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Der Israelit · 1930-12-18 · Heft 51 (18.12.1930) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 51 (18.12.1930)
Date
1930-12-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 51 Der Israelit 18. Dezember 1930 des Pilsudski-Klubs, Oberrabbiner L e w i n schloß sich keiner Fraktion an. Es heißt, daß der Klub der regierungstreuen Abgeordneten den Deputierten Wischl i ck i in die Handelskommission, Minzbergin die Bildungskommission und Rabbiner L e w i n in die Verfassungskommission des Sejms delegieren wird. Für den nationaljüdischen Klub besteht wegen seiner Kleinheit keine Möglichkeit, sich in den Kommissionen vertreten zu lassen. In der ersten Geschäftssitzung des neuen Sejm brachte I. Grünbaum im Namen des Jüdischen Klubs den Antrag ein, die noch aus der Zarenzeit Lammenden rechtlichen Beschränkungen gegen die jüdische Bevölkerung abzuschaffen. Grünbaum wies darauf hin, daß der frühere Sejm einen diesbezüglichen Gesetzentwurf bereits in erster und zweiter Lesung angenommen hatte, die endgültige Verabschiedung in dritter Lesung war nur durch die vorzeitige Auflösung des Sejm verhindert worden. Weiter beantragte Grünbaum, dem Jüdischen Klub, trotzdem er nicht Fraktionsstärke besitzt, eine Vertretung in den Kommissionen zu gewähren, da es schon im Interesse des Staates liegt, daß jede nationale Minderheit sich an den Arbeiten der Kommission beteiligt. Rumänien. Beschlüsse des rumänischen Rabbinerkongresses. Bukarest, 9. Dez. Der soeben zu Ende gegangene Kongreß der Rabbiner Altrumäniens hat eine Reihe von Resolutionen gefaßt, deren wichtigste sind: Der Kongreß erklärt sich für die jüdische Einheitsgemeinde und verurteilt jeden Versuch, die Gemeinde zu zerstückeln. Die Regierung wird gebeten, bei der Abfassung des Reglements zum Kultusgesetz Bestimmungen zu treffen, die. die Bildung von Rumpfgemeinden in den einzelnen Städten verbieten. — Der religiöse Unterricht in den Staats- und Privatschulen soll den Vorschriften des Gesetzes über den religiösen Unterricht entsprechen, dem jüdischen Religionsunterricht soll der schuldige Respekt entgegengebracht werden. Auch soll das Gebot der Sabbatruhe respektiert werden, Schüler und Schülerinnen der Staatsschulen sollen nicht gezwungen werden, die Sabbatvorschriften zu übertreten. Der Kongreß protestierte gegen das neue Palästina- Weißbuch der englischen. Regierung und unterstrich das in der jüdischen Religion begründete Bekenntnis der Verbundenheit des jüdischen Volkes mit Palästina für alle Ewigkeit. Es wurde beschlossen, gegen die in Genf geplante Kalenderreform eine ausklärende Propaganda einzuleiten, die Bestrebungen des Weltverbandes der Schomre Schabbos auch in Rumänien nach Kräften zu fördern und einen Kampf gegen die Missionsprapaganda zu führen. Die Beschlüsse des Rabbinerkongresses wurden durch den Landesrabbiner Senator Dr. I. Niemirower der Regierung zur Kenntnis gebracht. Unruhen am Jahrestag der Gründung der antisemitischen Studenten-Liga in Rumänien. Bukarest, 11. Dez. Am 10. Dezember, dem 8. Jahrestage der Gründung der antisemitischen Studentenliga, veranstalteten in Bukarest die antisemitischen Studenten mehrere Straßendemonstrationen, ohne daß jedoch ein nennenswerter Schaden verursacht wurde. Etwa 100 Studenten, die vor dem königlichen Palais eine Kundgebung zu veranstalten versuchten, wurden von der Polizei sofort auseinandergetrieben. Am Abend wiederholten sich die Demonstrationen, wobei Versuche, jüdische Geschäftsläden zu devastieren, von der Polzei verhindert wurden. Nach Mitternacht aber gelang es größeren Gruppen von Studenten, in ein hauptsächlich von Juden bewohntes Viertel einzudringen. An mehreren jüdischen Läden wurden die Schaufenster, in mehreren jüdischen Wohnungen die Fenster eingeschlagen. Die Polizei schritt sofort ein, verhaftete einige Demonstranten und verhinderte ein Uebergreifen der Ausschreitungen auf andere Stadtviertel. In Cluj (Klausenburg) kam es anläßlich des Jahrestages der Gründung der antisemitischen Liga zu schweren Ausschreitungen. Etwa 20 meist jugendliche Personen drangen in die sephardische Synagoge ein, zerstörten die Inneneinrichtung, sprengten die Thora-Lade und versuchten, die Thora-Rollen (Sifre-Thora) zu rauben, wahrscheinlich um an ihnen dann Schandungen zu begehen. Rrrtzland. Die Kampagne gegen die ausländischen jüdischen Organisationen in Sowjetrustland. Moskau, 9. Dez. Die kommunistische Presse setzt ihren scharfen Kamp' gegen die Politik der ausländischen jüdischen Organisationen und die politisch unklare Haltung von Komzet und Ozet gegenüber diesen Organisationen fort. Es ist zu erwarten, daß auf der gesamtrussischen Konferenz von Ozet und Komzet, die am 10. Dezember in Moskau eröffnet wird, zwar nicht die Aufgabe jeder Kooperation mit den ausländischen Gesellschaften beschlossen, aber immerhin eine Resoluiton gefaßt werden wird, die die bisherige Haltung der Zentralleitungen von Komzet und Ozet gegenüber den jüdischen Privatorganisationen verurteilt. Die scharfe Stellungnahme der kommunistischen Kreise gegenüber den ausländischen jüdischen Gesellschaften kommt in zahllosen Artikeln und in den Reden, die auf den regionalen Ozet-Konferenzen gehalten werden, zum Ausdruck. Obwohl die Presse im allgemeinen von den Anschauungen des radikalen Linkskommunisten Weizblüth, der vor einiger Zeit in einer Artikelserie des Charkower „Stern" hefige Angriffe gegen jüdisch-kommunistische Führer erhoben hat, abrückt, teilt sie doch seinen Standpunkt bezüglich der Tätigkeit der ausländischen ^ulichen Organisationen. Im „Stern" wird der Zenralleitung von Komzet und Ozet der Vorwurf rechtsopportunistischer Haltung und des Abweichens von der proletarischen Klassenlinie gemacht. Dieser Vorwur' wird damit begründet, daß Komzet und Ozet bis heute noch nicht „eine ganze Reihe rechtsopportunistischer und nationalistischer Beschlüsse" annulliert haben, wie z. V. jene auf der ersten Ozet-Konferenz' im Jahre 1926 gefaßte Resolution, in der Ozet erklärt, daß der Kampf gegen den Zionismus nicht zu seinem Aufgabenkreis gehört, weiter die Resolution, in der die großen Verdienste der ausländischen Organisationen um die jüdische Siedlungsarbeit hervorgehoben und ihnen der Dank des Ozet ür diese Arbeit ausgesprochen wird usw. Frankreich. Französischer Landeskongretz der Internationalen Liga gegen den Antisemitismus. Paris, 9. Dez. Die französische Sektion der Internationalen Liga gegen den Antisemitismus hat am 6. und 7. Dezember im Festsaal des Bezirksamtes IX zu Paris ihren zweiten Landeskongreß abgehalten, an dem zahlreiche Delegierte und Gäste teilnahmen. Simon Goldenberg erstattete einen Bericht über die Einwanderung jüdischer Landwirte nach Frankreich. Auf Basis dieses Berichtes wurde nach kurzer Debatte eine Resolution angenommen, in der die Förderung der landwirtschaftlichen Siedlung der Juden empfohlen wird. Nach Anhörung eines Referates von Marcel Feder über die jüdische Wanderbewegung wurde eine Resolution gefaßt, in der der Kongreß für die systematische und geordnete Einwanderung der Juden nach Frankreich eintritt, gleichzeitig aber die künftigen Einwanderer vor den Schwierigkeiten wbrnt, deren ’te angesichts der augenblicklich in Frankreich herricyenden Wirtschaftskrise gewärtig sein müssen. Der Präsident der französischen Sektion der Liga, Bernard Lecache, sprach über „Die theoretischen Grundlagen der Liga" und in einem zweiten Referat über „Die Beziehungen der Liga zu den politischen Parteien". In einer Resolution, die auf Grund dieses Referates gefaßt wurde, wird erklärt, daß die Liga zwar dem Zionismus ernstehe, die Zionisten aber nicht bekämpfe. In das Zentralkomitee wurden Frl. Germaine Corrot und die Herren Bernard Lecache, Georges Pioch, Js. Krzikowski, S. Goldenberg, S. Weißman, M. Feder, Lazaer Rachline, Leon Rudin, Sch. Schwarzbard, Pierre Zaraf, Marcel Kahn und Joseph Fischer gewählt. Mit einem glänzend verlaufenen Festbankett fand der Kongreß seinen Abschluß. Amerika. Einstellung der Einwanderung nach Amerika. Washington, 10. Dez. Jie JmmigrationskomMission des Repräsentantenhauses hat mit acht gegen fünf Stimmen den Gesetzentwurf zur Einstellung der Einwanderung in die Vereinigten Staaten während der nächsten zwei Jahre angenommen. Eine Ausnahme ist "nur zugunsten jener Frauen und minderjährigen Kinder legal zugelassener Ausländer vorgesehen, denen seitens der amerikanischem Konsulate ihrer Herkunftsländer bis spätestens 10. Dezember 1930 12 Uhr mitternachts ein Visum erteilt wurde. Diese Frauen und Kinder sollen. im Rahmen der Quote zur Einwanderung zueglassne werden. Die JmmigrationskomMission befaßt sich noch mit weiteren .Amendements zu dem Gesetzentwurf, den sie nach endgültiger Textierung dem Kongreß vorlegen wird. In den Monaten Juli bis Oktober 1930 sind 2863 Juden in die Vereinigten Staaten eingewandert. ValSftirm. Rückkehr von Inden nach Hebron. Jerusalem, 11. Dez. 30 sephardische Familien, hauptsächlich dem Handwerkerstande angehörend, die während der Unruhen im August 1929 Hebron verlassen haben, beabsichtigen, in diese Stadt zurückzukehren. Der einzige aschkenasische Jude, der bisher nach Hebron zurückgekehrt ist, ist Rabbi M. Slonim, dessen Sohn, der bekannte Direktor der Anglo-Palestine Bank, und andere Angehörige feiner Familie während der Augustmassakres umgekommen sind. Personalien. -1SV2 J122T AKT 211271 Hamburg, 14. Dez. 1930. Wir stehen am Vorabend des Chanuka-Festes und vor unserem geistigen Auge erstehen die Gestalten teurer Menschen, die leuchtend niedergingen, die, je länger sie lebten und wirkten, desto mehr Licht verbreiteten, desto höher stiegen in die Heiligkeit. Mit dem <z->vnn rn begann im orthodoxen Kreis Hamburgs das „Einsammeln zu ihrem Volke", seitdem ist Woche um Woche fast der Tod gekommen in unsere Paläste, hat Alte und Junge, Männer und Frauen uns genommen. Denen, welcher hier noch nicht ehrend gedacht wurde, — acht Menschen, von denen jeder gleich dem naun» Licht seinem Kreise, Licht und Helligkeit gab — möge heute ein Gruß der Liebe, jedem ein kurzes Wort der Erinnerung nur, nachgerufen werden. Moses Eisemann, Jahrzehnte Lehrer an unserer Talmud Tora-Schule, ein Mann eiserner Pflichttreue, stiller, erregter Frömmigkeit, seiner Familie der aufopferndste Fürsorger, seinen Freunden hingebungsvoller und zuverlässigster Genosse, seinen Schülern ein strenger, aber bis ins Kleinste gerechter und darum von allen aufrichtig verehrter Lehrer, ihm gilt unser erster Gruß und die Versicherung, daß sein Andenken nicht nur von einer Gattin und seinen ihm in Frömmigkeit und Pflichtüser nachstrebenden Kindern heilig gehalten werden wird, sondern, daß wir alle ihn, den Mann der Treue, nicht vergessen werden. Während seiner Bestattung traf die Kehillo die Nachricht des Heimgangs von Julius J o e l, der die 70 Jahre seines Lebens bescheiden und fromm, als ein Mensch höchster Geistigkeit, gelebt, den Seinen vorgelebt hatte. Den Seinen: seiner Frau und seinen Kindern galt seine ganze Sorge, lind G'tt lohnte ihn und seiner Frau mit dem Schönsten, mit dem man Eltern lohnen kann- Söhne und Töchter wirken in den verschiedenen Erdteilen, hochangesehen und geschätzt, in geistigen Berufen, in Häuslichkeiten oder in sozialer Arbeit, alle in einer, Weise, die die Ehre des elterlichen Namens wahrt und mehrt und so das Gedächnis Julius Joels dauernd segnet. Mit Jeanette Levy, die langem Leiden in ihrem 20. Lebensjahr erlag, ist Berend Levy und seiner Gattin ihr letztes Kind genommen worden. Wer Berend- Levy, feine Hausesführung, sein Lebensschicksal kennt, nur oberflächlich kennt, denn tieferen Einblick ist nur feinen Vertrautesten möglich, der erlebtte hier mit: fm' p'i» -n G'tt schickte seine Prüfung einem seiner erwählten Frommen. Mit dem Vater, mit den Eltern beugen wir uns vor dem Unfaßbaren in Schweigen, bewahren der guten,, stammen, vor der Zeit von uns genommenen Tochter eine Erinnerung voller Liebe und beten zu G'tt, daß er den Eltern, die fromm und treu sind wie Hiob, nach all dem furchtbaren Leid noch Glück und Trost wie Hiob blühen lasse. In Frau Eva Kaiser geb. van Gelder, die im 32. Lebensjahr nach ganz kurzem Leiden verschied, ver-r liert Hamburgs jüdische Gemeinschaft eine ihrer frommsten- Frauen, geht — wir sind gewiß nicht l-?sr man rtrtsn — das in Vielem unerreichte Vorbild einer jüdischen Gatttin und Mutier, Tochter und Schwester von uns. Wer die ennaon gehört, die befreundete Rabbiner, der Bruder, ein alter Onkel ihr hielten, der ahnte» daß diese 'in wahrhaft eine m ök geworden, deren Energie das Leben meisterte, deren Humor es verschönte,, deren grenzlose Güte und Hilfsbereitschaft allen diente in Selbstverständlichkeit und Natürlichkeit, die darum von allen als Mutter lebendigster Jüdifchkeit in lebendiger Erinnerung gehakten werden wird. Edu ä r d Jo e l, der im 75. Jahre seinem Brüder Julius bald in die Ewigkeit folgte, erkrankte am Rüst-

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