Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1930)
- Date
- 1930-12-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite S Nr. 49 Der Israelit 4. Dezember 1930 Durch diese Erklärung Balfours, an deren Authentizität' wohl kaum zu -zweifeln ist, wird der auch im Weißbuch immer durchschimmernden Auffassung ein Ende gemacht,, als stehe die Klausel, es dürfe nichts geschehen, „was, die bürgerlichen und religiösen Rechte der nichtjüdischen Bevölkerung Palästina beeinträchtige" im Widerspruch zu einer poli-' tischen Bevorzugung der Juden. Die Geschichte wird dereinst zweifellos feststellen, daß bei Erlaß der Balfour-Erklärung eine politische Bevorzugung der Juden gegenüber den Arabern in Palästina allerdings beabsichtigt war, wenn dadurch auch die gleichen bürgerlichen und religiösen Rechte aller Bevölkerungs-. teile nicht berührt werden sollten. Ganz einerlei, Äö man eine derartige politische Bevorzugung der Juden in Palästina heute noch für wünschenswert hält oder nicht — an den historischen Tatsachen darf jedenfalls nicht gerüttelt werden. Aussichten'kann bisher nichts gesagt werden. Die Regierung scheint zwar zu gewissen Könzessionen bereit zu /sein, aber in zionistischen Kreisen istmander Auffassung, 'daß nach den gemachten Erfahrungen'die Jewish Agency sich mit 3 wer deuti g e n V e k's ich e r'ü n g e n nicht Zufriedengeben kann. Die Fortführung der Verhandlungen leidet außerdem, worauf 'schön die Londoner Tageszeitung „Daily Telegraph" hingewiefen -hatunter gewissen innerzionistischen Schwierigkeiten.' Nicht'Mur der Waad Leumi, sondern auch die amerikanischen Zionisten verlangen einen entscheidenden Einfluß aus die Verhandlungen. Es heißt, daß Ruthe n- >.berg als Vertreter des Waad Leumi "unterwegs ist,, 'und die amerikanischen Zionisten wollten Prof. Frank- 'furter entsenden. Beide' Herren sind aber bisher in London nicht eingetroffen. ' „Die Wolke von Mißverständnissen wird Wahlkampf in Whitechapel. London, 1. Dez. Ein Massenmeeting in Whitechapel war von etwa 15 000 Menschen besucht. Die^s Redner angekündigten Vertreter dep P o a l e Zion sagten im letzten Augenblick, wohl mit Rücksicht auf die Verhandlungen der I. A. mit der Regierung, ab. Die Versammlung begann gleich mit einem solchen Lärm, daß sich kein Redner durchsetzte. Endlich konnte der Abgeordnete Harry S n e l l sich für einige Worte Gehör verschaffen. Kaum aber hatte er die Palästina-Politik der Regierung erwähnt, brach ein solcher Sturm los, daß der Redner abbrechen mußte. Man schrie: „Nieder mit der Labour- Party, die dem jüdischen Volke ihr Wort gebrochen hat!" Stühle flogen durch die Luft und Pfiffe erschollen, so daß die Abgeordneten der Labour-Party den Saal verlassen mußten. Als der jüdische Abgeordnete Marcus gleich zu Beginn seiner Rede erklärte, er verurteile das Weißbuch, beruhigten sich die Gemüter für eine Weile. Es erschollen dann Rufe: „Warum zögert die Regierung, in die Verhandlungen mit der I. A. einzugehen? Sie wartet wohl den Ausgang der Nachwahlen in Whitechapel ab, um noch einmal ihr Wort zu brechen?" Marcus erwiderte, die Verzögerung geschah auf Veranlassung Weizmanns. Da viele Tausende keinen Einlaß mehr in den Saal bekamen, wurde eine Parallel-Versammlung unter freiem Himmel abgehalten, auf der von mehreren Rednern die Wähler aufgesordert wurden, gegen die Labourpartyzu stimmen. In einer von den Sozialisten einberufenen Massenversammlung in der St. Georgstadthalle wurde der Kandidat der Labourparty, James Hall, ausgepfiffen und niedergeschrieen, so oft er nur das Wort Palästina erwähnte. Er wurde zuletzt gezwungen, den Saal zu verlassen. Die Jewish Agency hat keine Vertagung der Verständigungskonserenz verlangt. j! London, 30. Nov. Im Einvernehmen mit dev englischen Regierung hat die Jewish A>g e n c y der' Jüdischen Telegraphen- Agentur nachstehende Erklärung zur Veröffentlichung übergeben: , , ... ’■ ,, - ... „Die Jewish Agency stellt: fest, daß sie keine Vertagung der Konferenz mit den Vertretern der Regierung verlangt hat und daß das'Tempo des Fortgangs dieser Verhandlungen einzig und allein von ihrem jeweiligen Stand abhängig ist." Vorstehende Erklärung stellt ein Dementi der von dem Abgeordneten Marcus in der Whitechapeler Versammlung der Labour-Party aufgestellten Behauptung dar, daß Weizmann eine Vertagung der Verständigungskonferenz bis zum Eintreffen der amerikanischen Mitglieder der Jewish Agency vorgeschlagen habe. Die englische Antwort eingelangt. London. 2. Dez. Die Verhandlungen der englischen Regierung mit der Jewish Agency, die am 17. November begonnen haben, wurden bekanntlich nach Ueberreichung des jüdischen Memorandums unterbrochen, ' weil die englische Regierung eine schriftliche Antwort, darauf erteilen wollte. Diese Antwort ist jetzt der Jewish Agerscy übergebne worden, so daß anzunehmen ist, daß die Verhandlungen in diesen Tagen fortgesetzt werden. Heber die verschwinden!" London, 30. Nov. Anläßlich der Jahreskonferenz des amerikanischen Pro Palästina-Arbeiterkomitees hat die Reichsexekutive der Labour-Party an den jüdisch-amerikanischen Arbeiterführer Abraham Shipliakow ein Telegramm gesandt, .in dem die Zuversicht ausgesprochen wird, daß „die Wolke von Mißverständnissen" bezüglich der Palästina- Frage bald verschwunden sein wird. Milderung der Sonntagsruhebestimmungen in England zugunsten sabbattreuer Juden. La ndo n, 1. Dez: Die neuen Sonntagsruhebestimmungen für New- Castle sehen Erleichterungen für sabbattreue Juden vor. Während Friseurläden im allgemeinen Sonntags geschlossen halten müssen, werden jüdische Inhaber von Friseurgeschäften, die Sonnabends geschloffen bleiben, Sonntags ihre Betriebe offen halten dürfen. Die neuen Sonntagsruhebestimmungen treten mit dem 1. Januar 1931 in Kraft. Laut einer Verordnung, die für das gesamte Gebiet Englands Geltung hat, müssen ab 1. Januar 1931 alle Detailfleischerläden Sonntags geschlossen halten mit Ausnahme jener jüdischen Geschäfte, die im Besitze einer Lizenz von einer jüdischen Gemeinde oder der Schechitabehörde sind und von Freitag abends bis Sonnabend abends geschlossen bleiben. Palästina. Eine Erklärung der Jerusalemer Aguda-Zentrale. Jerusalem, 2. Dez. Die Jerusalemer. Zentrale der „ A g u d a s Iis - roe!" veröffentlicht folgende Erklärung: „Die ständige Verwendung des Wortes „Jischuw" in zwei Deklarationen, die vom Waad leumi in Verbindung mit der Veröffentlichung des Weißbuches gebraucht worden sind, erweckt beim Leser den Eindruck, daß diese Deklarationen die Meinung der gesamten Judenheit Palästina wiedergeben. -Da/indessen in diesep Deklarationen e t n i ge Alu s d,xü ck e . g.k/b r.auchit werdest/ "für, welche die ..orthodoxe--. Judenheit Bä-- lastinas, soweit.-sie"dem Waad leumi nicht angehört'ustd> in deren Namen der-Waad leumi also nicht sprechen kann, nicht verantwortlich, sein rnöchte,. erklärt die'Zentrale der Aguüfls Jisro.el hierdurch sowohl in Bezug auf die vom Waadjleumi bereits veröffentlichten,', als auch chr etwaige künftige Deklarationen, daß alle Erklärungen des Waad leumi, soweit sie nicht, von Agudas JiSroel mitunterzeichnst sind, auch wenn darin ungerechtfertigterweise das Wort „Jischuw" gebraucht wird, nicht als Ausdruck der Meinung der gesamten Judenheit Palästinas anesehen werden dürfen und daß Agudas Jisroel für den Inhalt nicht verantwortlich gemacht werden kann. Die Meinung der palästinensischen „Agudas Jisroel" in Bezug auf das Weißbuch ist in der von der Exekutive der Agudas Jisroel-Weltorganifation veröffentlichten Erklärung. niedergelegt, die in voller Uebereinstimmung rnit der palästinensischen Agudas Jisroel-Zentrale abgegeben wurde." Personalien. Munster bei Dieburg, 27. Nov. Am 16 November konnten Herr David Simon und Gemahlin im.Meise ihrer zahlreichen Kinder und Enkel das Fest der goldenen Hochzeit begehen. Herr Simon, feil langen Aahren der Führer unserer . kleinen Gemeinde, ist ein eifriger Bekenner und Verfechter des thoratreuen Judentums^ für dessen Förderung .und Erhaltung er in seinem Kresse' stets mit jugendlischem/ Feuereifer eintritt. Möge esom. Jubelpaare gegönnt fein, der hiesigen Jugend noch "lange Jahre: ein Vorbjstd echt jüdischen Fackilien- ' lebenS zu geben. . , . . Aurich, 20. Nov. Mit -allgemeiner Wäu'er vernahm -man -! in der Frühe des vergangenen Möütäg i"a, die Kunde von" dem so plötzlichen Hinschetden unseres ältesten Eemeindemitgliedes und ältesten Bürgers unserer Stadt Zwi Hoffmann b~i- Trotz seines hohen Alters von 91 Jahren war er von m mit seltener Frische und Rüstigkeit an Körper und Geist begnadigt fand am Mittwoch, den 19. November unter überaus - .starker Beteiligung - statt. Im'-'Trauerhause'Hilderte'"Herr Lehrer Moses die hervorragenden Eigenschaften" des Verblichenen, seinen emsigen!' Fleiß, seine ’ unermüdliche! Wirksamkeit im Dienste unserer n^'nx», seine' echte Frömmigkeit. Jede Gelegenheit benutzte der Verstorbene/ zum treuen Festhalten an unserer Ileberlieserung anzuspornen. Trotz seines hohen Alters ließ er sich nicht nehmen, ständig das E'tteshaus auszusuchen und war so der/Jugend ein schönes Beispiel. Wohl kaum hat der Verblichene eine Tagest'filloh versäumt. Er war ein echter, wahrer und frommer »im» aus innerer Ueberzeugung.' Möge die trauernde Gattin, die ihm-in 49 jähriger glücklichste! Ehe verbunden war, sowie die Kinder trösten, -fraxan Aschbach (Obersranken), 20. Nov. Am 1. Dezember ds. . Js. vollendet unser Herr Oberlehrer Abraham Joseph Wechsler seinen 70> Geburtstag und zugleich känn . er sein. 50 jähriges Dienstjubiläum yls Jngendbildner feiern, davon in hiesiger Gemeinde 48—49 Jahre. Herr Oberlehrer Wechsler genießt den Ruf eines ausgezeichneten Pädagogen, wenn auch seine ihm angeborene Bescheidenheit ein' Vordringen in die Öffentlichkeit nicht zuläßt. Die jüdische Volksschule hier war sein Werk, welches leider nicht mehr besteht, welches eraber , vor länger Zeit geschaffen und säst 40 Jahre inne hatte. Ursprünglich amtierte er hier als Religionslehrer, als Nachfolger seines unvergeßlichen Vater Rabbi Schmuel Wechsler Er ist ein würdiger Enkel des bekanntem Schwabacher Rabbiners Rabbi Abraham Wechsler b"xir dem seine Gemeinde viel zu danken hat, die heute noch ein Muster religiöser Bedeutung ist und aus welcher viele religiöse bedeutende Männer hervorgegangen sind. Möge Herr Oberlehrer Wechsler im Dienste wahren Judentums tätig sein ' ,* Buttenwiesen, 20. Nov. Unsere altehrwürdige Gemeinde ist in tiefe Trauer versetzt durch das Ableben des Israel 2 a nt m f romm , der am 20. November 1930 im Alter von 68 Jahren zur ewigen Ruhe bestattet wurde. Der Verstorbene entstammte einer der ältesten hiesigen frommen Familien und war wegen seiner aufrichtigen Frömmigkeit, Güte und Menschenfreundlichkeit bei allen Schichten der Bevölkerung verehrt und beliebt. Er hat sich wohl um die jüdische Gemeinde, deren Verwaltung, er viele Jahrzehnte angehörte, als auch um die Interessen unserer Marktgemeinde außergewöhnliche Verdienste erworben, die ihm ein ehrendes Andenken für alle Zeiten sichern. Der Verstorbene besaß' eine Ungewöhnliche Kunstfertigkeit, die er neben vielen anderen Zwecken alljährlich dazu verwandte, unsere Synagoge am Wochenfeste derart auszuschmücken, daß das E'tteshaus jedesmal als Sehenswürdigkeit für die jüdische Gemeinde wie auch für die Angehörigen der anderen Konfession galt. In 48 jähriger Zugehörigkeit zur Feuerwehr machte er sich um das bayerische Feuerlöschwesen ungemein verdient. Seine große Heimatliche bekundete der Verblichene auch -durch die Herausgabe seiner „Chronik von Buttenwiesen", die die Geschichte unserer Heimat von der Gründung des Dorfes- bis zur Gegenwart/änfchastlich darsiellt.?- •’ -!i Die Beerdigung gestaltete sich zu einer "würdfgen Trauerfeier, an' der die gesamte hiesige Bevölkerung und zahlreiche Freundeaus Öfer näheren'' uiid : weiteren Umgebung 'teilnähmen. Herrr "Hauptlehrer Sonn siielt die Gedächtnisrede? Mönchsröth, 24. Noo. 1930. Unter überaus! :>zähl--- reicher Beteiligung aus nah und fern wurden am Sonntag, den 9. November, die sterblichen Reste der Frau Charlotte Bauer geb. Siegbert aus Nördlingen zur letzten Ruhe bestattet. Herr Lehrer Strauß schilderte am Grabe in ergreifenden Worten die hervorragenden Tugenden dieser fr«- Nicht nur.Ihrer zahlreichen Familie würde diese edle und lügenhafte Frau und Mutter unerwartet, und! jäh entrissen, sonderrn auch allen Armen und Dürftigen. Keiner ging leer und ungetröstet von ihrer gastlichen Schwelle. Möge ihr niar auch uns vor dem g'ttlichen Richterstuhle beistehen. . ,rrax:m. Schlüchtern, 1. Dez. Vor kurzem feierte Herr Jacobe Hirsch Rotschild, Vorsteher unserer Gemeinde, seinen 70. Geburtstag. — Wer Herrn Rotschild ^kennt, der alsari als einfacher Geschäftsmann, 'iua niaa 'axa pst ist —; wie fern Name besagt, wenn es gilt, sich für jüdisch« Dinge - einzusetzen, begreift, daß man aus diesem Anlaß seinen Namen mit der jüdischen Oeffentlichkeit' bekannt machen-muß. .^ Wenn rvir hier ein kurzes Bild seiner Persönlichkeit zeichnen, , so .,soll , damit nur gezeigt werden, wie -auch n-a in hibrip, deren Namen man nicht allzu ofvernimmt, Männer,, leben,.: die uns allen zuck Vorbild und "geistigen Führer sein können. Ausgerüstet mit einem schönen?nrih Wissen durchtränkt von tiefer nwi nanKU.'fi nun', ist er sich,