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Der Israelit · 1930-11-13 · Heft 46 (13.11.1930) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 46 (13.11.1930)
Date
1930-11-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Der Israelit Nr. 46. Seite 3 13. November 1930 und Haararbeiten ist Vertrauenssache! EUGEN OCHS Spezialist dafür Moselstr.16 » Taunus 1593 Unverbindlicher Besuch erbeten wmmmmmmmmmm den Rechtsparteien auch in Oesterreich begreiflicherweise sehr zu Kopf gestiegen. Es kam hinzu, daß eine rechtsstehende, ausgesprochen antisemitische Regierung die Wahlmaschine dirigierte und ihre einzelnen Mitglieder in Stadt und Land zu Agitationsversammlungen und zur Wahlmache beorderte. Der Wahlsonntag hat die Erwartungen dieser Männer nicht erfüllt und ihre Wühlarbeit schlecht belohnt. Die auf eine wirtschaftliche, geistige und kulturelle Sanierung Oesterreichs hoffen, dürfen im Ganzen mit dem Wahlausgang zufrieden sein. Der kulturelle Anschluß an das Reich von Hitler - Hug en - b erg ist — G'tt sei es gedankt — nicht vollzogen. Der Weg zum Anschluß in anderem Sinne ist vielleicht damit gebahnt. .Einzelheiten erfahren unsere Leser aus den politischen Tageszeitungen. Es ergibt sich daraus: die Sozialdemokratie erhält und vermehrt ihren Besitz: Schwächung der E h r i st l i ch s o z i a l e n, trotz Verbindung mit den Heimwehren, für die sich die Minister ins Zeug legten: Stimmenzuwachs der N at i o n a l s o z i a l i ft e n, ohne Mandate: relativer, moralisch starker und hoch zu bewertender Erfolg der neugebildeten Schoberv artet. In den politisch normalen Vorkriegszeiten galt die CH r i st l i ch - s o z i a l e Partei in Oesterreich, ähnlich wie bei uns die Konservative Partei, als die Hüterin der völkischen Traditionen und Verfechterin einer gegen andere Nationalitäten und Konfessionen gerichteten nationalen Politik. Die L u e g e r - A e r a in Wien ist unserer Generation noch in guter Erinnerung. Die Christlichsozialen sind heute besser als ihr Ruf, der Judenpunkt steht längst nicht mehr im Zentrum ihrer Politik. Es fehlte im Laufe des letzten Wahlkampfes auch nicht an gelegentlichen Liebeserklärungen an die Juden. All dieses nicht, so sehr deshalb, weil die Christlichsozialen umgelernt und sich innerlich umgestellt hätten, sondern weil rechts von ihnen Gruppen ,und Grüppchen entstanden, die ihnen die Mission des Rassenhasses abnahmen und diesen mit einem solchen Terror betrieben, daß es „den Herren aus der alten Schule" doch ein bißchen zuviel wurde. Das hinderte sie nicht, sich mit den Heimwehren zu einem Wahlblocke zu vereinigen. Damit zogen die Heimwehren, zuerst ein überparlamentadafür sorgen, daß der Born des Heiligen und Ewigen unsere Häuser und. Familien durchtränkt und so des Göttlichen voll alle Glieder in liebender Treue und pietätvoller Harmonie hehren Dienst am Judentum verrichten, bis „iitfT 'n ina ein jeder geschaut wird auf dem Berge des Herrn". Kleines Feuilleton. Eine jüdische Gemeinde zu verkaufen!... Wer bietek mehr? Im hinteren hessischen Odenwald liegt in idyllischer Gegend die jüdische Gemeinde B., die eine alte Geschichte aufweisen kann. Berühmt ist sie dadurch, daß sie es war, die dem Baal Schem von Michelstadt treueste Gefolgschaft leistete und zu seinen unbedingten Anhängern und Stützen gehörte. Eine schöne alte Synagoge, eine mustergültige neue Mikwo-Anlage, ein neuer großer Friedhof zeichnen sie aus, und was noch mehr ist, es wohnen auch einige treue, feste Männer vom allen Schlag darin. Eng verwachsen ist ein jeder mit seiner Gemeinde, und so nimmts nicht wunder, daß auch einer ihrer Bürger, der seit langem - seinen Wohnsitz jenseits des Ozeans hat, aufs anhänglichste immer wieder seiner Heimat gedenkt. Stiftete Herr R., der mit reichen Gütern gesegnet ist, doch seiner Stadt eine neue Kirche, spendete er ihr doch in einer Riesenstiftung, die ursprünglich dem Bau eines Kindergartens und einer Badeanstalt dienen sollte, dann aber allgemeinen Wohlfahrtszwecken bestimmt wurde, den ansehnlichen Betrag von Mk. 200.000. Ohne Unterschied der Konfession und rischer Verband, als politische Partei in den Wahlkampf,- nachdem sie zuerst Besitz von der Regierung genommen hakten.- Ihr Innenminister S t a r h e m b e r g , wie noch mehr ihr Justizminister H u e b e r, bewährten sich als Apostel des Judenhasses, die keine durch Amt und Verantwortung gezogenen Schranken kannten. Noch weiter rechts entstand die kleine Partei, die nicht nur dem Wesen, sondern auch dem Namen nach mit den NMonalsozialisten jenseits der Grenze gemeinsame Sache machte. Einen Unterschied zwischen dieser und dem Heimatblock war so wenig zu merken, wie im Reiche etwa zwischen Hugenberg und Hitler. Das ruhige Bürgertum zwischen rechts und links sammelte sich aber um den früheren Bundeskanzler und organisierte sich.zu einem Schober-Bund. Nach den Erfahrungen, die man nach den letzten Wahlen in Deutschland mit den Mittelparteien machte, waren die auf diese „Koalition der Ruhigen und Vernünftigen" gesetzten Hoffnungen schwach. Umso erfreulicher, wenn sich der Schober-Bund als gesunde Reaktion der Volksmitte gegen gefährliche-Treibereien bewähren sollte und als ein immerhin beachtlicher Machtfaktor im neuen Parlament seinen Mann stellt. Sozialdemokratie zusammen mit dem Schober-Bund wären stark genug, um das Schlimmste zu verhüten. Unausbleiblich wird aber zu diesem Zwecke auch eine Säuberung der Regierung sein, was sich eigentlich als natürliche Konsequenz dieser Wahlen schon von selber ergibt. Mrrffoüni nidjf Hitler Man hatte wiederholt mit Befriedigung zur Kenntnis genommen, daß in Italien kein Bed a r f an Hakenkreuzen für die faschistischen Braunhemden besteht. Mussolini hat in seiner bestimmten Art, so oft sich der Anbiederungsversuch über die Alpen wagte, entschieden abgewinkt. Nach den Reichstagswahlen waren völkische Zeitungen in Deutschland in der Lage, eine „Befriedigung" in der Presse des italienischen Faschismus zu konstatieren. Daß diese Befriedigung schon eine Identifizierung mit der deutschen Hakenkreuzkultur und der „Propaganda der Tat" bedeute, wollten wir von Anfang an nicht glauben. Der römische Vertreter des offiziellen Organs des deutschen Zentrums, der „Germania", der es wohl am besten wissen muß, teilt nicht allein unsere Zweifel, sondern weiß genau das Gegenteil zu melden. In der von ihm gezogenen Parallele zwischen der großen Linie der Mussolinischen Politik und dem obskuren und engherzigen deutschen Nationalsozialismus führt er ungefähr folgendes aus: Partei sollen diese Gelder stets Verwendung finden, und dies ist gewiß ein Zeichen der allumfassenden Liebe zu den Bürgern seiner Heimat, wenn man weiß, daß B. die Hochburg des Nationalsozialismus im Odenwald ist. Die jüdische Gemeinde seines Ortes wartet auch feit einiger Zeit auf eine Stiftung. Es wurde ihr Friedhof vollkommen von Herrn R. übernommen und ausgebaut, aber damit war nur den Toten geholfen. Jetzt aber kommt, so scheint es, auf einmal eine solche Stiftung zustande. Von 5000 Mk. zur Renovierung des Gemeindehauses spricht man und von Hinterlegung eines Fonds, von dessen Zinsen nicht weniger als zwei Drittel eines Lehrers dauernd erhalten werden können. Für die Zukunft der Gemeinde ist gesorgt, und B. wird m. G. H. dauernd eine schöne Gemeinde bleiben. Bis sich Herr R. unglücklicherweise seiner Vergangenheit erinnert. Gabs da doch vor einem Jahrzehnt in Darmstadt, zu dessen orthodoxem Rabbinat die Gemeinde gehört, einen bösen Rabbiner, der — wie unverständlich und töricht — den elementarsten Grundsätzen der jüdischen Religion zuwiderlaufend! — wohl aus purem Starrsinn — verweigerte, bei einer Feuerbestattung Amtshandlungen vorzunehmen. Dem sollte vorgebeugt werden, und Herr R. knüpft die Bedingung an die Stiftung, es solle die Gemeinde vom orthodoxen zum liberalen Rabbinat übergehen. (Wie hieß es oben so schön? „Ohne Unterschied der Konfession und Partei!") Freudestrahlend winkt der Liberalismus den Uebertretenden zu. stolz auf seine „Leistungen", dank denen eine Genieinde sich neu als sein Schäflein bekennen will! Denn fiugs beschließt man dort, einige wenige treue Gharakterfeste übergehend, den gewünschten Uebertritt. Die Gemeinde hat ja zwar ihre Zukunft verkauft, denn was wird nun aus Schechita, Mikwo, Gutort und so vielem andern? Aber das schadet ja nichts, sie fühlt sich gerettet! Und das genügt! Nur die Regierung bleibt noch zur Für Körperund Fusse riu r DIAL9N- Puder Mussolini wußte, daß auch das Judentum in Italien weder politisch noch weltanschaulich noch sozial einheitlich abgestempelt werden kann. Das Verhältnis der italienischen Juden zum Staate war unter dem früheren Parlamentarismus durchaus gut. Die Juden spielten zuweilen sogar eine prominente Rolle in der Staatsleitung. Das Ministerpräsidium (Luzzatti) und die oberste Verwaltung der Hauptstadt Rom (Bürgermeister Nathan) ruhten um 1909 in jüdischen Händen. Trotzdem hegt Mussolini keine Antipathie gegen die Juden. Ein Kenner von wissenschaftlichem Range des Professors der Nationalökonomie an der Universität Rom, Robert Michels, berichtet in seinem Werke „Italien von heute", daß das Judentum bei den Italienern in jener Zeit in höchster Ehre stand. Niemals hat der Duce verkannt, welche hervorragenden Dienste der gefeierte jüdische Nationalökonom Luigi Luzzatti, der mehrmals Ministerpräsident und Finanzminister war, dem Lande erwiesen hat. Der Faschismus warf eine Frage für oder wider das Judentum erst gar nicht auf, sondern trachtete danach, daß intelligente Juden sich positiv zu ihm einstellten. Nach anfänglichem Abwarten auf Seiten der Juden vollzog sich die Annäherung eines T e i l e s d e r s e l b e n a n den Faschismus mit kaum beachteter Selbstverständlichkeit. Die faschistische Presse bescheinigt den Juden, daß sie beste Staatsbürger seien. Ein derartiges Zeugnis, schließt der Korrespondent, offenbart denn doch eine Kluft zwischen dem Denken der Faschisten und dem der deutschen Nationalsozialisten. Es wäre deutsche Michel- Hastigkeit, das Interesse, das die faschistische Presse für gewisse Außenseiten der Nazibewegung zeigt, für eine innere Gesinnungsgemeinschaft oder gar für das Vorzeichen einer außenpolitischen bündnisbereiten „Marschbereitschaft" anzusehen. Leben wir nicht in außenpolitischen Utopien, nachdem wir im Weltkriege unter den Folgen solcher optimistischen Wahngebilde schon so furchtbar gelitten haben! 1 Der Zusammenbruch dieser Utopie und seine Konsequenzen, fügen wir hinzu, können nur heilsam sein für das deutsche Volk. Prüfung und zur Genehmigung übrig. (Wir bedürfen ja bei allen öffentlichen meistbietenden Versteigerungen der Behördenzustimmung!) Was man sich wohl im Kreisamt und Ministerium nun für Gedanken über jüdische Glaubenstreue und Charakterfestigkeit machen mag? Vielleicht erfährt man dies noch einmal! (lleber die Zukunft der jiddischen Sprache in Amerika.) Der Professor der Harvard-Universität, Dr. A. A. Rob a ck, hielt in Berlin einen Vortrag über die Zukunft der jiddischen Sprache in Amerika. Prof. Roback beleuchtete das Problem des Jiddischen sowohl vom gesellschaftlich-organisatorischen wie vom philologischen Standpunkt. Er gab einen Ueberblick über die von ihm zur Förderung und Ausbreitung der Kenntnis des Jiddischen in Amerika geleistete Arbeit. Die Harvard- Universität besitzt eine überaus reichhaltige jiddische Bibliothek. Prof. Robacks Versuche, an dieser Universität Kurse über jiddische Sprache und Literatur zu organisieren, scheiterten am^Widerstand der dortigen jüdischen Professoren. Doch gelang die Einrichtung eines solchen Kurses an der Massachusetts University Extention, der von 160 Strrdenten besucht war und in zehn zweistündigen Vorlesungen einen umfangreichen Stoff bewältigte. Für die Ausbreitung und Vertiefung des Jiddischen in Amerika kämen drei Hauptfaktoren in Betracht: die jiddischen Volksschulen, das jiddisch-wissenschaftliche Institut und die Kulturklubs. Eine organisatorische Zusammenfassung aller im Jntersse der jiddischen Sprache geleisteten Arbeiten, insbesondere die Zentralisierung des Volksschulwesens, sei erforderlich. Leider schädige der von den Newyorker Kulturgesellschaften eingenommene radikal proletarische Standpunkt die jiddische Kulturentwicklung. Weite Kreise identifizieren im Hinblick auf die Haltung der Newyorker Kul- 990903

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