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Der Israelit · 1930-10-23 · Heft 43 (23.10.1930) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 43 (23.10.1930)
Date
1930-10-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2. Nr. 43 Der Israelit 23. Oktober 1930 verlassenen radikalen Revolutionsmann erfassen muß, wenn er plötzlich vor der furchtbaren Aufgabe steht, die Theorie der Volksversammlung in schöpferische politische Taten umzusetzen. Jabotinsky wird die Situation nicht retten, wenn es auch möglich scheint, daß eine Spaltung der zionistischen Organisation eintritt und der revisionistische Flügel unter Jabobinskys Führung auf eigene Faust versuchen wird, den Kampf gegen die englische Regierung aufzunehmen. ' Aber eine andere Aufgabe erhebt sich vor d e m jüdischen Volke, soweit es in die nationalistisch-rationalistische Ideologie des modernen Einlags-Zionismus nicht hoffnungslos verrannt ist: die Sammlung aller d e r e r, d i e, ohne a l l.e w e i t s ch a u e n d e n weltpolitischen Ausblicke, i m S i n n e der alten Mizwas Jifchuw Erez Jsroel in jeder Konstellation und unter allen L e b em und Eigentum sichernden politischen B e di n g u ng e n in Erez I s r o e l leben und dem Aufbau des uns ewig zum idealen Eigentum von G 'tt geschenkten Bodens ihre Kraft un 'hi h r Vermögen widmen wollen. Mögen die Einen das mit überlegenem Lächeln P h i l a n t r o p i e, die anderen es religiöse M y st i k nennen — vielleicht ruht auf dem Bunde des G'ttlichen und Menschlichen reicherer Segen als auf dem politischen Wahne, das Land der G'ttesherrlichkeit mit den Mitteln der Machtpolitik oder der erklügelten Diplomatie seinem armen Volke wiedererobern zu können. Wochenrundschau. Die da Heil rufen und Anheil stiften... Der Abschluß der Reichstagsverhandlungen am Samstag hat erfreulicherweise den Beweis erbracht, daß bis jetzt noch die Vernunft in Deutschland herrscht und nicht die Mund- und Knüppelhelden aus der Hitlergarde. Man ist in später Nachtstunde über den ganzen Wust von Anträgen, die die schwarze und von keinem Schatten einer politischen Kenntnis und Erkenntnis angekränkelte Seele der Hitler-Mannen im Reichstag dokumentierten, zur Tagesordnung übergegangen. Die tumultösen Szenen, Aus dem Leben eines Großen. VI. Der Lhatam Sofer am Sabbat. Freitag früh gleich nach dem Morgeng'ttesdienst pflegte Rabbi Mosche Sofer die Sidrah, zweimal Text und einmal Targum, im Chumisch durchzugehen. Rabbi Mosche Sofer pflegte am Freitag Morgen nur eine Tasse Kaffee und etwas Honigbrot zu genießen und aß dann nichts mehr bis zum Abend. Am Freitag notierte er die neuen Thoraerrungenschaften der ganzen Woche. Nachmittags ging er ins Tauchbad und zog dort nach dem Bade feine Sabbatkleider an, zog aber dieselben gleich nach Sabbatausgang wieder aus. Er ging Sommer wie Winter nie ohne Mantel aus. Auf seinen Befehl wurden am Freitag die Brote, sobald sie warm aus dem Ofen kamen, auf den Sabbattisch gelegt. In seinem Bethaus verrichtete er am Freitagabend das Abendgebet mit der Gemeinde vor Nacht, blieb aber dann in der Synagoge bis Nacht und sagte noch einmal Sch'ma mit der ganzen anwesenden Gemeinde. Nach avb tp -r,nTn vor Maariw pflegte er über wohlriechende Gewürze den Segensspruch' zu sagen, gewissermaßen um sich so die Sabbatseele einzusühren. die die Begleitmusik dieses versöhnenden Schlußaktes abgaben, beweisen nur, wessen diese Männer fähig wären, wenn sie, was G'tt im Interesse Deutschlands und der ganzen Welt verhüten möge, wirklich die Macht in Händen hätten. In ihren Anträgen wünschen die neuen Männer eine „Enteignung der Bank- und Börsenfürsten", führen aber als Typen 'dieser Kaste nicht etwa Herrn Geheimrat Hugenberg oder Herrn v. Oldenburg an, sondern die?,nach 1914 zugezogenen Ostjuden". Was bei diesen in der Grenadierstraße und Umgegend schon , zu enteignen wäre! Den Gipfel der Demagogie erstieg S t r a s s e r mit der Zitierung von Moses und den Propheten als Zeugen gegen die Juden. Weil sie ihrem Volke gute Gesetze und Lehren gegeben haben, — die die Nationalsozialisten, allerdings in verworrener Auffassung zum Teile zitieren — so beweise das die schlechte Veranlagung dieses Volkes, das solcher Verbesserungsmittel bedürfe. Solche billige Straßenweisheit darf in einem Hause verzapft werden, in dem einmalein Bismarck, Bamberger und- Bebel ihre politischen Kämpfe auf großer weltanschaulicher Linie ausfochten, in dem ein H a u s m a n n nnd ein Friedrich Naumann Hochgedanken der politischen und geistigen Demokratie formschönsten Ausdruck verliehen, in dem ein-B ü l o w und ein B e t h m a n n ihre staatsmännischen großen» Reden hielten, die auch die auf andere politische Prinzipien eingeschworenen Parteien mit. ästhetischem Genießen anhörten. Heute herrscht in diesen geweihten Hallen die Phrase und, wo diese versagt, die Faust. Das ist der Erfolg des 14. September! Daß die' Heldenphrase der Straffer sich hinterher in der „Heldentat" auf der Straße auswirkt, wofür man neuerdings in Berlin und in Frankfurt drastische Beweise hat, braucht nicht weiter wunder zu nehmen. Man will keine Judenverfolgungen, sondern Reinhaltung der auserwählten deutschen Rasse. Draußen zertrümmert man „zur Reinhaltung der Rasse" Fensterscheiben und schlägt mit dem Knüppel alles nieder, was mit Nase und Gesicht als eine Disharmonie zu dieser Rasseneinheit und -Reinheit erscheint. Ein japanischer Prinz hat dieser Tage Deutschland besucht unh auch einen schönen Sonntag in Frankfurt verlebt. Sein erster Besuch galt dem Goethehaus, um dem Genius 'der deutschen Nation zu huldigen, der zweite abends dem Opernhause, wo er Gelegenheit hatte zu sehen, wie in Goethes Geburtsstadt verratene Jungen mit Pfeife und Stinkbombe nicht so sehr gegen ein wirklich schlechtes Stück protestierten, Chatam Sofer benschte, wenn er am Freitag abend nach Hause kam, seine Kinder. „Scholom Alechem" sang er nicht. Er sagte nur die Hymne xwk und das Lied: 'vL3 n«vr. Sein Kidduschbecher war so groß, daß der Rest des Weines noch für Morgenkiddufch und Hawdolo ausreichte. Er hatte, im Gegensätze zu seinen Lehrern, nicht zwölf Brote aus dem Tisch, sondern nur zwei vor sich. Er tauchte abends das Brot nicht in Salz ein, weil bei Nacht, da man keine Opfer darbrachte, der Grund ni>» anpn “jnnp i>3 by wegfällt. Während der Mahlzeit sang man alle bekannten Smiroth, mit Ausnahme des mm na Man fang auch noch Smirothlieder, die Rabbi Mosche selbst verfaßt hat. Außerdem wurde zwischen Sang und Sang aus Muffarbüchern gelernt. An seiner Tafel speisten immer mindestens zwei Jünger mit. Außerdem bezahlte er aus girier Tasche die Verpflegung zweier Bachurim. In der Sabbatnacht wiederholte er, zusammen mit drei Jüngern, das Pensum der ganzen abgelausenen Woche. Pijutim schaltete er am Sabbat nicht in das Achtzehngebet ein, sondern sagte sie nach dem Gebet. Die Haftora sagte er leise mit den Vortragenden mit. Beim Verkünden des Neumondes ließ er das psi »n» aus und fing gleich mit nvpip »» cm. Im Bethause des Chatam Sofer sagte man jeden Sabbat iinm und nrm m^rr. Nach Mussaf betete man noch den Psalm 111. Das Kiddusch am Sgbbatmorgen ließ er durch einen Jünger sagen, da er mit nüchternem Magen keinen Wein, genießen mochte. Es wurde nichts anderes gesagt, als der Segensspruch als vielmehr damit der Kunst neue Wege weifen . . . Wir wollen ihn nicht fragen, welche Eindrücke er aus dem Lande und der Stadt Goethes mit nach Japan nimmt. Er ist aber vielleicht gebildet genug, um zu wissen, daß trotz Straffer und Straße, der Genius eines Volkes sich in feinen Großen offenbart, also der des jüdi s chen Volkes in Moses und den Propheten, der der deutschen Nation in ihren Dichtern und Denkern; daß jene wie diese ihre G'tteserkenntnis, bezw. ihre ethische Kultur nicht als Geißel zur Zähmung wilder Elemente ansahen, sondern sie Völkern verkündeten, die nach ihren Naturanlagen, ihrer Geschichte und Entwicklung fähig und empfänglich waren für die Lehren von G'tt und Geist, Licht und Liebe ... Der Abschluß der wilden Debatte im neuen Reichstag mit den bösen „Hundertsieben" hat doch gezeigt, daß das G o et h e h a u s in Deutschland noch nicht geistig zerstört ist. Die Vernunft hat gesiegt, und mit.ihr das sittliche Prinzip, das Grundkern ist sowohl der katholischen Religion und Politik — die Verordnung des- Mainzer Bischofs hat es wieder gezeigt — wie der derzeitigen sozialdemokratischen Parteiarbeit. „Warum schweigen die Geistigen in Deutschland?", fragten dieser Tage französische Blätter. Einer der Geistigen hat am Freitag gesprochen, und es wäre gut, die Welt würde sich die Worte merken. Thomas Mann sagte, der National-' sozialismus bedeutet eine Zeitwende, eine neue Seelenlage, die mit unser e m Fortschrittsglauben nichts mehr z u f ch a f f e n h a t. Er bedeutet mit dem Seel e n d u n k e l, aus dem heraus er geboren ist, einen Rückfall zum Naturkult des Moloch und der A st a r t e. Die massendemokratische Jahrmarktsroheit, die B o x e r m ee t i n g> s in die Höhe bringt, hat auch diese Strömung geschaffen. Eine Menschheit, die wie eine Bande losgelassener' Schuljungen aus der idealistisch-humanistischen Schule des 19. Jahrhunderts entlaufen, zeigt einen Seelenzustand', der nicht de u t f ch ist und der Würde eines Volkes, wie des deutschen nicht entsprechen kann. Mann hat für seine Beweisführung Worte, wie sie bis jetzt, seitdem die neue Welle über Deutschland fegt, noch keiner gefun-- den hat. Der Ausgang der Reichstagsdebatte am Samstag abend hat Thomas Mann recht gegeben, und das wollen wir dankbar quittieren. Das Arbeitende Palästina. Ein Kongreß — das Wort „Weltkongreß" ift heute sehr beliebt — für das Arbeitende Pa- Nach Kiddusch ging er in die große Schul, wo er aufgerufen wurde und sich bis nach Beendigung des G'ttesdienstes aufhielt. Im Sommer lernte er vor Mincho mit den Mitgliedern der rrv'ip aus den „Sprüchen der Väter". Im Winter ließ er feine Gemeinde nach Mincho »ans. ’ipdj sagen, worauf man dann rasch zur „dritten Mahlzeit" ging. An der „dritten Mahlzeit" beteiligte sich neben den Familienmitgliedern alle ihm nahestehenden Thoragelehrten. Sie bestand zumeist aus Sabbatbroten und Fischen. Das Mahl war gewürzt von halachifchen, agadifchen und Mussaransprachen. Dazu wurde ein eigens von ihm zu diesem Zwecke verfaßtes Pismon-Lied gesungen. Oft zog sich diese Mahlzeit ein wenig in die Nacht hinein. Vor Sabbatausgang fang er mit seiner Gemeinde mehrere Psalmen. Er benschte seine Kinder vor Hawdoloh in der Synagoge und sang nach Hawdoloh in dev Wohnung das^"i3»n- Nach Sabbatausgang lernte er aus dem npmn t*- des Maimonides. Kleines Feuilleton. Ein Standardwerk über die Tarjag Mizwoth.') Herausgegeben von Rabb. Meier klein in Äjhellj. Ein seltsamer Gegensatz, wie er wohl kaum bei son-- stigen literarischen Erscheinungen angutressen ist, zeigd hwrirtT ms» jrnn bv h*ra pip pvxi pbn nv^in (• •733*1*7 nis» ysn?

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