Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 42 (17.10.1930)
- Date
- 1930-10-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Nr. 42 Der Israelit 17. Oktober 1930. iS:'! >'!! I Tragen Sie „die gute.. -Kleidung“ Auf Wunsch Verarbeitung Eindringlinge Revolverschüsse abgaben, wodurch Panik entstand. Schließlich konnten die Chassidim die Eindringlinge überwältigen und der Polizei übergeben. Am Vorabend des Jom Kippur, während Tausende Andächtige nach jüdischer Tradition die Gräber ihrer Angehörigen auf dem Warschauer jüdischen Friedhof im Gensza-Viertel besuchten, wurde der Friedhof einige Minuten lang von draußen beschossen. Der 58jährige Kaufmann Jacob Lewinsky wurde in die Hüfte, die 21jährige Salia Rotstein ins Bein getroffen. Es entstand eine ungeheure Panik, die Andächtigen verbargen sich hinter den, Grabsteinen, wodurch weiteres Unheil vermieden wurde. Zahlreiche Grabsteine wurden durch die Gewehrkugeln beschädigt. Als die Schießerei aufhörte, traf Polizei ein, konnte aber nicht mehr feststellen, wer die Schützen waren. Eines steht fest, daß es sich nicht, um verirrte Kugeln, sondern um ein verbrecherisches Attentat handelt. des Internationaler Kongreß zur Bekämpfung Mädchenhandels. Warschau, 12. Oktober. Auf dem gegenwärtig in Warschau tagenden Kongreß zur Bekämpfung des Mädchenhandels wurde von einer Reihe von Rednern auf die großen Verdienste hingewiesen, die sich die jüdische Delegierte ays Frankfurt, Frl. Berta Pappenheim, um den Frauen- und Mädchenschutz erworben habe. Frl. Pappenheim war in der Bewegung zur Bekämpfung des Mädchenhandels von Anbeginn an tätig und hat allen acht internationalen Kongressen, die bisher abgehalten wurden, beigewohnt. Neben mehreren jüdischen Delegierten aus Warschau und Lodz nehmen als auswärtige jüdische Vertreter an dem Kongreß noch teil: - Dr. Claude G. Montefiore, Präsident der im Jahre 1927 in London abgehaltenen Internationalen jüdischen Konferenz zur Bekämpfung des Mädchenhandels, S. Cohen, Sekretär der Londoner Jüdischen Vereinigung für Frauen- und Mädchenschutz und Generalsekretär des Büros der Internationalen jüdischen Konferenz, sowie Julius Becker, Vertreter der Danziger Jüdischen Zentralwohlfahrtsstelle. A^uf dem 'Kongreß wurde ein auf Veranlassung der polnischen Äelegation mit Unterstützung der jüdischen Vereinigung /für den Schutz von Mädchen und Frauen hergestellter Film vorgeführt, der einige spezifisch jüdische Bilder enthält, u. a. die „Stille Chupe". . , Rr. Rosenblatt, Dr. Wygodski, Körner, Rabbiner Brodt. Adolf Turskier. Der die Agudas Jisroel, die Folkisten Kleinhändler und Handwerker umfassende „Jüdisch nationale Wirtschaftsblock" präsentiert an der Spitze den Rabbiner von . Lucki Soroztkin, Dr. Suritz Ing. Seidemann, R. Szereszowski, Rabb. Lewin Der „Linkssözialistische Block" (Bund Und Unab hängige Sozialisten) hat an: der Spitze Heinrich Ehrlich, Victor Alter und Josef Kruk. Die Linken Poale Zion kandidieren Jtzchok Lew, Antoni Buksbaum und Samuel Edelmann. An 37. Stelle der Regierungsliste kandidiert der Agudist Jacob Minzberg, an 59. Stelle der Agudist Wisznicki; dafür hat sich die Aguda verpflichtet, in für sie zweifelhaften Wahlbezirken keine eigenen Listen auszustellen, sondern die Regierungslisten zu emp fehlen. — Die ostgalizifchen Zionisten haben ihren Be schluß, mit der Aguda ein Wahlbündnis zu schließen, annulliert und bejcylossen, dem zionistischen Wahlblock beizutreten, aber in Ostgalizien eigene Kandidatenlisten aufzustellen. (ITA.) Die polnischen Poale Zion im sozialistischen Block. Warschau, 12. Oktober. Die rechten Poale Zion in Polen, die jüdische Arbeiterpartei „Bund" und die Unabhängigen Sozialisten Polens, die alle der Sozialistischen Internationale angehören, haben gemeinsam einen sozialistischen Wahlblock gebildet und werden anläßlich der kommenden Parlamentswahlen selbständige Kandidatenlisten ausstzMsi. In einer Reihe Wahlkreise, so z. B. in Brest- ÄMtvsk, Telce, Lida, Stanislau-Kolomea, Zloczow- Brody, Rzeszow-Jaroslau, Krasnoslaw-Chrujeschow u. a. m. kandidieren Poale Zionisten an erster Stelle. Ruhland. Kampf zwischen Jungkommunisten und jüdischen Andächtigen zu Rosch Haschanah in Berditschew Warschau, 2. Oktober. Die einflußreiche nichtjüdische Zeitung „Jllustrowany Kurier Codzienny" in Krakau bringt die Nachricht, daß es anläßlich des Rosch-haschanah in Berditschew (Sow jetrußland) zu einem Kampf zwischen jüdischen Betern und Jungkommunisten gekommen sei. Die Kommunisten hätten versucht, Juden, die sich in der Nähe des alten jüdischen Friedhofs in Berditschew zum G'ttesdienst versammelt hatten, gewaltsam auseinanderzutreiben. So molow, ein jüdischer Jungkommunist, der früher Som merfeld geheißen hat, sei der Anführer der Rotte ge wesen. Als der greise Rabbi Rappaport, der den G'ttesdienst leitete, Somolow vorhielt, daß der G'ttesdienst von der G. P. U. gestattet worden sei, habe ihn Somolow bespien, worauf es zu einem Kampf kam, in dessen Verlaus zwei Juden'getötet und vier verwundet wurden Rote Kavallerie soll dann in die Versammlung der Andächtigen hinen geritten sein, wobei eine weitere Anzahl von Juden schwere Verletzungen erlitt. Von den Sowjetbehörden seien Haussuchungen angeordnet und etwa 100 Juden verhaftet worden. Bier jüdische Kandidatenlisten zu den Parlamentswahlen in Polen. Warschau, 9. Oktober. Bis zum Schluß des Einreichungstermins für Kandidatenlisten für die Parlamentswahlen in Polen wurden vier jüdische Listen eingereicht. Die Spitzenkandidaten des zionistischen Blocks, der den Namen „Block für Schutz der nationalen ^Rechte der Juden Polens" trägt, Tschechoslowakei. Einbürgerung der Staatenlosen in der Tschechoslowakei. Prag, 12. Oktober. Außenminister Dr. Benesch hat am 9. Oktober in der Senatskommission für auswärtige Angelegenheiten die Erklärung abgegeben, daß das Problem der Staatenlosen in der Tschechoslowakei einer großzügigen Lösung zugeführt werden soll. Bisher hat der Minister des Innern 2,0 000 Staatenlosen die tschechoslowakische Staasbürgerschaft verliehen Die jüdischen Abgeordneten sehen in her Erklärung des Außenministers Dr. Benesch die Ankündigung der Einbürgerung von Tausenden jüdischer Staatenloser, die vorwiegend in der Slowakei und in Karpathorußland ansässig sind, und erwarten, daß gleichzeitig auch die.Naturalisation jener zahlreichen jüdischen^ Kriegsflüchtlinge aus Polen und Ruhland, die seit Kriegsende in her Tschechoslowakei leben, erfolgen wird. Im Jahre 1928 hat die Völkerbundsliga der deutschen, jüdischen und ungarischen Minoritäten in der Tschechoslowakei anläßlich des Zehnjahrejubiläums der Republik dem Präsidenten Professor Masaryk eine Petition überreicht, in der um Verleihung der Staatsbürgerschaft an alle seit zehn Jahren in der Republik ansässigen Staatenlosen gebeten wurde; bisher erfolgte jedoch keine vollständige Lösung des Staatenlosenproblems. Lettland. Halsmann will die Durchführung feines Prozesses in Riga erwirken. Riga, 9. Oktober. Der vom Innsbrucker Schwurgericht wegen Vatermordes verurteilte und durch die österreichische Regierung begnadigte jüdische Student Philipp Halsmann, der in Riga geboren wurde und lettländischer' Staat, sind I. Grünebaum, H. Farbstein, Hartglaß, Dr. Jnsler,' angehöriger ist, bestrebt sich — wie die Rigaer Zeitungen melden — die Wiederaufnahme des Mordprozesses' Halsmann in Riga zu erwirken. Er wird in diesen Tagest der lettländischen Staatsanwaltschaft die Mitteilung über die Ermordung seines Vaters Max Mordechai Halsmann in den Tiroler Bergen machen und hieran das Ersuchen knüpfen, eine Untersuchung einzuleiten. Man ist in Riga überzeugt, daß Halsmann in Riga, wo die Gerichtsatmosphäre nicht, wie in Tirol, antisemitisch verseucht ist, völlig reingewaschen werden wird. Im übrigen wird auch seitens des Halsmann-Verteidrgungskomitees, dem Persönlichkeiten wie Einstein, Gerhart Hauptmann, Jacob Wassermann, Paul Painleve, der Präsident der französischen Liga für Menschenrechte, Prof. Victor Basch u.a. m. angehören, die völlige Rehabilitierung Halsmanns betrieben. England. Gemeinsame Aktion des Londoner Verbandes jüdischer Hilfsorganisationen und der Sowjetregierung. London, 8. Oktober. Der Ministerrat der Sowjetunion (Sownarkom) hat den vor einiger Zeit zwischen dem Londoner, Verband jüdischer Hilfsorganisationen und der sowjetrussischen Regierungskommission für jüdische Hilssarbeit (Komzet) zustande gekommenen Vertrag ratifiziert. Diese Ratifizierung ist das Ergebnis der Intervention des Verbandsvorsitzenden Dr. Jochelmann, der die Verhandlungen mit der Sowjetregierung an Ort und Stelle geführt hat. Auf Grund des Vertrages wird die Sowjetregierung während des kommenden Jahres je 50.000 Pfund für je 20.000 Pfund, die von dem Londoner Verband aufgebracht werden, dem Hilfswerk für die notleidenden Juden Rußlands zur Verfügung stellen. Die gesamten Gelder werden durch Bevollmächtigte des Londoner Verbandes nach folgendem Schlüssel zur Verteilung gelangen: 75 Proz. für konstruktive Hilfe, 25 Proz. für Errichtung und Erhaltung von Küchen, Lebensmittellagern, anitären Institutionen, Altersheimen und Institutionen ür Kinderfürsorge. Die Regierung ermächtigt den Verband, Werkzeuge, Maschinen, Rohmaterial usw. zoll- und gebührenfrei nach Rußland einzusühren. Ferner erhält der Verband das Recht, Gebäude und Grundstücke jeder Art für die Zwecke der Hilfsaktion zugunsten der notleidenden jüdischen Bevölkerung zu kaufen oder zu mieten. Gegenwärtig führt der Londoner Verband der jüdischen Hilfsorganisationen eine Kampagne zur Aufbringung von 50.000 Pfund für sein Hilfswerk durch (I. T. A.). Palästina. Dr. Drummond Shiels in Palästina. Jerusalem, 8. Oktober. Am 4. Oktober ist der Unterstaatssekretär für die Kolonien, Dr. Drummond Shiels, in Jerusalem zu mehrtägigem Aufenthalt eingetroffen und hat noch, am selbem Tage die Klagemauer, die Grabe^kjxche und die Omar- Moschee besucht.! Die Vertreter der Juden: bei seinem Empfang waren Colonel Kisch für die Jewish Agency,. Haim Solomon für den Waad Leumi und Josef Mejuchas für den Waad leumi. Die Palästina-Regierung, war vertreten durch den! High Commissioner Sir John- Chancellor, den ersten Sekretär Doung und den Distriktskommissar von Jerusalem, Keith Roach. Dr. Shiels hatte beabsichtigt, drei Tage im Distriktvon Haifa und zwei Tage in Transjordanien zu verbringen. Er wollte bei dieser Gelegenheit die Ebene Jezreel, die Kolonien der Pica (unter der Verwaltung-, der Palestine Jewish Eolonisation Association stehende Rothschild'sche Kolonien) Samariah, die Ruthenberg- Werke und die Werke der Toten Meer-Konzession besichtigen. Er hatte ferner eine Kon^renz mit den Vertretern der Jewish Agency und des Waad Leumi und inoffizielle Besprechungen mit der Exekutive des palästinensischen Arbeiterverbandes Histadruth Haowdim ins Auge gefaßt. Inzwischen ist Dr. Shiels plötzlich erkrankt. Sein Zustand ist nicht besorgniserregend, doch muß er auf Anordnung der Aerzte einige Tage lang das Bett- Hüten und kann daher sein Besuchsprogramm nicht ausühren. Colonel Kisch, der eine einstündige Unterredung mib Dr. Shiels an dessen Krankenbett hatte, erklärte, daßder Verlauf der Aussprache ihn sehr befriedigt habe^