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Der Israelit · 1930-10-17 · Heft 42 (17.10.1930) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 42 (17.10.1930)
Date
1930-10-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8. Nr. 42 Der Israelit 17. Oktober 1930 Spaziergang durch die Altstadt. Bald wurden sie von Kommunisten verfolgt und angegriffen. In ihrer Not flüchteten sie gegen 18 Uhr in die Synagoge am Börneplatz, wo aus Anlaß des Sukkoth-Festes gerade G'ttesdienst war. Die Gemeinde glaubte zunächst, daß die Stahlhelmer eine Störung beabsichtigten. Als man den Sachverhalt erfuhr, wurden die Stahlhelmer vom Portier der Synagoge in einem Seitenraum der Garderobe versteckt. Inzwischen war das Ueberfallkommando benachrichtigt worden, das mit zwei Autos herbeieilte und die Stahlhelmer zu ihrem Lastauto nach dem Römerberg geleitete. Die Kommunisten standen beim Eintreffen des Überfallkommandos noch vor der Synagoge, doch gewährte die Polizei den Stahlhelmern Schutz. Jüdischer Frauenbund. Die erste Abendzusammenkunst dieses Winters findet am 25. Oktober, 8.30 Uhr bei Frau Ella Werner, Bornwiesenweg 34, statt. Frl. Hanna Karminski, Berlin, wird über „Gegenwärtig Wichtiges im Jüdischen Frauenbund" sprechen. Die nächste Arbeitssitzung ist auf Donnerstag den 23. Oktober, vorm. 10 Uhr, Langestraße 3, festgesetzt. Beginn des Fortbildungskursus für ehrenamtliche Sozialarbeiterinnen am Dienstag den 28. Oktober, 6 Uhr, Langestraße 3, Ref.: Herr Dr. Max Seelig, „Grundlagen der Jüdischen Wohlfahrtspflege". Einschreibegebühr Mk. 1.—. Fest der Benjamin May-Bibliothek der Alusterschule zu Frankfurt a. Al. Vor ca. drei Jahren wurde an der Musterschule zu Frankfurt a. M. eine jüdische Jugendbibliothek ins Leben gerufen, und zwar von ihrem damaligen Religionslehrer, Herrn Rabb. Dr. May. Seit dem Ableben des Herrn Rabbiners Dr. May trägt diese Bibliothek den Namen Benjamin May-Bibliothek und wird im Sinne ihres Gründers weitergeführt. Wie in jedem Jahre, veranstalten die jüdischen Schüler der Musterschule auch in diesem ein Fest zum Besten dieser Bibliothek. Es findet in der Aula der Musterschule statt am 25. Oktober (Samstag) acht Uhr abend präzis. Es wird sich aus drei Teilen zusammensetzen: Akademischer Teil. Sodann Aufführung der in diesem Jahre herausgebrachten Schuloper von Brecht und Weill, die den Titel „Der Ja-Sager" trägt; sie ist von Schülern einstudiert und wird von solchen aufgeführt. Hieran schließt sich ein kurzes Kabarett an; schließlich Tanz. Die Karten kosten: im Vorverkauf Mk. 1.50, an der Abendkasse Mk. 2.—. Da allgemein reges Interesse für die Sache herrscht, empfiehlt es sich, die Karten möglichst bald zu nehmen; pünktliches Erscheinen liegt in Ihrem eigenen Interesse, da die Plätze nicht numeriert sind! (Karten, außer in allen Schulen auch erhältlich bei: Günzburg u. Baumann, Buchhandlung Volksbildungsheim, Oederweg 1). Jüdischer Männergesangverein hasomir. Wie schon früher mitgeteilt, findet, am Samstag, den 1. November, um 20 Uhr, im kleinen Saalbau das erste Konzert des Jüdischen Männergesangvereins Hasomir statt. Unter der musikalischen Leitung des Dirigenten Leo R o f e n b l ü t h werden eine größere Reihe teilweise noch unbekannter liturgischer Gesänge und Volkslieder in Chören, Terzetten und Solis zum Vortrag gebracht. Der Solist des Abends, Herr Wolf Lewi- Mannheim, bringt u. a. auch Gesänge, mit denen er auf seiner Londoner Konzertreise Publikum und Presse zu stürmischen Beifallsäußerungen hingerissen hatte. Der Vorverkauf hat bereits begonnen. Karten zum Preise von Mk. 1.25, 1.75, 2.25 und 3 — sind in den auf den Plakaten angegebenen Vorverkaufsstellen erhältlich. Personalien. Frau Fanny E h r m a n n, geb. Udler, Lehrerswitwe, begeht am 21. ds. Mts. in seltener körperlicher und geistiger Rüstigkeit ihren 80. Geburtstag. (Im Versorgungshaus, Röderbergweg 77). FamMenvachrichken. Geburten: Eine Tochter, Lehrer Samuel v. d. Walde und Frau Hilde geb. Gottschalk 6. Oktober 1930 Obernkirchen (Grafsch. Schaumbg.). Briefkasten. ItavS. Dr. A. Alach, Aarr. Die Adresse ist. G. Schreitmüller, Fabrik chem. Präparate, Karlsruhe 37 Knielingerftr. 104. SM. Betrag eingegangen. Frankfurter Vereinskalender. Verein Mekor Chajim. Freitagabend nach Schul, Eröffnung der Mikrovorträge, Herr S. Schachnowitz. Samstag nach Schul, Hörsaal Friedberger Anlage, Dinim, Herr Dr. Elieser Posen. — Samstag abend 9 Uhr Newiim, Herr Studr. Dr. M. Lange. Sonntag nach Schul Ehaje Odom, Herr S. Schachnowitz. Montag morgens nach Schul (ebenso Donnerstag) Mifchnalernen der Mitglieder. Freitag morgens nach Schul Mischna, Herr Dr. Elieser Posen. Von Sonntag bis einschließlich Donnerstag, jeden Abend 83U Uhr Schaslernen, Herr H. Holpern. Jahrzritsstiftungen. Donnerstag, 16. Oktober Johanna Bickhardt geb. Frank Bertha Benjamin geb. Leiter N2v, 18. Oktober Jacob L. Langer Maximilian Beer Freitag, 24. Oktober Berny Isidor Benjamin Meier Selig Goldschmidt. Agudas Jisroel-Jugendgruppe. siehe lokalen Teil. Liwjath Chen. (Hörsaal Friedberger-Anlage.) Samstag nach Mincho, 3/45 Uhr Vortrag des Herrn S. Schachnowitz über Jüdischer Turnerbund E. V. Herren: Sonntags, von 8—9 vorm, städt. Schwimmbad Sonntags, von 9—12 Uhr vorm, kleine Ostparkwiese. Donnerstags, von 8.30—10 abends Turnen Anna-Schule Jugend: Donnerstags, von 8.39—10 abends Turnen Anna-Schule. Alte Herren: Mittwochs, von 8.30—10 abends Turnen Anna-Schule. Knaben: Dienstags von 6.—7.30 abends Änna-Schule' Damen: Donnerstags, von 8,30—10 abends Liebfrauenschule Schäferg. Mädchen: Abteilung I. bis elf Jahre: Mittwochs, von 4.30—5.30 nachmittags Anna-Schule. Abteilung II. ab elf Jahre: Mittwochs, von 5.30—7. Anna-Schule. Frauen: Mittwochs, von 7.30—9. abends S. R. Hirschschule am Tiergarten 8- Gemeinsame Veranstaltungen. Heim- und Spielabende: Dienstags und Samstags, abends von 8.30—10 im Heim Eschersheimerldstr. 65 Wanderungen: Sonntags, alle 14 Tage, nach vorheriger Bekanntgabe. Jüdische Frauenvereinigu'ng E. B. Dienstag den 21 Okt. abends 7 Uhr im Hörsaal Friedberger Anlage. Arbeitsgemeinschaft unter Leitung, des Herrn Zahnarzt Dt. S. Ehrmann „Besprechung der Sidroh". Gebetzeiten. tvwd mv Freitag abend 5.00 Samstag N»2VN 6.45 Samstag morgen 8.— Samstag nachmittag 1.— und 4.00 Samstag abend 6.15 Wochengottesdienst: Morgens 6.30 ~ Nachmittags 5.00 Tefillin-Legen am Morgen 5.55 Schiurim des Gemeinderabbiners. möa für Fortgeschrittenere: Sonntag morgens 8.30 Uhr Dienstag und Donnerstag, abends 8.30 Uhr vxi mna rvoVn Montag und Mittwoch abends 8.30 Uhr PINN nsv mit Aussprache (für junge Leute), Samstag, nachm. 5.30 Uhr, sämtlich im Amtszimmer des Rabbinats, Friedberger-An läge 4. Im Deutschen Landesverband der Zionisten - R e v i s i o n i st e n, Ortsgruppe Frankfurt a. M., spricht am Montag den 20. Oktober 1930, abends 8.45 Uhr, im großen Saale des Zoo Wladimir Jabotinsky über das Thema: „Die jüdische Schicksalswende". Saalöffnung 20 Uhr. Karten von Mk. 0.75 an im Vorverkauf bei: Musikalienhandlung Firnberg, Schillerstraße 20, Konditorei Rothschild, Biebergasse 13, Drogerie Schneemann, Zeil 39, Zigarrenhaus Ieidel. Sandweg 6, Konditorei Freimark, Baumweg 1, und an der Abendkasse. Zigarra, 49 Wolf Tel. Hansa 27930 Am guten Alken... Ein Zwiegespräch. Am guten Alten Getreulich halten ... A. : „Lassen Sie mich ungeschoren!" B. : „Das war derb und deutlich! Warum so unwirsch?" A. : „Ich habe Ihnen bereits gesagt: ich will ein für allemal von Krankenkassen nichts wissen! Nicht daß ich ihre soziale Berechtigung und Notwendigkeit verkenne. Aber in ihrem gegenwärtigen Zustand sind sie mir ein Greuel. Sinds private Krankenversicherungen, so machen sie tausend Ausflüchte, bis ficihre Verpflichtungen erfüllen oder auch nicht erfüllen. Und die öffentlichen Krankenkassen sind gegenwärtig in die eiserne Klammer Her Notverordnung so eingezwängt, daß man hundert Unannehmlichkeiten hat. Drum mach ich reinen Tisch." B. : „Gemach, lieber Freund. Vielleicht gehen Sie zu weit, vielleicht zerschlagen Sie die Fenster, weil Ihnen die Vorhänge nicht passen. Aber selbst wenn Sie recht hätten: die Krankenkasse, von der ich Ihnen: sprach, ist ein Sondertyp, ragt aus dem Rahmen des Gewöhnlichen heraus." A. (wegwerfend): „Bah, so spricht jeder Werber." B. : „Werber? Ich bin kein Werber simpler Art. Ich geize nicht nach materiellem Gewinn, ich will Sie nicht der klingenden Münze wegen einfangen. Ihr jüdisches Gefühl möchte ich ein wenig aufrütteln, Ihre Bodenständigkeit fester machen." A. : „Sie sind mir ein kurioser Kauz. Was hat Ihre Krankenkasse mit meinem jüdischen Gefühl und meiner Bodenständigkeit zu tun?" B. : „Nicht wenig. Zunächst ists eine von Juden für das Wohl der Juden in ihrem Weh geschaffene Einrichtung, der ich das Wort rede. Dann ist ihr Ursprung mit einem Grundzug jüdischen Wesens verkettet und einer anderen Perle jüdischen Sinns umhängt." i A. (ungeduldig): „Genug der schönen Worte. Sagen Sie klar und deutlich, was Sie wollen." B. (eine Zigarre herausziehend): „Gefällig? Dann plaudert sichs besser und überlegter." A. : „Danke .. . Also." B. : „Also gabs da einmal vor bald 200 Jahren eine altererbte jüdische Tugend, die man Gemilus Chesed nannte, werktätige Nächstenliebe. Und diese werktätige Nächstenliebe schlug ganz große Augen aus und blickte sich seelenvergnügt um im Frankfurter Ghetto. Da wurde sie u. a. gewahr, daß man kranken, ortsansässigen Juden kein Asyl und keine Heilstätte bieten konnte. Sofort wanderte dieses Gemilus Chesed in der Gestalt von Benedikt Elias Maas von Haus zu Haus und ruhte nicht, bis ein paar Dutzend dieser Leute sich ehrlich überzeugt von der Güte ihrer Schöpfung und übermannt von dem Zwang und Drang ihres Besuchers". A. (unterbrechend): „Des Herrn Maas?" B. : „Wenn Sie wollen, ja, wenn Sie wollen, des Herrn oder der Frau Gemilus Chesed zusammentaten, um allwöchentlich ihren Obulus von drei Kreuzern in eine Sammelbüchse zu entrichten. Und diese uns Bagatelle dünkende, droben sicherlich schwerwiegende und kostbare Spende wurde die Grundlage der „Israelitischen M ä n n e r k r a n k e n k a s s e " , der sich dann etwa ein Menschenalter später die „Israelitische Frauenkrankenkässe" gesellte." A. : „Das war schönes, adliges Tun." B. : „Ihre Anerkennung freut mich. Aber die Gründung bewirkte noch anderes: Sie schlang das Band der Zusammengehörigkeit, auf 'das das Altfrankfurter Ghetto stets stolz sein konnte, noch enger und rankte durchsonntes Weinlaub in viele Hütten und Herzen, denen sie — nur um G'tteswillen — Genesung und neue Kraftquellen spendete. Wieder gut zwei Menschenälter später nahm sich die gefürstete — nicht um ihres ehrlich erworbenen Adelstitels, sondern um ihres inneren Adels willen wahrhaft gefürstete — F a m ilie der er von Rothschild in weitem Maße der Krankenkassen an und schuf ihnen in der „ K i p p e st u b " ein eigenes schönes Heim. Worin sie noch heute residieren, ihre Segnungen im Haus selbst auf die Altersfürsorge ausstrahlend, von dort aus weithin wirkend als Krankenkassen." A. : „So ist ihr eigentlicher Zweck, die Krankenfürsorge, nicht darüber verloren gegangen?" B. : „Keineswegs. Sie gewähren ihren Mitgliedern in allen Richtungen, was eine moderne Krankenkasse nur gewähren kann: Arzt, Medikamente, Krankenhausverpflegung, untermischt dabei aber noch ein höheres ideelles Motiv. An der Spitze ihrer Satzungen prangen biß Worte „Verein auf Gegenseitigkeit". Ganz Israel ist auf Gegenseitigkeit gegründet? auf gegenseitiges Verstehen, gegenseitiges Wohlwollen, gegenseitige Verantwortung. Dem wird sie gerecht:'ihre Verwaltung ist ehrenamtlich, unablässig und mit weiser Bedachtsamkeit um ihren Jnnenbaü und Außenbau bemüht." A. : „Sie schildern nicht übel. Aber welches ist die andere Perle, von der Sie sprachen?" B. : „Die andere Perle? Diese gerade in erster Linie sollte Sie zum Beitritt bewegen. Sie entstammen meines Wissens einer Altfrankfurter Familie?" A. (mit Nachdruck): „Ja. Und ich bin stolz darauf." B. : „Können Sie diesem Stolz besser genugtun, als wenn Sie das Erinnerungsdenkmal, besser Erinnerungsgitter, das die Frankfurter Juden in sich zusammenhält, neu vergolden helfen? Pietät, Ehrfurcht vor dem Vergangenen und bewußtes Weiterbauen des Vergangenen ist die Wurzel vieles Schönen und Großen. Mit ihrer Bewahrung, mit ihrer Verlebendigung reiht "man sich der Schar der Väter an, jener Väter, um deretwillen einst unser Frankfurt leuchtend und hochberühmt vor aller Welt dastand. Sollte dieser Edelstein der echten Pietät nicht allein Triebkraft genug für Sie sein, für Sie und viele Andere, sich unserer Krankenkasse anzuschließen? Sie muß wieder zu altneuer Blüte gelangen trotz der Schwere und in der Schwere der Zeit." A.: „Hier meine Mitgliedserklärung." B>: „Bravo!"?•—

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