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Der Israelit · 1930-11-20 · Heft 47 (20.11.1930) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 47 (20.11.1930)
Date
1930-11-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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20. November 1930 jestät Vertreter der Jewish Agency zu einer Beratung über die betreffenden Gegenstände eingeladen. Da die am Mandat interessierten Parteien von dem lebhaften Wunsche beseelt sind, daß die korrekte Interpretation und unparteiische Anwendung der Bestimmungen des Mandats gesichert werde, besteht begründete Hoffnung, daß nach. Veröffentlichung eines neuen Statements über diese Fragen.bezüglich aller strittigen Punkte eine. Einigung erreicht werden wird. Das Weißbuch im englischen Unterhaus. London, 17. Nov. Die große Aussprache über die Palästina-Politik hat nun flattgesunden. Es war eine im ganzen friedliche Auseinandersetzung mit dem Schlußpunkt: Die Erklärung sei unglücklich formuliert und habe daher Mißverständnisse heroorgerufen, die durch neue Kommentare beseitigt werden müssen. Als erster sprach Lloyd George. Das Weißbuch bedeute eine Abweichung von der großen Linie der Mandatspolitik. Könnte England das Mandat nicht durchführen, so wäre es verpflichtet, es dem Völkerbund zurückzugeben. Es war vin Fehler, daß man das Weißbuch ohne Einvernehmen mit den Parteiführern erlassen hatte. Man dürfe die Bedeutung Palästinas als Stätte jüdisches Erneuerung nicht verkennen. Dev'Unterstaatssekretär Dr. Shiels nahm dann gleich das Wort zu der Erklärung, daß der vom Weißbuch erweckte Eindruck auf Mißverständnissen beruhe. ^>ie jüdische Einwanderung solle nicht absolut von der arabischen Arbeitslosigkeit, sondern von der Fassungskraft des Landes abhängig gemacht werden. Für die Bodenfrage sei der Simpson-Bericht als Grundlage genommen. Für Durchführung des Bodenprogramms ist eine Anleihe von 2 % Millionen P f un d vorgesehen. Zuerst werden die „von den Juden enteigneten" Araber an die Reihe kommen, sodann Juden und Araber gleichmäßig. Die Regierung verharre aus dem Standpunkte des Mandates. '/2Itnert| bedauert.den Rücktritt Weizmanns. Das Weißbuch gehe über wichtige Teile des Simpson-Berichtes hinweg. ' Sodann ergriff der Premier, Macdonald, selbst das Wort. Er schließt sich den Erklärungen Shiels an und lobt die jüdische Aufbauarbeit in Palästina. Erfolg kann aber nur durch Verständigung beider Teile und durch die Ueberzeugung der Araber, daß die jüdische Arbeit auch ihnen zugute kommt, erblühen. Auf diese Zusammenarbeit wirke die Regierung hin. Herbert Samuel wendet sich mit großer Enychiedenheit gegen das Weißbuch, das einen ausgesprochen feindseligen Ton gegen die Juden führe. England müsse stolz auf die historische Aufgabe sein, die ihm in Palästina gestellt ist. Er spricht dann allgemein von der Regeneration des jüdischen Geistes, die der Menschheit immer Segen gebracht hat. Nach der großen Rede Herbert Samuels war das Interesse des Hauses sichtlich erschöpft. Es kamen jedoch noch etrie große Anzahl von Rednern zu Wort, darunter Mr. Sttell, das llekanstke pro-zionistische Mitglied der Shaw-Kommissiön> Baron'Rothsch i'ld, Major Ell i.ü t, lvon Üer 'Regierung der erste Lord der Admiralität, Mr. Alexander, der noch einmal betonte, die Regierung beabsichtige nicht, die Entwicklung des jüdischen Nationalheimes im ge^enwärtitzen Umgänge erstarren zu lassen und endlich^'noch eittmal Unterstaatssekretär Dr. Shiels, der versicherte, daß man unausgesetzt eine round-table-Konferenz aller beteiligten Parteien anstrebe. Das Haus vertagte sich um 1412 Uhr abends. Personalien. Rabbi Chajim Rabinowlh, der Roschjeschiwa von Telschi .V'ST Telschi, 16. Nov. Nach Rabbi Chajim Bloch ist nun auch der zweite Große, von Telschi, Rabbi Chajim R a b i n o w i tz , dahin gegangen. Nach kurzer Krankheit hauchte er seine Seele im Krankenhaus zu Kowno. au.s. Die Gebete und Tränen seiner -unzähligen Schüler blieben ungehört. „Die Himmlichen siegten über die Irdischen und entführten die heilige Lade". Rabbi Chajim Rabinowitz war einer der ganz! Größen, die, ähnlich wie Rabbi Jehuda Ben Babg, in einer schweren Zeit ihre heiligste Aufgabe darin sahen, den Nachwuchs der Thora zu sichern.' Erster Roschjeschiwa in Telschi! Wer Telschi kennt, weiß, was das bedeutet. Rabbi Chajim war gerade 70 Jahre alt geworden. Sein Ilr- Der Israe l. k t großvater war Schükör und Interpret des W i l n a e r Gaon, Großvater Und Vater anerkannte Rabbinen. Er selbst erhielt seine Ausbildung und die Grundlagen für seine ethische Persönlichkeit in einem Milieu, dem ein Rabbi Israel Sa lauter seinen. Stempel ausgedrückt, das von einem Rabbi M e i r S i m ch o seine weitere Richtung erhalten hatte. Schon mit 30 Jahren war er Jeschiwaleiter in Slabodko. Vorübergehend amtierte er auch als 'Rabbiner in einer litauischen Gemeinde. Vis Rabbi Eliefer Gordon^xr, der Vater der Telscher Jeschiwa, Rabbi Chajim nach Telschi holte, wo er . später neben Rabbi Bloch und besonders nach dessen Heimgang, auf dem höchsten Posten ausharrte bis zuletzt. Rabbi Chajim hatte sich mit der Jeschiwa vollkommen identifiziert. Man sagt, in Litauen nicht mehr: Man fährt nach Telsch, sondern: „Man fährt zuRabbi C h a j i m". Die Gtöße Rabbi Chajims bestand neben seinen jrrtm auch in seinem pädagogischen Geschick, in der von ihm eigens geschaffenen! Lehrmethode, die dem Gelehrten ungemein viel gab, unddem Anfänger den Weg in die Tiefen des Thorawissens zeigte. Väterliche Liebe verband ihn mit dem Geringsten seiner Schüler. Der Mann, der für jeden und zu jeder Tages- und Nachtzeit ein freundliches, ermutigendes Wort hatte, konnte beim Lernen in ein Feuer geraten, das; alles erfaßte und mitriß. Die heranschleichende Krankheit wollte er nicht wahrhaben. Er suchte Heil im Studium und in der Lehrtätigkeit. Telschi und Kowno taten ihr Mögliches, das kostbare Leben zu retten. Man ließ Professoren aus Königsberg kommen. Indes seine Freunde, die ersten Rabbinen und Schüler, für ihn unaufhörlich beteten. Seine letzten Worte waren an die Schüler gerichtet. Er sagte: „Ich habe euch,- meine Talmidim, geliebt wie ein Vater. Doch kann auch ein Vater einmal gegen seine Kinder ungerecht sein/ Ich bitte euch um Verzeihung!" Zur Bestattung kamen über hundert Schüler aus Telschi. Fast sämtliche litauischen Rabbinen waren anwesend. Neben ihnen eine nach Tausenden zählende Menge. Die Bahre wurde den ganzen langen Weg von den Schülern, die sich erst für diesen heiligen Dienst weihten, aus den Schultern getragen; Am Alten Beshamidrasch spricht zuerst der derzeitige Rabbiner von Telschi, ein Schüler des Heimgegangenen. Am Neuen Beshamidrasch, wohin dann die Bahre überbracht wurde, spricht Oberrabbiner S ch ap i r a von Kowno. Unter namenloser Ergriffenheit der Trauergemeinde teilt er mit, daß unmittelbar vor der Lewaje in seinem Hause eine Sitzung der Rabbinen stattgefunden hatte, in der Rabbi A s r i e l, der 25 jährige Sohn des Heimgegangenen, ein bekannter -und vielbewunderter Jlui, zum Nachfolger seines Vaters als Roschjeschiwa von'Telschi ernannt wurde. Nach ihm sprechen die Rabbinen von Kaidänni und Schidike, zuletzt noch; zwei Schüler.-Da es Freitag ist, köniien weitere Hespedim nicht gehalten werden. Ein - Großer ist von dannen gegangen, Mn Anderer, ,^d§r seinen.'Platz ausfüllt, spricht das Kadifchgebet. Die Sonne senkt sich und vava «ui »awa mrV nahestder Sabbat läßt neue Sonne aufleuchten ::; . :; Rabb. Dr.> M. Jacobson V"ST- Hamburg, 17. Nov. Nach längerem Leiden ist gestern Rabbiner Dr. Moses Jacobsonber Bruder des erst unlängst Heimgegangenen Salomon Jacobson der früher Rabbiner in Schrimm und Gnesen und alsdann Dozent an der hiesigen Jeschiwa war, im 78. Lebensjahre heimgegangen. Eine ausführliche Würdigung folgt. Rheydt, 15. Nov. In Rheydt, .Bez. Düsseldorf starb am 5. Nov. Hermann Simons kurz vor der Vollendung seines 60. Lebensjahres. Auf ihn lassen sich Raschi's Worte anwenden: a-na aas avi aas ana aas» Eine gewaltige Lücke hat sein Tod in der Gemeinde gerissen. In /einer Umgebung wohnend, wo leider wahres jüdisches Leben nicht mehr pulsiert, hat er gezeigt, wie man die aaia Und ihre Gesetze hoch hält. Vier große Lebensmittelgeschäfte, zu den größten seiner Stadt, einer Großstadt, zählend, waren sein eigen. Sie alle hielt er ,am aav und an den waiv 0'»' streng geschlossen. Selbst den Gedanken, der ihm von gewisser Seite nahegeilegt war, durch msnvbte Möglichkeit zu erzielen, am rundem Hauptgeschäftstage, seine Geschäfte offen halten zu können, wies er weit von sich. Wie sehr diese selne Einstellung ihm die Hochachtung weitester Kreise einbrachte, bewies die ungeheure Teilnahme bei der "ib. Auch eine große Menge Andersgläubiger, alle, die sein religiöses Verhalten, das so vereinzelt dastand und in der vor aller Nr. 47 (Seite 7 Öffentlichkeit bewiesenen Heilighaltung des mv zum Ausdruck kam, respektierten, gaben ihm das Gejleite. 7 Auf dem n’a hielt ein Neffe des Verewigten, Herr Rabbiner Dr. Simons Köln-Deutz einen aasa- Er hob die besonderen Verdienste des Heimgegangenen hervor und ermahnte die Söhne, den Weg des Vaters zu beschreiten und seine Gesinnung sich zu eigen zu machen. Möge Gllt der schwergebeugten Gattin und den ttauernden Kindern seinen Trost spenden! .-raxan Fürth i. B., 12. November Am 19. Marcheschwan haben wir Frau Hanna Rothschild geb. Heilbut zur letzten Ruhe getragen. Sie war die Tochter des leider so früh Heimgegangenen Rabbiners und Gelehrten Dr. Louis Heilbut eines hervorragenden Talmid von von R. Jesriel Hildesheimer V-xt, und der so unendlich schwer geprüften Frau Dr. Ernestine Heilbut geb. Gans in Frankfurt a. M. In ihrem großen Zidkus und ihrer Bescheidenheit hatte sich Hanna Nothschild-Heilbut jeglichen Nachruf -am (Stabe verbeten. Ihr ganzes Leben war stets Arbeit, Mühe und Sorge für alle, die ihr nahe standen. Hatte sie doch in der Person ihrer leider so stütz verwitweten Mutter 'm das leuchtende und sich von Tag zu Tag bestätigende Beispiel des nss^va*»* stets vor Augen, derart, daß die mpa^ cm pa nisa sowie die a-vanV mr pa ihr zur zweiten Natur geworden waren. Ihr ganzes Dasein, das mit ihrem,48. Lebensjahre endete, war der verkörperte Ausdruck des mpyV 'a -,-n naan aspai apTS» Am Ausgange des Säbbattes, an dem wir diese hehren Worte lasen, schloß Hanna Rothschild-Heilbut für immer die Augen. Möge das mar ihres Vaters Rabbiner Dr. Louis Heilbut 'und'"ihres Großvaters, Jakob Gans ihr zum -w/p f’Va sein. Mögen ihr Gatte sowie ihre 5 Kinder, von deren hervorragenden Fähigkeiten sie stets leuchtenden Auges und frohen Herzens sprach, Trost finden in den Werken, die die Dahingeschiedene in so überaus reichem Mäße vollbrachte, und möge sich an ihr der Ausspruch unseres königlichen Dichters: lan n'i' nsa nV wahr machen. n-asaa. Familiennachrichten. Varmizwo: Hugo, Sohn des Herrn Samuel Samfeld, Kitzingen a. M. rniton. — Herbert, Sohn des Herrn Moritz Lustig, Kitzingen a. M. rx’i. Geburtstag: Moses Baum, 75Jahre alt. 21. Nov. 1930. Mosbach (Baden).' Geburtstag: Frau Mina Levy Wwe., Allerheiligenstraße 61, II. feiert am 22. Nyv. ihren 60. Geburtst. Frankfurt a. M. * Briefkasten. Betrag für Spende eingegangen._ Die Woche. Der Zusammenbruch der BibelkriM. Orts- und Jugendgruppe der Agudas Jisroel hatten aus Anlaß des 60. Geburtstages Jacob Rosenheims zu einer größeren Veranstaltung eingeladen, bei der Herr Oberrabbiner Dr. C a r l e b a ch -Altona über das Thema „Zusammenbruch der Bibelkritik" sprach. Der äußere Anlaß sowohl als auch Redner und Thema hatten zusammen gewirkt, um eine Zuhörerschaft zu versammeln, die den Saal nebst Nebenräumen nicht nur füllte, sondern sogar überfüllte. Der Redner zeigte den Gang der seit Spinoza sich auf die Bibel konzentrierenden Angriffe, die den in sich geschlossenen Block dieses Literaturwerks in Bruchstücke zu zerschlügen versuchen und die' heiligen Bücher als in später Zeit,-geschaffene- Werke-- von Menschenhand darstellen wollen. An,, mehreren. Beispielen (z. B. Auffindung von.Schriftstücken aus pharaonischer Zeit, Schrifttum und Gebräuche " der Samaritaner, Ausgrabungen Sellins in Jericho) wurde stachgeüsiesen, daß insbesondere die Wellhausen'schen Theorien nur scheinwissenschaftlicher Art sind und den immer mehr zutage tretenden, auch wissenschafiRch- 'anerkannten Tatsachen nicht standhalten. Auch die aus Religionsfeindschaft herrührenden Tendenzen der Bibelkritik wurden klargelegt. Die formvollendete Rede, deren Schlußausführungen in überaus feinsinniger Art auch dem äußeren Anlasse der Veranstaltung gerecht wurden, wurde mit besonders herzlichem Beifall ausgenommen. >; ' Die Veranstaltungwar umrahmt von stimmungsvollen Gesängen Lazar F i n k e l st e i n s, den Max Neumann auf dem Klavier begleitete. Vortrag'über Jndividual-pfychologie. Am Montag, den 3. November, sprach Frau Dr. Alice Schaumberg in der Agudistischen Fmuenortsgruppo über „Jndividual-Pfychologie". Einleitend wies Referentin auf die Verschiedenheiten der psychoanalytischen Auffassung Freuds und Adlers hin. Während Freud, der Gründer der Psychoanalyse sexuelle Urtatsachen allein bestimmend zu Grunde legt, geht Adler weiter und vertritt den Standpunkt, daß nicht sexuelle Motive allein, sondern alles Abnormale und Uebernormale, sowie organische Fehler mitbestimmend auf die Psyche des Menschen wirken und von Kindheit an bis zum gereisten Manne.sakter auf die Entwicklung den größten Einfluß auf ihn ausüben. An Beispielen aus eigener Praxis und aus Schulen führte Referentin mehrere Fälle schwer erziehbarer Kinder vor und zeigte, mit welchen Mitteln auf Grund der Psychoanalyse die Eltern beeinflußt und den Kindern geholfen wurde. Adler versucht durch Erziehung

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