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Der Israelit · 1930-10-06 · Heft 41 (6.10.1930) · page 21

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 41 (6.10.1930)
Date
1930-10-06
Page
– (sequence 21)
Language
German
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Die Kriegserlebnisse waren von größtem Einfluß auf seine künstlerische Gestaltungskraft, die in schöpferischer Weise neue Richtungen und Wege fand. Seine jüdische Lebensanschauung, verankert in einem tiefen G'ttesglauben und in fester Treue zur G'tteslehre, bildete in allen Kämpfen und Nöten die tragende Grundlage seines Wesens. Von den 3 Bildern, die für die dem Symbolischen zugewandte künstlerische Art Birnbaums charakteristisch sind-, ist das erste: Der Komet, der bei Karl König in Wien erschienenen Mappe „Weltuntergang" entnommen. Wunderbar hat es der Dichter verstanden, den Kometen in seiner ganzen überwältigenden Wirkungskraft in den Mittelpunkt der Zeichnung zu stellen, hinter dem die aufeinandergetürmten Häuschen und die Gestalten kleiner hinsterbender Menschen verschwinden. „Jona i n N i n iwe " bildet den Mittelpunkt einer Gruppe von 17 Originallithographien zum Buche Jona. Die mesfianlsche Phantasie „Am Ende der Tage" illustriert, packend das jesajanischs Wort von den zur G'tteshöhe hinanströmenden Völkern der Erde. II. Die Klagemauerkommission. Monatelang haben die Verhandlungen vor der Klagemauer-Kommission , des Völkerbundes im Mittelpunkt des Interesses der jüdischen Welt gestanden. Unser Bild zeigt am Tische die 3 vom Völkerbund ernannten Mitglieder der Kommission und zwar in der Mitte den Vorsitzenden Loefgren (Schweden), links den Schweizer Barde und rechts den Holländer van Kemp e n. Im Vordergrund rechts sieht man die Gestalt des Oberrabbiners von Tel-Awiw, Chacham U s i e l, links hinter ihm David D e l l i n , am Tische den Advokaten Dr. E l i a s ch als Vertreter der Agency. Zwischen diesen beiden Köpfen versteckt im Hintergrund schaut Rabbi Mosche B l au hervor. III. Politische karrikaturen. Unsere Brüder im Osten lieben in ganz besonderem Maße die politischen Karrikaturen. Als Probe hiervon bringen wir ein im „Jüdischen Togblatt" in Warschau erschienenes Spottbild auf •ff* Der Komet. Aus der Mappe „Weltuntergang" von Uriel Birnbaum. den Zlomstenführer Grünbaum, der den Minderheitsblock mit Ukrainern, Weißrussen usw. bilden will, ohne etwas anderes zu erreichen, als daß die geliebten Minderheitsvertreter vor ihm Reißaus nehmen. Aber auch im Westen blüht die politische Karrikatur als Kampfmittel. So bringt der „Jewifh Chroniele", der bekanntlich die Erweiterung der Agency und die Kompromißpolitik Weizmanns von jeher scharf bekämpfte, Mr. Weizmann und Mr. Marburg als glückliches Ehepaar unter der Chuppa. Marburg gibt als Ehemann, wie es in einer guten Ehe fein soll, mit ernstem Gesicht den Ton an, während Weizmann in vollem Brautstaat, glückselig lächelnd, sich mit einem stattlichen Blumenbukett abfinden läßt. Die Schlagworte auf den die Chuppa zierenden Bändern machen die Absicht der Karrikatur noch deutlicher. Israelitisches Heilerziehungsheim zu Marburg a. L. Mit drei Bildern. Das Israelitische Heilerziehungsheim zu Marburg an der Lahn kann in diesen Tagen auf das zweite Jahr seiner Arbeit zurückblicken. Es verdankt seine Entstehung dem Interesse, das man in immer steigendem Maße dem Problem der schwer erziehbaren Kinder entgegenbrachte. Während schon lange vor dem Kriege und auch gleich nach Beendigung desselben eine ganze Reihe solcher Heime für nichtjüdische Kinder entstanden, konnte man erst im Jahre 1928 an die Errichtung einer jüdischen Anstalt denken. In der kurzen Zeit seines Bestehens hat das Heim seine Existenzmöglichkeit deutlich bewiesen. „Die Kinder sind alle in dem jüdischen Milieu viel aufgeschlossener, als wenn man sonst jüdische Kinder in nichtjüdischen Anstalten trifft, wo bei den ohnehin sensiblen jugendlichen Psychopathen allerlei Minderwertigkeitsgefühle und sonstige ungünstige Einstellungen zu finden sind. So überzeugt das Marburger Heim durch seine Existenz allein von der Notwendigkeit einer jüdischen Heilerziehungsanstalt für psychopathische Kinder" (Aus einem Gutachten von Herrn Prof. Dr. med. Julius Moses, Mannheim.) Die streng gesetzestreue Führung der Anstalt ist oberster Grundsatz des Hauses. Das Leben in der jüdischen Gemeinschaft mit seinen Sabbat- und Festtagsfeiern übt auf das kranke Gemüt der Kinder einen heilsamen Einfluß aus. Sie kühlen sich in der jüdischen Anstalt schnell heimisch und geborgen. Das Heim beherbergt zur Zeit 20 Zöglinge. Weitere Anmeldungen liegen bereits vor. Die Kinder empfangen in der Regel ihren Unterricht in der Heimschule. Die kleinen Klassen mit etwa 7 Schülern ermöglichen hierbei eine besonders individuelle Behandlung. Begabte Schüler können auch die am Orte befindlichen höheren Schulen besuchen. Ferner ist den Kindern Gelegenheit geboten, durch Privatunterricht besondere Förderung im Jüdischen und in Fremdsprachen zu erhalten. Neben dem vorgeschriebenen Bolksschulunterricht erhalten die Zöglinge besonders ln solchen Fächern Unterweisung, die im Dienste der heilpüdagogischen Arbeit stehen. So werden sie auch in rhythmischer Gymnastik, Kerbschnitt- und Laubsägearbeiten und Gartenbaunterricht unterwiesen. Wo es notwendig erscheint, werden noch besondere Turnstunden erteilt, in denen mit gutem Erfolg auf eine Stärkung der Willenskraft des "betreffenden Kindes hingearbertet wird. Der Handfertigkeits- und Gartenbauunterricht gibt reichlich Gelegenheit, in den Kindern das Vertrauen zur eigenen Kraft zu entwickeln und durch die Freude an dem selbst Erarbeiteten die Lust zu sinn- und zmeckvoller Betätigung und Arbeit zu erreichen. Der Handfertigkeitsunterricht wird von einem Kunstschreiner erteilt, und manches schöne Stück kunstvoller Holzschnittarbeit iU schon unter seiner ^.Leitung von den Kindern hergejtellt worden. Das Hciw steht unter Leitung eines heilpädagogisch vorgebildeten Direktors. Dieser wird bei seiner Arbeit von einem Lehrer und einer Iugendleiterin unterstützt. Die kleine Zahl der Zöglinge macht es möglich, daß der Direktor selbst die Durchführung des jeweils für richtig erkannten Erziehungsweges bis in feine Einzelheiten persönlich überwacht. Besondere Hervorhebung verdienen die nicht hoch genug zu bewertenden engen Beziehungen zu der Mar-

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