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Der Israelit · 1930-12-04 · Heft 49 (4.12.1930) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 49 (4.12.1930)
Date
1930-12-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seile 4 Nr. 49 Der Israelit 4. Dezember 1930 PFAFF Nähmaschinen Bequeme Zahlungsweise U: Martin Decker d.A Gr. Fried bergerstr. 18/20 nun die Gegner am ehesten gesehen, und, soweit sie ehrlich sind, auch offen anerkannt. Gering ist die Zahl der jüdischen Vertreter im Sejm und Senat, aber gut j ü d i s ch ist sie zum guten Teile und bedeutet einen vollen Sieg der ewigen Kraft des Judentums. Es hat sich am Beispiel Polens wieder einmal gezeigt, daß im jüdischen Leben die Zahl nich a l l e s i st. Die Kalenderreform nach dem Easiman'Plan. Der Professor an der Staatsuniversität in Iowa, Moses Jung, hat in Chicago im Nahmen der amerikanischen Astronomischen Gesellschaft einen Vortrag über die Kalenderreform nach dem Eastman-Plan, der bekanntlich in religiösen und wirtschaftlichen Kreisen auf heftigen Widerspruch gestoßen ist, gehalten. Professor Jung führte, nach einem Berichte der ITA., ungefähr folgendes aus: Es ist mir die Ehre zuteil geworden, die Aufmerksamkeit der Mitglieder der Amerikanischen Astronomischen Gesellschaft auf die augenblicklich betriebene Propaganda zur Einführung eine 13. Kalendermonats zu lenken, ein Projekt, das als Cotsworth- oder Eeastman-Plan bekannt ist. Seine Verfechter behaupten, daß seine Durchführung dem Handel, der Industrie und der Wissenschaft durch Beseitigung der bekannten Jnkougruitäten des gregorianischen Kalenders (ungleiche Monate, geteilte Wochen, Nichtübereinstimmung von Wochentagen und Monatsdaten usw.) und Festsetzung eines ewigen Kalenders (eines ein heitlichen Kalenders für jeden Monat) bedeutende Vorteile bringen würde. Mein heutiger Vortrag »soll zeigen, daß die Annahme des Projektes aus verschiedenen Gründen nicht wünschenswert erscheint. Es dürfte Ihnen bekannt sein, daß Eastman an die Stelle des jetzt geltenden Sonnenjahres von ungefähr 365 Tagen oder 12 ungleichen Monaten ein in 13 gleiche Monate von 28 Tagen eingeteiltes Eastman- oder Cotsworth-Jahr setzen will. Es wird vorgeschlagen, den neuen Kalender vom Jahre 1933 an, in dem der 1. Januar mit dem Wochenbeginn zusammenfallen wird, in Kraft treten zu lassen. Es würden dann der erste Tag des Jahres, jedes Monats und jeder Woche auf Sonntag fallen, während Woche, Monat und Jahr an einem Sonnabend endigen würden. Wäre es möglich, den Lauf der Sonne zu beschleunigen und den des Mondes zu verlangsamen, so besäßen wir im Eastman-System tätsächlich einen idealen Kalender. Da aber das Sonnenjahr aus 365 Tagen besteht, während Eastman mit 364 Tagen operiert, muß der übrig bleibende Tag irgendwie untergebracht werden. Eastman sucht über diese Schwierigkeit dadurch hinwegzukommen, daß er den 365. Tag als „Blankotag" gelten lasten will, der in keine Woche und keinen Monat eingereiht werden soll; in einem Schaltjahr soll es dann zwei solche „Vlankotage" geben. In dem neuen Kalender erscheint die Bezeichnung „Woche" ihrer historischen Bedeutung entkleidet und in einem neuen künstlichen Sinn bloß als Bezeichnung eines Viertels des 28 Tage- Monats gebraucht. Der gläubige Mensch müßte sich entscheiden, ob er die Feiertage, deren Beobachtung Mit einer historischen Zeitrechnung untrennbar verknüpft ist, weiterhin nach dieser Zeitrechnung oder ob er mechanisch festgesetzte Feiertage einhalten soll. tz Eastman hat versucht, diesen aus religiösen I Gründen basierenden Einwand als bedeutungs-I los hinzustellen, indem er erklärte, er werde nur von einer, fteinen Sekte, den Sabbatariern, erhoben. Taffychlich aber haben Vertreter - aller Richtungen des Judentums . sowie Führer der Sieben-Tags-Adventisten und Siebenten-Tags- BapWen vor dem Kongreßkomitee für.Kalenderreform ihr Veto eingelegt. Sie erklärten: Würde die Fünftagewoche angenommen werdM---so würden die Gewerkschaften eine Sonnabend- und Sonntagsruhe festfetzen und jenen Juden oder Christen, die ihren Sabbat auch dann zu beobachten wünschen, wenn er nach dem neuen Kalender auf einen Dienstag oder MUtwoch sallen sollte, blieben bloß 3J4 oder 4 Tage in der.Woche übrig, an denen sie ihrem Erwerb nachgehen könnten. Auch hervorragende Vertreter der römischkatholischen Kirche, der rumänischen orthodoxen Kirche, sowie der holländischen Regierung haben sich aus religiösen Gründen gegen den Castman- Plan ausgesprochen. Die Proponenten des Eastman-Kalenders berufen sich weiter auf ein Referendum der amerikanischen Handelskammer, das die wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Vorteile des 13 Monate- Kalenders hervorhebt. Nun stieß aber dieses Referendum bei den lokalen Handelskammern der amerikanischen Städte auf heftige Opposition, und die vorgeschlagene Resolution zur Einberufung einer Kalenderreformkonferenz fand nicht die zu ihrer Annahme notwendige Zweidrittelmehrheit. Die gleiche Ablehnung erfuhr Eastmans Vorschlag seitens des Internationalen Kongresses der Buchfachverständlgen. Nach gründlicher Beratung hat dieser Kongreß es abgelehnt, die Einführung eines Blankotages zu empfehlen. Er erklärte, es sei zweifelhaft, ob ein häufigerer Buchabschluß im Laufe eines Jahres von Vorteil wäre. Jedenfalls würden die Kosten der Buchführung dadurch bedeutend gesteigert werden. Im Repräsentantenhaus hat Mr. Bloom auf die Nachteile hingewiesen, die die Einführung des neuen Kalenders für öffentliche Unternehmungen mit sich brächte. Die 13malige Abrechnung im Jahre würde die Betriebskosten um 8% erhöhen. Ebenso würden die Kosten der Herausgabe von Zeitschriften und die Kosten von Ankündigungen in den Zeitschriften erheblich steigen. Die Mieter wärengenötigt, 13mal im Jahre Miete zu bezahlen. Die Anhänger des Eastman-Planes wenden freilich ein, daß auch die Löhne den neuen Verhältnissen angepaßt werden würden. Die Erfahrung lehrt aber, daß einer Erhöhung der Lebenskosten Lohnerhöhungen nur sehr langsam folgen.' Auch bei der Miete kämen übrigens die erhöhten Kosten des häufigeren Inkassos in Betracht. Nun zu den Wissenschaftlern: Die französische Regierung hat dem Völkerbund zwei Erklärungen hervorragender Astronomen übermittelt. Emile Picard,- Sekretär der französischen Akademie der Wissenschaften, erklärt: „Ein wesentlicher Punkt ist die Kontinuität der Woche. Die Mehrheit der Mitglieder der astronomischen Sektion ist der Ansicht, daß. die Kalenderreförm nicht auf einer Unterbrechung dieser Kontinuität basieren soll." Der Direktor des Pariser Observatoriums, Edouard Baillaud, schreibt: „Ich habe stets gezögert, eine Unterbrechung der Kantinuität der Woche, welche zweifellos die älteste wissenschaftliche Zeiteinheit ist, die aus dem Altertum übernommen wurde, anzuempfehlen." Aehnliche Gutachten gaben der Direktor des Astronomischen Observatoriums in Lissabon, Frederico Oom, sowie der Direktor des Observatoriums in Athen, Professor D. Eginitis, der Mitglied des Kalenderkomitees des Völkerbundes war, ab. Die deutsche Regierung hat dem Völkerbund eine einfachere Methode der Kalenderreförm vorgeschlagen. Es solle der August um einen Tag verkürzt und der Februar.um einen Tag verlängert werden. Die indische Regierung erklärte, die Woche sei die einzige der indischen, und europäischen Zeitrechnung gemeinsame Einheit. j Uebrig ens bestehen' Mö glicht eiten, ein 13monatiges Jahr ohne Blankotage und ohne wan-;Fran kf u rts größtes Sp ezia,lhaus b ietet „Beste Qualität zu b i 11 i gsten Pr eise n“. Uhren aller Art Gold ♦. Silber _ Jirw e! etv — Bestecke s.a^in, “fpf'a ju,r l$rg e 25-^7 dernden Sabbat einzuführen. Es könnte z. .B. ein Jahr von 13 Monaten zu 28 Tagen festgesetzt werden, wobei nur der 13. Monat 29 Tage MhÄn einem - Schaltjahr 30 Tage1 haben sollte. Nach einem anderen Plan würde jeder Monat und jedes Jahr> Sonntags beginnen und Sonnabends endigen, wobei das Jahr aus 364 Tagen, also genau 52 Wochen, bestünde..Jedem fünften oder sechsten Jahr könnte dann eine 53. Woche-angeschlossen werden. Nach einem dritten Plan könnte nach je 2% oder 23 Jahren ein Schaltmonat von 28 Tagen eingeführt werden. Alle diese Projekte bieten denselben Vorteil wie das vorgeschlagene Eaftman-^ahr, sehen aber von der Einführung des vielumstrittenen „Blankotages" ab. Neuorientierung der palästinensischen Wirtschaftspolitik? Von Dr. Robert Weih in Berlin, (Schluß.) Das Gleiche gilt für die E r t r a g s st e u e r. Statt ben arabischen Bauern zu einer intensiven Bodenbearbeitung aus kleine n Flächen zu veranlassen, wird durch eine mittelalterliche Steuer vom Bruttoertrag geradezu eine Prämie gewährt für extensive Landbestellung im Sinne der althergebrachten, primitiven Fellachenwirtfachft. Hier hätte die Wirtschaftspolitik der Regierung einsetzen können. Ebenso durch die Gründung einer Regierungs a n statt f ü r landwirtschaftlichen Kred it, die den Fellachen aus der Verschuldung der arabischen Wucherer gerettet hätte, bei denen 25—50 Proz. Jahreszinsen durchaus „übliche" Sätze darstellen. Arabische K o o per a t i v e n für Einkauf und Verwendung landwirtschaftlicher Betriebsmittel, für den Absatz der Agrarprodukte, nach jüdischem Vorbild von der Regierung errichtet- und gefördert, hätten den Wohlstand der Bevölkerung gehoben. Auch hier waren jüdische Genossenschaftspraktiker jederzeit bereit, Schulungs¬ und Emrichtungsdienste für arabische Institutionen zu übernehmen. ° Statt eine systematische Wirtschaftspolitik zu betreiben, bei der auch die Förderung der arabischen Wirtschaft eine indirekt e Unterstükung des jüdische n Aufbauwerkes gewesen wäre, beschränkte die Regierung fiel)" darauf, untätig zuzusehen und - die'' Wirtschaftsentwicklung des Landes der Ellkür der Einzelpersonen und dem Kampf der Interessenten zu nberlassen. Wurden wirtschaftspolitische Maßnahmen ergriffen, so kamen sie zu spät. Die unfinnigen Wertzölle auf eingeführte Maschinen und Rohstoffe (!!) wurden fallen gelassen, bezw. ermäßigt zu einer Zeit, als. die vierte Alijah bereits versandet war. A u s - f u h r z ö l l e, aus rein fiskalischen Gründen erlassen, erschwerten ' gleichzeitig den palästinensischen Export. Alle w ir t s cha f ts p o l i t is ch e n M a ß-7 nahmen k o n s e rv-i e rte n den rückständigen, primitiv en Charakter de r palästinensischen L an de s w i risch a f tt Mühsam kämpfte der Jischuw, um feine ökonomische Selbstbehauptung angesichts der unzähligen administrativen- Hemmungen, nut denen jede, wirtschaftliche; Handlung im Lande erschwert würde und denen man zum Teil heute?, noch genau so begegnet wie vor fünf,^ wie vor zehn Jahren. Biele, allzuviele . Energien und? Gelder wurden im Kampfe gegen behördliche Schikanen und Rückständigkeiten verbraucht. Für-

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