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Der Israelit · 1930-11-27 · Heft 48 (27.11.1930) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 48 (27.11.1930)
Date
1930-11-27
Page
– (sequence 15)
Language
German
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det £ande$oeqanifation itv Hgudos-jistoel in Aentfekland. 6. Jahrgang Hamburg, 27. November 1930 / 7. Kislew 5691 Nummer 17 Schriftleitung: Wolf S; AacaVson in Hamburg. Hirsch-Gesellschaft, Nachalas Zwi, schreibt Rabbiner Dr. Me Munk-Ansbach, der doch wohl Umwandlung der Agüdas Zisroel-Zngend-Organifatton. Von Albert Loewenthal in Frankfurt a. M. Der Delegiertentag steht >vor der Türe Nach den Diskussionen der letzten Monate wird es Zeit, als praktisches Ergebnis das festzustellen, was nun zu tun ist. Der Kern der vielerlei Vorschläge zur Reorganisation der Jugendorganisation und ihrer Arbeit liegt darin, daß man gewillt ist, die in den letzten Jahren arg vernachlässigte Arbeit der Aguda-Jugend wieder aufzunehmen und mit neuem Mut und vor allem den veränderten Verhältnissen entsprechend' am Aufbau der Agudas Jisroel tatkräftig mitzuhelfen. Me Voraussetzung hierzu ist rückhaltlose Offenheit und Ehrlichkeit uns selbst gegenüber. ... Und so müssen wir bekennen, daß wir es sind, die durch unsere Untätigkeit den Niedergang der Jugendorganisation in erster Linie mitverschuldet haben. Wir waren nicht aus der Hut, wenn es galt, für Agudas Jisroel zu wirken und sich einZusetzen mit aller Kraft. Doch diese bisherige Untätigkeit muß uns heute anspornen, trotz der Ungunst der Zeiten und trotz unserer geistigen Trägheit, unsere Arbeit wieder von vorne zu beginnen. Die Agudas Jisroel bedeutet für uns in Wahrheit ja doch gar keine „Politik". Agudas Jisroel stellt das thoratreue Judentum schlechthin dar. Die Politik der Thora steht auf unserem Banner und „Mi laschem eileiinu!" Wir müssen heute vor allem den verändern Zeiten voll und ganz Rechnung tragen. Nur so haben wir Aussicht auf Erfolg. Wollen wir untätig zusehen, wenn unsere großen Führer ihr Herzblut für uns, für die sie ja doch in erster Linie heute die Agudas Jisroel halten, opfern? Wir sind es ihnen und vor allem uns schuldig, am Aufbau unserer Agudas Jisroel mitzuarbeiten und uns restlos in den Dienst der Agudas Jisroel zu stellen. Wir unterbreiten daher heute— in der Erkenntnis, daß zum Delegiertentag unbedingt praktische Vorschläge vorliegen müssen — einen Entwurf zur Umwandlung der Agudas Jisroel- Jugendorganisation. Bei der Abfassung dieses Entwurfes stützen wir uns auf die praktische Arbeit und die hieraus gewonnen^ Erfahrung der Frankfurter Agudas Jisroel-Jugendgruppe, insbesondere der letzten Monate. Wie bekannt, begannen wir vor etwa drei Monaten in Frankfurt mit der Einrichtung von Schülergruppen, lieber die Berechtigung und vor allem die Notwendigkeit dieses Schrittes brauchen wir wohl nicht viel zu sagen. Man hat glücklicher Weise in der Jugendorganisation bereits vor geraunter ZeA erkannt, Laß'wir, wenn wir wirklich erfolgreich in der Aguda und für die Aguda arbeiten wollen, von Grund auf wieder anfangen müssen. Wenn wir aus Grund unseren jüdisch-politischen Einstellung zu dem Schlüsse gekommen sind, daß, es > für.junge jüdische Menschen heutzutage unumgänglich notwendig Ist, sich zu einem fest umrissenen Standpunkt durchguringen, so ist ds unsere Aufgabe, das unsere dazu beizutragen, der jüdischen Jugend hierin böizustehen,, sie zu führen 'irti. (Seifte des überlieferten Judentums, wie er in der Organisation der Agudas Jisroel zürn Ausdruck kömmt. Wir können rms glücklich fchätzeü, daß gerade die Führer unserer Bewegung hierin durchaus unseren Standpunkt teilen. In dem in diesen - Tagen erschienenen ersten Heft der Zeitschrift der Rabbiner am ehesten auf Grund seiner Arbeit in der Jugendorganisation und auch im Esra legitimiert ist, zu sprechen, daß heute der Jugendorganisation nur dadurch geholfen werden kann, „indem sie aufs neue beginnt, die- Jugend vom frühesten Alter an innerhalb der Organisation zu erfassen und sie zu bewußten, gesinnungstüchtigen und charakterfesten Gliedern ihrer Gemeinschaft zu erziehen." Die Voraussetzung für diese Arbeit ist naturgemäß ein größerer Stab von geeigneten Führern, an denen es aber heute in der Agudas - Jisroel noch empfindlich mangelt. Wenn wir so von Grund aus den Nachwuchs für die Agudas Jisroel schaffen wollen, so bildet die notwendige Voraussetzung für diesen Aufbau eine gründliche, grundlegende Umwandlung der Jugendorganisation in Bezug auf ihre organisatorische Form und vor allem in Bezug auf ihre Arbeit. Es geht nicht an, daß man der Jugend, die sich in erster Linie auf dem Gebiete der Jugendpflege zu betätigen hat, einen Verwaltungs- Mechanismus auferlegt, die einen großen Teil ihrer Arbeit in der Agudas Jisroel irr Anspruch nimmt. Wir müssen so weit kommen, wie es andere Organisationen mit ihren Jugendbünden schon lange durchgeführt haben, daß die Ortsgruppen, die ja doch weit weniger zu-leisten haben und auch weit weniger faktisch tun, die ganze Verwaltungsarbeit ihrer Jügend übernehmen und so der Jugend die Möglichkeit geben, ganz der Denkt an die Rausch Chaudesch-Spende Kislew 5691! Postscheckkonto Hr. 53900 Frankfurt a. M. Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel. typischen Jugendarbeit zu leben. So vermeiden wir . auch das geschäftige Berufsvorstandstum in unseren Reihen und gewinnen auch diejenigen — Und zwar nicht die schlechtesten -— die -sich von der bestehenden yorstandschastlichen Verfassung unserer Jugendgruppen abgestoßen fühlen. Man interessiert so die g an z e Aguda-Jugend an' der Arbeit, während bisher der größte Teil der Mitglieds den Vorstand immer mehr als verantwortlichen Geschäftsführer seines eigenen Unternehmens betrachtete. Ging die Arbeit gut, so war man mit u n s e r e r Arbeit zufrieden. Ging die Sache nicht und vor allem deshalb nicht, weil eben diese Kreise sich von der Aguda vollständig fern hielten, so fand man an dem Vorstand den willkommenen Sündenbock. Hiermit muß im Interesse unserer Jugendpflege endlich aufgeräumt werden. Die notwendige Folge dieser Umstellung ist aber die erhöhte Betätigung aus dem Gebiete der Erziehung. Für die spezifische Jugendarbeit soll die Jugend selbstredend selbst sorgen. Man kann hier anknüpfen an. die Beschlüsse des Würzburger Bundestags 1918, die ja feiner Zeit nichts anderes erstrebten, wie urst heute auch. Nur hat sich.errpiesen, daß der, Weg damals nicht der richtige war, was auch im Hinblick auf die außerordentlichen Umwälzungen dieser letzten Jahre nicht zu verwundern ist. Wir stellen nun i m folgenden unsere Anträge, die von einem Teil der Frankfurter Delegierten gebilligt werden, zur Diskussion. Wir wissen, daß sicherlich noch vielerlei daran zu bemerken ist, glauben sie aber doch als Grundlage der Diskussion geeignet, die Arbeit und die organisatorische Form der heutigen Jugendorganisation den Bedürfnissen entsprechend umzuwandeln. Wir bemerken noch, daß der Hamburger Antrag vom 30. Mai 1930 berücksichtigt worden ist. Der Delegiertentag^ wolle beschließen: § l Die Agudas Jisroel-Jugendorganisation gliedert sich der Deutschen Landesorganisation der Agudas Jisroel an. Unter Abänderung der bisherigen Organisationsform der A. I. I. O. wird an Stelle des bisherigen Organisations- Vorstandes bei dem Landesvorstand ein Dezernat für Jugendpflege eingerichtet, das die Aufgabe hat, der Aguda- Jugend alles notwendige Material und jedwede Unterstützung zur Durchführung des Programms, zur Verfügung zu stellen. § 2 Die Agudas Jisroel-Jugendgruppen gliedern sich den Agudas Jisroel-Ortsgruppen an. Unter Abänderung der bisherigen Organisationsform der A. I.-Jugendgruppen wird an Stelle des bisherigen Vorstands der Jugendgruppen ein gemeinschaftlicher Vorstand der „Agudas Jisroel-Orts- und Jugendgruppe" gebildet. Dieser hat jeglische Verwaltungsgeschäfte der „Agudas Jisroel-Orts und Jugendgruppe" zu erledigen und auch die sämtlichen Kassengeschäfte der „A. J.-Orts- und Jugendgruppe" zu führen. Neben diesem Vorstand wird in jeder „A. J.-Ortsunb Jugendgruppe" eine Führerschaft gebildet, die sich aus Mitgliedern der A. J.-Orts- und Jugendgruppen jDamen und Herrn) zusammensetzt und die die Aufgabe hat, die spezifische Jugendarbeit der einzelnen Gruppen zu leiten und durchzuführen. Die Führerschaft ergänzt sich durch Kooptation. Sie wählt sich einen Führerschaftsleiter, der sie in ihre Arbeit einführt und ständig berät. Die Zahl der Mitglieder dieser Führerschaft ist unbegrenzt und richtet sich nach dem Bedarf. 8 3 In der „Agudas Jisroel-Orts- und Jugendgruppen" werden Schülergruppen eingerichtet, die die Mitglieder der Führerschaft leiten. Die Aufnahme in die Schülergruppen erfolgt vom zehnten Lebensjahre ab. Für Jugendliche im Mer von 18 Jahren und älter sollen in der Regel keine derartigen Gruppen mehr eingerichtet werden. Mitglieder der „A. J.-Orts- und Jugendgruppen" werden innerhalb der Orts- und Jugendgruppen unter Leitung älterer Mitglieder zu gemeinsamer Arbeit ebenfalls in Gruppen zusammengefatzt. Sowohl die Schülergruppen, als auch die Gruppen für ältere Mitglieder sind im Rahmen der Agudas Jisroel-Orts- und Jugendgruppen zu führe». Das Dezernat für Jugendpflege beim Landesvorstand hat die Arbeit dieser Gruppen anzuleiten und' zu überwachen. Für die in diesen Gruppen organisierte Jugend soll das Dezernat für, Jugendpflege, alle zwei Jahre einen allgemeinen Bundestag einberufen. Daneben sind alljährlich Zusammenkünfte der- Führer der Schülergruppen der Deutschen A. I. verbunden mit Führerkursen zu veranstalten. § 4.; ‘ j Die Durchführung der §§ 1—3 geschieht nach Maßgabe folgender Durchführungsbestimmungen: Art. 1 Die bisher in Mr A. ,J. I. O. organisierten A. I- Jugendgruppen berufen binnen Monatsfrist nach dem Delegiertentäg eine außerordentliche Mitgliederversammlung ein. Auf der Tagesordnung dieser Versammlung darf lediglich stehen: Beschlußfassung über die Anglkederung an die Agudas Jisroel-Ortsgruppe und Durchführung der Beschlüsse der Delegiertentages. Art. 2 Der Uebergang der Aktiven und. Passiven der bisherigen A. J.-Jugendgruppen geschieht-im Wege der Gesamtrechtsnachsolge aus die „A. J.-Orts- und Jugendgruppen". Art. 3 Die Führerschaft der Schülergruppen (§ 2 Abs. 2) wird erstmalig vom Vorstand der„A. J.-Orts- und Jugendgruppe" bestimmt und zwar auf Vorschlag des bisherigen Vorstands der Agudas Jisroel-Jugendgruppo. Die Vorstände der „A. J.-Orts- und Jugendgruppen" werden von der ersten Mitgliederversammlung gewählt, die auch die notwendigen Satzungsänderungen, bezw. neuen Satzungen feststellen.

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