tat seiner Brüder im mildesten Lichte erscheinen lassen, und die Sorge aus dem Herzen des- Vaters gescheucht. ea.räK aps?’ nn mm- Auf lebte da der -Geist ihres Vaters Jakob. Nun erkannte der Vater, daß: all' die langen bangen Jahre der Prüfung am Wesen: seines Sohnes nichts geändert und die Zeit der Prüfung, ihm noch zu einer Schule der Läuterung und Erhebung, geworden. “ VJ ’33 *]DV 11V 21 l>81ir?' Ivrr'1 Und Israel sprach, (gehoben im Geist und Lebensmut): „Genug! Mein Sohn Joseph lebt noch»!" Cr ist mein Sohn geblieben, auch im Wandel der -Zeiten, auch jetzt an den Stufen des Tranes, in der Sonne seines. Lebensglück . . 1 Verantwortung! Das ist das bedeutsame, inhalts-- reiche Wort, das auch 'wir viel eindringlicher beherzigen sollten, daß wir niemals, nicht als Mensch; und nicht als. Juden immer nur klagen, wenn uns Stürme umtoben.. Ob wir nicht auch nsiip rfoi» nviv oder überhaupt die mm viel austiger lesen und forschen sollten, um aus dem. Schriftwort zu lernen, wie wir auch in den Nöten und»

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