Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1930)
- Date
- 1930-12-18
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nr. 51 Der Israelit 18. Dezember 1930 Aron Hakodefch aus vergoldetem Silber nach Vorbildern der osteuropäischen Holzsynagogen nach 1800 Aus der Sammlung Hugo Helbing in München lerin bei ihrem viermonatlichen Aufenthalt in Palästina aus. Davon sei hier neben dem „Dorfe Siloa" auch das Gemälde „Ruine am Wege" (Seite 4) wiedergegeben. Die beiden Bilder find der neuesten Rümmer der Wiener Illustrierten Zeitschrift Menorah entnommen, die sich durch einen besonders reichen textlichen und illustrativen Inhalt auszeichnet. Wir machen insbesondere auf die in dem Heft enthaltenen außerordentlich interessanten Lebenserinnerungen Schalom Aschs aufmerksam. ein großer Teil der akademischen Jugend streng der Tradition lebt. ■ i. Auch aus Würzburg weiß er Interessantes zu erzählen. Während er bisher seine Vorträge in französischer Sprache hielt, muhte er in Würzburg vor deutschem Publikum deutsch sprechen. Bevor er mit seinen .Ausführungen. in einer ihm ungewohnten Sprache begann, hatte er eine gewisse Beklommenheit, doch als er bei seinem Vortrage merkte, wie sehr die Zuhörerschaft ihn verstand und mit seinen Gedanken einig ging, freute er sich, auch in der anderen Sprache sein Programm entwickeln zu können. Aime Palliere bittet uns, in angenehmer Erinnerung an diese Zeit allen unseren Freunden seine Grüße zu übermitteln. Er hat bereits wieder eine Einladung aus Deutschland erhalten und würde sich freuen, bei dieser Gelegenheit alle seine Bekannten wiederzusehen. Nachdem uns Aime Palliere noch sehr fthr Interessantes von seiner Reise, die er von November 1929 bis Februar 1930 nach den Vereinigten Staaten unternahm, berichtet, kommt er von selbst aus die Tagung des „Schomre Schabbos" in Berlin zu sprechen, ein Ereignis, das auch ihn nicht unberührt ließ und das er mit Freuden begrüßt. Er wünscht, daß diese Versammlung den Erfolg zeitigt, daß jüdische Angestellte bald Gelegenheit hätten, nur Stellungen zu erhalten, die ihnen erlauben, an den Freitagabenden, den Samstagen und jüdischen Feiertagen nicht arbeiten zu müssen. Wir sind entzückt von der begeisterten, ehrlichen Ausdrucksweise dieses Mannes, wir sind beglückt, so freundlich bei ihm empfangen worden zu sein und so vieles Interessante gehört zu haben und wir versäumen nicht, ihm herzlich dafür zu danken. Aime Palliere verlangt mehrmals die Adresse, derer von uns, die in Paris bleiben und' .fordert sie auf, ihn öfters zu besuchen, den anderen, die nach Deutschland zurückkehren, gibt er nochmals Grüße für . unsere Freunde mit. Liebe Freunde in Deutschland, gerade in den Hitlertagen tut es wohl, solch einen Kämpfer für uns, wie Aime Palliere es ist, gesprochen zu haben. L. D. Besuch bei Balliere. Voila, auch in Paris treffen sich alte Bekannte, gleichgesinnte junge Menschen, Studienfreunde aus allen Ländern. Man unterhält sich, man diskutiert, plötzlich fällt der Name Aime Palliere. — Aime Palliere! — Heißt das nicht angenehme Erinnerung und geistige Anregung wohlgelungener Abende auch in der Frankfurter und Würzburger Vereinigung jüdischer Akademiker? — Auf zu Aime Palliere, dem Schriftsteller und Redner, dem begeisterten Bewunderer jüdischer Tradition! — Könnte man es wagen, ohne ihn je persönlich gesprochen zu haben, ihn gleich zu sechs in seinem Heim auszusuchen? Wagen wir es! Nachdem man seine Adresse im Quartier Latin erfahren, begibt man sich dorthin. Zögernd steht die kleine Truppe noch aus , dem schmalen Flur, bis man einen vorschiebt, der den Interpreten spielen muß. Aber welche Ueberraschung. Die Zuvorkommenheit und Freundlichkeit Pallieres, der uns selber die Türe öffnet und uns in sein kleines Zimmerchen führt, nimmt uns plötzlich jene Angst und Beklommenheit, etwa aufdringlich zu sein. Eine bescheidene Gelehrtenstube, ein Tenach auf dem Tisch, Chanukahleuchter auf dem Alkoven, jüdische Zeitungen aller Art, sinnige Bildet aus dem jüdischen Leben, Briefe und Blumen von Verehrern, hier arbeitet Aime Palliere mit Begeisterung und hier erweist er uns die Ehre, uns zu empfangen und uns von seinen Reiseeindrücken in den verschiedenen Ländern, die er zur Propagierung der jüdischen Idee besucht hat, zu erzählen. Wir stellen uns als Mitglieder der Frankfurter und Würzburger V. I. A.- vor, was ihn sichtlich erfreut. Nun sind wir die „alten Bekannten", die ihn schon von seiner Vortragsreise in Deutschland kennen, denn, wie er uns sagt, hat seine letzte Vortragstournee in Deutschland in ihm einen tiefen und dauernden Eindruck hinterlassen. Der Empfang, den ihm die jüdische geistige Jugend bereitet, die große Zuhörerschaft, die allen seinen Vorträgen gelauscht und das warme Interesse, das man seinen Gedanken über Judentum gezeigt hat, haben ihn zu neuer, vermehrter Tätigkeit für die Sache des Judentums angeeifert. Die große Gemeinde Frankfurts und ihr echt jüdisches Leben hat ihn begeistert und erstaunt die Tatsache, daß die auch im akademischen Berufe stehenden und Eine jüdische Bauernfamilie in der Ukraine Synagogale Homposikionen. Von Max Reumann in Frankfurt a. 2l£ Das vom Allgemeinen Deutschen Kantorenverband herausgegebene Werk „Schi re Simroh"*) liegt mir zur Rezension vor. Selbstverständliche Pflicht des Rezensenten ist es, sein Urteil aus die objektive Erfassung der künstlerischen Werte zu gründen. Nur so kann eine nicht subjektiv gefärbte Betrachtung zustande kommen und das Urteil den Gefahren einer billigen Genügsamkeit entrückt werden. Betrachtet man unter diesem Aspekt die Kompositionen, die in dem Sammelband enthalten sind, so ist mit Bedauern sestzustellen, daß die meisten desselben völlig uninteressant und belanglos sind und Pch in althergebrachten Schablonen bewegen, ja, noch mehr: manche Chöre sind direkt primitiv „gearbeitet". Hie und da wird der schüchterne Versuch gemacht, von der üblichen Linie abzuweichen, aber es bleibt alles im Unfertigen stecken und selbst diese kleinen Seitensprünge entbehren der Originalität. Von einem „neu erfundenen jüdischen Stil", wie es im Vorwort des Werkes heißt kann gar keine Rede sein. Geht man den tieferen Ursachen dieser Unproduktivität und im Vergleich zu dem Musikgeschehen unserer Zeit so schmerzlichen Rückstand nach, so trifft hierfür in erster Linie unsere Gemeinden etir Hauptteil der Schuld, die dem Synagogalgesang gar keinen oder nur geringen Wert beilegen. Während bier Kirche von jeher darauf bedacht ist, ihren G'ttesdienst musikalisch so anregend wie nur irgend möglich zu gestalten, nimmt das Musikalische bei; uns meistens ein^- Afchenbrödelftellung ein, wird — speziell in Synagogen orthodoxer Richtung — als notwendiges Hebel betrachtet und /danach behandelt. Es würde den Rahmen diesem Besprechung überschreiten, ausführlich über dieses Problem zu sprechen. Zur Gleichgültigkeit der Gemeinden kommt die völlige Indifferenz der jüdischen Komponisten dem Synagogengesang gegenüber. Während sich von jeher die bedeutendsten christlichen Komponisten in' den Dienst ihrer Kirche stellten und dadurch Meisterwerke geschaffen wurden, — ich erwähne nur Bach als Repräsentanten der evangelischen und Palestrina als solchen der katholischen Kirchenmusik — bekundeten unsere großen jüdischen Komponisten nicht das geringste Interesse für; die synagogale Musik und überließen diesen Spezialzweig der Komposition neidlos Kantoren und Chordirigenten, die aber bei allem guten Willen nur in Ausnahmefällen. „Komponisten" in des Wortes wahrster Bedeutung sein können, da ihnen hierfür meistens die technischen Voraussetzungeil und das Spezialstudium fehlen. Das soll — ich bitte mich nicht mißzuverstehen — kein Vorwurf und Angriff, sondern nur eine nackte Feststellung der Tatsachen sein. Denn ebensowenig wie es Aufgabe des Opernsängers oder des Opernkapellmeisters ist Opern zu schreiben, ebensowenig kann es Aufgabe der Kantoren und Chordirigenten sein, .sich ihre Werke selbst zu schaffen,' vielmehr sollen und können sie nur Diener am Werke sein. Darum: Komponisten heraus! Anmerkung der Redakkion. Der Stoßseufzer des geehrten Herrn Rezensenten über die „Aschenbrödelstellung" des Musikylisch.en,-insbesondere „in den Synagogen orthodoxer Richtung"- gibt uns zu einigen ergänzenden Bemerkungen Veranlassung. Der Herr Rezensent geht, wie sich aus seinen Ausführungen klar ergibt, von der ihm offenbar selbstverständlich scheinenden Voraussetzung aus, daß die Synagoge grundsätzlich das musikalische Element innerhalb des G'ttesdienstes in der gleichen Weise bewerte, wie die katholische Kirche, die ja eben erst eine imposante^ der Entwicklung und Ausgestaltung der Kirchenmusik gewidmete Tagung in Frankfurt abgehalten hat. Das aber ist nach/ unserer Ueberzeugung ein grundsätzlicher Irrtum. Gewiß weiß die überlieferte jüdische Lehre die weitreichende religiöse Wirkung des Musikalischen im Rahmen des G'ttesdienstes durchaus zu würdigen, aber in doppelter Hinsicht unterscheiden sich für die jüdische Auffassung Charakter und> Grenzen des musikalischen Wirkungselemen- .tes in der Awaudo von seiner Stellung innerhalb der nichtjüdischen Kulte. Einmal ist traditionsgemäß seit Jahrtausenden ganz, allein der *vox der tragende und beherrschende Mittelpunkt der musikalischen. Ausdrucksformen im jüdischen G'ttesdienst.. Die orthodoxen Gemeinden handeln instinktiv durchaus richtig, wenn sie diese, um den Ausdruck einmal zu gebrauchen, Vormachtstellung des Vorbeters in der synagogalen Musik aufrecht zu erhalten suchen,, denn es knüpfen sich daran weitreichende ästhetische und damit auch religiöse Konsequenzen. Die musikalische Ausdrucksform, war dem Judentum, wie die, Kunst überhaupt, ein dem Religiösen und Ethischen alle Zeit untergeordnetes, sich gewissermaßen dem geisterfüllten. Worte anschmiegendes- Element. Das ist kein Zufall, sondern *) Schire Eimroh. Synagogale Kompositionen zeitgenössischer Autoren, herausgegeben vom Allgemeinen Deutschen Kantoren v e rb a n d. Frankfurt a. M. 1930. J.Kauffmann. Verlag. Ein jüdisches Bauernmädchen auf dem Felde in der Ukraine