Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 52 (24.12.1930)
- Date
- 1930-12-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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;-7.0EZ.3ü 24. Dezember 1930 Nr. 52 Frankfurt a. M„ den 4. Tebet 56S1 Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. « Abonnement ab Juli 1929: Deutschland 1.3V Mark monatlich; Ausland: Merteljahrpreise (entsprechend dem deutsche»' Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 6.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1 Juli Frankreich 28 Fr.; Belgien ab 1.7.27. Belga 5.; Holland 2 fl.; Italien ab 1.1.28.18 Lire; Lugo» slavien 85 Din.; Litauen 7.6V Lit.; Rumänien ab 1. 7. 27. 16V Lei; Polen 4 deutsche Toldmark -UM Tageskurs oder 7 Zloty: Schweiz 6 Fr.; Tschecho-Slowakei W Kronen: Ungarn Pengö 6 ab 1. Juli 1987; Dänemark 3.8Ü Krön.; Norwegen 3.80 Krön.; Schweden 3.5Ü Krön. Einzelnummer vierzig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 6V Goldpf. für die stebengesp altene Nonpareille-Zeile. -Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familtenanzeigen nur *0 Pf. Die 76 nun breite Reklamezeile: letzte Textseite 2.— Mk., vorletzte Textsette 25V Mk.; Chiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbrtefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Jnserataufträgen tartfm. Preiserhöhung jeder;. Vorbehalt. Jnferatenannahme durch den Verlag des Israelit G. m.b. H., Frankfurt a. M., Rechneigrabenstraße 7, Tel. Hansa 21084 fow. durch sämtl. Annoncen-E»ped. d. Inn«d Anslands. Alleinige Jnseratenann. für Franks. Teschäftsanz.: Jul. Schmidt. Langeftr. 7,11, Tel. Hansa 35865. Platzvorschr. ohne Berbindlichk. Zahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 198)2. - Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr.798M--Postsvarkassenamt Budapest Nr 18424.-Postscheckkonto Warschau Nr.19ü757. - Postscheckamt Zürich Nr. 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A. beauftrage, zu erwägen, ob und in welcher Weife die Grundgedanken Dr. Birnbaums im Rahmen der agudtstischen Organisation, evtl, für einzelne Länder verwertet werden können, so fand der große Gedanke damals doch nur ein kleines Geschlecht. Jacob R o s e n h e i m schrieb damals im Rückblick auf die Frankfurter Jugendtagung und auf die Zentralratssitzung: „So kam es, daß Dr. -Nathan Birnbaums prachtvoll - wahrhaftiges Aulim-Referat nicht' genügend verständen und nicht als geradezu provrdentielles Fazit eines jahrelangen Ringens in der orthodoxen Jugend gewürdigt wurde.' Man stieß sich van allen Seiten an der Aeuherlichkeit dies-außerjüdischen Wortes „Orden", witterte die Gefahr der „Settenbitdung" und sah nicht, daß es sich im Grunde nur um ein Sonderinstrument für Selbsterziehungsarbeit handelt, so wie es der Keren Hatorah für den Chmnuch und. die Palästina-Zentrale für Erez Ärsroel ist. Dem Osten gefiel das äschetische Element im Erziehungsprogramm nicht, währender in manchen anderen Programmpunkten Selbstverständlichkeiten oder gar westliche Nachahmungen chasstdischer Ursitten erblickte. Das alles — es sind lauter unwesentliche Bedenken —' darf unseres Erachtens die Aguda-Leitung nicht hindern, im Sinne der angenommenen Resolution, mit Ernst und Energie an den BirNbaum'schen Plan heranzugehen und seine Verwirklichung auf dem Boden, der agu-distischen Organisation zu fördern. Wir glauben, daß dabei die eine Hälfte des Aulim-Programms im wesentlichen der Jugend, der andere 'Teil (Verländlichung und Knefses Israel) der Gesamtorga-nifatton zusallen wird. Beide werdenaus diesem Zuwachs an Ausgaben neue Kräfte saugen und dadurch auch neue Menschen heranziehen, die schließlich das wertvollste Gut einer das jüdische Volk umspannenden Organisation sind." Auch die zweite Ken-essio Gedaulo hat — obgleich Talmud groß en w i e Rab bi Aron B a x t , Jugenderzieher wie Dr. Moses Ascher und andere hervorragende Männer der Ägudas Jisroel die Aulim-Jdee begeistet aufnähmen — das Birnbaum'schs Werk wenig gefördert. Selbst die Ueberzeugungsglut Jacob Rosenheims konnte weder. den G. A. in seiner Mehrheit, noch die Jugend in ihrer Masse -der Aulim-Sache näher bringen, wenigstens nicht so nahe, wie es nötig ist, um sie zum inneren Besitz von Agudas Jisroel werden zu lasten. il Dr. Nathan Birnbaum — belehrt durch die Erfahrung -von Jahrzehnten, daß die Gedanken eines für die Ewigkeit bauenden Denkens den Menschen der Zeit vorauseilen und darum von Wenigen nur in ihrer ganzen Bedeutung erfaßt werden -— blieb aber nicht müßig. Zu sehr hatte ihn die Not seiner Zeit gepackt, zu deutlich sah ^'r die Gefahren der Versteinerung, der Mechanisierung, der Assimilierung. Cr ging seinen Königsweg weiter in gewohnter Vereinsamung. Alll mählich gesellte sich zu ihm „einer von der Stadt, zwei von der Familie". Er weiß, daß die von ihm erkannte Idee wahr ist, daß sie. sich durchsetzen muß, weiß, daß der Einzelne nur -in leidenschaftlicher Hingabe an G'tt sich selbst in -dieser g'ttlosen Zeit behaupten kann, weiß, daß nur eine einheitliche religiöse Führung des Volkes es aus den jetzigen anarchistischen' Zuständen befreien kann, weiß, daß nur die Rückkehr zu normaleren, dem jüdischen Wesen mehr entsprechenden- Lebensmöglichkeit-en dem gehetzten Körper des jüdischen Volkes, der geschundenen jüdischen Seele ihre Ruhe und Jugend-frische wieder bringen kann. Der Aulim-Bewegung, zunächst noch eine Bewegung Einzelner—Massenbewegung kann sie gar nicht werden — schuf er in der Monatsschrift „ Der A u f st i e g " ihr eigenes Organ. Bisher sind in Abständen von ungefähr 4—5 Wochen fünf Hefte des „Aufstiegs" erschienen. Hier wird von hoher geistiger Warte aus in einer dem Aülim-Jdeal entsprechenden Weise zu allen aktuellen Tagesfragen Stellung genommen. Hier!m den „Worten des Israel Zokennaar" gießt Dr. Nathan Birnbaum seine Feuerseele aus, hier äußern sich Birnbaums engere Mitarbeiter zu den Dingen, die ihn und sie Alle gemeinsam bewegen, hier wird der Boden bereitet, um die von tiefsten Gedanken erfüllte, von höchsten Hoffnungen getragene Aulim-Sache aus dem Reich der Ideen in die Welt der Wirklichkeit zu verpflanzen. m. Haben wirklich nur die Gründe, mit denen Jacob Rosenheim die Kühle vieler von uns gegenüber der Aulim-Jdee entschuldigte, - Schuld an jener Passivität, die in manchen Kreisen sogar zum direkten Widerstand geworden ist? Ich glaube, einer unserer Freunde, der wie Dr. Birnbaum den Weg von links her zu uns gefunden hat und nun in unserem Kreise als aktiver, ergebener Arbeiter mitärbeitet, hat die Situation, eben aus eigenem Miterleben heraus doch noch bester erkannt. Er schreibt mir: „Ein Mensch, der niemals den Ozean gesehen hat, wird beim ersten Anblick von der Gewalt seiner Größe und Schönheit überwältigt. Er reagiert auf das.Erlebnis anders als jener, der immer a m M e e r w o h n t, dem .es zur G e - w o hn hei t gewordlen. Wer immer in der a n - deren Welt gelebt hat und nun di!e Tauroh plötzlich als G'ttes gewaltigste, unmittelbarste Offenbarung erlebt, der merkt viel stärker, daß alles Andere nichts, die Tauroh Alles ist, der möchte denen, die noch im Dunkeln, ihnen selbst unbewußt, leben, den Weg zum Licht zeigen, der möchte denen, die im Lichte leben, aber weil sie die Dunkelheit nie kannten-, gar nicht wissen wie hell, wie groß, wie rein das Licht ist, den Glanz dieses Lichtes immer wieder vor Augen führen. Weil die Orthodoxen immer glücklich waren, wissen sie nicht, w-ie glücklich sie s i n d. Unser gewaltiges Erlebnis ist die Selbstverständlichkeit aller ihrer Tage. Das, was wir unter ungeheuren Erschütterungen und Kämpfen errungen haben, was wir uns erwerben mußten, ist ihr ererbter Besitz. Abe weil sie es -ererbt von ihren Vätern haben, glauben sie oft, es nicht selber erwerben zu müssen und darum ist das, was sie haben, nicht so tief und nicht so ganz ihr Besitz. Hier setzt nun Birnbaum ein. Ich glaube, nicht der Dichter, nicht der Denker, d-er H e i m kehrer Nathan Birnbaum erlebte die Aulim-Jdee. Ich glaube, daß die Liebe, die er zur Tauroh hat, die er den änderen, den Untreuen aber auch den Treuen, einpslanzen möchte, stärker, heißer ist, als die Liebe derer, die immer am Meer der