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Der Israelit · 1930-11-20 · Heft 47 (20.11.1930) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 47 (20.11.1930)
Date
1930-11-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seile 6 Nr. 47 Der Israelit 20. November 1930 jen Talmud ho chschulen (Jeschibot) in o st europäischen Ländern (unter eventuel ler Berücksichtigung auch der Handwerk lichen Ausbildung der Schüler) gefördert werden sollen. Die Stiftung hat die Einnahmen für die angegebenen Zwecke gemäß den Entscheidungen des HilfsDereins zu verwenden, dessen Werk Der Verewigte wärm st es Interesse entgegen - brachte. Ferner wurden Bewilligungen vorgenommen, u. a. für jüdische Studenten aus Osteuropa. Aus dem Bericht über die Aktion für den Wiederaufbau des Jüdischen Kinderhauses in Kowno ist zu entnehmen. Daß die Sammlung bisher ein befriedigendes Resultat gehabt hat; die für den Bau notwendigen Mittel sind allerdings noch nacht vollständig aufgebracht worden. Die Mitteilungen über die Aufwendungen des Hilfsvereins auf seinen verschiedenen Arbeitsgebieten sowie über den Ausbau der Organisation des Hilfsvereins in Berlin und im Reiche im laufenden Jahre wurden mit großer Genugtuung zur Kenntnis genommen; namentlich wurde hervorgehoben, daß trotz der Ungunst der Zeit ein erhebliches Anwachsen der Jahresbeiträge zu konstatieren ist. Zahlreiche neue Ortsgruppen find gebildet worden. Aus btr andern Seite steigen natürlich duaernd die Anforderungen, die an den Hilfsverein gestellt werden. Der Hilfsverein ist daher heute mehr denn je auf die tatkräftigste Unterstützung seiner Mitglieder und Freunde angewiesen. Herr Dr. Sigmund Wassermann wurde zum stellv. Schatzmeister gewählt. Die nationalsozialistische Welle noch immer im Ansteigen. Berlin, 17. Rov. Die gestern in Baden und Mecklenburg durchgeführten Gemeindewahlen und die Volkstagswahlen in 'Danzig haben bewiesen, daß die nationalsozialistische Welle noch immer im Ansteigen begriffen ist. In Mannheim ziehen die Nationalsozialisten mit 14, in Heidelberg mit 30 (von insgesamt 84), in Karlsruhe mit 26, in Pforzheim mit 20 Stadtverordneten ein. Etwas weniger gut haben sie in Mecklenburg abgeschnitten. In den Danziger Volkstag ziehen die Nationalsozialisten zum ersten Male mit 18 (von insgesamt 72 Abgeordneten) ein. Schichten reine Tierquälerei. Berlin, 17.. Nov. Das Büro für Schächtangelegenheiten teilt mit, daß von dem Prager Arzt und Physiologen Dr. S. Lieben zwei neue Publikationen zur Schächtfrage erschienen sind. 1. S. Lieben und H. R. Kahn (Professor der Physiologie an der Deutschen Universität Prag), Die emotionelle Reaktion der Pupille. 2. S. Lieben, Die Strömungsverhältnisse in der Arteria vertebralis nach dem Schächtschnitte. Entgegen den theoretischen Behauptungen der Schächtgegner und ihrer nur theoretisch begründeten Gutachten wird, in den, genannten- Schriften an Hand neuer wissenschaftlicher Experimente wiederurt^'bewiesech daß die Tiere nach dem Schüchtschnitt Wn Bewußtsein, haben ustd 'das Schächten daher keine Tierquälerei ist. wahlkqmprönMe. - Breslau, 10. Nov. Auch hier in Breslau ist es, wie in fast allen anderen größeren Gemeinden Deutschlands, mit Ausnahme von Berlin, für die bevorstehenden Repräsentantenwahlen zu einem Kompromiß -gekommen, das den Liberalen einen Sitz weniger als die Hälfte der im Ganzen auf 23 erhöhten Gesamtzahl der Gemeindevertreter zubilligt. Die übrigen 12 Sitze sind wie folgt auf alle anderen Parteien verteilt: Volkspartei 4, Konservative 3, Mittelpartei 2, Mitztelstandspartei 2, Ostjuden 1. lieber einer Reihe besonderer Streitpunkte find in dem abgeschlossenen Wahlkompromiß genaue Bestimmungen getroffen worden. So z. V. werden Bewilligungen für palästinensische Zwecke von einem Ausschuß vargeprüft, der genau zur Hälfte aus Liberalen besteht und bei dem jeder Antrag als abgelehnt gilt, der Stimmengleichheit findet. Die Uebernahme . der jüdischen Schule durch die Stadt wollen die Liberalen fördern. RmnSnten. Die rumänische Thronrede. P u k a r e st, 15. Nov. In Der Thronrede, die der rumänische König anläßlich der Eröffnung des Parlaments am Sonnabend, den 15. November, verlas, wird versichert, daß die Minoritäten ..sich. in Zukunft derselben , liebevollen Fürsorge erfreuen werden wie in der Vergangenheit, und daß Rumänien sich bei der Behandlung des Minoritätenproblems im. Rahmen konstitutioneller Einrichtungen von dem Gerechtigkeitssinn leiten lassen werde, den es in dieser Frage stets bewiesen hgt. Die Thronrede kündigt weiter eine Aenderung des Verfahrens für die Erwerbung der rumänischen Staatsbürgerschaft an. Dieser Passus wurde auf Verlangen des jüdischen Parlamentsklubs in die.Thronrede ausgenommen. Die angekündigte Aenderung der Einbürgerungsvorschriften wird Tausenden von Juden -den Erwerb der Staatsbürgerschaft ermöglichen. Polen. Die Sejmwahlen in Polen. , Warschau, 18. Nov. Bei den am Soyntag, den,st6. November in Polen stattgefundenen?Sejmwahlen hgtfhie agudistische Liste in K o n g r e ß p o l e n z w e i Man d a t e, darunter eines für den Präsidenten, des Zentra'lrates der Aguda, Oberrabbiner Lew in, errungen, während die Zionisten bloß Grünebaum durchbrachten. Interessant ist, daß bei der letzten Wahl die Zionisten in Kongreßpolen 13 Mandate und die Aguda überhaupt keines hatte. Außerdem erhält die Aguda drei Mandate von der Regierungsliste,'darunter eines für das Mitglied der Exekutive Der Agudas Jisroel, L. Minzberg, Lodz, sowie zwei für die der Aguda assoziierte Wirtschaftspartei. Die Zionisten in Kleinpolen, welche eine regierungsfreundliche Politik eingeschlagen hatten, erhalten 4 Mandate, während sie früher sieben innehatten. Es ergibt sich somit olgendes Gesamtresultat: Der A gud a - W irts ch afts b lo ck w ir d über 6 Mandate im Sejm verfügen, zu welchen die am kommenden Sonntag zu wählenden Senatoren in recht kattlicher Anzahl treten werden, um gemeinsam den orthodox-jüdischen Klub bei der Regierungspartei zu bilden. Die Aguda hat somit 5 Mandate mehr al§ bisher, während die Zionisten nicht weniger wie 16 Mandate verlieren. Hätten die Zionisten ursprünglich das agudistische Angebot betreffs , einer gemeinsamen jüdischen Liste angenommen, so wäre es zu einer weitaus größeren Anzahl jüdischer Mandate gekommen. Tfchecho Slonraket Fortsetzung des Ritualmordprozeffes in karpathorutzlaUd. Prag, 16. Nov. Der Prozeß gegen Moritz.Steinberger und Marcus Liebermann in Berehovo (Kjgrpathorußland) wegen schwerer Körpe,rhefchädigung: (Blutentnahme zu Ritualzwecken) wurde: am 15. November wieder ausgenommen. Die'! beiden Kinder, denen angeblich Blut entnommen wurde, die 9jährige Helene Boghan und der 11jährige Kost, verwickelten sich auch diesmal in Widersprüche. Bei der Gegenüberstellung dex,!Kinder mit dem Chefredakteur Emil Hallas aus Ungwar, der seinerzeit private Nachforschungen angestellt und das ganze Lügengewebe aufgedeckt hatte, zogen beide Kinder die belastenden Aussagen zurück. Als aber dann die Mutter der Bogdan die früheren Erzählungen'Der Kinder bekräftigte, änderten auch die Kinder ihre Aussagen wieder, sie konnten obre unter, den anwesenden 20 Juden die angeblichen Täter nicht erkennen. Der Leiter der Schule, die die beiden Kinder besuchen, sagte aus, die Wunden an den Armen der Kinder stammen von Verletzungen durch zerbrochenes Fensterglas, sie seien schon zu der Zeit vernarbt gewesen, als die Kinder mit ihrer Blutabzapfungslegende herausrückten, das Ganze sei eine Phantasie der Kinder. Der antisemitische Kreisarzt, Dr. Ravcsak, der 'einerzeit unter Umgehung der zuständigen Amtsärzte den Blutentziehungsbefund ausgestellt hatte, hält an einen Angaben'" auch heute fest. Die Verhandlungen wurde auf unbestimmte Zeit vertagt. (ITA.) Konferenz der Orthodoxie Mährens,, Böhmens und Schlesiens in Brünn. B r ü rTn, 14: Nov. Zu einem Werke, das vielleicht von entscheidender Bedeutung für die Zukunft des jüdischen Lebens in Böhmen, Mähren und Schlesien , werden kann, ist am letzten Sonntag in Brünn der Grundstein gtzlegi worden. An der Beratung beteiligten sich 35 Herren: Vertreten waren: Prag: Verein „Sinai" durch die Herren Pros. Dr. Eugen Lieben und Bernhard Hirsch; Mäh risch-Ostrau durch die Herren Rechtsanwalt Dr. Max Beer und Corel Happert; Brünn: Agudas Achim, durch die Herren Obmanst S. H o r o - witz, David Unger, Dr. I. Dänemark- E. Neumark; Reichenberg: Achdus Jisroel, durch Herrn Jacob S. Schön; Boskowice durch die Herren Gustav und Wilhelm Springer. Außerdem nahm Herr Jacob Joel Braun aus Bratislava als Gast an der Konferenz teil. Als besonders erfreuliches Zeichen muß die starke und immerhin bewegte Anteilnahme einer arbeitsfrohen Jugend an den Arbeiten der Konferenz konstatiert werden. Nach einer Begrüßungsrede des Herrn-:Rabbiner Grünfeld übernahm Herr,Jacob Schön aus Ung. Brod als Alterspräsident den Vorsitz. Er gab ein ergreifendes Bild von der Leidensgeschichte der Orthodoxie in Böhmen, Mähren und Schlesien während der letzten 60 Jahre. In der Geschichte dieses Martyriums fehlen sogar Gefängnisstrafen nicht, die um des Gedankens der religiösen Freiheit willen ertragen werden mußten. Jetzt oder nie sei der Augenblick gekommen, urp der ^religiösen Freiheit die Gasse zu bahnen, da der Staat unter Leitung einer so weitherzigen toleranten Persönlichkeit wie die des Präsidenten Masaryk stehe.. Nach Verlesung von Begrüßungen der Agudo-Zentrale in Wien, des Vereins B n e E m u n o in Teplitz u. a. hielt Herr Gustav Springer aus Boskovice e.in ausgezeichnetes Referat über die Grundlinien der zukünftigen Arbeit zur Wahrung der Interessen des thoratreuen Judentums in unserem Lande. Wir dürfen um unserer Kinder willen nicht dulden, daß in unserer Zeit ein Gemeindegesetz erneuert wird, das den Austritt der orthodoxen Juden aus den unreligiösen Gemeinden und die Bildung von elbständigen orthodoxen. Gemeinden mit thoragemäßen Institutionen prinzipiell und praktisch, unmöglich macht. Die Herren Dr. Max Beer, Prof. Dr. I. Lieben, I. I. B r a u n, A. E h r l i ch u. a. erörterten eingehend die Rechtslage und die Einzelheiten der Arbeit. Die Hauptforderungen der Konferenz werden alsdann wie folgt formuliert: 1. Gesetzliche Ermöglichung des Austritts aus der Muttergemeinde für orthodoxe Juden, die erklären, aus religionsgesetzlichen Bedenken nicht in der Gemeinde verbleiben zu können. 2. Ermöglichung der Bildung orthodoxer Gemeinden für 10 Ausgetretene, die an einem Orte wohnen. 3. Zusammenschluß dieser orthodoxen Gemeinden zur gemeinsamen Förderung und Wahrung ihrer Interessen. Die Forderungen der Konferenz syllen zunächst dem obersten Rat de,r: provisorischen. Gemejndeorganisation zur Annahme vorgelegt rye^de.n, um einen.Kampf: wo-. möglich j$t vermeiden. Die Exekutive churde einem Kö-' mitee übertragen, das aus den Herren Dr.' S. L i e , b e n, Prof. Eu^en Lieben, Gustav Springer, Dr. Mcch/Beer, A. Ehrlich und I. Dänemark-: besteht un^ Kooptationsrecht hat. , oiit Nach Erledigung der Hauptfrage wurde eine ganze Anzahl für die praktische religiöse Lebensführung bedeutungsvoller Angelegenheiten erörtert. Im Anschluß oll demnächst eine Zentrale für Stellenvermittlung für abbathaltende junge Leute im Zusammenhänge rnit der Preßburger Zentrale eröffnet werden. England. Die englische Regierung lädt die Iewish Agency zu einer Beratung über das Weißbuch ein. London, 16. Nov.' Das Büro des englischen Ministerpräsidenten "in Downingstreet hat nachstehendes Communique herausgegeben: ■ Mit Rücksicht darauf, daß bezüglich der Vereinbarkeit einzelner Absätze des Weißbuches mit gewissen Artikeln des Palästinümandats Zweifel laut geworden sind und andere Absätze des Weißbuches Anlaß zu Mißverständnissen gegeben haben, hat die Regierung Sr. Ma-

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