Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1930-12-18 · Heft 51 (18.12.1930) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 51 (18.12.1930)
Date
1930-12-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2450600-2450650--77499-2535135
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Der Israelit Nr. 51 Seite 5 IS. Dezember 1930 nalsozialistische Forderung abgeschwächt. In der Aussprache führte der Antragsteller Dr. Werner (Natsoz.) aus, daß er trotz des Ausschuhbeschlusses auf seiner Forderung nach Verbot des betäubungslosen Schächtens verharre. Ein grundsätzliches Verbot des Schächtens sei gar nicht beantragt, wohl aber sei die vorherige Betäubung der Schlächttiere gefordert. In der Abstimmung gelangte der Ausschußantrag zur Verhütung von Tierquälerei zur Annahme, so daß mit dieser Annahme die Schächtverboteingaben ihre Erledigung fanden? Die Wünsche der Tierschutzvereine waren . damit abgelehnt. i; Goldene Worte Severings. ' * Berlin, IS. Dez. Bei einer Festvorstellung der Jüdischen Altersl i n g im Jahre zu. Eine Verweigerung dieser Subvention bedeutet einen Verstoß gegen-die Verfassung. England. Zu den Verhandlungen zwischen der englischen Regierung und der Iewish Agency. L o n d o n, 12. Dez. „Jervish Times" und „Jewish Chronicle" geben übereinstimmend ihrer Anschauung', daß der Fortgang der Verhandlungen zwischen Jewich Agency und englischer Me Woche. Regierung für die Juden völlig unbefriedigend sei, Ausdruck. Der Parlamentskorrespondent von „Jewish Chronicle" erklärt, es werde von Tag zu Tag offensichtlicher, daß diesen Verhandlungen keine oder höchstens eine sehr geringe Bedeutung beizumesfen sei. Was nunmehr geschehen werde, sei höchst problematisch, doch sei es klar, daß die Regierung die Oberhand gewonnen habe. Die Palästina-Frage bereite den Regierungskreisen heute, nachdem die Nachwahl von Whitechapel vorüber ist, nur mehr geringe Sorge. Wie „Jewish Chronicle" erfährt, dürfte Schatzkanzler Snowden gegen die von der Regierung in der Palästina-Debatte des Unterhauses geäußerte Absicht, eine Anleihe für die Erschließung Palästinas zu begeben, Stellung nehmen: Seinem Einfluß^ tzürstöy es gelingen, das Kabinett zur Ablehnung diestzH Planeö 'tzu bewegen. Hilfe Groß-Berlin sprach u. a. der' Innenminister Dr. Karl S e v e r i n g. Severing sprach von den jüdischen Opfern im Weltkriege und denjüdischen Opfern der Wirtschaftskrisis nach dem Kriege. Die Not ruft alle, die es einigermaßen können,' zur Hilfeleistung auf. Es ist kein großes Verdienst, in guten Zeiten für den Nächsten etwas zu erübrigen, aber ein Verdienst ist es, in den jetzigen bösen Zeiten an die Armen zu gedenken. Die öffentliche Wohlfahrtspflege müsse durch die private, die von jeher die jüdische Rasse auszeichnete, ergänzt werden: Werfen die Antisemiten den Indem Solidarität vor, so mögen diese beweisen, daß es wahr sei. Möge das jüdische Wohltun beispielgebend sein dem ganzen deutschen Volke. Eine bessere Zukunft muß ^kommen, bis dahin bleiben wir wach. Von der Jlot der Berliner Judenheil. Berlin, 15. Dez. Die' Repräsentantenversammlung der 'Jüdischen Gemeinde befaßte sich in der Sitzung am Sonntag, wohl der letzten in ihrer bisherigen Form, mit der ungeheuren Not in der jüdischen Gemeinde.-Eine Reihe von Dringlichkeitsanträgen für Winterhilfe lagen vor, die Hans G o s l a r begründete. Es sollen öffentliche Wärme- und Teehallen in verschiedenen von Juden bewohnten Bezirken der Stadt eingerichtet werden. Von der Volkspartei wird ferner auf die besondere Not der O st j u d e n in Berlin aufmerksam gemacht. Der Vorsitzende des Gemeindevorstandes, Dir. Kareski, entwarf ein erschütterndes Bild der jüdischen Not in Berlin. Am 1. Dezember waren 6200 jüdische Stellensuchende im jüdischen Arbeitsamt angemeldet. Die Gemeinde tut, was sie kann, verabreicht Kohlen, unterhält Volksküchen und Wärmestuben. Ueber 3000 Kinder und 400 Erwachsene wurden mit Kleidern versehen. Am schlimmsten sei die Not der Ostjuden, um die sich die städtischen Wohlfahrtsbehörden nicht kümmern. Die Gemeindemittel sind erschöpft, dennoch begrüßt er die Anträge und betont in Ehrenpflicht der Gemeinde, Helfend einzugreifen. Es werden mehrere Anträge gestellt. Gutmann und Heinrich' Stern;verwahrest.sich gegen den Vor^ :Äurf, der'!Llk>eralismus sehe in den ausländischen Juden Menschen minderen Grades. Es . wird einstimmig beschlossen, einen besonderen Notstandsausschuß reinzusetzen, s hem Wohlfahrtsamt weitere 50.000 Mk. und Der Darlehsiskasie weitere 20.000 ^Mk.zu bewilligen. Oesterreich. Slaakssubventionen für jüdische Kuttuszwecke. Wien, 17. Dez. Der Kampf um die Staatssubventionen für jüdische Kultuszwecke entbrannte von neuem angesichts der Tatsache, daß der Regierungsvorschlag auch für 1931 keine Staatsbeihilfe für den jüdischen Kultus vorsieht. Dabei nimmt die Steuerkraft der jüdischen Gemeinde rapid ab und die allgemeine Wirtschaftskrisis wirkt' lähmend auf f^lle Institutionen. Die Regierung erklärte ihrerseits, es j^nüsie eine günstigere Zeit abgewartet werden, um über «ine Gesetzesvorlage zugunsten des jüdischen Kultus im Parlamente abstimmen zu lassen. Wie die ITA. zu berichten weiß, ist aber der Wiener Kultusvorstand nicht gesonnen, eine weitere Benachteiligung und Zurücksetzung der'jüdischen Gemeinde yinzunehmen. Verhandlungen mit den Ministerien sind im; Gange. Nach Verhältnis der für die anderen Konfessionen ausgeworfenen Gelder und der Kopfzahl der jüdischen Gemeinde steht der letzteren eirr Beitrag.von mindestens. 1 M iIIio n Schi l-i Berlin. Auf dem alten jüdischen Friedhof in Hatting a. d. Ruhr, der im Mittelpunkt der Stadt gelegen ist, wurden 14 Grabsteine teilweise umgeworfen, teilweise vollständig zertrümmert. Es ist die 97. Friedhofsschändung. — In der Untergrundbahn Wittenbergerplatz wurde ein katholisch er Geistlicher, den man für einen Juden hielt, von Nationalsozialisten angefallen, beschimpft und,mißhandelt. Wien. Der Rabbiner des großen Leopolvstädter Tempels, Dr. Mar Grunwald, der in den letzten Jahren auch mit den Predigten im Tempel der Inneren Stadtt bettraut war, ist nach 35 jähriger Amtstätigkeit in den Ruhestand übergetreten, um sich seinen wissenschaftlichen Arbeiten intensiver widmen zu können. Genf. Bei den Wahlen für den R egierungsrat des Kantons Genf macht sich im Zusammenhang mit der Kandidatur von Georg Altraner, einem antisemitischen Redakteuers,. eine antisemitische Hetze bebemerkbar, wie man sie hier noch nicht kannte. London. Der 17. Zionistenkongreß ist nun von der Exekutive endgültig auf den 24. Februar 1930 nach Karlsbad einberufen. Er wird im Zeichen der Ereignisse in und um Palästina stehen. Paris. Schalom A s ch wurde voriges Jahr wegey seiner Stellungnahme zu Pölert aus dem Ehrenkomrtee der Internationalen Li^a gegen den Antisemitismus ausgeschlossen.. Den Antrag aus seine Wiederaufnahme l e h n t e die in Paris tagende Internationale Liga dieser Tage a b. Brüsscl. Der bisherige Oberrabbiner von Straßburg, Dr. Schwarz, ist nach Brüssel als Oberrabbiner für Belgien berufen worden. Belgrad. Der jugosiarische Ministerpräsident richtete eine Botschaft an die jugoslavischen Zionisten, in der es u. a. heißt: „Die ganze jugosiavische Nation stehe auf Seiten der Juden, wie sie jederzeit bereit ist, den Schwächeren zu stützen." Antwerpen. Als Nachfolger des Prinzen Deligne ans dem Posten des belgischen Gesandten in Washington, ist der ehemalige belgische Gesandte in Stockholm, Paul May, ein Jude, in Aussicht genommen. May's Gattin ist eine geborene Rothschild. Moskau. Zu Beginn dieses Jahres wurde die'Chorsynagoge in H o m e l behördlich beschlagnahmt, um in ein Klubhaus umgewandelt zu werden. Während des lln>- baus»! erwies sich der bewilligteBoranschlag als zu niedrig, und die Arbeiten mußten aus Geld-; Mangel unterbrochen werden. Das Gebäude befindet sich jetzt zu Beginn des Winters in ungedecktem Zustand und dürfte' damit wohl'' dein Verfall preisgegeben sein.'! Haifa. Jüdische Gemeinde, Nabbinat,, Arbeiterrai und jüdische Handelskammer haben zusammen eine P r o t e sts i tz u n g gegen die E i n f ü h r u n g d e r o b - ligatorischen Sonntagsruhe in den Stembrüchen. bei Haifa abgehalten. In der Resolutton wird Hie Verordnung als den Bestimmungen des Mandats widersprechend dahingestellt. Jerusalem. In Jerusalem und T e l - A o i v wurden in mehreren Synagogen B i 11 g't t e s d i.e n st e für die Abwendung der Gefahren des Weißbuches abgehalten. Es wurden Selichot gebetet und Schöfar geblasen. — Die arabische Zeitung „Al Jarmuk" berichtet, daß in Nablus eine Ortsgruppe des Verbandes Brith Schalom, gegründet wurde, dir unter Leitung von Mohammed al Tiati steht und der mehrere arabische Notabeln aus Nablus beigetreten sind. — Im Gegensatz zu früheren Jahren fanden am 9. De- - zember dieses Jahres in Palästina keine offiziellen Feierlichkeiten anläßlich des 13. Jahrestages des Einmarsches der Truppen Feldmarschall Lord Alleubys ' in: Jerusalem statt. Die Regierungsämter waren; geöffnet, nur der Oberste Gerichtshof tagte nicht. Auch einige/ Banken blieben geschlossen. Äbgewehrter Angriff gegen die Schechika im englischen Parlament. London, 14. Dez. Im Unterhause fand die zweite Lesung des von denr Konservativen Oberstleutnant Moore eingebrachten Gesetzes über das Schlachten von Tieren statt. Ueber den Paragraph 6 des Entwurfes, durch den Juden und Mohammedanern die Erlaubnis erteilt wird, das Schlachten von Tieren nach den Vorschriften ihrer Religion vorzunehmen, entspann sich eine lebhafte Debatte. Der Abgeordnete für Sheffield Marfhall (Labour-Party) nahm scharf gegen die Zulassung dieses Paragraphen Stellung. Er erklärte, der Gedanke der Humanität dürfe durch politische Rücksichten nicht beeinträchtigt werden. Die jüdische Schächtmethode sei eine grausame Tierquälerei. Auch Rev. G. Lang, ebenfalls Mitglied der Arbeiterpartei, wandte sich gegen die zugunsten der Juden und Mohammedaner vorgesehenen Ausnahmen und beantragte die Ablehnung des Gesetzes. Bei aller Anerkennung der ausgezeichneten staatsbürgerlichen Eigenschaften der Juden dürfe keine Ausnahme zugunsten einer bestimmten Bevölkerungskategorie gemacht werden. Gegenüber diesen Angriffen verteidigte Walter G U l N N e ß (kons.) den Gesetzesantrag und erklärte, der Antragsteller Col. Moore habe durch die Ausnahme der Ausnahmebestimmung zugunsten der Juden politische Einsicht bewiesen. Auch vom Standpunkt der Humanität sei gegen den § 6 nichts einzuwenden, da die jüdische Methode der Durchttennung der Halsschlagader eine ganz andere Wirkung habe als die gewöhnlichen Schlachtmethoden. In seinem Schlußwort erklärte Col. Moore, es sei in diesem Augenblick nicht klug, sich in einen Kampf gegen religiöse Grundsätze irgend einer Gemeinschaft einzulassen. Seiner Meinung nach sei es Aufgabe der Christen, in ihrem eigenen Hause Ordnung zu halten und sich nicht in Fragen einzumengen, die die religiösen Grundsätze der jüdischen und mohammedanischen Gemeinden Englands betressen. Es wäre von großer Bedeutung, wenn es den Christen gelänge, ihre jüdischen undmohammedanischen Freunde zur Annahme ihrer Vorschläge zu bewegen, vorläufig aber müsse in dem Gesetz auf den Standpunkt der anderen Konfessionen Rücksicht genommne werden, i Das Gesetz passierte sodann unverändert/ also unter Veibehaltun g: ö er, Ausnah me b e st i nt m ungenau g u n sie n der Schechita, die znteite Lesung. polen. Der zufammengefchrumpfle Jüdische Parlamentsklub in Polen. Warschau, 11. Dez. Die jüdisch-nationalen Mitglieder des polnischen Sejm gründeten aufs neue den jüdischen Parlamentsklub, dem vier Abgeordnete aus Galizien und zwei aus Kongreßpolen angehören. I. Grünbaum nahm mit aller Schärfe dagegen Stellung, daß die auf den Regierungslisten gewählten jüdischen Abgeordneten und der auf der Warschauer Aguda-Liste gewählte Rabbi Lewin aufgefordert werden, dem Klub beizutreten. Grünbaums Standpunkt wurde vom Klub akzeptiert. Das älteste Klubmitglied, Dr. Rosenblatt, hielt die Eröffnungsansprache, zum Präsidenten wurde Dr. Thon, zum stellvertretenden Vorsitzenden Abg. Dr. Rosmarin gewählt. Indes dachten die orthodoxen Deputierten gar nicht daran, sich dem Jüdischen Klub anzuschließen. (Siehe Wochenrundschau.) Die drei auf der Regierungsliste gewählten jüdischen Deputierten gründeten eine jüdische Sektion innerhalb

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.