Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 48 (27.11.1930)
- Date
- 1930-11-27
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 2 Nr. 17 Der Israelit B l ät t e r 27. November 1930 Art. 4 Für die Einrichtung der Schülergruppen sind die auf dem Würzburger Bundestag der A. I. I. O. 1918 festgestellten Grundsätze über die Durchführung der Jugendpflege in der A. I. (Protokoll S. 75 ff.) maßgebend. Art. 5 Das Dezernat für Jugendpflege (§ 1) wird erstmals vom Landesvorstand der Deutschen A. I. nach Fühlungnahme mit den örtlichen Führerschaften gebildet. Es besteht aus am Vorort ansässigen und auswärtigen Mitgliedern'. Es gibt sich seine Verfassung selbst. Im klebrigen wird das Dezernat auf jedem Bundestag (§ 3 Abs. 2) von sämtlichen anwesenden aktiven Führern und Führerinnen gewählt. Die Führer wählen dir männlichen Mitglieder, die Führerinnen die weiblichen Mitglieder. Das Dezernat besteht in der Regel aus 5 Führern und 4 Führerinnen. * * * Diese Anträge wurden von einem Teil der Frankfurter Delegierten in diesen Tagen dem O. V. formell zugeleitet und sind als ordentliche Anträge zum Delegiertentag anzusehen. Mitteilungen der Palästina- Zentrale der Agudas-Zisroel. ’ I. ( ■ Zur Lage in Erez Jisroel Die vor. etwa mehr denn Jahresfrist durch die blutigen Progromeeingeleitete politische Unsicherheit in Erez Jisroel hat nunmehr durch die Herausgabe des jüngsten Weißbuches durch die Mandatarmacht v o r l ä ü fig einen Abschluß gefunden: vorläufig deshalb, weil immerhin noch die Stellungnahme des englischen Parlamentes und der Mandatskommission des Völkerbundes aussteht. Die jüdische Einstellung zu dem neuen Kurs der englischen Regierung ist keineswegs einheitlich. Die obersten Spitzen der zionistischen Organisation und der I e - wish Agency haben durch die Einberufung eines außerordentlichen Kongresse für Februar 1931 kund getan, daß sie die schärfste Kampfstellung gegen die Beschränkung der Einwanderllng. des Bodenerwerbs und vor allem gegen die Errichtung eines palästinensischen Parlaments, in welchem der jüdische.Einfluß nur ein minimaler sein könnte, einnehmen. Eine fast ausnahmslose Einmütigkeit in dieser Stellungsnahme ist auch bei dem alten Jischuw in Erez Jisroel zu konstatieren, obwohl freilich dahingestellt sein möge, ob die angekündigte Boykottierung des zukünftigen palästinensischen Council bei nüchterner Neberlegung sich nicht als eine Entschließung darstellen wird, die aus einer Augenblickspsychose geboren, noch zu. revidieren sein wird. Die Stellungnahme der liberalen jüdischen Kreise, insoweit sie nicht der Agency angeschlossen sind, ist keineswes einheitlich. Der liberale Rabbiner Mattuk, London, veröffentlicht in der „Daily Mail" vom 7. November ein Statement welches besonders deshalb charakteristisch ist, weil es aus England stammt: „Nicht alle Juden fordern ein jüdisches Nationabheim in Palästina. Die Ausdrücke „Zionist" und „Jude" sind nicht synonym. „Zionist" ist eine politische Bezeichnung, „Jude" hat eine religiöse Bedeutung. Der Zionist ist Anhänger einer politischen Bewegung, der Jude Anhänger einer Religion. Viele Juden sind Gegner der zionistischen Politik, sie lehnen den Zionismus ab. weil er politisch ist, weil er die Juden zu einer politischen Gruppe -zusammenfassen will. Die Juden bilden wie die Christen eine ausgesprochene religiöse• Vereinigung und nehmen nach den Grundsätzen ihrer Religion als Staatsbürger lyya'Män dem 'Leben der Stäatsnation Anteil. - " .; 1 Diejenigen, die auf diesem Standpunkt stehen, haben den nationalen Aspekt der Balfour-Deklaration niemals akzeptiert. Sie sind mit einem Nationalhein: in Palästina für diejenigen Juden/ denen in ihren gegenwärtigen Heimatländern M bürgerliche und soziale 'Gleichberechtigung verweigert wird, einverstanden, sind jedoch gegen jede Verweltlichung des jüdischen Lebens durch Zusammenfassung der Juden in einer politischen Organisation. " Jene Juden, welche mit den politischen Bestrebungen der Zionisten , in Palästina nicht einverstanden sind, sind umfoiyeinger damit einverstanden, daß in der englischen Politik zionistische Ziele eine Rolle spielen. Es gibt-Juden in allen politischen Parteien. Wie jeder andere Bürger schließt sich der Jude jener Partei an, deren Grundsätze und Politik ihm den größten Vorteil für das Leben der Nation versprechen. Es gibt viele jüdische Wähler, aber kein „jüdisches Votum". Innerhalb der englischen Judenheit gibt es keinen jüdischpolitischen Gesichtspunkt, sondern nur verschiedene Meinungen auf Grund eines englischen Gesichtspunktes. Das Bestreben, aus einer jüdischen Frage eine Weltfrage zu machen, ist zu verurteilen. Diejenigen, welche glauben durch hübsche Worte über Palästina die Stimmen der Juden gewinnen zu können, sind bei schlechten Lehrern in die Schule gegangen. Die jüdischen Ziele sind höher als die zionistischen Ziele, jüdisches Leben bedeutet mehr, als zionistische Politik. In dem jetzigen Streit um Palästina erklären viele, im Namen der Juden zu sprechen, aber niemand hat das Recht, im Namen aller Juden zu sprechen. Es ist ein Mißbrauch, den jüdischen, Namen in die politische Kampfarencr zu zerren. - v Es besteht jetzt die Möglichkeit, Palästina aus der Sphäre politischen Streites herauszuheben. Durch ihre Erklärung ihre ^künftige Politik hat die Regierung die Ungewißheit, dis wie eins schwere Wolke über Palästina hing und Verdächtigung und Haß erzeugte, beseitigt. Jetzt bestehfichie Möglichkeit, in Palästina den Frieden wiederherzustellen und ein Gefühl der Sicherheit in der Bevölkerung Palästinas zu erwecken. Diejenigen, welche aus politischen Gründen diese Möglichkeit vereiteln, sündigen gegen die Juden und die Humanität. Die Arbeit in Palästina kann unter philantropischen Gesichtspunkten fortgesetzt werden und wird am besten fortgesetzt werden können, wenn sie von dem Einfluß eines'zweifelhaften Nationalismus befreit wird".: >' Die unabhängige Orthodoxie hat bei aller Wahrung ihrer weltanschauungsgemäßen Ablehnung der zionistischen Ideologie das englische Weißbuch als einen schweren Schlag empfunden. Die Agudas Jisroel und der W a a d Hoir Hoaschkenasi in Jerusalem haben eine entsprechende Kundgebung im Kol Jisroel "veröffentlicht, deren Wortlaut in der Anlage beigegeben ist. Der l i - tauische Rabbinerverband hat am Montag, den 5. Cheschwan (Tanis scheni) anläßlich der Veröffentlichung des Weißbuches einen allgemeinen Tanis veranstaltet. Anläßlich dieses Tanis hat die Palästina-Centrale der Agudas Jisroel an sämtliche litauischen Rabbiner ein Schreiben gerichtet, welches wir des allgemeinen Interesses halber ebenfalls in der Anlage wieidergyben. Endlich hat die Lei t u n g d e r Agudas I i s r o t l eine ebenfalls in der Anlage beigefügten Aufruf veröffentlicht, welcher die Stellungnahme der Agudas Jisroel klar zum Ausdruck bringt. Aus diesem Aufruf, wie auch aus den Aeßerungen der orthodoxen Presse geht mit" aller Deutlichkeit heroort daß Agudas Jisroel heute mehr denn je es als ihre Aufgabe betrachtet, ihre bisherige Tätigkeit ip Erez - Jisroel nicht nur foxtzusetzen, sondern zu verstärken. Ein weiteres Moment, welches Agudas Jisroel zur verdoppelten Tätigkeit anspornt, ist der Umstand, daß sich.in Erez Jisroel jetzt eine Erscheinung geltend macht, die als Folge der seelischen und wirtschaftlichen Depreßion zwar begreiflich ist, aber doch einen unerträglichen Zustand darstellt. Diejenigen Institutionen des alten Jischuw, welche aus das Wohlwollen kapitalkräftiger Kreise angewiesen sind, wie die Jeschiwoth „ Ohe l Mosche", „S fas E m es ", „Schare fcho m ajim", „Ez ch aj im" und andere mehr leiden unter einer Not, wie sie bisher nicht da war. Gegen 30 rußische Rabbonim, denen es gelungen ist, aus der Hölle Sowjetrußlands nach Erez Jisroel zu entkommen, haben, wie dies Rab. Chaim Oser Erodzenski-Wilna in einem -Rundschreiben ergreifend ausführt, zwar nunmehr die Möglichkeit sich religiös auszuleben, ohne dafür bestraft zu werden, sind aber von allen E x i st e n z m i t t e l n e. n t b l ö ß t. Die Unsicherheit der wirtschaftlichen Lage und der dadurch bedingte Rückgang der Wirtschaft macht sich in aller erster Linie bei den wirschaftlich schwächsten Kreisen bemerkbar. Dazu kommt noch, daß eine Reihe von Kolonisten, unter Entbehrung, der Schmitohpflicht dieses Jahres gerecht werden. Lauter Moment, welche es rechtfertigen, wenn wir in dieser Zeit sämtliche Orts - und Jugendgruppen und alle ihrer Pflicht b e w u ß ten Juden auffordern, zu b.eweisen, daß sie die aus exponiertem Posten stehenden Brüder und Schwestern im Lande unserer Väter nicht verlassen Eine große, schnelle umfatzende Aktion tut jetzt Not und je mehr die Wirtschaftskrise in Europa und die großen Spenden der einzelnen vermissen.läßt, umsomeh r sind wir auf die vielen kleinen Spenden d e r M a s s e ä n g e w i e s e n. Wir ersuchen, daher jeden Empfänger dieser „Mitteilung" m seinem Kreise für unsren Keren Erez Jisroel zu arbeiten, Zu jeglicher Information und Mithilfe in einzelnen Etuf>pen ist die Palästina-Centrale gerne Bereit: ’ Nach Niederschrift dieser Zeilen hat die englische Ne-, gierung 1500 Certisikate-zur Einwanderung. frei gegeben. Ferner hat Lord Paßffeld-, der -englische Kolonialminister, zwei bedeutende Erklärungen veröffentlicht. Die eine, daß die Regierungserklärungen. vor ihrer. Veröffentlichung dem ganzen Kabinett vorgelegt worden sei, die andere, daß er persönlich* den Vorkriegstypus des jüdischen Einwanderes, den „frommen Juden", wie er sich audrückt, dem neuen Einwanderer vorziehe. Bemerkenswert ist noch ein von Rabbiner Jakob Meir, Rabbiner der Sfardim, veröffentlichter Aufruf im Kol Jisroel, welcher zunächst die sichere Ueberzeugung ausspricht, daß England seinen Verpflichtungen Nachkommen wird und bann mit folgendem Passus endet: „Ich glaube auch, daß das Ganze eine heimliche Fügung ist, um uns an die Worte des Weisesten aller Weisen zu erinnern: Wenn G'tt das..Haus nicht baut, bemühen sich vergeblich die Bauleute darum.— Xtm uns aufmerksam zu machen, daß wir nicht lediglich auf unsere Muskelkraft und auf Versprechungen der Menschen unsere Hoffnung setzen. Nur dann wird unser Heil bald blühen, wenn wir unseren Lebensweg und unsere Lebenshoffnungen aufbauen auf Thora und Tadition, das heißt durch Taten unsere Gedanken prüfen. Dann wird auch G'tt einen Geist von der Höhe erwecken über die Völker der Erde, auf daß die prophetische Verheißung verwirklicht werde, daß wieder die Kinder ins Vaterhaus zurückkehren ohne Riß und ohne Klage und die wahre G'uluh unserem Volke bald kommt". II. . V Wirtschaftliches. Zu den politischen Ereignissen gesellen sich im Läufe der letzten Monate noch eine natürlich schwere Schädigung des eigentlichen landwirtschaftlichen Kolonisationswerkes in.. Erez Jisroel: Die M Lu s «plage, welche LesoÜders., im Emek aufs energischste bekämpft werden muß, um ut#;' absehbare (Folgen fern zu-^halten. Wir waren .^deshalb' -auch gezwungen, in Machne Jisroel die» nötigen Maß--, nahmen zu treffen, um die bereits eingetretenen Schäden zu parallelisieren und weitere Schäden fern zu halten, was mit einem Kostenaufwand von etwa Lst. 100.— verknüpft ist. Die langprojektierte Erez Jisroel Reise des Vorsitzenden unserer Wirtschaftskommission, Herr. Jsaac Nüßbaum, wird noch .im Läufe des Kalenderjahres'' 1930 -stattfinden. - •>? r Wir begrüßen mit Genugtuung, daß der Schweizerische Israelitische Gemeindeb u n d für das Jahr 5691 dem Keren.Hajischuw eine Subvention vom Sfrs. 500.— gewährt hat. Wir sprechen auch an.dieser' Stelle unseren verbindlichen Dank hierfür aus. Auf Wünsch einer Reihe von Interessenten fügen wir dieser Nummer der Mitteilungen einen Ueberblick über die landwirtschaftliche Entwicklung in den jüdischen Kolonisation Erez Jisroels nach dem Kriege, von I: Kaplansky bei. . - Ernstlich beschäftigte uns vor Sukkaus einesystematische Propaganda zum Bezug von Erez Jisroel-Esgim in der Gola. Es hat sich leider dabei heraüsgsstellt, daß wir zunächst nicht in der Lage waren, solche Esrogim- . im größeren Maße zu beziehen, die zweifelsohne , nicht - gepfropft sind. Wir haben deshalb mit den ersten rab-.. binischen Autoritäten der Agudas Jisroel in Korrespondenz gestanden und dürste es für Sachkundige von Interesse sein, ein rabbinisches Responsum zur Kenntnis zu nehmen, welches vor kurzem in einer rabbinischqn Zeitschrift veröffentlicht wurde und das wir unseren Lesern in dev Beilage übermitteln.. . . .; ' '■ in. / " , : . ’, Schulwesen. Nach wie vor bildet den Kern unserer Tätigkeit das Schulwerk, welches auch in diesem Jahre in unverändertem Umfänge durchgeführt wird. Unter der tatkräftigen Leitung von Frau Pinn es hat sich unser Mädchenschulw'erk in Jerusalem gut entwickelt. Vorzügliche Resultate aus pädagogischem Gebiete erzielte Fr l. Studienrätin Karo l i n e Nachmann in Tiberras. Da sie diesen Wirkungskreis nunmehr verläßt, um einen anderen zu bekleiden, sei ihr an dieser Stelle unser Dank für ihre Mühewaltung ausgesprochen. Es ist uns gelungen, in der Persönlichkeit von Frl. Ada Cahen, bisherige Lehrerin an der jüdischen Schule in Berlin, eine bewährte Kraft zu finden, welche das Werk von Frl.. Nachmann weiter ausbauen wird. Mit besonderer Genugtuung registrieren wirden Beschluß des Schweizerischen Crez Jisroel Kpm i t e e, unsere Schule jährlich mit einer Subvention von Sfrs. 500.— zu unterstützen. Diese Subvention wird zu gleichen Teilen unter die Knabenschule Bne Zion in Jerusalem und die Mädschenschule in Tiberias verteilt werden. Herr Glickman-Porufch hat seine Tätigkeit in Holland nunmehr so abgeschlossen, die sich zum allergrößten Teile darauf erstreckte, Mittel für die Schulen der Pekidim und Amarkalim zu sammeln: in der Erkenntnis, daß wir alles: Interesse daran habe, auch diesem schweren gefährdeten Schulwerk beistehen, haben wir dem Wunsche der Pekidim und Amarkalim nach dieser Richtung hin gerne Rechnung getragen. IV. Adar-Aktion. Wir beabsichtigen zur Adar-Aktion 5691 eine. Reihe wertvoller Preise für.-Sammler: größerer Beträge 1 zur Verlosung zu bringen.-nGäm -ä-i'Erez Jisroel-Produkten: rauch eine in Erez Jisroel geschrieben^ THo r grolle. Wir wären aber auch unseren Freundeg verbunden, wenn Sie uns Sach preise zur- Versügußg stellen würden, und wir bitten : schon jetzt-umdiesbezügl. Benachrichtigung. In Betracht, kommen in erster Linie' Bücher,' jüdische,.Kult- und Kunstgegenstände ü. dgh mehr. Durch solche freiwillige Gaben würde unser Propägandakonto wensentlich entlastet und damit vielseitigeg. Wünschen Rechnung getragen werden können. Die Beilagen, die dieser Nummer beigegeben sind ermöglischen gewiß den einzelnen Gruppen Veranstaltungen von Palästina-Abenden mit dementsprechenden Referaten.. Sollten für'dasj WinterprogräMM noch: Redner gewünscht, werden, so ersuchen wir um gesl. Benachrichtigung. ’ Der Iudenstaak. Versuch einer Neuablehnung des zionistischen Staatsgedankens. Von Hermann Lohen in Hamburg. In-diesen Wochen steht die Judenheit der ganzen Welt unter dem Eindruck des von der englischen Regierung veröffentlichten Weißbuches, das die Aussichten für die Schaffung eines jüdischen Nationalheimes in Erez Jisroel' überaus schlecht gestaltet. Das Projekt der Errichtung eines jüdischen Staatswesens, das bisher durchgeradezu. wunderbar glückliche Umstände und