Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 44 (30.10.1930)
- Date
- 1930-10-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2. Nr. 44 DerJsraelit a l l e B o d e rrt r a n s a kti o n' en in der Hand der Regierung. Es wird ferner auf die Notwendigkeit einer besseren Ei nwanderu ngskontrolle und auf den schädlichen Einfluß der Allgemeinen Arbeiter-Organisation a u f d i e E i n w a n d e r u n g s pol i - tik hingewiefen. Eine Erweiterung der jüdischen Einwanderung könne erst dann in Frage kommen, wenn die a r a b i f ch e Arbeitslosigkeit behoben und die ökonomische A u f n a h m e f ä h i g k e i t d e s L a n d e s { r neue Menschen erwiesen ist. Die Suspendierung der erst bewilligten Zertifikate geschah unter diesen Gesichtspunkten und nicht aus politischen Erwägungen. Die Erklärung schließt mit einem Aufruf zur Verständigung. Weizmanns Antwort. Weizmann weist in einem „Manifest an das jüdifcheVolk" und anderen Aeußerungen, die seinem maßvollen Denken in zionistischen Dingen und seinem diplomatischen Takt alle Ehre machen, daraus hin, daß er mit seinem Rücktritt von dem höchsten Posten im Zionismus, den er 12 Jahre innehatte, bereits die einzig mögliche Antwort auf die britische Erklärung gegeben hätte. Er appelliert an die schöpferische Kraft des Volkes, das Feindschaft gewohnt ist und gelernt hat, Hindernisse zu überwinden, die Arbeit fortzusetzen und weiterzubauen. Sachlich sind am wichtigsten und treffendsten seine Bemerkungen zu den wirtschaftlichen Streitfragen. Er sagt: „Das Weißbuch vom Jahre 1922 erklärte hinsichtlich jüdischer Immigration, daß „die Immigranten der Gesamtbevölkerung Palästinas nicht zur Last fallen und daß sie keine Gruppe der gegenwärtigen Bevölkerung ihrer Beschäftigung berauben sollten." In der neuen Erklärung wird dieser Grundsatz des Jahres 1922 umgedeutet in die Forderung, „daß bei Abschätzung der Aufnahmefähigkeit Palästinas die Arbeitslosigkeit unter den Arabern ebenso in Betracht gezogen werden soll, wie die unter den Juden." Mit anderen Worten, jüdische Immigration solleingeschränkt werden, nicht weil sie Arbeitslosigkeit verursacht, sondern weil unter den Arabern Arbeitslosigkeit existiert. Der Unterschied ist von großer Bedeutung, weil die Möglichkeit, Arbeitslosen Beschäftigung zu geben, in einem erheblichen Maße von der Einfuhr von Kapital nach Palästina durch die Judenheit der Welt abhängt. Dieses Kapital geht nach Palästina, um das Wachstum des jüdischen nationalen Heims zu fördern; es geht nach Palästina, um jüdischen Einwanderern Arbeit zu geben. Wenn es diesen Zweck nicht erfüllen kann, so wird jüdisches Kapital nicht nach Palästina einströmen. Sir John Hope Simpsons Bericht, von dem die Regierung behauptet, ihm „sehr sorgfältige Beachtung geschenkt" zu haben, hat diesem Aspekt der Frage seine Aufmerksamkeit durchaus zugewandt, indem er feststellt: Am Anfänge... Betrachtung zu Schabbos Von A Mannheimer in Dettelbach. (Schluß.) Nia mvir-o Am Anfänge — erschuf .. . Zeit heißt die Urbedingung, an die jede menschliche Tätigkeit geknüpft ist, ja unser Leben selbst. Auch der elektrische Funke braucht eine Zeit. Zeit ist aber ein abstrakter Begriff. Wir können uns die Zeit nicht vorstellen, ohne an konkrete Erscheinungen und sinnlich wahrnehmbare Vorgänge zu denken. Schon das kleine Kind liest feine Zeitbegriffe an solchen Erscheinungen und Erfahrungen ab: Morgen, Abend, Sommer, Winter, heute, gestern u. s. w., alles knüpft sich an ganz bestimmte äußere Veränderungen und Wahrnehmungen. Und die Thora „spricht die «spräche der Menschen", aitt »aa ]iw*> mm ma-;- „Am Anfänge erschuf . . . .' Ohne dieses Schaffen und Erschaffen ist kein Anfang denkbar. Am Anfang war die Tat. Ohne sie verliert sich jede Zeitvorstellung ins Unendliche, gleich der Vorstellung von der Unendlichkeit des Weltalls, Unsere, Thora bleibt uns daher erdennah, wenn sie Licht für Tag, Finsternis für Nacht als wesentlich hervorhebt, die Himmelslichter als gewaltige Uhren zur Bestimmung von Zeiten, Tagen und Jahren uns oorftellt. Und der Grundbegriff bleibt die Vorstellung vom Anfang, der mit Erschaffung von Himmel und Erde gegeben war: - - - ma /pwna . „Es kann offenbar für die arbeitslosen Araber nicht von Vorteil sein, wenn jüdisches Kapital daran verhindert werden würde, in das Land einzuströmen, und sie befinden sich auch in keiner schlechteren Lage, weil jüdische Arbeiter zur Ausführung von'Arbeiten nach Palästina kommen, für die Geldmittel durch gleichzeitige Zuführung jüdischen Kapitals zur Verfügung gestellt werden. In Wahrheit befinden sie sich sogar in einer besseren Lage, da letzten Endes die Verausgabung dieses Kapitals in Löhnen, die jüdischen Arbeitern gezahlt werden, zu einer Nachfrage von Dienstleistungen eines Teiles der arabischen Arbeitslosen führen wird" (Seite 163). Richtig ist, daß Sir John Hope Simpson die auf dem Import jüdischen Kapitals begründete jüdische Immigration als „einen speziellen Fall" behandelt. I n Wahrheit beruhten 99 H der jüdischen Einwanderung nach Palästina stets auf der Verwendung spezifisch jüdischen Kapitals, das niemals in das Land gekommenwäre,wenn es nicht die Ermöglichung jüdischer Einwanderung bezweckt hätte. Die Regierungserklärung klammert sich an den vagen Ausdruck „Lage" ' in dem folgenden Abschnitt des Artikels 6 des Mandats: „Die Regierung Palästinas soll, bei gleichzeitiger Vorsorge dafür, daß die Rechte und die Lage jeder Vevölkerungsgruppe nicht beeinträchtigt wird, die jüdische Einwanderung unter angemessenen Bedingungen fördern." Die Erklärung gibt diesem Worte eine völlig neuartige Interpretation und begründet hierauf einen ungerechtfertigten Angriff auf zionistische Arbeit in Palästina, sowie eine Boden- und Jmmigrationspolitik, die darauf abzielt, die weitere Entwicklung des jüdischen Nationalheims aufzuhalten. Cs gibt keinen Streit darüber, daß weder die bürgerlichen, noch die religiösen Rechte der nichtjüdischen Bevölkerung in Palästina irgend einen Nachteil erlitten haben, und die Regierung hat bei mehreren Gelegenheiten betont, daß sich ihre ökonomische Lage, hauptsächlich als ein direktes oder indirektes Ergebnis der jüdischen Arbeit für den Aufbau des jüdischen Nationalheims, entschieden gebessert hat. Die Regierungserklärung meint, daß zwischen Artikel 6 des Mandats und der Bestimmung der Verfassung der erweiterten Jewish Agency, wonach der von ihr erworbene Boden „unveräußerliches Eigentum des jüdischen Volkes" bilden soll, und wonach „in allen von der Jewish Agency unternommenen oder geförderten Arbeiten grundsätzlich jüdische Arbeiter beschäftigt werden sollen", ein Widerspruch besteht. Die Verfassung der erweiterten Jewish Agency, in der sich die jetzt zensurierten Bestimmungen finden, wurde der Regierung - gemäß Vorschrift des Mandats zur Genehmigung unterbreitet, und die Regierung hat sie nach einem genauen Studium von mehr als einem Jahr am 6. A u g u st 1 9 3 0 b e st ä t i g t. Es ist schwer vorstellbar, daß diese Bestimmungen die Genehmigung der Regierung gesunden haben sollten, wenn sie, wie jetzt behauptet wird, im Gegensatz zum Mandat stünden. Die Regierung hat sich, wie es scheint, in ihrer Erklärung zu dem Grundsatz bekannt, daß jede ländliche arabische Familie von Rechts wegen einen Anspruch darauf hat, auf dem Lande angesiedelt zu werden, daß die Regierung eine Verpflichtung hat, ihr zu dieser Ansiedlung zu verhelfen und ihr die Mittel hierfür zur Verfügung zu stellen. Es ist ganz klar, daß ein so weitreichendes und neuartiges Prinzip weit über das hinausgeht, was vom Mandat ausdrücklich oder implicite ge- Am Anfänge . . . Wir sind gewohnt, nns jeden Anfang als etwas Kleines, Schwaches, Unreifes und Unvollendetes vorzustellen, das noch der Entwicklung bedarf. In der organischen Natur, in Tier- und Pflanzenwelt tritt uns diese Erscheinung entgegen, diese Tatsache vor Augen. Wachstum, Vergrößerung, Kraftentfaltung scheint Lebensziel. Wir übertragen solche Vorstellungen mechanisch auch auf menschheitsgeschichtliche Entwicklungen, nicht achtend der Wandelbarkeit menschlicher Willensregung und Weltanschauung. Staaten und Völker, die mit großer Machtentfaltung einherschreiten auf der Weltenbühne, scheinen den Gipfel menschlicher Kraft und Vollkommenheit dauernd erklommen zu haben. Wer möchte gefühlsmäßig es wagen zu behaupten: Nein, das imponiert mir nicht, es ist noch lange nicht das Ende eurer Entwicklung, nicht das erreichte Ziel. Ihr steht immer noch am Anfänge. Wie oft, ach wie oft mußte Israel so denken, so sprechen, so rufen, ganz im Gegensatz zu der es umgebenden, umflutenden Welt! Mußte gegen den brausenden Zeitenstrom schwimmen. Wo andere das prachtvolle und machtvolle Ende erblicken, sah Israel mit unverstandener, trotziger Beharrlichkeit erst den Anfang. ms ’tj? innnKi wir n'vrr->. Amalek ist jetzt wohl erstes der Völker — doch sein Ende führt zum Untergang. Babels Weltmacht, die stolze Roma triumphierten, raubten uns Land, Tempel und Freiheit, doch auch sie waren nur ein glänzender Anfang, wir ließen uns nicht blenden und täuschen. Wo sind sie heute? Wo ihr : Glanz, ihre Macht, Weisheit und Wissenschaft, ihre poli-; tische Klugheit und weltgeschichtliche Größe? So sah Israel - auf seiner Wanderschaft durch die Jahrhunderte oft die > Hohlheit und Nichtigkeit so mancher Scheingröße, stand i an der Wiege und am Grabe führender Nationen. In i der Gegenwart klingt uns überhebend und felbstberaui scheud das stolze „heutzutage" in die Ohren. Parteisiege! und politische Konstellationen, Völkerbündnisse und laute 30. Oktober 1930 fordert wird, und daß es die Entwicklung des Nationalheims ernstlich behindern würde. Wenn die Regierungserklärung Anspruch darauf erhebt, mit den Ansichten der Permanenten Mandatskommifsion und des Völkerbundsrates in Uebereinstimmung zu stehen, so mag es genügen, die jetzt.angekündigten Maßnahmen der folgenden Erklärung gegenüberzustellen, die der Völkerbundsrat mit Zustimmung des britischen Vertreters gesprochen hat. Die Mandatarmacht wurde in dieser Erklärung vor einer Politik gewarnt, die „daraus hinzielte, die Entwicklung des jüdischen Nationalheims auf dem gegenwärtigen Stadium der Entwicklung zu kristallisieren". Das Resultat der neuen Politik/wird es sein, daß gerade diese Kristallisierung eintreten wird,, welche der Völkerbund im vorhinein verurteilt hat. Der Widerspruch englischer Parlamentarier. Der erste, der sich mit scharfen Worten gegen: den neuen Kurs Maedonalds in der Palästina- Politik wendet, ist Ll o y d George, der liberale Führer. Er bezeichnet die ohne Einvernehmen mit Amerika und den Staaten Europas,, auch ohne Wissen und Mitwirkung der englischen Dominions abgegebene Erklärung als den.Widerruf eines großen Teiles des Palästinamandates' Man würde wieder in der Welt von einem „perfiden Albion" sprechen. Er kann in der von den Alliierten eingeschlagenen Palästina-Politik keine Ungerechtigkeit gegen die Araber sehen und hofft ernstlich, daß die Regierung ihre Stellungnahme bald einer Revision unterzieht. General Smuts, der frühere Premier von Südafrika, ein Mitunterzeichner der Balfour-Deklaration, richtete ein Telegramm an Macdonald, in dem er feine tiefe Beunruhigung über die neue Palästina-Politik der Regierung zum Ausdruck bringt. Er fordert von der Regierung kategorisch eine Erklärung, daß sie die vom Balfour-Mandat übernommene Verpflichtung treu zu erfüllen bereit sei. Interessant ist die Tatsache, daß auch die konservativen Führer, wie Baldwin^ C h a m b e r l a i n und A m e r y in einem, der „Times" abgedruckten Brief scharfe Stellung gegen die Regierungserklärung nehmen. In der Erklärung wird besonders getadelt, daß die Regierung Weizmanns Vorschlag, eine jüdisch - arabische Verständigungskonferenz einzuberufen, unbeachtet ließ. Die Regierung habe eigenmächtig eine Politik * von negativem Charakter festgelegt, ohne die Vertreter der beiden Völker und das eigene Parlament anzuhören. Dieser Kurs stehe im krassen, Gegensatz Zum ganzen Geist der Balfour-Deklaration und sei nur dazu angetan, das Gefühl des Mißtrauens bei der Judenheit in Amerika wie in der ganzen Welt zu verstärken ... All diesen Anstürmen gegenüber bewahrt Macdonald kühlste Ruhe. General Smuts ließ Proklamationen dürfen Israel nicht beirren auf seinem Wege zur wahren Heileszukunst. Wehe, wenn wir Anfang und Ende verwechseln, nw-a .. dieses Wort gilb uns als Lebensdevise und Kampfesparole zugleich. Uleines Feuilleton. (Auf in den Kampf, Torero!) So traurig die Schächkverbote für uns find, und so schwer ihre Abwehr, — auch dieser Kampf entbehrt nicht der Komik. Schreibt da in der Mainummer des stramm deutschnationalen Blattes „Kyffhäufer" ein sonst unberühmter „alter Kriegskamerad" die Schilderung einer Spanienreise, lobt über den grünen Klee die herrliche, ritterliche Einrichtung der — Stierkämpfe und nimmt sie gegen alle die Vorwürfe liebevoll in Schutz, die jeder Menschen- und Tierfreund in gerechtem Widerwillen gegen sie erhebt. Unwillkürlich empfindet man den Wunsch, diesen Lobredner der Stier-Marter einmal zu fragen, wie er, der übrigens den edlen Sinn des Torero gegenüber dem gemeinen > des Fleischers gar nicht genug zu verherrlichen-weiß, sich zu der Schächtgegnerfchaft vieler ferner Parteifreunde stellt, die doch den alleinseligmachenden Stkrnschlag preisen. Vielleicht werden wir es demnächst erleben, daß da, wo die Kyffhäuserleute herrschen, auf jedem repräsentablen Schlachthof sowohl Schochtim als Fleischer abzutreten haben und statt ihrer einige wohlgeübte Mata- , dore und Toreros angestellt werden, um die Bullen auf möglichst „ritterliche" Weife dem Zwecke der Volksernährung Zuzuführen. Die Vorübung und Ausbildung kann a la Don Quixote an den ebenso nützlichen Hammelherden vollzogen werden. Also, auf in den Kämpft Torero!