Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1930-11-27 · Heft 48 (27.11.1930) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 48 (27.11.1930)
Date
1930-11-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2450600-2450647--77437-2535096
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 4 Nr. 48 v; - Der Is ra eÄit . ,,. 27. November 1930 weis durchzuführen, und noch schwieriger, sie zm-ider Skopus Aauf dem KÄujAler wE — ex Ansiedlung zü bringen. Für diese müßten Glauhabener dürD^als der Sinai/und der Zionsbensgenofsen derselben Ueberzeugung und der gleichen jüdischen Gesinnung sorgen, in. der Art, daß „durch Schaffung eines rituell geführten Siedlungsgutes den jungen Leuten ermöglicht wird, ihren landwirtschaftlichen Beruf in einer Umgebung auszuüben, die ihnen neben der wirtschaftlichen Existenzmöglichkeit auch ein moralisch e s und seelisches Dasei n verbürgt." Wenn man das alles auch in den Kreisen des „Reichsbundes für jüdische Siedlungen" weiß, warum sorgt man nicht von vornherein dafür, daß schon die e r st e n Experimente diesen Voraussetzungen entsprechen? Oder würde es einen Gewissenszwang für andersgerichtete Jugend bedeuten, sie zum Sabbat zu erziehen? Warum spricht Herr Rabbiner Dr. Baeck bei der passendsten Gelegenheit nichts davon? Warum schafft man Mittel zur Linderung der Not, die, faktisch mit einem Ausschluß d e s g e s e tze s t r e ue n Teiles innerhalb der großen Notgemeinschaft verbunden find? Anwahr und unangebracht! In einem palästinensischen Blatte lesen wir einen, großen^ Aussatz über die Jugend Palästinas, darin es u. a. heißt: „> . . Darum neig unsere idealistische Jugend nur zum kleinen Teil zu dem zionistischen Sozialismus, in der Mehrheit steuert unsere Jugenddem Kommunismus zu. Darum diese große, in steigender Linie sich befindende Zahl von jüdischen Kommunisten auch in Erez Jisroel, und es vergeht kein Tag, ohne daß neue kommunistische Gruppen in den Städten und. auch in den Kolonien austauchen. Die jüdische Jugend ist aus der Suche nach Idealen, findet sie nicht und wirft sich daher dem Kommunismus in die Arme. — —" Schreiber dieser Worte ist nicht Rabbi Mosche Blau oder Porusch oder sonst jemand von der „Schwarzen''Garde" der Agudas Jisroel. Sie stehen nicht im „Kol Jisrael", sondern im „D o a r H a j o m " und haben den bekannten Kulturzionisten und Christentumsforscher Dr. Jose' Klausner zum Verfasser. Wir befinden uns in der ungewohnten Lage, auf Grund guter Informationen die palästinensische Jugend vor den Verdächtigungen Klausners in Schutz zu nehmen. Es gibt, wie überall heute, „verratene Jungen" in Palästina, die einzeln vielleicht auch mit dem Kommunismus spielen; es gibt welche, denen In einer Zeit wie die gegenwärtige, in der bald jeder zweite Jude eine Mischehe eingeht, sind endlich einmal Maßnahmen nötig, die dem Zerfall entgegenwirken! Es muß endlich gegen die Unwissenheit in allem, was das Judentum betrifft, Front gemacht werden! Diese Aufgabe ist Aufgab eder jüdischen Gemeinde! Neben der Vertiefung und Erweiterung des Religionsunterrichts der Jugend soll die Errichtung von G e m e i n d e.b i b l i o t h e k e n und damit verbundenen Lektürenverattstaltuttgen unter Führung des Rabbiners oder Lehrers für die Erwachsen ins Werk gesetzt werden. Auf dieser Weise würde man ein Feld besäen, das zum Besten des Judentums aussprießen wird. Vorbedingung wäre nur, daß die Vertreter der Gemeinde sich in ihrer Gesamtheit beteiligen und nicht wie es z. B. bei den in der Vorkriegszeit üblichen Literaturoereinen war, häufig fehlen. Wird dieser Weg einaeschlagen, dann werden die,Fylgen noch die sein, daß Menschen das Judentum be- IreffLnoe Vuchi'i^'kaüM'und''lesen"die'Ufftet den bisherigen Verhältnisse nie daran gedacht hatten, und--daß so das jüdische Verlagswesen aus seinem nochgerade -katastrophal gewordenen Zustand herauskommt. . Auch uns von der Orthodoxie geht, wenn auch selbst--' verständlich in unseren Reihen jüdisches Interesse herrscht, die Sache an. Wir haben genug Erwachsene, die sich nicht zur Teilnahme an Schiurim entschließen können. Aber selbst denen, die lernen, .ist es nötig, zu wissen, was heute über Juden und Judentum geschrieben wird. Auch die Orthodorie sollte heute jedes Mittel ergreifen, das geeignet erscheint, die lebendige Verbundenheit mit der jüdischen Interessensphäre zu fördern. Nicht ein Zusammenkommen zu Spielabenden, sondern ein Zusammenkommen, Um Wissen und geistige Anregung zu schöpfen, ist traditioneller jüdischer Brauch. Möge dieser Brauch nach dem in diesen Zeilen gemachten Vorschläge zu seinen Rechte kommen! Das Gebot der Stunde erfordert in jeder jüdischen Gemeinde schnellen und energischen Entschluß! berg; es gibt welche, die Me S a b b a t - f e eie auf Wen Fußballplatz tragen, daß sie ,$ort zertreten werde. . D i e Jugend if:: es ' nicht, Md gegen Maat undGesellschaft gerichtete kommunistische Ideen haben kaum einen Platz in den Herzen der jungen Juden. Es ist viel zu tadeln an der Richtung, die ein Teil der Jugend in Palästina einschlägt, auch, an der Richtung, die Klausner und Genossen gewiesen haben. Davon spricht Klausner' nicht, und das, was er in kritischer Stünde ausspricht, in einer Zeit, da das Menschenmaterial für Palästina gezählt, gesiebt und gewogen wird, erscheint uns mehr als gefährlich. Erft vor kurzem wehrte sich Weizmann in seiner Antwort auf das Weißbuch Mit Entrüstung gegen die Stelle des Simpson-Berichtes, die von den „unwillkommenen Einwanderern" spricht. Weizmann verwahrt sich gegen die. Anklage Simpsons, die jüdische Jugend sei kommunistisch eingestellt. Sie kämpfe im Gegenteil'bei jeder Gelegenheit.g egen den Ko m mun ismus. Hinterher kömmt Klausner und betätigt nicht nur die Verdächtigungen Simpsons, sondern erhärtet und erweitert sie. Wir fürchten, die Araberführer in Jerusalem, Ne eifrige Leser der hebräischen Presse sind, werden dafür sorgen, daß der Klausner'sche Artikel den. Palästina-Akten in London einverleibt wird. Daß die palästinensische Jugend auf der Suche nach jüdischen Idealen k e i n e f i n d e t, ist eine Wahrheit, die wir oft genug hier ausgesprochen haben. Schuld daran tragen diejenigen, die der Jugend den Weg zu jüdischen Idealenverbauen, die sie abspeisen mit Phrase und Fahne, mit Schlagwort und Schlagball, die ihr „fremde Brunnen" erschließen, indes die eigenen bewußt und nacheinander verstopft werden, unr mini omwa nruw nvua nn^ aisn*? am ~-np>a «amn i^"2' *6 mrm Daß die Gefahr besteht, aus solchen Abwegen einmal an das große Nichts des Kommunismus zu gelangen, ist schon wahr. Aber so weit ist die palästinensische Jugend G. s. D. noch nicht, und es besteht die Hoffnung, daß sich der gesunde jüdische Sinn bei Führern und Geführten durchsetzt. Man soll den Teufel nicht an die Wand malen, insbesondere nicht in einer Zeit, da viele sehnsüchtig nach ihm ausschauen, um ihn als Verbündeten in ihren Hexenreigen gegen uns aufzunehmen. fiSBSaSHSMSHBBSSaBBfiBSBfiSaBBasaBBSBB Neuorientierung der palästinensischen Wirtschaftspolitik? Von Dr. Robert Weiß in Berlin. Die rein politischen Probleme des. Weißbuches sollen hier nicht behandelt werden./-Insbesondere, die . Frage, ob eine Kooperation der o f f i z i e l -, l e n jüdischen Gremien mit der Mandatsregierung unter den derzeitigen Verhältnissen möglich st, erfordert eine sorgfältige Abwägung der politischen Momente, die sich zum Teil paralysieren, zum Teil kreuzen. Auf Wirtschaft l i ch e m Gebiete aber heißt es: Fortsetzung der konstruktiven Aufbauarbeit. Jede, auch die geringste Möglichkeit, zur Erhaltung und zum Ausbau des Bestehenden, sowie zur Schaffung neuer Stützpunite muß ausgenutzt werden. Mag die lolitische Lage noch so schlecht sein, das Fundament, auf dem sich die Arbeit kommender, vielleicht sorgloserer Jahre auf bauen wird, kann nicht olide genug schon , jetzt errichtet verden. Sollte eine extensive Ausbreitung ber Arbeit im Lande zunächst nicht möglich fein, o muß um so mehr das bisher Errichte so aus-;ebaut werden, daß bei besseren politischen Verhältnissen alles vorbereitet ist, um die erzwungene Verlangsamung des Arbeitstempos in kürzester Zeit wieder ausgleichen zu können. Die nächste G r o ß a l i j a h muß bis ins Kleinste v o r b -e r e i t e t w e r d e n; die Fehler der vier- I ten Alijah, bei der Tausende von Menschen und Millionen an Kapitalbeträgen unvorbereitet ins Lano strömten und ein Großäufwand von nationaler Energie zersplittert und verzettelt wurde, diese Fehlen dürfen nicht meWwiedetholt werden. :?j Sollten wjr einigen ,MonatW oW-gar ^Jahren der ^rb eftsoe rfa^i gfcwnuitent^eigeitg e§^11-;, so. s kann auch diese Zeit ihren Sinn erhalten/ wenn das Bestehende aufnahmefähig .gemacht und planwirtschaftliche Borb ereitungsarb eit für eine Zeit der.Grohkolonisation geleistet wird. ■ Im Schlußabsatz bes Weißbuches erklärt die Regierung, sie hätte sich von einer Einmischung in ökonomische und soziale Fragen möglichst fern .gehalten. Diese Politik könne nicht fortgesetzt werden. Demgemäß kündigt das Weißbuch verschiedene Regierungsmaßnahmen, insbesondere auf landwirtschaftlichem Gebiete an, die gleichermaßen Juden wie Arabern zugute kommen, sollen. Im bisherigen völl ig eN Man g e l e i ne r s y st e m a t i fch e n W i r tsch asts - politik der Regierung liegt meines Erachtens der Schluss elpunkt zum . ö konomischen V e r st ä n d nt s d e s G e - gensatzes zwischen Juden und Arabern in Palästina. Mögen noch so viel rein politische Faktoren, insbesondere die Einslüsse frpmder Mächte und - Jnteresientengruppen mitgespielt haben, die Erbitterung öer arabischen Landbevölkerung hätte niemals ein derartiges Ausmaß und derartige Formen annehmen können, wenn die Regierung es verstanden hätte, die wirtschaftlichen Interessen der Araber. und der Juden planmäßig miteinander zu verkoppeln und parallel zu schalten. Es war für die jüdischen Organisationen und Einzelpersonen unmöglich, mit dem relativ geringen Kapital der nationalen Fonds und der Einzelunternehmen auch noch systematisch arabische Jnnen-Kolonisation und Wirtschaftsfövderung zu betreiben. Versuche zu einer jüdischarabischen Kooperation hätten natürlich zu allen Zeiten auch so unternommen werden können, aber ohne Regierungsteilnahme wären derartige Unternehmungen nur eine, wenn auch nützliche Demonstration geblieben. Die Regierung hätte sich vom ersten Okkupationstage an im Klaren fein müssen, daß wir Juden beim Kauf von Ländereien aus arabischem Besitz nur eine Verpflichtung Habens den Kaufpreis vollzählig und pünktlich zu erlegen. Pflicht der Regierung wäre es gewesen, im Interesse der Gesamtbevölkerung die p l a n m ä ß i g e A ns i e d l u n g derl an d losen 0 d er landarmen a r a b i s ch e n P a ch t b a u e r n in den größen, fruchtbaren Landreferhen -TranSjvrdäniens und des kUltiöierbaren Negews durchzuführen.''Jüdische Agronomen'hättenMit -großer!' Umsicht'chre Kenntnisse auch fürdiese Arbeiten'- görne zur Verfügung gestellt. Ein a l l g e Me in e s l a n d w irts ch a f 1 l i ch es' ^' Ko l o n r - f a t i 0 n s i n st i t u t hätte als offizielles Regierungsunternehmen Anlechemittel mit jüdischer Hilfe aufbringen können. Die Reform des Bo den r echt es , wiederholt angekündigt, ist bis zum heutigen Tage Nicht dMchgeführt worden. Altes Mrkifches-Rechts .uraltes arabisches. Gewohnheitsrecht, moderne Gesetze und Verordnungen der Regierung sind trt bunten Durcheinander noch heute maßgebend. Es durfte keine Uebertreibung bedeuten, wenn ich behaupte, daß kein zivilisiertes Land der Welt eine so komplizierte, dem Uneingeweihten völlig unverständliche Bodengesetzgeliung besitzt wie Paästina. Hier ist die Quelle erbittertster Feindchaften zwischen arabischen Landbesitzern und Pächtern auf der einen Seite und dey jüdischen Käufern zu suchen. Arab is che s und jüdif ch e s V lnt ist b ein ahe in jedem W i n-z kel des Landes geflossen, weil die -Re g i e vu n g . s sch nicht e n tschhi e ß e n konnte, trotz zehnjährigen Drängens ein e mod erne Bod eng esetzgebung zu erlassen. Die Affäre Waadi el Chawareth hat gezeigt, daß auf diesem Gebiete

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.