Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 46 (13.11.1930)
- Date
- 1930-11-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450600-2450645--77408-2535065- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
mm. ■%: SB- 7. V X .O ' —, - , - - : mgm 13. November 193V Äer Israelit Die Methoden des Berliner Landesverbandes. Eine Richtigstellung der Ausführungen des Herrn Provinzialrabbiners Dr. Gradenwitz zu Hanau in Rr. 44 des »Israelit" vom 8. Marchefchwan 5691, von Rechtsanwalt Abraham Horovih, Frankfurt a. Al. Bevor ich auf die Randbemerkungen des Herrn Provinzialrabbiners Dr. Gradenwitz an der angeführten Stelle eingehe, liegt es mir ob, nochmals zu betonen, daß ich bei meinen Ausführungen von der Tribüne des Verbandstages des preußischen Landesverbands weder die in Betracht kommenden Gemeinden, noch das in Betracht kommen oe.Rabbinat noch das Vorsteheramt Hanau irgend genannt habe: Es war-.Herrn Rabbiner Dr. Gradenwitz Vorbehalten, feine -und' chmne Person zum Gegenstand einer Erörterung. im „Israelis zu machen. Ich bedaure, daß ich nachdem Herr Rabbiner Dr. Gradenwitz persönliche Angriffe gegen mich öffentlich erhoben hat, genötigt bin/in der gleichen Oefsentlichkeit diese Angriffe zurück zu weisen. Ich werde in einem höheren Interesse auch weiter nur. dasjenige sagen, was zur' Zurückweisung der erhobenen Angriffe dringend nötig ist, und aus manches neben dieser Frage Liegende an diesem Ort nicht eingehen. . .. Herr Rabbiner Dr, Gradenwitz spricht -gar nicht über .das Wesentliche meiner „Entgegnung", sondern erwähnt zwei Nebenpunkte, in denen er glaubt, michberichtigen zu können, um dann etwa anzuschlietzen, meine übrigen Ausführungen seien in-gleicher Weise zu beurteilen. Er behauptet,: ich' hätte zu Anrecht geschrieben, daß ich die Gemeinde W7 zu einer Besprechung mit den Vorstehern. .der fünf in Betracht kommenden Gemeinden, 'wbvon vier dem preußischen Landesverband bereits angehört haben, besucht habe, und fügt an, es hätten nur zwei Gemeinden teilgenommen, von denen eine zu Bayern gehörte, und von einem bayrischen Distriktsrabblnat verwaltet wird. Hierzu ist zu sagen: Zu der Besprechung waren fünf Gemeinden eingeladen. Wie es in meinem damals erstatteten Berichte heißt, erschienen „infolge des ausnahmsweise schlechten Wetters" nur die Vertreter von zwei Gemeinden bei der Besprechung selbst. An dieser Besprechung nahmen vier Vorsteher von zwei Gemeinden teil: - keine dieser Gemeinde gehörte zu Bayern, wie sich ja schon daraus ergibt, daß diese Gemeinde einem preußischen Landesverband angehörten. Ob sie mit Hanau etwas zu tun haben oder nicht, spielt ja nicht die geringste Rolle. Am Abend nach der Besprechung sprachen wir in W. noch den Vorsteher einer dritten Gemeinde, die eingeladen, aber aus dem angeführten Grunde nicht erschienen war. Er" brachte die Klagen seiner Gemeinde in schärfster Form vor; freilich nicht nur in der. Richtung hin, daß es dieser Gemeinde an einem geeigneten Funktionär fehle. Ich hatte in Berlin nicht den mindesten Grund, meinen Schriftwechsel mit Herrn Rabbiner Dr. Gradenwitz, in ertenso wiederzugeben, wie ich diesen Herrn und das Vorsteheramt dort ja überhaupt nicht mit Namen genannt oder auch nur angedeutet hatte. Auch heute noch freilich bin ich der Ansicht, daß die Fürsorge für die bezüglichen Gemeinden in den letzten Jahren eine völlige ungenügende gewesen ist, und so von den Gemeinden und von mir, der ich in die Verhältnisse ein- -geweiht wurde, empfunden worden ist. Daß fcem von uns genannten Kandidaten Bedenken 'sachlicher Art auseinandergesetzt worden waren, ist mir von diesem H^rrn niemals berichtet worden. Sein mündlicher und schriftlicher Bericht laütdt dahin, daß die Gemeinden sämtlich-mit seiner!Anstellung einverstanden - seien, 'daß' aber; frotz einer sehr!,. ausführlichen Unterhaltung mit tzem Propinzialrabbiner das Vorsteheramt, offenbar weil man nicht von vornherein, mit dem Provinzialräbbiner wegen der. ganzen Bezirkslehrerstelle gesprochen hübe,. Schnürigkeiten machen^ werde. ' Im klebrigen - hat Herr Provinzialrabbiner Dr. Grgdenwitz, der jetzt die offene Aussprache für so wichtig hält, mir auf mein Schreiben vom 26. März 1930, das sich auch mit der Angelegenheit W. und mit der Frage des Kandidaten beschäftigte, niemals eine direkte weiter Antwort gegeben. Der Herr Provinzialrabbiner bestreitet,, daß ich trnjB' gehandelt hätte, und belegt das damit, daß der preußische Landesverband die Ausschließlichkeit des Beitritts der Gemeinde W. gewünscht habe. Ich muß es zunächst ablehnen, mir von dem Herrn Rabbiner sagen zu lassen, daß/ nachdem die Gemeinden sich an mich gewandt haben, und. 'zwar insbesondere die Gemeinde W.. und, nachdem ich keine Zeit und Mühe scheute, die Angelegenheit zu fördern, während vorher jedenfalls objektiv eine Verwahrlosung eingetreten war, die idealen Gründe meines Vorgehens bestreiten zu lassen. Man könnte vielleicht weitergehen, und könnte auf die ' Untätigkeit der eigentlich zuständigen Instanzen, die als solche jedenfalls von den Beteiligten empfunden worden ist, antithetisch ausführlicher eingehen. Wenn, aber Herr Provinzialrabbiner Dr. Gradenwitz, wie er in seinem Ausgangsartikel in der Nummer 37 des Israelit vom 11. September 1930 geschrieben hat, wirklich den stenographischen Bericht der Verbandstagung mit so großem Interesse studiert hat, kann ihm ja nicht entgangen sein,' daß ich und die ganze konservativen Fraktion mit größter 'Energie den Standpunkt vertreten haben, daß die Doppelmitgliederschast im Berliner Verband und im Halberstädter Werband geduldet werdenmuß.. (stenographischer Bericht Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit" für den Monat Dezember Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag des Israelit G.m.b.H., Frankfurt a.M, vom 1. Juli 1930, Blatt 15). Es kann also gar keine Rebe davon sein, daß die Stellungnahme des Berliner Verbands gegenüber der Gemeinde W. (bei der der Berliner Verband wesentliche Kosten und Verpflichtungen zu übernehmen bereit war) in der Frage der Ausschließlichkeit der Zugehörigkeit zu dem Berliner Verband von mir und der konservativen Fraktion irgendwie geteilt wurde, . Mit dem Vorstehenden ist das Wesentliche in den „Randbemerkungen" widerlegt. (Nachdem nunmehr beide Teile zweimal zu Wort gekommen sind, schließen wir die Diskussion. D. Red.) WkerpEMr« * Dacbricbten. Deutsches Reich. Der Berliner Gemeindewahlkamps eröffnet. Berlin, 5. Nov. Aus Kreisen der Jüdischen Volkspartei wird der jüdischen Telegraphen-Agentur mitgeteilt: Nachdem die liberale Kandidatenliste eingereicht ist, hat nunmehr auch die Jüdische V 0 lkspart e t definitiv die Namen ihrer Kandidaten für die Repräsentanten- und Landesvcrbandswahlen festgeftellt. Die Liste für die Repräfentäntenversammlung beginnt mit den Namen R.-A. Dr. Klee, Direktor Georg Kareski, Professor Dr. Heinrich Lewe, Ministerialrat Hans Goslar, Kaufmann Markus Hornstein. Die Liste für die Landesversammlung trägt U.'S Spitzenkandidaten die Namen Dr. Klee, Kareski. Ministerialdirektor Dr. Badt, Kurt Blumeisteld, Rabbiner Dr. Emil Levy, Staatsminister a. D. Dr. Mar Soloweitfchik. An . den Vorsitzenden der Jüdischen. Volkspartei ist von dem Vorsitzenden des deutschen Rabbinerverbandes Rabbiner Dr^ B.aeck, ein Schreiben eingegangen, auf das hin der Wahlkampf feine Eröffnung gefunden hat. .Dr. Baeck teilt darin mit, daß der von ihm an., die Parteien gerichtete Hiingungsvorschlag, der van den ayderen Parteien angenommen wurde, zu seinem aufrichtigen Bedauern von der Liberalen Partei abgelehnt worden ist. Die Wahlkundgebungen haben bereits stättgefunden. Die neuen Lehrer-Akademien und die Juden. B e r l i n, 11. Nov. Der Beschluß des preußischen Kabinetts, im kommenden Jahre drei neue pädagogische Akademien ZU errichten, nämlich eine katholische in Spandau, eine konfessionslose in Köpenick und eine evangelische in Königsberg, hat zu einer lebhaften Auseinandersetzung in der Presse Anlaß gegeben. Die evangelische Presse insbesondere'sieht, in der Errichtung einer konfessionslosen Akademie in Köpenick und einer katholischen in Spandau eine Benachteiligung der protestantischen Lehrer-Studenten der Reichshauptstadt. Wie das Zentrums-Hauptorgan „Germania" mitteilt, hat die preußische Zentrumsfraktion gegen die Begriffsbestimmung einer sogenannten „weltlichen" Aakademie, wie man sie für Köpenick vorgesehen hat, Einspruch erhoben. Das Zentrum steht grundsätzlich auf dem Standpunkt, dast dec Nr. 46. Seite 5 Wille der Erziehungsberechtigten für die Erziehung der Kinder nach Maßgabe der Reichsverfassung ausschlaggebend ist. Erziehungsberechtigte aber gibt es neben denen evangelischen und katholischen Bekenntnisses nicht nur im Lager derer, die auf dem Boden der sogenannten weltlichen, also religionslosen. Schule stehen. Es gibt auch sonst noch Gruppen, die die gleichen Ansprüche auf dem Gebiete der Schulerziehung stellen dürfen, z. B. die Juden, die in sich selbst ebenfalls in zwei große Gruppen zerfallen, ihrer orthodoxen oder liberalen Anschauung gemäß. Wegen der ziffernmäßig zu geringen Anhängerschaft dieser Gruppen wäre nach der Meinung der Zentrumskreise die Errichtung einer besonderen Akademie für eine jede von ihnen eine Unmöglichkeit. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, eine besondere Akademie für die gesamten Gruppen der reljl giösen Minderheiten zu schaffen. Eine solch!e Akademie der Minderheiten bringt — so schließt „Germania" — die Konsequenz mit sich, daß die Dozeüturen mehrfach besetzt werden entsprechend der Anzahl und Größe der in einer solchen Akademie vertretenen Minoritäten. Oesterreich. Das Ergebnis der Wiener ^Pariamenkswahlen. W i e n, 10. Nov. Die am Sonntag, den 9. November, in Oesterreich durchgeführten Parlamentswahlen brachten den radauantisemitischen Parteien' eine schwere Niederlage, die von Hitlers Freund, Dr. Riehl, geführten Nationalsozialisten konnten in keinem Wahlkreis die notwendige Stimmenzahl für ein Mandat auf sich vereinigen. Die Heimwehr, die im gegenwärtigen Kabinett Baugoin durch zwei antisemitische Minister, Innenminister Fürst Starhemberg und Justizminister Hueber, vertreten sind, konnten 8 Mandate, 7 von ihnen unr durch Reststimmen, erringen. Die Sozialdemokraten erhielten 72 (bisher 71), die Christlichsozialen 66, der Schober-Block 19 Mandate. Die von der Union österreichischer Juden unterstützte demokratische Lifte vereinigte 6719 Stimmen auf sich, die von Öberbaurat Robert Stricker geführte radikal-zionistische Liste erhielt 2134 Stimmen. Da für ein Mandat eine Mindestzahl von 20.000 Stimmen Voraussetzung ist, gingen diese beiden Listen leer aus. (Siehe auch Wochettrundfchau.) Angar«.. Städtische Wärmestuben und Suppenanstalten in Budapest. Budapest, 6. Nov. Aus Budapest wird geschrieben: Der Magistrat der Haupt- und Residenzstadt wird in den nächsten Wochen zur Linderung der drohenden Not der armen Bevölkerung in den verschiedenen Punkten der Hauptstadt Wärmestuben und Suppenanstalten errichten. — Auf Intervention des orthodoxen, jüdischen Stadtrepräsentanten, Desider Korein, werden vom Magistrat für die jüdischen Armen zwei dieser Anstalten unter Aufsicht drs orthodoxen jüdischen Frauenvereins streng rituell, mit neuen Koch- und Speisegeschirren ausgerüstet. Seit Jahren werden bei den Gratismittagsmahlen auch die rituell speisenden Aryten berücksichtigt. Es wäre wünschenswert, daß diesem Beispiel der ungarischen Hauptstadt in allen Metropolen gefolgt wird, da die jüdischen Gemeinden nuter den jetzigen schwieriger. wirtschaftlichen Verhältnissen nicht imstande sind, dem Massenelend der armen jüdischen Bevölkerung wirksam entgegenzutreten. Schweden. Die Beratungen der Internationalen Klagemauerkommission beendet Stockholm, 4. Nov. Die auf Verlangen Englands vom Völkerbundsrat ernannte Internationale Klagemauerkommission hat ihre Stockholm unter dem Vorsitz des ehemaligen schwedischen Außenntinisters Loefgren abgehaltenen Beratungen beendet. Die Berattmgen fanden im Gebäude dts schwedischen Außenministeriums statt und waren gemeint. Die Kommission hat düs ihr in Jerusalem übergebene informative Material verarbeitet und wird vermutlich Ende November ihren Bericht der britischen Regierung zur Weiterkeitung an den Völkerbund übergeben.