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Der Israelit · 1930-11-20 · Heft 47 (20.11.1930) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 47 (20.11.1930)
Date
1930-11-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Der Israelit Nr. 47 Seite 3 20. November 1930' ärm. - die I hark e it beschäftigt. Zwar ist die m dem Vor- 5 str I entwarf der Landeskanztei enthalten gewesene gen-1 Einrichtung eines st ä n d i g e n o b erst e n und I Ger ich tes, bestehend ans ständigen besoldeter » jen rabbmischen und Laienrichtern, von der Kommission der Laübesrepräfentanz wieder beende I jeitigt und lediglich durch die Schaffung einer doxe I Art Reserve von ständigen Richternfür die siöse I Wahl in die steigern ählten Schiedsgerichte ercken I setzt worden. Allein, diese selbst weifen eine reiche öra, I Gliederung auf. Es werden steigervählte r e l ichen I giöfe Schiedsgerichte, fteigewählte admini- und I strative Schiedsgerichte und freigewählte adenn I ministrative A p p e l l a t i onsger i ch t e untho- I terfchieden. Die erstgenannten sind für alle rein ihr I religiösen oder gemischt-religiös-adminiiftrativen den I Streitfragen zuständig und ihre Urteile unterlieeni- I gen gemäß, der religionsgesetzlichen Tradition Ehe I keiner Berufung. Dagegen ist m allen finanziel- »ra- I len und administrativen Streitigkeiten der Gemeinden untereinander, der Gemeinden mit ihren Mitgliedern öder ihren Beamten Schiedsgericht und AppellationsinstanZ vorgesehen. Klagen und Beschwerden gegen die religiöse Führung oder gegen religiöse Akte eines Rabbiners gehen an das 5 gliedrige, von der Rabbinexlandesversammlung gewählte Rabbinerkomitee, das sie einem religiösen Schiedsgerichte zur Prüfung und Entscheidung zuweist. Das Verfahren vor dem Schiedsgericht, Appellation, Wiederaufnahme eines Verfahrens, die Durchführung, der Gerichtsurteile und die persönliche Zuständigkeit oder Unzuständigkeit von Richtern sind bis ins Einzelne geregelt. Im Ganzen stellt der Entwurf mit seinen 212 Paragrapben ein imposantes Gesetzgebungswerk dar, in dem eine gewaltige geistige Arbeit steckt und-das, wenn es erst, wie zu hoffen ist, im Lause dieses Winters alle Instanzen passiert und Rechtskraft erlangt haben wird, sicherlich einen würdigen Rahmen für die weitere lebendige Entwicklung der gesetzestreuen Judenheit in der Slovakei darstellen wird. Man kann diesem Paragraph enwerk auch wahrlich nicht nachsagen, daß es lediglich auf die äußeren Formen Gewicht legt und die religiösen Inhalte vernachlässige. Es will durch öiiefe Formen lediglich die unentbehrliche Vorbedingung für alles Gedeihen schaffen: den Fried e n und die Anpassung d e s Lebens an d as G efetz. Aber schon die Sorgfalt, die es neben der Organisation selber den Fragen des Erziehungswesens, des Vereinswesens usw. zuwendet, zeigt, daß die Verfasser dieses Gesetzgebungswerkes sich des Primates des geistigen Inhaltes über die Form vollständig bewußt sind. Möchte es der flovakifchen Orthodarum aber entstand bald das gleiche Bild wie bei der schriftlichen Lehre. Der Talmud zeitigt gleichfalls eine ins unendliche gehende halachische Literatur und die Praris im Judentum war gefährdet. Zu einem klaren,- endgültigen Resultat auf halachischem Gebiete zu kommen war nur noch den wenigen auserlesenen Geistern gegönnt. Da ries „der Hüter Israels" die Dezisoren auf den Plan mit dem Und dem - Ramban an der Spitze. Diese arbeiteten konzentrierend -und zusammensassend und retteten auf diese Weise das praktische Judentum. Als Ursprung aller Uebel aber, um derentwillen Jerusalem mitsamt unsrer staatlichen Selbständigkeit zugrunde ging, bezeichnenden in trs o’*m das Lernen der Thora ohne die übliche Vorbrocho, was wiederum der geniale Denker Rabbi Jitzroel Salanter ^sr sinnreich erklärt. Man hat, so sagte R. I., in Jerusalem wohl gelernt, vielleicht sogar viel gelernt, aber so gelernt, daß keine Vorbrochoh hingehört.-Eine Vorbrochoh kann niemals über eine Vorbereitung zu einer ms» gesprochen werden, sondern erst über die eigentliche Erfüllung der ms». So wird z. B. keine Brochoh gemacht bei der Ausstellung einer nmo sondern erst bei d'Lr Benutzüng derselben. Würde demnach das Thoralernen nichts anderes bezwecken, als datz wir wissen sollen, wie unser Leben zu gestalten, was zu tun und was zu lassen, dann würde das Lernen nur den Charakter einer Vorbereitung zu einer ms» haben, worüber keine Brochoh gehört. So hat man, meint R. I. in Jerusalem über Thoralernen gedacht. So soll man aber nicht denken. Thoralernen hat, - außerdem, datz es ein Regulator für das Leben ist, noch einen Selbstzweck. Es ist an und für sich ein Gebot der Thora l^in <3 >o *rs »mvi/ri.). Es stellt auch durch die bei der Ver' tiefung in das g'ttliche Wort erfolgte Verschmelzung des menschlichen Intellekts mit dem unendlichen G'tteswesen den höchsten Grad von 'mmpm' dar («’in). doxre gelingen, von ernheitlichew, auf das gleiche Ziel unverrückbar gerichtetem Wollen -erfüllt, der ungeheuren Schwierigkeiten der Zeit, der geistigen r&iie der materiellen, Herr zu werden und sich ihre führende und beispielgebende Steuung im Rahmen der Gefamtjudenheit zu bewahren. Wochenrundschau. Die Sejmwahlen in Pole«. Nun, ist auch in P o l e n die W a h l s ch l a ch l geschla g e n. Einzelheiten finden die Leser im Korrespondenzentelle. Wie man sieht, hat der Regierungsblock auf der ganzen Linie gesiegt. Und wenn man in Betracht zieht, daß, mit Ausnahme der der Minderheitspolitik anhängenden Grünbaum- Zionisten, alle anderen jüdischen Parteien unter Führung der Agudas Jisroel mit der R e g i e r u ngg i n g e n, so darf man mit dem Ausgang der Wahlen vollauf zufrieden sein. Wir habenin voriger Nummer einen Bestemgeweihten, Rabbiner Tobias Horowitz, über die Konstellation und die politische Orientierung in der polnischen Judenheit referieren lassen. Es ergibt sich daraus, daß die positive, auf eine ruhige Zusammenarbeit mit der, Regierung gerichtete Politik der A gu da s Ii sr o e l sich überall die Sympathien der breiten Volksschichten erobert hat. Man setzt die größten Hoffnungen auf die derzeitige Negierung, von deren Mehrheit im Parlamente es allein abhängt, 'daß sich die heute trostlosen wirtschaftlichen Verhältnisse im Lande bessern. Die Mehrheit ist erreicht. Marschall Pilsuds ki, Außenminister Zalewski, wie alle anderen Mitglieder der Regierung haben sich als -treue Hüter der jüdischen Gleichberechtigung in Polen bewährt. Die Liquidation der letzten R e st best ä n d e aus d e r Dunkelkammer der zaristischen Zeit ist für absehbare Zeit zu erwarten. In diesem Zusammenhänge sei eines „Offenen Briefes" Rabbi C h a j i m O fer Grobz e n s k i s , des geistigen Oberhauptes der polnischen Judenheit. erwähnt, das gewiß nicht ohne Einfluß auf den Sieg der Vernunft in den jüdischen Wähkerkreifen war. Cr wendet sich scharf gegen die Störenfriede in dem von Grünebaum Wie jämmerlich wäre es daher wenn der sechziggliedrige babylonische Talmud bei uns zu einem Kizzur Schulchan Aruch zusammenschrumpfen würde. Das käme nämlich deni widernatürlichen Wege gleich, aus einem üppigen Baume ein Saatkorn zu machen. Darum gilt es das Studium des Talmuds niemals zu vernachlässigen und durch Zusammenschlüsse in Verbände wie unsere Chewroh- Schätz der Pflege und Hebung des Talmudstudiums weitgehendste Forderung angedeihen zu lassen. Halachische Auszüge wie Chaje Odom, Kizzur Schulchän Aruch etc. sollen nach wie vor sleitzigst gelernt werden, ihr Segen ist unermeßlich groß, es darf aber das Bewußtsein nicht fehlen, datz hinter ihnen ein riesenhaftes Reservoir da ist, aus dem sie gespeist werden, und das ist der Talmud. Meines Feuilleton. Geommforschung. Am 6. d. M. abends referierte in Berlin auf Ein-' ladung der Herren Prof. Elbogern, Prof. Mittwoch, Dr. Moses Auerbach und Dr. Fritz Michael der bekannte G e o n i m f o r s ch e r Dr. B. M. Lewi n aus Jerusalem im Hause Dr. Michaels über seine wissenschaftliche Arbeit. An 30 Herren aus allen Kreisen des jüdisch-wissenschaftlichen Berlins waren der Einladung gefolgt. Reben Dozenten von Hochschule und Rabbinerseminar, mehreren Rabbinern der beiden Berliner jüdischen Gemeinden waren Nathan Birnbaum, Lhaim Brody, Samuel Horodehki, Jakob Klatzkin, Arthur Spanier, Moritz Stern, Chaim Tykoczinsky u. a. erschienen. Lewin referierte über die Werke „Ma'asse Erez Jisrael", „Sefer ha Metiwot" und besonders über sein „Ozar Ult ist und b lei bt der Bestel Qual i tat aben statt geleiteten zionistischen Flügel. Daß man sogar die Katastrophe m Palästina zu Wahlzwecken in radikal zionistischem Sinne ausbeutete, sei bezeichnend für die in diesen Kreisen beliebten Methoden. Er plädiert für e n ges Zusammengehen des Jüdischen wirtschaftlichen Blocks mit der in der Aguda v e r et n i g t e n Orthodoxie. Es dürfte wohl das erste Mal fein, daß Rabbi Chajim Ofer in der Oeffentlichkeit das Wort zu politischen Fragen ergreift. Umso erfreulicher, daß die Wirkung und der Erfolg nicht ausblieben. Aach bekanntem wüster. Die Heldentaten des akademischen Mobs in Bukarest, Budapest, Warschau und Posen ließen die Berliner Kommilitonen von d^r Fakultät des Hakenkreuzes nicht schlafen. Mit "dem Rummel, den sie am 12. November in und an der Berliner Universität veranstalteten, haben sie einige Ehre eingelegt, haben sie mit deutschem Schneid und Elan einen Rekord geschlagen. Geschlagen wurde der Rekord wortwörtlich — nicht mit Waffen aus den Arsenalen eines Kant und Hegel, sondern mit Stock und Schlagring. Geschlagen wurden alle, die das Pockengistzeichen in verzwickter Kreuzform nicht am Aermel trugen: Sozialisten, Juden, Polizisten. Auch dem Herrn Rektor, ber vermitteln wollte, drohte ein ähnliches Geschick, es blieb zunächst bei einem Hohngelächter, mit dem ihm bewiesen werden sollte, daß nicht er und mit ihm das hohe Kollegium der Wissenschaft hier dominiere, sondern'der Haßgesang der Gasse und die stärkere Faust. Die Polizei, sagt man, hätte kein Recht, in die Republik der Wissenschaft einzudringen. Neben der Immunität des Parlamentes eine Immunität der A k a d em i e . Man beruft sich dabei auf alte Traditionen. Diese alten Traditionen stammen aber aus einer Zeit, da die Integrität und die Würde der Wissenschaft von keinem Pöbel angegriffen wurde, da Haß und Gemeinheit vor den heiligen Hallenrespektvoll Halt machten. Damals hatte der Polizeisäbel in der Tat an der Stätte der Weisheit und des Lichtes nichts zu ha Geonim". Durch glückliche Funde in den Handschriftensammlungen Europas und Amerikas gelang es ihm, eine ganze Anzahl von Bruchstücken des Sefer ha Ma'assim, der alten palästinensischen Halachasammkung aus etwa dem 5.-7. Jahrhundert zusammenzustellen. In Handschriften und Druckwerken, in ältesten halachischen Schriften und Kommentatoren fand Lewin ein früher fast ganz unbeachtetes; Werk aus der Suranischen Hochschule, das Sefer ha Metiwot. Das Hauptwerk Lewins ist aber Ozar ha Geonim, in dem er in der Anordnung des Talmuds Blatt ftür' Blatt die einschlägigen Erklärungen und Gutachten der Geonim sammelt. Von dem Riesenwerk, das etwa 20 Bände umfassen dürfte; sind die ersten drei Bände sBerachot. Schabbatt, Eruwin, Pessachim) bereits erschienen. Sie geben eine Fülle von Stoff -aus der Eeisteswerkstätte der Geonim von Sura und Pumbedita. Die Be>- deutung dieser Sainmlung für das Studium des Talmuds, der Halacha und der jüdischen Geschichte während der Epoche der Geonim und die Erforschung dieser Gebiete läht sich bereits ahnen, wenn auch noch nicht ermessen. Aber schon heute ist „Ozar ha Geonim" eines der wichtigsten talmudischen und halachischen Werke der Gegenwart. Die Versammlung beschloß, nach Kräften Dr. Lewin in seinen Arbeiten durch Verringerung der wirtschaftlichen Sorgen für sein Werk zu unterstützen.Rach drei Seiten will man arbeiten: Man will die gröheren jüdischen Mäzene interessieren (pon denen dankenswerter Weise einer zur Herausgabe des nächsten Bandes bereits 2000 Rm. zur Verfügung gestellt hat). Bor allem sollen Subskribenten für das Werk geworben werden. Die bereits erschienenen Bände und die künftigen sollen den Subskribenten zum Preise von 10 Rm. geliefert werden. Lewin hofft, jährlich 2 Bände fertigzustellen, wenn ihm die Sorge

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