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Der Israelit · 1930-11-06 · Heft 45 (6.11.1930) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 45 (6.11.1930)
Date
1930-11-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Nr. 45 Der Israelit 6. November 1930 Das ist eine Auslegung, die derjenigen nicht ganz un ähnlich ist, die wir bei den Verhandlungen über den Eintritt der „Vereinigung für das liberale Judentum" in die Jewish Agency selbst gegeben haben, die aber von zionistischer Seite als Grundlage der Mitarbeit selbst von Nichtzionisten in der Agency als nicht ausreichend abge lehnt wurde. Wären sonach und heute durch die authentische Interpretation der englischen Regierung die ideellen Hm dernisse an wirklich gemeinjüdischer Arbeit' in Palästina wesentlich herabgemindert, so erscheint es mir unbegreiflich daß ein führender Wirtschaftler von Ihrer Bedeutung nicht zugibt, daß die tatsächliche Möglichkeit einer Heim stätte gerade in Palästina gerade für die Juden, au' die es ankommt, für mittellose oder schwachbemittHte Juden, insbesondere jüdische Arbeiter, für absehbare Zeit auf ein Nichts zusammengeschmolzen ist. Das Weißbuch schließt gerade diese Juden von weiterer Immigration aus, und Sie selbst sprechen ja in Ihren Ausführungen nur von solchen Einwanderern, die sich auf eine erheb liche finanzielle Gründlage stützen können. Soll aber für diese weitergeärbeitet, und sollen allein für sie gewaltige Geldmittel unserer Brüder gesammelt und geopfert werden wie bisher? Und damit komme ich zum Dritten, Wichtigsten! Man kann es gewiß den Zionisten nachfühlen, daß sie den Kampf für ihr jüdisches Nationalheim auch gegen England nicht aufgeben, wollen sie sich nicht selbst aufgeben. Aber uns Nichtzionisten drängt sich, wir müßten denn nicht sehen wollen, eine andere .Schlußfolgerung aus den letzten Geschehnissen -unabweisbar auf. Für 20 000 Familien für 100 000 Juden, bietet Palästina bestenfalls noch Platz. In Osteuropa kämpfen 8 Millionen Juden ihren letzten Kamps, den Kampf um ihre geistige, religiöse und wirtschaftliche Eristenz. Können wir es da verantworten, können Sie es verantworten, alle ideellen und mate riellen Kräfte, oder auch nur die überwiegenden, der Juden für die 100 000 Juden aufzuwenden, die in naher oder ferner Zukunft Palästina besiedeln werden? Nein, jetzt oder nie ist der Zeitpunkt gekommen zu erkennen, daß die Kolonisation nur ein Glied in der Kette brüderlicher Gemeinschaftsarbeit sein darf, die wir Nichtzionisten — und, wie ich meine, erst recht auch die Zionisten — für die entwurzelten, geknechteten, mit dem seelischen und materiellen Untergang ringenden Brüder und Schwestern zu leisten verpflichtet sind Zum Schluß wird Wassermann aufgefordert, sich an die Spitze dieser großen Gemeinschaftsarbeit eines „wahren wirksamen, weitreichenden Aufbauwerkes" zu stellen. In seinem Antwortschreiben entwickelt Oscar Wassermann die Gesichtspunkte des Zionismus und der nichtzionistischen Mitglieder der Jewish Agency. Er weist auf die Unterschiede hin zwischen dem Hilsswerk für den Osten und der Arbeit in Palästina, wo die Hilfe nicht allein aus Bruderliebe, sondern auch Palästinas wegen geleistet wird und geleistet werden muß. Zur Kalenderreform. Kiel, 27. Oktober. Herr Rabbiner Dr. P o s n e r schreibt uns: In Ihrem Aufsätze „Ein Fortschritt in der Kalenderreform?" (Nr. 41 vom 14. Tischri 5691) erwähnen Sie . daß Dr. Blochmann in seinem Aufsätze in der Preußischen Lehrerzeitung zum ersten Male von der Möglichkeit der Schalt woche gesprochen habe. Vielleicht darf ich richtigstellen, daß Dr. Blochmann bereits in einem Vortrage, den er anläßlich der 51. Generalversammlung des Internationalen Hotelbesitzer-Vereins im Festsaale der Akademie der Wissenschaften zu Budapest am 1. 10. 1926 gehalten hat und der gedruckt vorliegt, die Möglichkeit einer Schalt woche schon gestreift und fast dieselben Worte gebraucht hat. (Der Vortrag ist als Sonderabdruck aus der internationalen Hotelzeitschrift „Hotel" 1926 erschienen, und zwar unter dem Titel „Ueber eine die Festlegung des Osterfestes einschließende Kalenderreform"). Ueber den Stand der Frage beim Völkerbund und über die Blochmannsche Kalenderresorm orientiert neuerdings sehr güt Erich Przybyllok, unser Kalender in Vergangenheit und Zukunft (Leipzig, Hinrichs, 1930), vornehmlich von Seite 55 an. Schweiz. Die Sonntagsruhe in der Schweiz. Zürich, 30. Oktober. Im Dezember ds. Js. wird ein neuer Entwurf über die wöchentliche Ruhezeit dem Ständerat vorliegen, der Berlin. Unter großem Andrang des Publikums fand in öer StaÜthalle eine Masfenk u n d g eh u it g der Zionisten gegeü däS englische Weißbüch statt. 'W WacheN Kürt-NkUrfi e'n fe l 8, Aron B arth, Hans Bloch, Oskar Cohn und Nahum. GK-l-d-mann. Es wurde dann eine Adresse an den W a a ö Leümi in Jerusalem abgesändt. — Auf dem jüdischen Friedhöfe rn W ew e li n g höv'en, Wb Nut Met jüdische FäMilM wvhnen, sind mehrere Grabsteine umgestürzt und zertrümmert worden. Vor kurzem haben im Orte mMere nätionaksozialistische Versämmttiügsn stattgefunden. — Einem AukouNglüch fiel Frau Recha W a r schau e r , die FraU des Berliner Rabbiners Dr. M. Warschauer, zum Opfer. ' Zwei Schwestern her Frau Dr, W'arschNuer^Lie mit imAüto, wär6n, sind schwer De'r VorssßeNhe des'KiMätiEmikM-fük die Erweiterung^ der Jewish Agency in Deutschland, Herr Direktor Oscar Wassermann, hat die Mitglieder des Komitees zu einer Tagung, die am 18. November in Betlm stattfindet, eiNgeküdeN. Frankfurt a. M Frau Dr. Hedwig Branrr, geb. Frankist zur L a n d - und Amts g er ich tsr ätin ernannt wor- BranN ist die Tochter des vor einigen" Jahren Heimgegangenen Samuel Frank und, wie die ganze Familie, von streng gesetzestreuer Gesinnung. — Im Verlauf der in Frankfurt. a. M. stattgestlndenen Tagung des B e z i r k s Verbundes Rhein-Main der G em o s s e Nschaft der Bühnenangehörigen führten eine Anzahl Referenten Klage über den' zunehmenden Antisemitismus an den Theatern, der eine Frucht der nationalsozialistischen Hetze ist. Es wurde ein Antrag äntzenoMmen, nach dem die Frage Nach Alter und Religion im Fragebogen des Bühnennachweises nicht beantwortet werden darf, da in ihrer Beantwortung eine schwere Gefahr für die Stellensuchenden liegt. Stafkgärk. Die Nationalsozialisten haben ihre Parteigenossen zürn Austritt aus dem weitverbreiteten S ch w ä b ischen Albverein aufgefordert, weil die Vereinsleitung, aus Sparsamkeitsgründen, den Druck ihrer Blätter für 1931 einer Firma übertrug, deren jüdischer Inhaber von zehn Angeboten das niedrigste gentachthätte. Der Schwäbische Albverein wendet sich gegen eine solche Hetze und bittet seine Mitglieder, welchen Glaubens sie auch sein mögen, sich von keinerlei gehässigen Verleumdungen dieser Art irre machen zu lassen. Danzig. In Danzig wie in Zoppot mehren sich die U e b e r f ä Ile auf Juden. In einigen Fällen wurden jüdische Passanten mißhandelt und schwer verletzt. Der polnische Generalkommissar hat dem Senat wie dem Oberkommissar des Völkerbundes Noten eingereicht, in denen besserer Schutz für Juden, sofern sie polnische Bürger sind, in' Danzig gefordert wird. Men. Die antisemiti- .. scheu Zeitungen regen sich darüber auf, daß die österreichische Radiogesellschaft eine Londoner Einstein-Rede übertragen hat, und die Radiogesellschaft entschuldigt sich. Bezeichnend! — Die Union Deutsch- Oesterreicher Juden hat sich der Kandidatenliste der „Demokratischen Mittelpartei" angeschlossen, und sie erklärt, daß sie der „Jüdischen Liste" von Robert Stricker vollkommen fernstehe. Prag. Max B r o d hat bei der Verteilung der Staatspreise für Literatur, Musik und Kunst, die am Staatsseiertag, dem 28. Oktober, alljährlich stattfindet, für seinen Roman „Reubeni" den Staatspreis erhalten. Außer ihm wurde auch der in tschechischer Sprache schreibende jüdische Dichter Ottokar Fischer für sein Buch „Die Seele und das Wort" preisgekrönt. Meran. Unter großen Feierlichkeiten wurden dreizehn im Weltkriege gefallene jüdische Soldaten des ehemaligen österreichisch-ungarischen Heeres auf dem jüdischen Friedhofe zu Meran überführt. Die Gedenkrede hielt Herr Rabbiner Grünwald. Budapest. Auf der Universität machen sich wieder antisemitische Umtriebe bemerkbar. Die Volkswirtschaftliche > Fakultät" wurde auf Anordnung des Rektorates unter strenge Aufsicht gestellt. Stockholm. Den Nobelpreis für Medizin für das Jahr 1930 ist dem Wiener Bakteriologen und Biologen, Prof. Dr. Karl Lang st einer, einem Juden, der sich als solcher bekenntzugesprochen worden. Die Wiener Antisemiten, die Einstein im Radio nicht hören mögen, werden keine reine Freude empfnden über die Auszeichnung ihres großen Landsmannes._ eilte bundesrechtliche .Regelung der wöchentlichen Ruhezeit bringt. Das Gesetz bestimmt, daß die Ruhezeit für alle Arbeitnehmer einheitlich cchs den Sonntag zu legen ist, außer in Dallen, wp die. ÄnfttchterMltung, die BeäufsiHttgung öder die Wartung des Betriebes, ö re Lebensmittelversorgung, die Pflege von Tieren, oder ändere z w i ri g e n d e Grü N d e' es erfordern. Es ist hiernach, von der größtes Bedeütung, daß dis interessierten jüdjschen Instanzen in der Schweiz für die Möglichkeit sorgen, Laß die regelmäßige Beobächtung einer 25 ständigen PuMett SC. deck sÄWstm Md jüdischen Feiettagen als MAeiWs^eX, 'GrrM anerkämrt wird, üÄ die HüM-BÄkkAe 'stcktt am Wnsttäg, am Sämstag "düriMWren: Die SsiierrÄchiM -wahrt die (Reich. KEechstguÄg Ser 3t$ettL W i e n , 2. November,. Das PräsiviMn der Wiener Israel. KultnSgemeinde hat beim Bundeskanzler Haügo'in und beim Außenminister Dr. 3etpcl vörgefptochen, um gegen die die jüdische Ehte verletzenden' Psden des Jüstizäninsters Dr. Hueber, die von eiirem großen Eeil der Wiener Presse wiedergegeben' würdest, zu prMstieren. Bundeskanzler Vaugoin ützd ÄüßestministerDr. Seipel erÄiderten, der Justizminister habe ihnen gegenüber versichert, daß die Zeitungsmeldüstgen teils unrichtig wären, teils mißodrstanven worden sind. Gleichzeitig erklärten Bundeskanzler Vaügoin £ und Außenminister Dt. Seipel, daß die Regierung die gesetzliche Gleichberechtigung der Staatsbürger jüdischen Glaubens selbstverständlich wahren werde. Sie mißbillige jede Aeußerung, die geeignet sei, die Ehre und die religiösen Gefühle der österreichischen Juden zu verletzen. Polen. Die Sejm-Wahlen in Polen. W a r sch a u, 2. November. Es kursieren in vielen deutsch-jüdischen Zeitungen so viele unwahre Gerüchte über die Stellung der Agudas Jisroel zu den polnischen Wahlen, daß ein Wort der Aufklärung am Platze sein dürste. Bei den ersten polnischen Sejmwahlen wurde in Kongreß-Polen ein jüdischer Block gegründet, in dem alle jüdischen Parteien, mit Ausnahme der Volkisten und Bundisten». vertreten waren. Dieser Block hatte sich wiederum mit den Weißrussen und Deutschen zu einem Minderheitsblock züfammengeschlossen und auf diese Weise eine größere Zahl von Mandaten erhallen. In Galizien mußte es bei der rein jüdis chen Liste bleiben, da die Ukrainer nicht mitmachten. An dieser Liste beteiligte sich auch die Aguda. Bald aber gab es im jüdischen Sejmklub, der aus diesen Wahlen entstand, Meinungsverschiedenheiten, bei denen auch persönliche Motive mitspielten, zwischen den Zionisten in Polen und Galizien. Die Agudisten arbeiteten stets auf den Ausgleich hin. Bei den zweiten Sejmwahlen verlangten die Agudisten einen Algemeinen jüdischen Block, der selbständig, ohne die Minderheiten, zu den Wahlen geht. Galizien ging darauf ein, Grünbaum in Warschau waren aber die Ukrainer und die anderen kleinen Nationalitäten näher, als die nichtzionistischen jüdischen Parteien. Leisten konnte der jüdische Sejmklub, in dem die Aguda nicht mehr vertreten war, so gut wie nichts. dtunmehr stehen wir vor den neuen Wahlen. Herr Grünbaum stellte eine rein zionistische Liste auf, unter Ausschluß der Aguda. Der Diktatur Grünbaums unterwarf sich schließlich auch Farbstein, der ursprünglich für eine Einigung war. Die Grünbaumsche Minderheitspolitik hat vollkommen Fiasko erlitten, denn die Ukrainer, ohne welche ein solcher Block seinen Wert verliert, machen von ihren antisemitischen Tendenzen kein Hehl. Die galizischen Zionisten haben jetzt aber zu Grünbaum kein Vertrauen mehr und werden auch seine rein zionistische Liste nicht unterstützen. Die zionistische Exekutive dachte sogar an eine Einigung mit der Aguda in Galizien, um aus diese Weise einige Mandate zu retten. Da zeigten aber die Misrachisten ihr wahres Ge-i sicht, sie drohten, zusammen mit anderen kleinen Gruppen, mit einer eigenen Liste. So blieb der Aguda nichts anderes übrigals mich in Galizien gemeistfäm mit den jüdischen wirtschaftlichen Organisattonen eine eigene Liste aufzustellen. Um die Sache noch mehr zu verwirken, hat Grunbaum letzthin sich' in einigen Wahlkreisenim

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