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Der Israelit · 1930-11-06 · Heft 45 (6.11.1930) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 45 (6.11.1930)
Date
1930-11-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Nr. 45 Der Israelit ' . 6. NovMber 1930 Nähmaschinen Bequeme Zahlungsweise Martin Decker b. H. PRAJFF Gr. Friedbergerstr. 18/20 In dieser Zeit war dem Träger des G'ttesbewußtseins das Lernen der p"nm alles! Es genügte vollauf die Meisterschaft des Lernens und des Lehrens zu erstreben, um die Einheit des Judentums und der Judenheilzu wahren. Ehrfurchtsvoll und g'ttergeben sah das Volk zu seinen Geistesfürsten empor, aus ihrem Munde die g'ttlichen Richtlinien für ihr eigenes Leben vernehmend, düs zurückgedrängt, verkürzt bis zur äußersten Möglichkeit war, - 1 Pflege fanden bloß die sogenannten Rüstungsfm»' jener Teil des g'ttlichen Rechtsinstitutes, der dem Leben des Volkes zugänglich war. Was darüber hinaus auf stofflichem Gebiete gelegen hat, war unheilig und grundsätzlich zu meiden. ,t So konnte es zu einer Ueberbewertung des Un greifbaren, des Geistigen und zu einer Unterbewertung des Greifbaren, Stofflichen kommen, ein Grundgefühl, das in d e r Z u k u n f t d i e g r ö ß t e n V e r h e e r u ng e n a n r i ch t e n sollte. Man vergaß, daß einzig und allein die min selbst die Wertegrade und die Art der Beziehungen der scheinbaren Gegensätze zu bestimmen hatte und daß eine Wertschätzung von Gegebenheiten an Maßstäben einer uns umgebenden fremden Umwelt die schwerste Versündigung am Geiste der nun sei. Unsere Führer der damaligen Zeit konnten autoritativ auf das Volksganze nur insolange einwirken, als ein Passivitätszustand der Volksseele andauerte und dem Volkskörper von der feindlichen Umgebung die Lebensmittel entzogen blieben. Lebensfremd, wie sie in ihrem nij?72 selbst waren, war auch der Zustand des Volksganzen. Führerund Volk verstanden einander! Da barsten durch G'ttes Fügung die von den Menschen künstlich aufgeführten Scheidemauern. Hinaus stürmte die Jugend, genußhungrig, voll Lebensgier! Unsere Lehrer lehrten uns aber weiter nur die Entsagung vor. G'tt. Die Lebensfreude vor G'tt konnten.sie uns nicht lehren, denn sie kannten..das Leben und auch die Handhabung der Meisterschaft des Lebens vor G'tt nicht. Sie lehrten uns die Entsagung unhbesaßen nicht die Mittel, uns dem Leben, zu entziehestzumal der bisherige Bundesgenosse — das Ghetto ^-vernichtet war. — Und doch ist der Mensch, die von G'tt gewollte Einheit des Stoffes und des Geistes, das jüdische Volk der Verband gottgewollter Familieneinheiten, bestehend aus Faßbarem und Unfaßbarem-,. .-Das Volk will leben, versteht die Hemmungen nicht, rennt gegen Unnatürliches an, drängt zur Bejahung des Greifbaren und wird erst dann wieder seine Führer - verstehen und ihnen Nachfolgen, wenn sie^in der Lage sein'werden, das Leben vor G'tt zu lehren. Denn Bestimmung der min ist es, das Leben zu meistern und zu überwinden! Die nun will nicht bloß erlernt, sondern erlebt sein! Vorerst lernen, gründlich lernen, restlos erlernen und dann/behüten, um zu erfüllen. 1 Bisher akkumulieren wir unsere min in den mehr oder minder fähigen Hirnen, damit sie dort versande! Unsre. Köpfe sind aber von G'tt zu Transformatoren und nicht zu ihren Akkumulatoren bestimmt. Was das Hirn erfaßt, muß die Hand gestalten! .. - Unser Verharren in diesem Verkehrtheitszustande kürzt willkürlich das g'ttliche Bestimmungsziel der .min und ist mv» die n^ixa. Die mm ist wie in allen ihren Aeußerungen auch darin souverän, daß sie ihr Wirkungsziel selbst bestimmt! Jede willkürliche Erweiterung, jede eigenmächtige Verkürzung ist Todsünde! In diese heilige Stätte der Thoragelehrsamkeit kam vor 82 Jahren der Mann des richtigen Blickes, der von G'tt begnadete Feuergeist mit der klaren Erkenntnisgabe des Wahrheitssuchers. Persönlichkeit vom Scheitel bis zur Sohle, unbeugsam wie die Zeder und g'tterfüllt bis in die letzte Fiber seines ungewöhnlichen Wesens, erkannte er klar das Problem. Nach Mähren mußte er kommen, um gerade hier mit der Gründlichkeit des westeuropäisch geschulten Denkers die . Bestätigung' für die Richtigkeit feiner Annahmen zu finden. Gerade der Zeitabschnitt seiner Mißerfolge war die fruchtbarste Werdeperiode. Hier an den Gräbern der a^tta lernte er das Heilmittel für den Bruch der Zeit finden. Und er ging."Eilte hin, wo nichts mehr zu verderben war. Rief Und sammelte, baute und ordnete. Und siehe, er errichtete in seltsamer Bauweise ein vielfach angestauntes, aber bis auf den Tag unverstandenes Wunderwerk. Er brachte den px 777 zur.min r Er maß, er orientierte den fix 777 an der mm! Er durchleuchtete, durchgeistigte den px *p*T mit der nnm i Und siehe, der px 777 war gar nickt der Satan, als den man ihn ansah, denn er ließ sich ganz willig umgestalten, weil es seine G'ttesbestimmung ist, weder gefürchtet noch gemieden, sondern von der G'ttesbegeisterung überwunden zu werden! — -- Damals hieß für unseren Feuergeist der 777 px — Bildung! Die mm war das Bestimmende, Richtunggebende! Der px 7*17 das Bestimmte, Untergeordnete! Daß der Kleingeist, wie in der Geschichte unzähl'igemale, die willkürliche Umwertung vollzog, welche heute sichtbar ist, dafür kann — bei G'tt — der Urheber dieser einzig undallein möglichen, nach der mm wertschätzenden Lebensrichtung nicht verantwortlich gemacht werden.. Die Menschen -verkehrten, wie immexl! die Faktoren! r - " . . ' Darum, Ihr Brauseköpfe guten. Wollensj, haltet ein mit Eurer Kritik-eines Gegenstandes;! von dem Ihr noch nicht das ABE gelernt! Gehet hin und ergründet ehrlich, unvoreingenommen das. Wollen dieses wahren Großen! Reißet nicht aus. dem Zusammenhänge und verlieret nicht die Grundrichtung aus dem Auge! Erst bis Ihr den Totalitätsbegriff dieses Werkes erfaßt, dürft Ihr zu fragen beginnen! Hütet. Euch aber, ein Werturteil abzugeben! Für Samson Raphael Hirsch V"xr war Bildung nicht nur zeitgemäßes Auftreten. - Was er unter diesem Begriffe verstand, war viel, viel mehr! War die Summe der Lebensveryaltnisse, die Beziehungen der Gegebenheiten, wär der /Rohstoff, den der produktive Mensch umzubilden, umzugestalten hat. Für ihn war das Wissensgebiet des Intellektuellen dasselbe,, was für den Töpfer der Ton! Produziert der Mensch ohne G'tt oder besser gegen G'tt, so hat der jüdische Mensch vor G'tt zu produzieren! Auf dem Gebiete des Geistes — Kultur vor G'tt. Frankfurts größtes ste Qualität zu billigsten Preisen“. Uhren aller Art Gold/u Silber Juwbien Bestecke Traüjringe Nu Auf dem Gebiete des Stoffes — Zivilisation vor G'tt. ..; i; < .... _ . Der Jude hat den Rohstoff sowohl in her geistigen als auch in der rNateriellen Produktion zu G'tt, d. h. zu Seiner min zu bringen und ihn nach ihrer Anleitung umzugestalten, damit an ihm G'tt für die Menschheit sichtbar werde! Produzieren die Völker, geistige und materielle, lebenvernichtende Götzen, so produziert der Jude, kraft der Einführung eines dritten Produktionsfaktors, des ausgesprochenen G'tteswillens, ein Werk, das vollständig mit dem unerkannten, innersten Wesen der Dinge kommuniziert und daher Ewigkeitswerte schafft/ nun -Geist — Stoff und Menschenarbeit, das sind die Produktionsfaktoren. mm bestimmend; Geist — Stoff bestimmt! Um richtig zu produzieren, muß der Jude Beides gründlich kennen! mm und px 777-,; mifl zuerst Und fcärm px 777v Denn bös Bestimmungsziel der mm ist, den px 777 zu überwinden! Uns dieses Bestimmungsziel zu lehren, ist der Große des vorigen Jahrhunderts ausgezogen! Seine Werke, wer sie versteht und nicht bloß verehrt, denn aus Letzteres kann dieser klassische 2V Verzicht leisten, sagen uns nicht einen, sondern den vvv in der Problematik der bisher leider ungelösten g'ttlichen Aufgabe! . Darum keine Verkennung und mehr Wissen! Seitdem das Problem sichtbar geworden,, wirkt sich der Verkehrtheitszustand unserer Geistigkeit eigentümlich aus. Teilung, nichts als Teilung! Scheidung um-der Scheidung willen t Rach dem G'tteswillen fragt niemand! Im fernen Osten teilte sich das Volk in Misnagdim, die Lebensverneiner und die Chassidim, die Lebensbejaher! Im nahen Osten und im nahen Westen in Orthodoxie und Neologie. Wieder Lebensverächter bezw. Lebenskompromißler und Lebensfanatiker. Letztens das Traditionsjudentum und der Zionismus! Und trotz aller Teilung Abfall auf a l len Linien! ' Die Teilung leistet, um mit einem zeitlichen Denker unsrer Reihen zu sprechen^— Auffchiebearbeit! -—:—-; / Das Problem löst sie aber nicht! >'/" Denn sie glaubt ihren Besitzstand als Hochziel aller Bestrebungen, schützen zu müssen! " Was blickt Ihr auf die Jewifh Agency, dies e s G e bilde moderner Irrung, in dem wir nichts zu suchen haben! Sie geht ihren Weg; sie trägt ihr zeitliches Ende in sich! WßW Sie will dem jüdischen Volke das verlorene Leben ohne G'tt wiederbrjngen, um desfenttvillen wir ms Golus gegangen! .. Bringen w i r u n f e r e n v e r i r r t e n B r ü d er n d a s L e b e n vor G ' t t. Und wenn unsere Führer statt der Entsagung des Mittelalters düs Leben vor G'tt, diese Höchstleistung menschlichen Strebens, lehren — werden sich Lehrer und Volk wieder verstehen! Sehen wir uns einmal die Weltlage näher an! Zm jüdischen Osten Gärung und Kampf. / Im jüdischen Westen Gärung und Kämpf.'' _ Und zwischen den beiden Polen ein Vakuum an Jüdischkeit. i Spezial haus bietet T < ' ’J i 95 u. Töri^esg. 25-27

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