Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 48 (27.11.1930)
- Date
- 1930-11-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 48 lich Herr Dr. Freund als einziges gewähltes Mitglied seiner Partei aus der Wahlurne hervorgehen, ohne daß diese Parteigründung auf den Gang der Entwicklung einen Einfluß ausüben wird. Ergänzend bleibt noch zu bemerken, daß die Listen der Konservativen und Klal-Jisroel, ferner die Liste „Partei Freund" und der „Positiv-Liberalen? miteinander verbunden sind. Das gleiche ist der Fall bei den Listen der Jüdischen Volkspartei und der Poale Zion. Die Vereinigung der letzteren eröffnet den Anhängern des M i s r a ch i die erfreuliche Perspektive, daß mit ihren Stimmen evtl, ein Kandidat gewählt wird, aus ein Programm, das die Erkenntnis verbreiten will: „Daß wesentlicher als Kultus- und G ' t t e s d i e n st für die Bindung der jüdischen Massen an die Gemeinde, die Erneuerung des jüdischen Lebens, die Unterstützung der Notleidenden in ihrem schweren Wirtschaftskampf, ist." Zusammenfassend wäre noch zu sagen: Liberale wie Zionisten tragen sich, jeder für sich, mit der Hoffnung, bei den Wahlen die absolute Mehrheit (mindestens 21 Sitze) zu erlangen. Das wird wahrscheinlich keiner von ihnen gelingen, obgleich die Chance der Liberalen etwas größer sein dürfte. Es wird voraussichtlich auch in der neugewählten Repräsentantenversammlung zur Bildung einer Mehrheit der Koalition bedürfen. Für die Konservativen eröffnet das die Perspektive, daß sie dabei besser fahren werden, als unter der bisherigen zionistischen Diktatur. Der Katholizismus im Kampf gegen den Nationalsozialismus. Berlin, 12. Nov. Aus führenden katholischen Kreisen schreibt man der „Bossischen Zeitung" u. a.: Die Anordnungen des Bischofs von Mainz, die sich gegen die Nationalsozialisten richteten, haben eine außerordentlich starke Wirkung ausgeübt. Aus dem Hitlerlager wurden die schärfsten Drohungen laut. Dagegen ist aus Mainz wieder die einzig mögliche Antwort erfolgt: Die katholischen Jugendverbände haben ein TreugelöbNrs zum Bischof abgelegt. Wenn die Nationalsozialisten sich darauf berufen, daß in anderen Diözesen ein ähnlicher Entscheid wie der Mainzer nicht vorliege, so vergessen sie, daß das jeden Tag geschehen kann, es braucht nur eine Zuspitzung wie in Mainz zu erfolgen. Daß die grundsätzliche Ablehnung des Hitlertums^ seitens der katholischen Kirche Tatsache ist, bleibt unzweifelhaft. Darüber läßt auch der „Osservatore Romano" sich deutlich genug aus. Eine Parallele zwischen Nationalsozialismus Und Faschismus kommt nicht in Frage, weil Mussolini niemals religiöse Forderungen auf sein Programm geschrieben hat, wie das die deutschen Faschisten getan haben. Neben dem kirchlichen hcst auch der politische Katholizismus energisch den Kampf gegen das Hitlertum ausgenommen. Das geschieht in der ganzen Zentrumspresse und im Parlament. Man wertet diese chauvinistische Bewegung als eine Vorstufe des Bolschewismus. Oesterreich, Rabbinerwahl. Baden b. Wien, 16. Nov, In der Sonntag, den 16. d. M. stattgefundenen Sitzung des Vollausschusses der Israelitischen Kultus-: gemeinde Baden wurde Herr Rabbiner Dr. Hartwig Earlebach aus Berlin zum Oberrabbiner von Baden gewählt. pole«. ' Der Indische Parlamenisklub nach den Sejm- und Senatswahlen. W a r s ch a u, 52. Nov. Nach dem jetzt vorliegenden endgültigen Resultat der Wahlen zählt der Jüdische Parlamentsklub jetzt 8 Abgeordnete: im früheren Sejm zählte er 13 Abgeordnete. Da zur Bildung einer Fraktion eine Mindestzahl von 10 Abgeordneten notwendig ist, wird der Klub keine Fraktion mehr bilden können und in den Sejmausschüssen nicht vertreten sein. Außer den 8 Abgeordneten, die auf spezielle jüdische Listen gewählt worden sind (7 auf den zionistischen Listeneiner auf der Aguda-Liste), wurden 4 Juden auf der Pilsudski-Liste gewählt, so daß dem jetzigen Sejm. 12 Juden angehören, von denen 6 agudistisch orientiert sind. Der Israelit In Warschau wurden gewählt der Zionist Jizchak Grün bäum und der Agudist Rabbiner Aron Le w i n, in Lemberg wurden gewählt die Zionisten Dr. 6o mmerstein und Chajim N e i g e r, in L o d z wurde der Zionist Dr. R o se nb lätt, in St a n i slau der Zionist Dr. Rosmarin, in Krakau der Zionist Dr. Thon, ist Kaki sch der bekannte „Alexandrer Chassid" Benjamin Ruß gewählt. Die Namen der auf der Pilsudski-Liste gewählten jüdischen Abgeordneten sind: L. Minzberg (Aguda), W. Wyszlicki, P. Minkowski und Jgnatzi I e g e r (Aguda-Wirtschaftsblock). In Warschau wurden für die zionistische Liste 39.659, auf bie der Aguda 32.189, auf die des Bund 13.036, auf die der Linken Poale Zion 1.174 Stimmen abgegeben. Von bekannten früheren jüdischen Deputierten find H. Farbstein, Dr. Wygodski und Rabbiner Brodt nicht wieder gewählt worden. In B i a l y st o k und in Wilna gingen die jüdischen Mandate durch Stimmenzersplitterung, dank Grünbaums glorreicher Haßpolitik gegen die Aguda, verloren; den erwähnten unterlegenen Abgeordneten fehlten je einige 100 Stimmen zum Mandate. Bei den Senatswahlen am Sonntag, den 23. ds. Mts., hat die Jüdische Liste keinen Kandidaten durchgebracht. Von der Regierungsliste wird Oscher Mendelfohn (Aguda) Mitglied des Senates. Tschechoslowakei. Der Rilualpryzetz in karpathorußland abermals vertagt. P r a g, 20. Nov. In dem Prozeß vor dem Bezirksgericht in Nagybereczna gegen die jüdischen Hausierer Moritz Steinberger und Marcus Liebermann aus Kafchau, die beschuldigt werden, zwei Kindern der Gemeinde Simera Blut aus den Händen abgezapft zu hüben, wurden abermals die 9jährige. Helene Bogdan und derlljährigeWasil Costa vernommen. Sie leierten ihre Aussage wie eingelernt herunter und erzählten, zwei Juden hätten sie in ein Gebüsch geführt, ihneü Schnitte am Handgelenk beigebracht und Blut abgezapft. Bei der weiteren Einvernahme verstrickte sich Costa und erklärte schließlich, er habe sich die Verletzung an der Hand beim Spielen mit einör Glasscherbe selbst zugefügt. Auch HeleNe Bogdan spreche nicht die Wahrheit, sie habe sich an einem Dorn verletzt. Die Bogdan gestand schließlich, daß Costa die Wahrheit sagt. Der Gendarmeriewachtmeister Machotka sagte aus, die Anzeige über die Blutabzapfung habe die Lehrerin. Aranka Szöke erstattet. Nachdem Staatsanawll und Verteidiger die Ladung weiterer Zeugen beantragten, wurde der Prozeß auf unbestimmte Zeit vertagt. Rumänien. Das Hihit übet Vorscha. Bukarest, 23. Nov. Früher als erwartet (man rechnete ursprünglich mit einer zweiwöchigen Prozeßdauer) hat das Gericht in Satu-Mare (Szatmar) im Prozeß gegen die Rädelsführer und Mitbeteiligten in dem antijüdischen Terror und in den Exzessen von Borscha, die sich,, vor der. Mederbrennung dieser Stadt durch: die Antisemiten begeben hatten; gesprochen. Sämtliche der Aufhetzung gegen Juden, der Terrorakts und dek Mißhandlungen von Juden Angeklagten, unter ihnen auch die Haupträdelsführer, die Geistlichen Berindei und Dumitrescu, wurden freig e s p rochen. Einzig der Agitator Danila, mit dessen Ankunft in Borscha die Terror-Periode begann, wurde zu einer Geldstrafe von 5000 Lei (etwa 125 Mark) verurteilt. Auch die angeklagten siebzehn jüdischen Bürger aus Borscha, die gegen die Abhaltung einer antisemitischen Versammlung in der städtischen Volksschule protestierten, und die der Störung einer von Danila einberufenen Versammlung beschuldigt wurden, wurden f r e i g esprachen. England. Die Bewilligung der Arbeilerzerkifikake. London, 13. Nov. Das Büro der Jewish Agency für Palästina hat am 14v November ein Communique. Hexausgegeben, in dem erklärt wird, daß die Bewilligung von ungefähr 1500 27. November 1930 Zertifikaten für die Einwanderung jüdischer Arbeiter nach Palästina die durch das Weißbuch geschaffene Lage in keiner Weise alt Ö e r e. Die Bewilligung der Zertifikate könne nur als augenblicklicher Notbehelf zur Beschwichtigung der Erregung unter den Juden angesehen werden. ' - Die revisionistische Zeitung „Doar Hajom" schlägt vor, die bewilligten 1500 Einwandererzertifikate' zum Zeichen der Entschlossenheit des jüdischen Volkes, den Kampf gegen das Weißbuch bis zu seiner Zurückziehung und bis zu einer radikalen Aenderung von Politik und Verwaltung in Palästina fortzusetzen, der englischen Regierung wieder zur Verfügung zu. stellen. Das Arbeiterblatt „Dawar" bezeichnet die Bewilligung der 1500 Zertifikate als „Nedäwa" (milde Gabe), die in keiner Weife das jammervolle Schauspiel ändere, das die englische Regierung biete, indem sie sich der Verantwortung für die Verletzung des Mandates zu entziehen sucht und warnt vor Optimismus bezüglich der weiteren Erklärungen. Die Verständigungskonferenz zwischen der englischen Regierung und der Iewish Agency. London, 21. Nov. Die Ser st ä nd i g u n g s ko n f e re n z wird erst Mittwoch, den 26. November, ihre regulären Beratungen aufnehmen können. Es war von der politischen Kommission der I. A. beschlossen, sich an einer Konferenz nicht eher zu beteiligen, als bis das Weißbuch zurückgenommen sei. Auf persönliches Eingreifen des Ministerpräsidenten Macdonald ließ sich aber Weizmann dazkt bewegen, in der ersten Sitzung zunächst einen allge m e inen Ueberblick über die im Weißbuch enthaltenen Ungerechtigkeiten zu geben, ohne vorerst bestimmte Forderungen zu stellen, Der zweieinhalbstündige Bericht Weizmanns ist den Konferenzteilnehmern als vertrauliches Dokument zugegangen. Es ist darin im ganzen nichts anderes und nichts mehr enthalten, als was man schon aus den Erklärungen und Kundgebungen Weizmanns nach Erscheinen des Weißbuches kennt. Die Antwort der englischen Regierung wird am Mittwoch erfolgen. ” Es wird von der Stellungnahme der englischen Regierung zu der Erklärung Weizmanns abhängen, ob die Vertreter des I. A. an den weiteren Verhandlungen teilnehmen. Tun sie es nicht, so würde dies Verhalten einen offenen Konflikt mit England bedeuten. VMäffirlm UMchkin zp den Angriffen der englischen Regierung gegen den Indischen Rationalfonds. Jerusalem, 4. Nov. In einer Erklärung M. M. Usfischkins, die als Antwort auf die Angriffe gegen den Jüdischen Nationalfonds gedacht ist, heißt es u. a.: „ . . . Die ungerechte Feindseligkeit der britischen Regierung gegen das jüdische Aufbauwerk in Erez Israel tritt besonders deutlich im ihrem Verhältnis zum Volksfonds, zum Keren Kajemeth Lejisrael, hervor. Es ist noch nicht bekannt, welchen Beschränkungen die Arbeit des KKL. unterworfen sein wird. Aus zwei Gründen wendet sich die Regierung gegey, den. KKL.: 1. Gemäß unseren Statuten, die nicht geändert werden können, ist der Boden des KKL. unperäußerlich. Die Negierung ist der Ansicht, daß die vom KKL. erworbenen Böden dem Bodenmarkt entzogen werden und dadurch nie mehr von Nichtjuden gekauft werden können. 2. In unseren Pachtverträgen mit den Siedlern verpflichten wir die letzteren zur ausschließlich jüdischen Arbeit. Es erübrigt sich, Ihnen darzulegen, weshalb diese Klauseln unbedingt notwendig und gerechtfertigt sind. Der KKL., Spender muß die Sicherheit haben, daß der mit Hilfe seiner Spender erworbene Boden nie. verkauft werden Wochenkalender. v. 29. November bis 6- Dez. 1930 ' n.9. — 16. Ktslew 6691 SaMstag Nov 29 9 Sonntag 30 10 Montag Dez. * 11 Dienstag 2 * li>02 12 Mittwoch 3 13| Donnerstag 4 14 Freitag 5 15 Samstag 6 16