Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 42 (17.10.1930)
- Date
- 1930-10-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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17. Oktober 1930 Der Israelit Nr. 42. Seite 7 Jüdische und arabische Abordnungen bei Shiels. I e r u s a l e m, 10. Oktober. In einem Communique üey palästinensisch-arabischen Exekutive wird mitgeteilt, Dr. Drummond Shiels habe einer arabischen Delegation gegenüber erklärt, die Veröffentlichung des Berichtes von Sir John Hope Simpson werde gleichzeitig mit der Regierungserklärung über die künftige Palästina-Politik Ende Oktober erfolgen. Im Verlauf der Unterredung mit der Deputation, die aus dem Präsidenten der palästinensisch-arabischen Exekutive und der Londoner arabischen Delegation bestand, wurden alle Fragen, welche Gegenstand der Unterhandlungen der Araber mit der Londoner Regierung gebildet hatten, weiter die Frage des Vodenkaufs in Vadi Havarith, schließlich Erziehungs- und Budgetsragen zur Sprache gebracht. Dr. Shiels hat — so heißt es in dein arabischen Communique — erklärt, daß die Regierung diesen Angelegenheiten ihre volle Aufmerksamkeit widmen werde. Einer bei ihm» erschienenen Deputation der Jewish Agency und des Waad Leumi, bestehend aus Colonel Kisch, Dr. Maurice B. Hexter, Dr. Werner, Senator, Pinchas Puchenberg, Meier Dizengoff, Dr. Arlosoroff, Rabbi L>strowski und Josef Meyuchas, gab Dr. Shiels bekannt, daß zwischen der Regierung in London und der- Jewish Agency gegenwärtig Besprechungen über Aenderung der palästinensischen Verfassung stattfinden.; Wie die ITA. erfährt, beklagte sich Dr. Shiels gegenüber der jüdischen Abordnung über die von den Juden an den Regierungsmaßnahmen geübte Kritik und deutete an, daß sich die Regierung bereits ein festes Urteil über die rvichtigsten Probleme gebildet habe. Keine Verständigung in der Klagemauer-Frage. Jerusalem, 8. Oktober. Dienstag, den 7. Oktober, war die Frist, welche die internationale Klagemauer-Kommission des Völkerbundes den Juden und Mohammedanern zur Erreichung eines freiwilligen Kompromisses in der Klagemauer- Frage gestellt Hatz abgelaufen, ohne daß eine Einigung erzielt worden wäre. Die Entscheidung wird nunmehr durch die Kommission autoritativ gefällt werden. Kleiner Zwischenfall an der Klagemauer am Jom Kippur. Jerusalem, 3. Oktober. Der Jom Kippur ist in Jerusalem im allgemeinen in vollster Ruhe und Ordnung verlaufen.. Nur an der Klagemauer kam es zu einem unbedeutenden Zwischenfall, als ein junger Jude forderte, daß Schofar geblasen werde, und laut rief, die Regierung habe kein Recht, religiöse Gebräuche zu verbieten. Ein jüdischer Polizeioffizier bemühte sich zunächst. Len jungen Mann durch den Hinweis, daß Rabbi Kuck mit der betreffenden Regierungsverfügung einverstanden fei, zu beruhigen, mußte aber schließlich seine Verhaftung anordnen. Eine Stunde später wurde der junge MaNn wieder freigelassen. *■' '' ■■ ' ,.; _ :t.• 1 Türkei. Jüdische Kandidaturen auf den Listen der türkischen Oppositionspartei. Konstantinopel, 12. Okt. Die Presse der türkischen Regierungspartei nimmt, heftig dagegen Stellung, daß die Kandidatenlisten der oppositionellen liberal-republikanischen Partei für die bevorstehenden Gemeindewahlen eine Reihe nichttürkischer Kandidaten, und zwar Juden, Griechen und Armenier, enthalten. Man könne den nationalen Minoritäten, deren bürgerliche Gleichberechtigung keineswegs angetastet werden soll, nicht die Macht im Staate überantworten. Die einstige politische Haltung der Minoritäten, deren Mentalität sich nicht geändert habe, dürfe nicht vergessen werden. Die oppositionelle Presse stellt in Ewiderung auf diese Angriffe fest, daß die bisherige rein türksche Verwaltung versagt habe und daß nun die Zeit für eine Kooperation mit den nichttürkischen Bevölkerungsteilen reif sei. Die liberal-republikanische Parker hat in Smyrna vier jüdische Kandidaten, nämlich Jsaac Mors, Menahem Adato, Jsaac Gabay und Joseph Estrügo, ausgestellt. In Adrianopel stehen fünf jüdische Kandidaten auf der oppositionellen Liste. Die Zahl der jüdischen Kandidaten in Konstantinopel steht noch nicht fest. Sicher ist nur, dast dort zum ersten Male eine Jühin kandidiert werden wird. (ITA.) Sprechsaal. Büro oder Haushalt? Fast täglich werde ich angegangen wegen Stellungen für Mädchen' für den Büroberuf. Unsere Töchter müssen und, sollen arbeiten und zum Haushalt beisteuern. Ich gehe gewöhnlich auf die Familienverhältnisse der Suchenden ein und höre meistens, daß, trotzdem die Töchter Stellung suchen, immer noch im Hause eine Hausangestellte beschäftigt wird. Eine Hausangestellte kostet: Lohn durchschnittlich Mk. 40.— bis 50.—, Wohnung und Verpflegung, wenn man sie noch so billig annimmt, Mk. 80.— pro Monat. Ich bin überzeugt, daß viele der Mädchen für Mk. 130.— gerne arbeiten würden, um nur etwas zum Haushalt beizusteüern. Wäre es da nicht richtiger, die Töchter die Hausarbeit von Grund auf machen zu lassen? Es ist keine Schande, im Gegenteil, es würde den Töchtern zur Ehre gereichen, wenn sie sich,,jeder Arbeit willig und freudig unterziehen würden. Der heutige Kaufmann, ich meine, hier den Chef, plagt und schindet sich ab von morgens bis in die sinkende Nacht, scheut keine Mühe und Last, um die Seinen zu ernähren, und verrichtet auch, die niedrigste und schwierigste Arbeit. Glauben Sie, daß es weniger ehrenhaft ist, wenn ein Mädchen die Hausarbeit verrichtet und so ihr Geld verdient, resp. den Ernährer entlastet? Viele gehen nach Amerika. Dort heißt es: „Vogel friß oder stirb". Dort verrichten sie jegliche Arbeit, warum nicht hier? Es müßte viel mehr in jüdischen Kreisen für diese Auffassung und für diesen Gedanken geworben werden. Felix Vamberger. Die N)oche. „Mitteilungen" des Vereins ehemaliger Schüler und Schülerinnen der S. R. Hirsch-Schule. Die zu den Feiertagen erschienenen „Mitteilungen" enthalten an der Spitze einen Bericht über die Sitzung des Vorstandes, der den Lesern vollen Aufschluß über die Entwicklung der aus Anlaß des 75jährigen Jubiläums geschaffenen Vereinigung gibt. Die Abschiedsrede des Herrn Direktors an die Absolventen des letzten Schuljahres ist im Wortlaute veröffentlicht. Zwei Aufsätze befassen sich mit den Nöten und Sorgen der Schule im Allgemeinen und der jüdischen Realschule im besonderen. Zum Kapitel „Turnen und Sport" werden Bemerkungen eines jüdischen Arztes abgedruckt. Berichte über Schulfeiern, Ausländsbriefe und Mitteilungen über die Schulbibliothek beschließen das Heft. Die „Mitteilungen" werden an sämtliche Mitglieder der „Vereinigung ehemaliger Schüler der S. R. Hirsch-Schule" versandt. Interessenten können die „Mitteilungen" in der Kanzlei der Schule Am Tiergarten 8 beziehen. Herbst- und Winkerprogramm der Jugendgruppe der Agudas Jisroel e. V., Frankfurt a. M. Arbeitsgemeinschaft-jüdische Geschichte, Leitung: Herr ReöakteurS. Schachnowltz, Beginn': Mauzoe Schabbos, 18. Oktober, 20.30,,Uhr, Schwanenstraße 12, für Damen und Herren. Religionsphilosophie, Dozent: Herr Studienrat Max Munk, Beginn: 23,. Oktober, 20.45 Uhr, Schwanenstr. 12, für Damen und Herren. Vorherige schriftliche, Anmeldung dringend notwendig. Wie wiederholt gesagt, gilt, als Voraussetzung für ein gedeihliches Arbeiten, daß sich die Interessenten den Anordnungen der Leitung ohne Einschränkung fügen! Hebräische Arbeitsgemeinschaft: Leitung: Jacob Landau. nur für Damen, Beginn Schabbos, 18. Oktober, 12 Uhr, Schwanenstr. 12. Arbeitsgemeinschaft: Mesillas Jeschorim, Leitung: R.-A. Isaak Rosenheim, nur für Herren, von 12 Uhr bis 13 Uhr, Schwanenstr. 12, Schabbos, 18. Oktober, beginnend. Kursus für Herren (im Alter von 16—25 Jahren), aus gewählte Stücke aus Talmud und Poskim. Dozent: Herr Rabbiner Josef I. Horowitz, Montags und Mittwochs von 20.30 Uhr bis 21.30 Uhr, Schwanenstr. 12, nur nach vorheriger schriftlicher Anmeldung beim Vorstand, Beginn: 20. Oktober. Arbeitsgemeinschaft für Damen und Herren: „Die Ideologie der Aqudas Jisroel", Leitung: Dr. Willy Hofmann, Beginn Dienstag, 21. Oktober, '21 Uhr, im Hause des Leiters, Eschenheimeranlage 1, nur nach vorheriger Anmeldung beim Vorstand. Einführung in das kaufmännische Recht, Dozent: Referendar Manfred Neuberger. — Nähere Bekanntmachung folgt ehestens. Jcfi zakke Jfinen 2 Ulilfionen SL wenn Sie das 8voße~£os gewinnen! 43yz<>/o aller Lose gewinnen. Schon ein mittlerer Treffer bedeutet: Umwälzung Ihrer Existenz flocfi JUaflen~£ofe frei aÄoÄr| Jjacfingfiaufen Gtaatl. Lotterie- Einnehmer Zeil 26 (Nähe Amtsgericht) Fernsprecher 27732 Weitere Ankündigungen folgen. — Interessenten erhalten das neue Programm auf Anforderung. — Wegen besonderer Wünsche, Neueinrichtung von irgendwelchen Schiurim, Kursen usw., wende man sich schriftlich ans Büro oder telefonisch an den Vorsitzenden: Hartog Hartogsohn, Carolus 443 68, Ostendstr. 82. Rücksprache nur nach vorheriger Zeitfestlegung möglich. Winkerprogramm der Jüdischen Irauenvereinigung E. V. Das Winter-Programm-für 1930—31 weist folgende Vorträge auf: Vorträge des Herrn Lyzeal-Oberlehrer Karl Ochsenmann: Alte'Weisheit — moderne Probleme im Bereiche dev Erziehung. Erster Vortrag: Sonntag den 26. Oktober 1930, abends 6 Uhr, im Hörsaal Friedberger Anlage 5. Vorträge des Herrn Redakteur S. Schachnowitz: Aus Leben und Literatur großer jüdischer Zeiten. Zeitpunkt wird noch bekannt gegeben. Vortrag des Herrn Direktor Dr. M. Elias. Vortrag des Herrn Dr. med. Arnold Merzbach. Thema und Zeitpunkt werden noch bekannt gegeben. Arbeitsgemeinschaft unter Leitung des Herrn Zahnarzt Dr. S. Ehrmann. Besprechung der Sidroh, allwöchentlich Dienstag abend 7 Uhr im Hörsaal Friedbergek Anlage 5. Anfang: 21. Oktober 1930. Gemütliche Zusammenkünfte (alle 3 Wochen) Dienstag nachm. 4 Uhr im Promenaden-Cafe Friedberger Anlage. Erster Nachmittag: Dienstag den 4. November, Referat von Frau Dr. Dora Edingen „Die neue Schule im modernen Roman". Referate haben uns freundlichst zugesagt Frau Dr. Groß, Frau Dr. Marx. Gemeinnützige jüdische Eheanbahnungsstelle „E A" Frankfurt a. M. Am 21. September 1930 fand die Generalversammlung des Vereins statt, in welcher der Tätigkeitsbericht über das abgelaufene Geschäftsjahr erstattet wurde. Bis zum 31. Dezember 1929 gingen 250 Anmeldungen von Männern und 736 von Frauen ein. Die Anmeldungen erfolgten aus allen Teilen Deutschlands, zum Teil auch aus dem Auslande. Die verschiedensten Berufe und die verschiedensten wirtschaftlichen und sozialen und alle religiöse Richtungen sind uner den Anmeldungen zu finden. Bis zum 31. Dezember 1929 wurden 128 Anbahnungen in die Wege geleitet, deren Zahl stieg bis zum September 1930 auf 329. War eine Anbahnung erfolglos, so wurden sofort, wenn geeignete Bewerber und Bewerberinnen vorhanden waren, weitere Vorschläge in die Wege geleitet. Die Arbeit der EA ist mit erheblichen Schwierigkeiten verknüpft,. feie einerseits auf die spezifische Einstellung der Juden zur Ehe, andererseits auf die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Zeit zurückzuführen sind. Daß die Zahl der Anmeldungen der Männer viel geringer ist wie die der Frauen, beruht zum Teil auf. den Kriegsverlusten. Die Männer wünschen vielfach,eine Einheirat. Letztere sind aber heute nur in ganz geringem Maße geboten. Außerordentlich erschwert wird die Arbeit der EA auch dadurch, daß sie so wenig Unterstüsiung bei den Bewerbern und Bewerberinnen findet, die vielfach die Termine nicht: einhalten und . die Briefe trotz wiederholte^;. Mahnung nicht beantworten. So wird der EA nicht einmal davon Mitteilung gemacht, wenn Verlobungen durch sie zustande gekommen sind, so daß sie nicht genau darüber informiert ist, wieviel Anbahnungen erfolgreich gewesen sind. Im Frühjahr dieses Jahres wurde eine hauptberuflich tätige Geschäftsführerin angestellt, der mündliche Verkehr mit den Bewerbern und Bewerberinnen und ihren Angehörigen eingesührt und der Austausch von Lichtbildern vermittelt. Die Arbeit des Vereins bedarf, soll sie erfolgreich sein, der weitgehendsten Unterstützung seitens der Glaubensgenossen, so daß allerorts Freunde, Helfer und Helferinnen sich der E A zur Verfügung stellen und ihr ihre Unterstützung zusagen. Diese soll u. a. darin bestehen, daß geeignete Bewerber und Bewerberinnen der E A zugewiesen und erforderlichenfalls auch Auskünfte gegeben werden. In den Vorstand wurden Frau Darmstädter und Herr Rabbiner Dr. Salzberger, Frankfurt a. M., in den Beirat Frau Nosenblatt, Frankfurt a. M. und Herr Dr. Köbner, Ludwigshasen, neu gewählt. Zuschriften sind an die EA Frankfurt a. M., Eschersheimerlandstraße 29, zu richten. Eine Synagoge als Asyl für Slahlhelmleuke. Montag nachmittag war ein Lastauto mit etwa 30 Stahlhelmleuten nach Frankfurt gekommen. Die Leute verließen am Römerberg das Auto, kehrten in einer bekannten Aepfelweinwirtschaft ein und unternahmen einen