Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1930)
- Date
- 1930-12-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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18. Dezember 1930 Frankfurt a. M„ den 28. M-i-w bssi Nr. 51 Ein Centralaroan Ul Begründ fessfi Abonnement ab Juli 1929: Deutschland 1.3V Mark monatlich: Ausland: Dierteljährpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Gtretfband-Bersandes) Deutsch-Österreich: Schilling 8.—; Amerika 1 Dollar; England 4sh.; ab 1 Juli Frankreich 25 Fr.; Belgien ab 1.7.27. Belga 5.; Holland 2 fl.; Italien ab 1.1.28.18 Lire; Jugo« slavien 85 Din.; Litauen 7.60 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 27. 160 Lei; Polen 4 deutsche Gold- Mark zum Tageskurs oder 7 Zloty: Schweiz 6 Fr.; Tfchecho-Slowakei 25 Kronen; Ungarn iPengö 5 ab 1. Juli 1927; Dänemark 3.50 Krön.; Norwegen 3.50 Krön.; Schweden 3.60 Krön. . Einzelnummer vierzig Goldpfennige. - ' . Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 60 Goldvf. für die stebengesp altene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 40 Pf. Die 75 mm breite Reklamezeile: letzte Tertseite 2.— Mk.. vorletzte Tertsette 260 Mk.; Chiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Inserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jeder, Vorbehalt. Jnseratenannahme durch den Verlag des Israelit G. m. b. H., Frankfurt a. M.. Rechnetgrabenftraße 7, Tel. Hansa 21081 fow. durch fämtl. Annoncen-Exped. d. In- und Auslands. Alleinige Jnseratenann. für Franks. Geschäfts»«».: Jul. Schmidt, Langeftr. 7, II, Tel. Hansa 25865. Platzvorfchr. ohne Berbindlichk. .„.t direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 19892. — Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr.79605. — Postsparkassenamt Budapest Nr. 18121.—Postscheckkonto Marschau Nr. 190767. — Postscheckamt Zürich Nr. 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Zu hoch gestellt und unserem Blicke entzogen, verliert das Licht an Glanz und Wert. Ein Licht der G'tteserkenntnis, wenn auch ein mattes und schwaches,, ging einer jeden Zeit und einem jeden Menfchengefchlechte auf, aber sie stellten das Licht zu hoch. G'tt war da, aber ihrem Auge fern, in unermeßliche Höhe Lerückt, von wo kein Weg nach unten führte: •D'wmm 11122 jm Indes ward die Erde mit ihren Freuden und Genüssen dem Menschen gegeben. Und über dem Leben walteten kleine G ö tte r d er E rd e, -die sich der Mensch nach seinem Ebenbilde schuf. All das, weil das wahre Licht zu hoch gestellt war. Auch die Hellenisten zur Antiochus-Zeit^ als Kinder jüdischer Mütter, mit jüdischen Seelen, die der Sinaislammen-einen Funken in sich trugen, wußten wohl, daß es e inenG ' tt i n den H ö h e n g a b. Aber — alle Religionsformer taten und tun es bis auf den heutigen Tag — sie lobten ihn in d e n H i m me l h i n a u f und ließen ihn dort „guten G'tt" sein. Während hier auf Erden Olympus und Walhalla bessere Möglichkeiten boten, dem Leben alle seine Freuden und Genüsse abzuringen. Sie stellten das Licht zu hoch, so hoch, bis es ihrem Blicke entfremdet war, und unten ringsherum war alles in öde Finsternis gehüllt, bei all den taufend .falschen Lichtern, die die Theater und Spielplätze umglitzerten. Eine späthellenistische Zeit machte es nicht anders. Der alexandrinische Hellenismus war ehrlicher und mit mehr positiven Inhalten ausgestattet, als der hemmungslose, ausschweifende Hellenismus in Jerusalem, der schon mehr religiöser Nihilismus war. Aber P h i l o und feine Schule holten auf den Schwingen einer schrankenlosen scholastischen Phantasie zu einer Höhe aus, wo der G'ttesgedanke in den Walken einer grauen Symbolik stecken blieb. Was die Thora sagte und befahl, war nicht mehr im wörtlichen Sinne bündig, sondern deutete auf andere, höhere Jdeen- und Gedankenwelten hin. Damit war die Wurzel in den Boden gesenkt für dis spätere Lehre einer „höheren Ethik", die man predigte, um sie nicht zu halten — weil man sie nicht halten konnte, weil das Licht zu hoch in die Sphären des Uebermenschlichen gerückt war, weil die Lehre in dieser neu vergeistigten und verinnerlichten Form keine a^n min» keine „Lehre^ des Lebens" mehr war. Das Licht stand zu hach, es hatte mit dem Suckahgedanken des „g'ttlichen Schutzes für Jedermann" und mit dem Hofe, der alle jüdischen Menschen zu e i n e r S a b b a t g e m e i n - s-chaft lädt, nichts mehr gemein. Und es war nicht mehr unser Licht! Wenn 12111 mit ‘jum zusammenhängt und das Fest, wie kaum ein cmbeves, ein Fest der Kleinen ist, dann werde in ihnen das Licht so entzünde, daß es ihnen stets vor Augen bleibt. Nicht das Licht über ihnen, das Licht i n ihnen wird sie heimweisen: -221»'? 2111» 212V nx&'n Ein neu erwachter Liberalismusder in seinem jugendlichen Flügel nach sucht, in seinen älteren Teilen aber schon bestimmte Ziele g e - funden zu haben glaubt, dev sich in Ethik nicht genug tun kann und einen jüdischen Ideengehalt kennt, der schon in feiner bloßen theoretischen Anerkennung ein. „Maximum an Religion" bietet (siehe Baeck), sei an die mahnende Talmudstelle verwiesen: Das Licht, zu hoch gestellt und dem menschlichen Blicke nicht mehr erreichbar, ein Licht, das uns nicht seelen- .und körpernahe ist, das wir nicht mit eigenen Händen, wie der Priester an der Menorah, hegen und betreuen, damit es uns unmittelbar ins Herz leuchtet, solches Licht, mag es noch so schön von oben herab blinken, ist für uns unbrauchbar.' „ U nd nicht zu hoch" auch -ich anderen Sinne! Schrauben wir unsere Ansprüche an Welt und' Völker nicht zu hoch, spannen mt den Bogen unseres Volks- und MachtbewuHtseins nicht bis zum Brechen. Am allerwenigsten tun wir es unter Berufung auf die Makkabäer-Helden. Sie werden ein jüdisches Haus, das auf dem Machtgedanken gegründet ist, nicht segnen. Mögen die griechischen und römischen Historiker (auch Jofephus ist für uns kein jüdischer Schriftsteller) voll Bewunderung und Verehrung vor der H e l d e n k rast der Makkabäer stehen, wir beugen uns vor ihrer Schwäche; wir beten voll Demut, wie sie es selber in ben heiligen Hallen taten, zu Ihm, der „die Helden (Syrer) in die Hand der Schwachen (Hasmonäer) gab." Priester waren sie in erster Reihe und keine Haudegen, Priester am Altäre des Herrn, „über den das Eisen nicht geschwungen werden durfte," der „durch die Berührung mit dem Schwerte entheiligt wird." Sie griffen zum Schwerte, als es nicht mehr anders ging, um R a u m f ü r d a s L i ch t zu schaffen, und legten sofort' das blutige Schwert aus der Hand, als Heiligtum, Staat und Volk zum Innendienste, beim heiligen Scheine der Menorah, riefen. S o waren - die Makkabäerhelden —. Makkabäer- Priester! Wunder des Heldentums vollzogen sich in jenen Tagen in stillen Häusern, Hütten und Höhlen, wo Menschen wie die Löwen um ihr Heiligstes kämpften, wo sich Krieger wehrlos Preisgaben, um den Sabbat nicht zu entweihen, wo Mütter ihre Kinder hinopferten mit dem Schmabekemttnis im Munde. Wenige dieser Heldenväter und Heldenmütter nur werden in den alten Schriften genannt. Die Menge der stillen Helden, wie die Ungenannten einer jeden großen Zeit, sind von G'tt gezählt und in sein Buch ausgenommen Y>mson rrbi- Allwo sich heute im jüdischen Kreise übersteigertes nationales Machtbewußtfein bemerkbar macht, ob in Parlamenten der Ostländer, im Vortrags- und Festsaal, in Palästina oder in der Gola, überall, wo sich ein neues Judentum mit starken Reden und wilden Gebärden etwas erringen zu können glaubt, oder beim Hochgehen der wilden Fluten des.Hasses Gewalt gegen Gewalt setzen möchte, überall da sollte man die talmudische Mahnung beachten: „Nicht zu hoch! —" Pochen wir auf unsere Zahl und unsere Macht, ach, wie klein und winzig sind wir doch dann gegen die Ueberzahl und Uebermacht der gegen uns — und gegen G'tt — anstürmenden Scharen. Rufen wir nach dem Rechte, nach dem Lichte, dann sind sie auf unserer Seite, dieweil Licht und Recht Dinge sind, die mit Faust und Macht nichts zu tun haben, die sich von Geschlecht zu Geschlecht ver-pflanzen, ohne von roher Ge-