Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1930)
- Date
- 1930-12-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nr. 51 Der 3 s ra elit walt zertreten werden zu können. E i n winzig; angeht, zum Gegenstand einer wilden Juden Lichtlein erhellt den ganzen großen Raum, e i n g ' ttlicher Lichtgedanke im Hirn eines hetze macht. In Prag zerstörte man d e u t s ch e Menschen kann die bunte Reihe unzähliger Menschengeschlechter im Banne halten. Halten wir uns an d«as Recht und an das Licht, aber rücken wir letzteres nicht in unsichtbare Höhen! Finsternis kann man nicht mit Geschrei und Gezeter, mit Faust und Gewalt bekämpfen. „Zündet ein Licht an und die Finsternis ist verdrängt", so lehrt der alte Wegweiser von Radin. Aber zündet das Licht so an, daß es unserem Auge und unserem Herzen nahe bleibt, wie das schutzverheißende Sternendach der Laubhütte und der durch das Tor unseres Sabbatheimes tretende Sabbatengel. Nicht zu hoch!- Wochenrundschau. Eine deutsche Schmach und eine internationale Gefahr. Der Terror der Nationalsozialisten, besonders in Berlin, aber auch in anderen deutschen Großstädten, stellt die Polizei vor schwierige Aufgaben und macht auch dem deutschen Außenminister das Leben unddie Arbeit gewiß nicht leicht. Während sich Hitler vornehmlich auf den geisti gen und- Ideengehalt des Nationalsozialismus wirft und sich mehr und mehr zum Mussolini mit positiven Zielen entwickeln möchte, spielt sein Freund Goebbels in Berlin den wilden Mann. Er führt die Massen gegen Kinos, die ihm nicht genehme Filme auffühven, hält Reden auf Sandkisten, gibt Parolen aus und dirigiert Bombardements gegen Schaufenster jüdischer Firmen. Sein Schlachtenruf lautet: „Hitler steht vor den Toren Berlins!" Damit meint man lange nicht mehr den kleinen staatenlosen Agitator in der bayerischen Hauptstadt, der, statt sich mit Filmen und jüdischen Schaufenstern zu befassen, seine Fühler nach der Großindustrie ausstreckt, sondern man meint das Schreckengespenst, das sich hinter diesem Namen alle Zeit versteckte: Terror, Auflösung, Chaos, „Köpfe werden rollen! ..." Es würde urkomisch anmuten, wenn es nicht so tief-tragisch wäre, daß man eine Filmvorstellung, die gut oder schlecht sein mag (wahrscheinlich s ch l e ch t), aber auf keinen Fall uns etwas Filme mit dem Rufe: „Juden raus!" In Berlin antwortet man darauf mit der Boykottierung amerikanischer und französischer Filme, ebenfalls mit dem Rufe: „Raus mit den Juden!" Die Szene wechselt, die Sprache auch, die Begleitmusik ist da-wie dort die gleiche: „Die Juden!" Der D e u t s ch e R e i ch s t «a ghatte am Mittwoch mit der Debatte über die Pensionsverkürzungen einen Tiefstand erlebt, wie er auch in diesem Reichstage der „Hundertsteben" kaum noch überboten werden kann. Was geht eigentlich die Frage der hohen Pensionen Indien und Judentum an? Wir haben-— G'tt fei es gedankt — kerne Minister, keine Oberbürgermeister und keine hohen Staatsbeamten, deren Pensionen zu kürzen wären. Aber die ganze Debatte war nur eine Aussprache zwischen' NationalsoziMsten und der Linken mit dem Kehrreim: „Der Jude!" Was man auf der Straße im Zusammenhänge damit zu hören bekommt, fand in den heiligen Hallen der hohen Politik seinen gemeinsten Ausdruck, .so daß der volksparteiliche Antragsteller bei diesem Niveau der Diskussion, auf weitere Begründung der Interpellation verzichtete, und Löbe, der vielerfahrene Präsident, den Präsidentenplatz verließ, damit die weiteren wüsten Lärmszenen sich wenigstens nicht mehr in dem Rahmen einer offiziellen Reichstagssitzung bewegten. Womit soll der arme Curtius nach Genf gehen, um für die Ehre und die Interessen Deutschlands, für feinen finanziellen und moralischen Kredit zu kämpfen«? In Paris tagt zur Zeit der französische Landeskongreß der Internationalen Liga gegen den Antisemitismus. Kein deutscher Jude ist dabei, um über die Dinge in Deutschland Klage zu führen. Aber in Genf und in den Kabinetten Europas und Amerikas hat man ein offenes Auge und offenes Ohr'für diese Dinge. Die Weltpresse sorgt für ihre Verbreitung und zeigt die Vorgänge oft im Vergrößerungsglase des Deutschenhasses. Es ist nicht u n s e r"e Schuld, daß die Welt bald in der „deutschen Schmach" eine „internationale Gefahr" zu erblicken beginnt. Zionistisches beim Scheine i der EhanukkaUchter. Die zionistische „Rundschau" gibt ihrem Chanuka-Artikel, gegen dessen positiven Inhalt wir sonst wenig einzuwenden haben, die für einen Juden alten Schlages geradezu provozierende Ueberfchrift: „D a s Fest der Selb st h i I f e". Die Offenbarung unseres Ehanukkafestes. Von Nabb. Dr. Singermann in Weriin. „Du gabst die Starken in die Hand der Schwachen." Dies die bezeichnende Gebetformel des Chanukafestels, die die ganze geschichtliche Begebenheit der Chanukatage unserer Erinnerung bewahrt und sie ihr überantwortet. Sie spricht von zwei Mächten, die seit den Tagen, da die Welt geworden, miteinander in Fehde stehen. Auch damals zu' der Syrer Tagen kämpften miteinander in heißem Ringen jene beiden Mächte: die Macht der Starken und jene andere Macht der Schwachen, sie stritten erneut um diese ihnen verbrieften Rechte. Wollen wir in das innerste Wesen dieser beiden Gewalten eindrrnge'n, sie enthüllt sich uns dann als die Macht des Schwertes und die des Buches. Den beiden Enkeln von Pwrohom, dem Stammvater des Menschentums, wurden diese Mächte eingehändigt. Esau erhielt das Schwert, Jakob das Buch. Für jeden lag darin Sinn und Zweck seines Lebens, sein Erbe und sein Anteil. Der Mund des Vaters dieser beiden Söhne, die also ausgestattet in das Leben zogen, sprach dazu das segnende Geleitwort: „Von der Macht der Schwertes wirst du, Esau, das Gut des Lebens dir erkämpfen, doch alles dies, um deinem Bruder, ihm," dem Jakob, einst zu Dienst zu sein." Esau, der Sohn des Schwertes, er soll sein Eisen nur nach den Weisungen des Jakobs-Buches benutzen, so wollte es der Vater. Auch Juda Makkabi hat ein Schwert gezückt, und er hat es mit Schneid und festem Griff geführt. Trotz dieses hier bezeugten Mutes mit Mitteln, die nicht ihm zum Anteil wurden, nennt ihn die Formel des Gebetes schwach, ja schwach in solchen Künsten. Das ist nicht Judas Stärke, das war sie nicht, das wird sie niemals fein. Schwach war auch wirklich der Erfolg des Schwertersieges. .Was dieses Schwert für ihn und für den Seinen damals Hai erobert, schon ein Tag, der kam, hat ihm diesen Sieg des Schwertes abgestritten. Was er begehrte, das war das Buch allein und dessen Siegeszug. Was Juda gebaut mit der Macht der Zerstörung, mit Eisen und Schwert, das ist zerstört und konnte es werden, doch was er gebaut mit der aufbauenden Macht des Geistes, das ist siegreich geblieben: das Buch mit der Lehre, durch die. allein G'tt ewiges Leben in unsere jüdische Gemeinschaft gesetzt hat. Auch in unseren Tagen, in den ungezählten Phasen unseres innerjüdischen Lebens, kann es nur eine Macht geben, die uns erhält, die uns als Volk, das eins Zukunft hat, hinstellt, die uns unsere jüdischen Tage verlängert in demselben Ausmaß, wie unsere Anfechter und Bedroher sie uns kürzen möchten. Das kann nicht die eine oder an.- dere Partei des gegenwärtigen Judentumes fein, und fei sie noch so stark und fest organisiert, seien ihre Argumente noch so ehrlich und berechtigt, das kann nur der Jude mit dem Buche der G'tteslehre sein. Das Banner vom jüdischen Wollen und Willen hdt Juda Makkabi uns aufgerollt; in diesem Zeichen liegt unsere Dauer.? Licht ist' das Symbol der Tage von Thanuka. Aufsteigendes Licht ist fein Anteil noch an fernem Ende. In der Art des Leuchtens eines solchen Lichtes, das die Festesweiheuns entzündet, liegt für uns die Offenbarung, dieses Münder vergangener Chanukatage, das danükein Wunder für uns mehr ist. Dieses Licht, so klein.es ist, so überragend seine Treue! Es brennt nach oben, oder es 18. Dezember 1930 In allen Synagogen des Erdenrundes wird das jüdische Bewußtsein irr brausenden Hallelhyrnnen und im füllen Gebetwort der Schmone Esre immer wieder dazu erzogen, in dem denkwürdigen Sieg der „Wenigen über die Vielen, der Reinen über die Unreinen, der im Worte der Thora Sinnenden über die UebermMgen" te u n ert Erfolg der Selbsthilfe, sondern den gewaltigen Triumph des G'ttesgefftes zu erblicken. Für Unsere zionistischen Helden aber von Berlin W. ist das alles „religiös-mystische Verbrämung", d«ie die Rabbinen nachträglich erfunden mit» — sicherlich sehr zum Bedauern dieser modernen Besserwisser — dem „weltlichsten Feste " des jüdischen-Volkes ausgeprägt haben! Es. genügt vollkommen, sich diesen schneidenden Gegensatz zwischen zionistischer Revolution und. altjüdischem Volksbewußtsein vor Augen zu halten, um ein gewisses Verständnis für «den Bruderhaß zu gewinnen, mit dem der Zionismus selbst inmitten einer schweren Krise Me heute das überlieferte Judentum verfolgt. Man versteht, warum Herr Grünbaum in fein Miniatur-Klübchen von 6 Mann den Vertreter der jüdischen VolkSmassen Warschaus, Oberrabbiner Löwin, nicht aufnehmen will — vermutlich hat Herr Oberrabbiner Lewin gar nicht den Ehrgeiz besessen, sich der glorreichen Führung des Herrn Grünbaum zu unterstellen; man begreift die fürchterliche Aufregung, in die die „Jüdische Rundschau" gerät, weil das Centralvereinsblatt gewagt hat, ein Interview mit Rabbiner Tobias H o r o v i tz , einem der Führer der polnischen Orthodoxie, zu veröffentlichen. Man begreift endlich auch die Bosheiten,' mit denen das hebräische zionistische Zentralorgan „ H a o l a m " Herrn Rabbiner Dr. Pinchas K o h n regalrert, weil er seiner persönlichen Stellungnahme zu der durch das Weißbuch geschaffenen politischen Situation in einer der zionistischen Direktive nicht entsprechend>en Art und Weise Ausdruck gegeben hat. Zu dem zweiten und dritten Punkte seien aber noch einige Worte der Erwiderung gestattet. Die „Rundschau" versucht einen Gegensatz zu konstruieren zwischen d«er Toleranz, mit der die Centralvereinsblätter einem agudiftischen Politiker Gastrecht in ihren Spalten gewähren und der deutsch-patriotischen Einstellung des Centralvereins. Die agudistische Politik in Polen macht aus guten Gründen den doktrinären „Minderheits"- Fanatismus fres Herrn Grünbaum nicht mit, weil es sich für die jüdische Minderheit einfach um Tod oder Leben handelt. Und in der Tat: solange nicht hinter der jüdischen Minorität ein ebenso mächtiger und immerhin recht einflußreicher Patron steht, wie ihn das Deutsche.Reich für die erlischt! Bläst ein Hauch sein Licht zur Seite, es ringt nach oben, oder es geht aus! Auch Israel wird sein, wird immer sein, wenn es nach' oben leuchtet. Das Chanukahlichk. Von Joseph Wvhlsarth (Zur Jahrzeit am «b n) (Schluß.) Der Kern der nnw-Jdee ist in dem Worte des psno niedergelegt nwa i-vauinm '«ri U2xi>v,i „Nicht Deines ist es, ein Werk seiner Vollendung zuzuführen — jedoch Dich der Mitarbeit entziehen — darfst du nicht".— Diesen Gedanken repräsentiert die nsiD mit den festen Wänden und dem losen Dache, Menschenschutz einerseits — G'ttesfchutz andererseits — darstellend. Auch das repräsentiert diesen Gedanken, wenn wir mit bei den Worten «:> nn’Vsn n rvrr unseren Kräften und Mitteln, deren Symbol das 2^, Stillstand gebieten. Die o2w-Lehre aber ist von solcher Tragweite, für die ganze Lebensgestaltung, Volks- und Eingelleben, daß sie, soll die Erde wieder zum Paradiese werden, Gemeingut der Gesamtmenschheit werden muß. Die macht- und kraftstolze m und 2vv-Lehre muß fallen (!wp>m') und alle Menschen und Völker müssen hinaufziehen 012100 an nx ainV* (mnsr) um mit bmv sich in den G'ttesfchutz der Sukkoh zu begeben. Ausgedrückt wird diese Zukunstshoffnung und ihre Erfüllung in dem Festesopfer. Aus 14 Schafen und 13 Stieren soll es bestehen. Die Siebengahl der Schafe spricht aus, wie alle Völker und Menschen einig sind mit Israel in der Erkenntnis, daß unser Geschickesleben nicht in Menschenhand stehe. Die höhere, das Geschickesleben zwingende Macht erkennen sie alle-—wie könnten sie sie auch leugnen, — und diese 'Macht wird von den Einen „G'tt", von den Anderen „Natur" genannt.