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Der Israelit · 1930-12-18 · Heft 51 (18.12.1930) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 51 (18.12.1930)
Date
1930-12-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Der Israelit Nr. 51 Seite 3 18. Dezember 1930 deutsche Minderheit in Polen bedeutet, so lange kann kein vernünftiger Mensch den orthodoxen Judenin Polen verübeln, wenn sie zunächst einmal als Realpolitiker für die Erhaltung ihres eigenen Lebens und ihrer eigenen Existenz sorgen und sich nicht von der freventlichen, veratttmortungslosen Ab'enteurerpo'lM der Grünbaum und Genossen ins Verderben rennen lassen. Wenn der. C-entralverein einer solchen vernünstigen Politik der-SelbsterhaltunF, die zwar bereit ist, für das „Schma Jisrock" in den Tod zu gehen, nicht aber für eine neu erfundene Parteidoktrin, wenn der Centralverein der Begründung einer solchen wahrhaft „nationalen" Politik in seinem Blatte Raum gewährt, so steht das u. E. in keinerlei Gegensatz zu deutschen Interessen und deutsch-patriotischen Gefühlen. Der Centralverein Zeigt damit lediglich Verständnis für die Meinung anderer, ein Verständnis, das den zionistischen Parteisanatikern allerdings, insbesondere bei uns in Deutschland, völlig abgeht. Die Londoner Attacke gegen Herrn Dr. Köhn ist überhaupt nicht ernst zu nehmen. Hätte der feuilletonlstlsche Briefschreiber gewartet, bis die unwahre Meldung des „Dawar" durch die Veröffentlichung des wirklichen Wortlautes der Dr. Kohn'fchen Erklärung richtiggestellt war, fo hätte er sich seine Betrachtungen sparen können. Herr Dr. Kohn hat nichts weiter erklärt, als daß für die englische Regierung bei ihrer Stellungnahme gewisse Zwangsläufigkeiten Vorlagen, die auch ein konservatives und auch ein liberales Ministerium wahrscheinlich Zur gleichen Stellungnahme gedrängt hätten, wie es heute mit der Labour- Regierung geschah. Jeder einsichtige und vorurteilslose Beurteiler mußte der Erklärung entnehmen, daß sie sich lediglich aus die politische Deutung der Bälfour-Erklärung bezog. Daß die Einschränkung der E i n w a n d e r u n g und des B od enk au.fs einen durch nichts zu rechtfertigenden Verstoß gegen diese Erklärung und gegen alle früheren Versprechungen der englischen Regierung bedeutete, darin war die Agudas Jisroel samt ihrem Vorsitzenden von vornherein mit den Zionisten und mit der gesamtenjüdischen Oefsentlichkeit einig. Im übrigen will es der neckische Zufall, daß in der gleichen Nummer der „Rundschau" der Londoner Korrespondent des Blattes in einem äußerst vernünftigen, ganz agudistlsch klingenden Artikel jetzt ebenfalls beginnt, für das Verhalten der Labour-Regierung, so peinlich es uns sein mag, doch gewisse psychologische Erklärungsgründe zu finden und nachzuweisen, daß der viel befehdete Lord Paßfield sich in ganz ähnlicher Weise, wie in dem Palästina-Weißbuch, auch in Gegensatz zu den englischen Kolo- Jn der Auffassung des Tatenlebens jedoch (ns) unterscheiden sich die Menschen und Völker. Da gilt den Einennur die Sechszahl, das materielle Streben, das nur diese irdische Welt in seine Rechnung zieht, die Anderen, nämlich Jisröel, das Volk des g'ttverkündeten N2D" weiht Lebenskraft und Lebensarbeit G'tt und seinen Zielen. Aber die Sechszahl reduziert sich; stetig zurückgehend vereint sie sich schließlich mit dein Volke der nun zu einemgroßen Bunde. Das Ziel 'as io nsi pal» ns -ps 'Rn «in o o pinn, daß alle Völker G'ttes Allmacht, Seine Herrschaft über das Geschkckesleben und gleichermaßen S ein e Herrsch aft über das Tatenleben d er Mens ch en anerkennen, wird erreicht. Israel wird zum Priestervolk, und die Menschheit läßt sich von ihm führen: "Sv') vmmiRa naVn von» irivi Kap. 2.) Der Tag, an welchem die Siebenzahl erreicht ist, ist somit der Höhepunkt des Festes,' nan mvvin und n'n2s omV. Dort ist die Reduktion im Wirklichkeit eine Steigerung, die Abnahme in Wahrheit eine Zunahme. Analog den ann os will v*a die Ordnung des naim» Lichts, denn nann und maiv sind parallele Feste. Ist dort dle"n^i'n' tatsächlich eine ''W, so' können wir nichts Besseres tun, als hier die gleiche Praxis befolgen: Das „eine" Licht am letzten naun-Tage repräsentierte dann die „eine" G'tteserkenrunis, ^dle ckkle UNt/kefen auf Erden b 'Fd eÄ t/ (yv* <käp. 2)' ” ’ " Nicht so bbin '£ Die ' Sprache des Lichts ist nach ihm eine „ändere als die des v.ön Ö£r nnin r festgesetzten OT T« ynipa pis?» — heller und immer heller soll und rvlrd Vas^'Mht pari IKüHKa, fmmet mM wM es #1»^ MrusindE drst'^in MÄls empöIWWnd 'bis 8/M»Wdmin ^oon'festst UnaüssträHMd in'aller WAt und dakthen-Ruf ektönen lassend:! > - ckina naiui ia^ nisten von Ostasrika gesetzt hat, die eine bevorzugte Behandlung gegenüber der eingeborenen Bevölkerung verlangen. Vielleicht richtet der Haolam-Feuilletonist bei der nächsten Gelegenheit also seine vergifteten Pfeile gegen den Londoner Korrespondenten der Jüdischen Rundschau, damit Herr Dr. Kohn dann wengstens in guter zionistischer Gesellschaft ist. Religion ist Privatsache? Von I. Raphael. In seiner Zeitschrift' „Die Zeit" erwähnt kürzlich der bedeutende Pädagoge Professor Friedrich Wilhelm Foerster das Morgengebet eines jüdischen Arztes im Mittelalter: „. . . Herr, laß mich Deiner gedenken bei jeder Wunde, die ich verbinde. Laß mich von Deinem Rate gesegnet sein bei lebem Rate, den ich erteile . . ." Und Foerster fügt diesem Bekenntnis die drei inhaltsschweren Worte hinzu: „Das ist Berufsethik! ..." Wenn Menschen, einfache, unkomplizierte Menschen heute Zusammenkommen und Nachdenken, verstehen sie die Welt nicht mehr. Regierungen, Parteien, Sekten, Tagungen — alle suchen nach einem Ausweg. Resolutionen treten sich gegenseitig auf die Füße. Ratlos. Es schwirrt von Ungerechtigkeiten. Man kann die Misere mit denHänden greisen. Mammutzahlen von Arbeitslosen, — Menschen gieren nach Arbeit, und der Bedarf der breiten Masse ist da, und Millionen von Menschen dürfen nicht arbeiten. Rach ein paar Jahren werden die Zuchthäuser von den Folgen dieser moralischen und geistigen Zerrüttung aufzuschreien haben. Der Mann der Straße, der hinausgeworfene Prolet, den die Wirtschaft und die Maschinen in der hochentwickelten Zivilisation nicht mehr verwenden könnn, horcht auf in seiner Rot: auf der anderen Seite gesteht sogar der Minister, daß Unsummen von Kapital in sichere („sichere"?) Tresors des Auslands gebracht werden, — wie und wo sind diese enormen Summen in der Zeit der allgemeinen Not „verdient" worden? Niemals stand das, was Zivilisation heißt, auf einem so erhabenen Gipfel, — niemals war das Elend der Massen zu einer derartigen physischen und seelischen Schwere angeschwollen. Der religiöse Sinn, der noch in irgendwelchen Winkeln einsamer Seelen steckt und sucht, wird verwirrt, stutzt, zweifelt, verzweifelt. Wo bleibt das Wort G'ttes? Warum hört man keine Offenbarung mehr? Kern befreiendes Aufrufen? Und wie lange soll noch das beängstigende Schweigen, dieser schreckliche Verzicht auf Initiative derjenigen dauern, die in der Verantwortung ihrer Uleines Feuilleton. Das geistige Vermächtnis des Waizener Gaons Vst. Die thoratreue Judenheit stand im Sommer dieses Jahres voll tiefem Weh an der Bahre einer der gezählten Thoragrötzen des alten Ungarn, Rabbi Jesaja Silbersteins in Waizen, der zwar hochbetagt, aber uns allen zu stüh den Schauplatz seiner g'ttesgesegneten irdischen Tätigkeit verlassen mutzte. Das schönste Denkmal, welches dem grotzen Heimgegangenen gestellt werden kannte, haben jetzt; noch im Oweljahr, seine Söhne, von denen der eine der Nachfolger seines Vaters wurde, der andere als Rabbiner in Beleih wirkt, errichtet. In diesen Wochen erschien nämlich der zweite Teil jenes Standardwerkes, welches den Namen von Rabbi Jesaja Silberstein weit über die Grenzen seiner engeren Heimat bakanntgemacht hat. Es war vor 17 Jahren, als die talmudisch gebildete Welt staunend in dem ersten Teile des 'vsa ri^nan jpa nia^n ein Werk begrsttzte, welches mit seltener Originalität und tiefgründigem' riiRpa eines jener halachischen 'Gebiete llehandÄte/ die wdhk' deShälb am stiefmütterlichsten" in üüser'er weitverzweigten Literatur ' behayhelt ist; mell es' sich hier gerade um jene Partien han.yett, die heute, fest der Zerstörung unseres Tem^elyellkMms, 'keinerlei pÄrktffche AÄeünmg besitzen. 'Es "ist uiig'MKN ' chMLMrWMoän VRWW'MabMW' Älbersteinf wWchE äls^ Mer deF ersten, gemeiM'iü mit dem gyatzey HunshoMr Haon. Whhh Samuel Wseyberg Md dem ' unvergeßlichen „Brisker" Rabbi Ehajnn Solowert- Führerstellung laut und eindringlich das Recht und die Gerechtigkeit fordern müßten? Ja, — so hört man es an allen Ecken wispern, — vielleicht ist es wahr, daß die atheistischen Kräfte doch stärker sind, als alle Macht religiöser Tatberei'tschaft! Jahrzehntelang haben jene Kreise materialistischer Geschichtsauffassung verkündet: Politik, Wirtschaft, gesellschaftliches System und Zusammenleben ordnen sich unabhängig und weit entfernt von den Prinzipien ethischer oder gar religiöse Gesetze, — und Religion sei eben nur eine Art Opium, eine Angelegenheit privatester Nuance, eine Erfindung herrschender Kasten, — und nur dazu da, um den ringenden Menschen in eine mystische Beziehung zu G'tteshaus und kultischen Nebensächlichkeiten zu bringen. Heute fragen die Wartenden: Gilt Religion nicht auch für die Gemeinschaft des Staatswesens? Und für den gewaltigen Kollektivbegriff, der sich Wirtschaft nennt? Und wie ist es eigentlich, — hat Religion nicht vielleicht auch mitzureden, wenn es sich um die Gestaltung der sozialen Situation handelt? Oder sind dann, wenn es die große^Welt und ihre Zusammenhänge angeht, andere, neuartige Maßstäbe notwendig? Wann wird die Religion sich hier entscheiden? Und uns bedrückt die Frage: wann wird sich das Judentum hier entscheiden? Weil ja das Judentum gar nicht überdies eine Religion im Sinne des täglichen Sprachgebrauchs und der aktuellen Terminologie ist. Es ist keine konfessionelle Regelung: keine historisch gewordene Sammlung kultischer Gewohnheiten: keine Tradition der Bequemlichkeiten. Darin liegt seine Auserwähltheit, — darin liegt seine Schwere, — und unser Anderssein. Und es kann sein, daß gerade darum oft genug viele aktiv in der Formung des Seins wirkende Kräfte unser Lager verlassen. Judentum umfaßt jeden Schritt. Jede Schwingung des Geschehens. Und jede Abmachung, die mit den Dingen der Wirklichkeit zu treffen ist. Nicht bloß, daß der Jude anders betet. Er hat auch eine „andere" Auffassung von den Begriffen, die anscheinend weltgeschichtlich und realpolitisch stabilisiert sind, — der Jude steht anders zum Wesen der Wirtschaft, ihrer Methoden und Auswirkungen und zum Prinzip des „Eigentums". Religion ist hier nie und nimmer Privatsache, sondern Identität des Lebens mit der Verwirklichung G'ttes auf Erden! Darum brauchen wir wieder den Anfang des jüdischen Aufbegehrens gegen die Zeit. Das Judentum hat immer in seiner grandiosen Winzigschik, sich gegen den falschen jüdischen Nationalismus und dessen Folgeerscheinung wandte, daß eben dieser selbe) unerschrockene Vorkämpfer für die Reinheit des jüdischen Volksbegrisses» uns in seinem Werke das Resultat eines wahrhaft jüdischen, durch keine Assimilation und durch kein Golus entfremdeten Nationalgefühls gibt. Geleitet von der „Starken Hand" des Maimonides, vergitzt der Lehrende und der Lernende, datz inzwischen seit 2000 Jahren unser Tempelheiligtum zerstört, und der Opferdienst auf Morkahs Höhen geschwunden ist. Wir versenken uns in diesem Werke wiederum in die Blütezeit unseres Volkes und durchdrkngen uns mehr als durch jede Homilie infolge dieses Studiums mit der Zuversicht, dereinstens wiederum diese theoretische Darstellung der miay in lebendiger Wirklichkeit zu erleben — bis dahin vmv na^vai lynsv- Jenes Werk hat damals, vor 17 Jahren einen Kommentar zu den ersten drei entsprechenden Abschnitten des o"a»n enthalten, und sehnsüchtig erwartete man die weitere Fortsetzung. Der Krieg und die Nachkriegsereignisse haben die Herausgabe verzögert, aber unermüdlich hat der greise Heimgegangene an dem Werke weitest gearbeitet, welches jetzt im Manuskript vollständig vorliegt. Aus diesem Manuskript haben nun die Söhne den 2. Teile in 234 Folioseiten auf mmpn .nwa» nara ’-noR maVn herausgegeben. Wer irgendwo den Intentionen des pt •vnn unserer Zeit, des „Chofez Chaim", folgeleistend sich mit jenen Partien des Talmuds beschäftigt, welche den Opserdienst zum Gegenstand haben, wird mit Spannung MM Werke greisen, welches in Wahrheit eine Lücke ausfüllt, M von jedem "Mmer schock' oft empfündett' wurde, da es wohl wenige Traktate des Talmuds gibt, die so sehr eines ausführlichen Kommentars bedürfen, als gerade rtinini o’nar on- Das mit ' einem vorzüglichen Jnhaltsregister versehene nao ist eingeleitet mit Vorreden der Herausgeber, welche in ergreffenden Zügen das Lebens-

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