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Der Israelit · 1930-11-27 · Heft 48 (27.11.1930) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 48 (27.11.1930)
Date
1930-11-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Der Israelit Nr. 48 Seite 7 27. November 1930 ~ kann, sondern für alle Ewigkeit im Besitze des jüdischen Volkes verbleiben wird: Das gleiche gilt auch für die zweite Klausel. Ohne jüdische Arbeit und ohne jüdische Arbeiter haben wir im Lande keine Existenzbasis. Es ist schwer, in den privaten Siedlungen auf privatem Boden das Prinzip der ausschließlich jüdischen Arbeit durchzusetzen. Auf dem Boden der Nation jedoch muß dieses Prinzip voll und ganz verwirklicht werden. . Es gibt keine Regierung auf der Welt, die imstande wäre, den KKL. - Spender zu zwingen, seinen Willen, daß seine Spende einem bestimmten Zweck zugeführt wird, zu ändern. Das einzige, was die Regierung machen kann, ist, den KKL. eine Zeitlang an der Durchführung neuer Bodenkäufe zu verhindern. Ohne Zweifel wird sie jedoch in kurzer Zeit* dem starken Widerstande von unserer Seite weichen müssen ..." Die arabische Exekutive gegen eine Modifizierung des Weißbuchs. Jerusalem, 11. Noo. Die palästinensisch-arabische Exekutive hat dem High Commissioner, Sir John Chancellor, ein Memorandum zur Weiterleituyg an die Regierung in London übergeben. In dem Memorandum wird die englische Regierung aufgefordert, das neue Weißbuch keiner Abänderung zuunterziehen, da es sich, abgesehen von der in ihm mit aller Bestimmtheit ausgesprochenen Absicht der englischen Regierung, die Interessen der Araber zu schützen und geschehenes Unrecht wieder gutzumachen, inhaltlich von dem im Jahre 1922 veröffentlichten Weißbuch nicht unterscheide. Sollte der Druck von jüdischer Seite den Erfolg haben, daß die Regierung in ihrer Politik einen Rückzug antrete, os würde dadurch den Arabern ein Beispiel gegeben werden, das der englischen Regierung nicht erwünscht sein könnte. Die Regierung möge daher öffentlich erklären, daß die arabischen Befürchtungen bezüglich einer Modifizierung des Weißbuches unbegründet sind, um einerseits die Araber zu beruhigen und andererseits die Juden zum Schweigen zu bringen. Anläßlich der Entgegennahme des Memorandums erklärte Sir John Chancellor, er sei nicht der Meinung, daß die nach Veröffentlichung des Weißbuchs von Regierungsmitgliedern abggeebenen Erklärungen in Widerspruch zu diesem stehen. Er glaube im Gegenteil, daß diese Erklärungen das Weißbuch nur bekräftigen. Seiner Meinung nach könne von einer Modifikation des Weißbuches keine Rede sein. Die in dem Memorandum der arabischen Exekutive in verhüllter Form enthaltene Drohung wird in der englischen Ausgabe der arabischen Zeitung „Felestin" mit aller Deutlichkeit ausgesprochen. „Felestin" schreibt, im Falle einer Modifizierung der britischen Palästina- Politik würden in Palästina jene Extremisten die Oberhand erlangen, die sich, ähnlich wie die Extremisten in Aegypten, im Irak und in Indien, für die Anwendung verfassungswidriger Kampfmethoden einsetzen. Personalien. Rabbiner Dr. Moses Jacobson Hambs»cg-Gnesen. Hamburg, 18. Nov. Noch ist die Wu»»de, die der Heimgang von Salo - TU 0 n Jacobson Wt) dem weisen, gütigen 02N a'aVn uns geschlagen, nicht verharscht, noch. sind die Tage der' cpiy-iW um Julius Joel x\"v> den klugen, frommen Mann, der so still starb wie er bescheiden gelebt, nicht vorüber und schon, wieder ist die Familie Jacobson in tiefste Trauer versetzt, und mit ihr ein weiter Kreis Hamburgs, ja des deutschen Judentums:. Rabbiner Dr. Moses Jacobson ging im 78. Jahre seines gesegneten Lebens in die Weilt der Wahrheit ein. Ei l herrliches, ganz den Idealen des Judentums geweihtes, ein bis an den Abend getreues Leben liegt vollendet vor uns und die trauernde Seele rufts, schmerzerfüllt, zum Mittragen des großen Leids auffordernd: „Begrcifts, ein Fürst und Großer ist diesen Tag in Israel Mallen"! Ein adliger Charakter, eine gefürchtete Persönlichkeit! Drei Männern, so sagte er oft, dankte Rabbiner Dr. Moses Jacobson, — nächst dem frommen Vater, dem er selbst das. Denkmal gesetzt: imiöR rttay cp »bo — drei Männern dankte er die Prägung seiner Persönlichkeit: Selig mann B a er Banrh-erger in Würzburg, E. Hild esh eim er in Berlin, und Nate Wolf Lieber in Pretzburg. Von Pretzburgs großem pa rv>a vnn hatte er jene unermüdliche n-nnn npsni nan#, die ihn zudem. großen Könner- und Kenner im Lernen machte, der er war -und den man in seiner ganzen Bedeutung erst würdigen wird, wenn mau . seine nm-n zu fast ganz o"v wenn man seinen umfangreichen halachischen Briefwechsel mit seiner edlen Gattin großem Vater, unserem unsterblichen Hamburger Raw Mordechei Amram Hirsch und mit Rabbi Chanauch Ehrentreu, seinem hochgenialen Schwager, veröffentlichen wird. - Vom Würzburger Raw, bei dem er fünf Jahre, lernte, und von dem er Tag um Tag in tiefster Dankbarkeit, als von dem „heiligen Mann" sprach, von ihm hatte er jenes unserer Generation kaum noch vorstellbare raitaa . piapa. jenes vasV monn, wie er es uns in wahrhafter Schönheit vorlebte. Und vom „Rebbe", von Esriel Hildesheimer, war in ihn geflossen jener breite, heiße Strom goldener Güte und Menschenliebe, jene Jnnigstbereitschaft und Zuvorkommenheit, durch die er jeden begeisterte. Er warb G'tt die Seelen durch die Lieblichkeit seines reinen Lebens, durch die Unermüdlichkeit und Treue seines Lehrens, aber auch durch die gewinnende Zauberkraft feiner Rede. „Schöner bist Du als andere Menschen, Liebreiz ist aus Deine Lippen gegossen, darum hat G'tt Dich gesegnet für immer!" Sein Mund, der nie »an jwV sprach, dem immer Worte wohlwollenster, freundlichster Beurteilung der Anderen entströmten, war buchstäblich p’sa ns- Er. war ein g'ttbegnadeter Prediger, Meister der hohen Kanzelrede, der goldene Aepfel in silbernen Schalen reichte. So konnte sich dieser Mann Moses des ihm beschiedenen Loses von Herzen, freuen: „Denn als treuen Diener hast Du ihn gerufen!" Wahrhaft ein pR2 aay, kraft seiner wunderbaren Anlagen und dank seiner nimmer aushörenden Selbstvollendung! Sehen seine Lehrjahre ihn zu den Füßen der größten Männer, so führten die Jahre des Lehrens und Leistens ihn an Stätten, wo vor ihm Große unseres Volkes als Führer gewirkt. Von 1881—1891 war er Rabbiner in S ch r i m m damls eine blühende Gemeinde in der thoragefegneten« „Provinz" Gewaltige nun '2a, darunter noch persönliche Schüler Rabbi Akiba Egers, gaben sich allabendlich in der dortigen man ein Stelldichein, und oft Haiti/ der junge Rabbi, wie er es uns oft froh erzählte, schwere Kämpfe um min bv nnanVa mit diesen erprobten Rittern des Geistes zu bestehen. — Im Jahre 1891 wurde er zum Rabbiner von G n es e n gewählt. Hier entfaltete er ttt 31jährigem Wirken eine ungemein segensvolle, vielgestaltige und erfolgreiche Tätigkeit. Anläßlich seines 25jährigen Ortsjubiläums in Gnesen schrieb der „Israelit": „Geben Und Nehmen! Eine glänzende Beleuchtung dieses wechselseitigen Segenstistens bietet das harmonische Verhältnis, das zwischen der Gnesener Gemeinde und ihrem verehrten Rabbi besteht. Sie geben einander das Beste, was sie besitzen, dabei empfangen sie immer nur das Größte, das ihnen werden kann!" Er blieb seiner Gnesener Gemeinde treu, auch als die Jüdische Gemeinde zu Berlin ihm, wiederholt, ein Rabbinat anbot, blieb ihr treu auch in den schwersten Nachkriegsjahren. Erst im Jahre 1922, als die Verhältnisse ihn gebieterisch zwangen, verließ der 68jährige seine Gemeinde, um in seine Heimatstadt Hamburg zurückzukehren — — nicht um die gewiß wohlverdiente Ruhe des Alters zu genießen, sondern in unermüdlicher Arbeit dem alten Wort neuen Glanz zu geben: „Säe am Morgen Deine Saat, und am Abend noch laß Deine Hand nicht ruhen!"" Und die Liebe und Anhänglichkeit, die er Hamburg allezeit bewahrt, sie wurde ihm nun siebenfach vergolten. Die I e s ch i w a wählte ihn zum Dozenten, und niemals wurde fein Haus leer von dankbaren! Schülern, von anhängliche»: v'i'vbn- Und er empfand es als besondere /'an daß er noch mit dem Urenkel und Namensträger seines großen Würzburger Rabbi einen Schiur einrichten, so, wie er sich allsdrückte, den Dank etwas abzutragen, dem er dem Großen schulde. Die Kelilcrs Janfi und Agudas Jeschorim-Vereinigung wählten ihn zum Rabbiner ihrer Hoheluftsynygoge und die Last der Jahre schwächte nicht die Kraft seiner Rede, nicht das Feuer seiner jugendlichen auch die anderen mitreißenden Begeisterung. Die Chewra Kadischa der Gemeinde wählte ihn zu ihrem Magid und er wurde allen ihreih Genossen treuester Freund in ehrem Glück, zärtlichster Tröster im Leid, entfaltete auch in ihrem Kreis eine umfangreiche Lehr- und Vortragstätigkeit. Und flössen ihm Liebe und Verehrung von allen Seiten zu — sein 70., sein 75. Geburtstag, sein golden nes Doktorjnbiläum waren freudig genützte Gelegenheiten, ihm zu huldigen, ihm -zu danken, er war und blieb sich selbst getreu, blieb der Gütige, jedem in Gruß und Erweisung von Aufmerksamkeiten zuvorkommende, allen selbstlos dienende Mann, dir ba 02V» anpn s Mit allen Fasern seines Herzens, mit jedem Muskel feines Körpers diente er seinem G'tt bei Gebet und Mizwoübung — und G'tt lohnte ihm Maß um Maß, ließ ihm noch im hohen Alter die ungeschmälerte Tiefe und Schärfe des Geistes, die volle Kraft des Körpers, so sehr, daß er noch vor^ wenigen Monaten die von ihm so gern vollzogene nb'v nisn an einem Großneffen vollziehen konnte. Roch hatte er vom ersten Slichaustag an, wie es ihm fromme Uebung seit fast sechs Jahrzehnten gewesen, jeden Tag gefastet, noch in der naivn- Woche seine sämtlichen Schmrim gUernt,- sowie Lehrvorträge abgehalten da erlitt er in der; Rüststunde zum heiligen Tag, schon in der Synagoge, einen Schlaganfall. Während der Nacht erhslte er sich so weit, daß er den viapvi' an heiliger Stätte, in übermenschlicher BemeistetUNg des Körpers, verbringen, ja, noch die rui' mosn vortragen, an seine Gemeinde eine kurze Ansprache, von allen schon als der Abschiedsgruß des geliebten Rabbiners empfunden, halten, und die rü>'5T2» auswendig zwar, weil die Sehkraft Cchm versagte, oorbeten — sich selber die n-ia» vorsagen konnte: •12WS2 naua jtiR ya»a!> rV.i - 'Vr ba nnxn py '1VR Zwer Tage darauf brach er völlig zusammen und nach Wochen qualvollen Leidens, das er in Klarheit des Bewußtseins demütig trug, auch darin ein echter ja« aay rief G'tt ihn zu sich in den Abendstunden zum 26. Mar-' cheschwan: annaS» 'by nvvi! * * * Unter gewaltiger Anteilnahme der ganzen jüdischen Bevölkerung der drei Gemeinden wurde er am 27. Marcheschwan zu Grabe getragen. Alles wetteiferte, dem p’ax -nsttn einen letzten Liebesdienst zu erweisen. Die Gemeinde spendete ihm ein Ehrengrab, der Synagogen-Berband hatte seine Synagogen festlich beleuchtet, ihre Pforten weit geöffnet, den ttnpn fn« in den Schmuck der er», o’R-na gehüllt, dem teuren Toten so den Gruß der Treue zu entbieten. Die staatlichen Behörden hatten eine Durchbrechung der Verkehrsordnung gestattet ui:d es so ermöglicht, daß an der Stätte seines letzten Wirkens, seines letzten G'ttesdienstes 1VS2!>aa, in der Hoheluftsynagoge, die Trauerfeier stattsinden konnte. Nach Dankesworten des Vorsitzenden der Synagogenverei»:igung, Rechtsanwalt Dr. Caesar Heckscher, hielt Oberrabbiner Dr. Carlebach-Altona den ason- Jedes Wort, das er sprach, wurde zum Zeugnis der Liebe, die Ihn mit dem Verewigten verknüpfte und so konnte nie-« mand ein herzlicherer und besserer Dolmetsch der Gefühle aller werden als er, dem auch hier das innigste Wort des Dankes dafür gesprochen werden soll, daß durch seine unermüdliche Bemühung es dem aay2 vergönnt war, den Abend seines Lebens'äiaym'aw.a'Sorgenfrei zu verbringen. Den Gruß des Rabbiner-Seminars zu Berlin entbot der greise Vorsitzende seines Kuratoriums Hermann Gumpertz. Auch hier war es der. Freund, der dem Freunde das letzte Abschiedswort widmete. Auf dem c"nn n’a zu Ohlsdorf übermittelte als Erster, ergriffen und ergreifend, den Dank des Dozenten- Kollegiums und der Schüler der na'v', der «tyap Raan und des Lernvereins o"n aipa Rabbiner Dr. Lichtig; nach ihm schilderte Rabbiner Bamberger-Wandsbek die innige Verbundenheit aller Nachfahren des Würzburger bum an mit diesem seinen a’aVn- Rabbiner Dr. Lewin, früher in Wreschen, der 40 Jahre lang das g'ttgeweihte Leben des -WS2 aus nächster Nähe, als treuer Freund und benachbarter Amtskollege, beobachten konnte, verband seinen persönlichen Dank mit dem des Vereins ehemaliger Posener, dessen Ehrenmitglied Rabbiner Dr. Jacobson war. Als Letzter — es war inzwischen die Dämmerung hereingebrochen, sodaß weitere Traueransprachen unter-- bleiben mußten — sprach Rabbiner Dr. Posner-Kiel, sich dankerfüllt als Schüler bekennend, der sieben Jahre in Gnesen bei dem Meister lernte. Zugleich »rahm er Abschied im Namen der Gemeinde Gnesen, die ihren Vorsitzenden entsandt hatte und namens der Nachbargemeinden, die Dr. Jacobson ebenfalls Jahrzehnte betreueto. Vielstimmig war das Lied der Liebe, das dem teuren Manne gesungen wurde und dieses war. fein Grundakkord: Ein Leben, das so dem Dienste G'ttes geweiht war, Geschlechtern wird es zum Vorbild bleiben: .maia!>i fRai> Knp2 n©a Nun weilt der teure Mann in den himmlischem Höhen, feiert Wiedersehen mit den Lehrern seiner Jugend, mit seinem großen Schwiegervater, mit dem Bruder, der ihm vor wenigen Wochen vorangegangen war und mit dem ihn neben den Banden des Blutes die des gleichen Strebens nach dem Höchsten nnin bv nn»R allezeit verbanden. „Sie gingen zur Ruhe — und unser ist die Klage!" Und wenn wir ihre Gräber suchen und mit unseren Tränen netzen wa'i Vnaa vir 'ay »myaa a’iw '2V nviapV dann soll uns, ihren Kindern, "soll allen, denen sie Vorbild und Leitstern waren, aus der Erinnerung vis Kraft wachsen, würdige Nachkommen und Schüler größer Männer zu werden. mann. W. S. I. Jacob Lebermann Darmstadt, 23. Nov. Wenn die dankbare Verehrung zahlreicher Schüler und Schülerinnen gegenüber ihrem Religionslehrer ein Maßstab ist für die erfolgreiche Tätigkeit und ein richtiges Wirken dieses Lehrers, so darf man Jac. Lebermann dieses Zeugnis ausstellen. Und in der Tat: der eben Verstorbene hat in vorbildlicher Weise sich ehrlich und ernstlich bemüht, fan yaa ay mw in die Praris umzusetzen und die jüdische Religion von ihrer erhabensten^ eindruckvollsten und schönsten Seite in die Herzen seiner ihm anvertrauten Jugend zu pflanzen. In 37jähr:ger Wirksamkeit als Chason und Religionslehrer war er bestrebt, die Weihe des G'ttesdienstesl und die Andacht der Gemeinde zu erhöhen, sowie jüdische Lehre und jüd. Leben zu verbreiten. Bei seiner Pensionierung vor etwa 5 Jahren, die auf ärztlichen Rat erfolgte, haben seine früheren Schüler und Schülerinnen in einem akademischen Festakt ihrer tiefempfundenen Dankbarkeit reichen Ausdruck verliehen. Bestrebtunb bemüht war Jac. Lebermani», denn er Hai Vieles zu erreichen versucht, aber nur Manches vollendet, da ihm die Erfüllung seiner guten Absicht

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