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Der Israelit · 1930-10-06 · Heft 41 (6.10.1930) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 41 (6.10.1930)
Date
1930-10-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10. Nr. 41. Der Israelit 6. Oktober 1930 Hierzu ist zu bemerken, datz soweit.„Agudas Jisroel" in Frage kommt, diese Organisation und ihre Jerusalemer Vertretung vom ersten Augenblick an bis zum heutigen Tage immer für eine freie Verständigung zwischen Arabern und Juden eingetreten ist und die Herbeiführung einer Entscheidung der Dölkerbundkominission nicht als wünschenswert betrachtet hat. Die Agudas Jisroel wird sich in dieser Hinsicht auch keinem Drucke von nutzen fügen. (Eine direkte Nachricht über den Stand der Dinge ist uns bei Redaktionsschlutz aus Jerusalem noch nicht zugegangen. Die Red.) Mexiko. Sequestrierung des Synagogeneigentums und Einwanderungsbeschränkungen in Mexiko. Mexiko-City, 22. Sept. In einem Interview mit dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur erklärte der mexikanische Innenminister, daß demnächst in Uebereinstimmung mit den Bestimmungen der mexikanischen Verfassung alles Kirchen- und Synagogeneigentum in Mexiko sequestriert werden wird. Erst kürzlich hat die Regierung das Eigentum der methodisiischen und anderer protestantischer Kirchen beschlagnahmt, nachdem schon früher das Eigentum der katholischen Kirche in Staatseigentum übergeführt worden war. Die aschkenafifchen Juden Mexikos, gering an Zahl und meist erst vor kurzer Zeit nach Mexiko eingewandert, besitzen noch keine eigene Synagoge, sie halten ihre G'ttedsienste in gemieteten Räumen ab. Dies wird in Zukunft von der Regierung nicht zugelassen werden. Es soll den Juden ein Spielraum von einigen Jahren zur Errichtung eigener Synagogen gewährt werden, während dessen der G'ttesdienst in gemieteten Sälen weiter erlaubt sein soll. Die sephardische Judengenreinde besitzt zwei Synagogen im Werte von ungefähr 50.000 Pesos. Diese werden zwar der Beschlagnahme verfallen, doch werden die Juden den G'ttesdienft wie bisher in ihnen abhalten dürfen. Sprechsaal. D i e S ch o in r e S ch a b b o s - V e r e i n e sollten eine L i st e derer aufstellen, die durch die wirtschaftlichen Verhältnisse den: mp untreu geworden sind. Dieser Ueberblick ist nicht nur notwendig, um den Umfang der Verheerung zu erfahren, sondern auch, um bei jedem einzelnen sich die Möglichkeit der Zurückführung zu überlegen. Schoni re Schabbos -Vereine bestehen in Berlin Frankfurt a. M., Fürth, Hamburg, Hannover, Köln Mannheim, Nürnberg und Würzburg. Jeder dieser Vereine sollte seine. ganze Kraft daran setzen, in der Nähe seiner Stadt ein l a n d w i r t s cha f t l i ch e s Lehrgut zu errichten, das durch Milch- und Geflügelwirtschaft sich zum Teil selber erhält. Es ist sehr dringlich, aus diese Weise einen Teil der Jugend unserer Orthodorie vor der kaufmännischen Lehre zu bewahren. Auch liegt die Errichtung solcher Lehrgüter im Interesse der Vermehrung zuverlässig koscherer Lebensmittel. Da die Lehrzeit vier Jahre beträgt, so ist die Frage, wie auf Grundlage dieser Lehrgüter weiter aufgebaut werden soll, heute noch nicht aktuell. Jedenfalls sollte, das möge bereits gesagt sein, später eine Bauernsiedlung nach den sozialen Gesetzen unseres Judentums auf sozial gerechter Grundlage und im Hinblick darauf, daß die Eleven auch als Landwirte zusammen bleiben und eine geschlossene jüdische Gemeinschaft bilden, errichtet werden. Auch sozial haben wir Orthodore die Aufgabe, Judentum zu leben und zu demonstrieren — und das Beispiel ist die wirkungsvollste Propaganda. Saly Geis, Tel-Aviv. Personalien. Dr. med. Max Lalvary Frankfurt a. 2TC., 3. Oktober. Eine das ganze thoratreue Judentum treffende erschütternde Trauernachricht ereilt uns aus Berlin: Dr. Max C a l v a r y ist von seinem seit 2 Jahren geduldig ertragenen Leiden erlöst worden. Mit Dr. Calvary, der in der Gemeinde Posen groß geworden, nach dem Kriege wie so viele andere den geliebten Heimatboden verlassen und nach der Reichshauptstadt übersiedeln muhte, war nicht nur in seinem Berufe ein Meister ärztlich-menschlicher Kunst, sondern eine jüdische Persönlichkeit, die durch ihre Tatkraft, ihre lebendige Frische und ihre aus Liebe und Pflichtbewußtsein fließende Aktivität überall führend tätig war, wo es galt, für die alten Thoraideale zu wirken. Eine eingehende Würdigung seines Lebenslaufes und seiner Leistungen bleibt Vorbehalten. 7>"22m. Moütabaur, 29. Sept. Am Mv vor n"a fand die Wiederweihe der renovierten Synagoge statt. Der erste Vorsteher der Gemeinde, Herr Eugen Stern wies in seinen Ausführungen auf die dringende Notwendigkeit der erfolgten Wiederherstellung des G'tteshauses hin, die dank der Opferwilligkeit der Gemeindemitglieder und der für diesen Zweck gewährten Subvention des Preutz. Landesverbandes durchgeführt werden konnte. Ganz besonderen Dank stattete der Vorsteher dem hiesigen jüdischen Frauenverein ab, der Stiftung eines Vorhanges für den ,i"K sowie eines Almemor und Omuddeckchens zur wundervollen Ausstattung der Synagoge beigetragen hat. Es folgte nach der Ansprache des Vorstehers die vom Lehrer der Gemeinde, Herrn I. Zeitin, gehaltene Festpredigt int Anschluß an den Psalm erattM ’nnnp 'n r-pa „Ich freue mich, wenn man zu mir spricht, ins G'tteshaus wollen wir gehen". Er führte u. a. aus: Wie die Freude, die das Herz unserer Ahnen erfüllte, als sie zum heiligen Tempel wallten nicht den herrlichen Hallen, die sie schauten und dem Glanz, der ihr Auge blendete, galt, sondern hervorgerufen wurde durch den Gedanken, datz sie hier die Verbindung mit G'tt, die der Seele des Menschen so sehr Bedürfnis ist und die das Leben so häufig lockert und löset, van neuem knüpfen und festigen werden, so soll auch die Freude, die in uns das G'tteshaus erweckt, ihren tieferen Grund haben in dem, was Seele und Geist hier finden. Der Gedanke der Gleichheit des Menschengeschlechts ist aus dem Leben geschwunden. Er hat sich gerettet und geflüchtet ins G'tteshaus, wo wir ihn bewahren wollen als köstliches Gut, datz er von dieser Stätte einst seinen Weg nehme ins Leben, in die Menschheit, auf datz die ganze Erde werde ein voran wo, eine Stätte der Einigung und Sammlung von Menschen in Liebe und Frieden. Vermischtes. Leipzig, 1. Oktober. Oberkantor Hillel.Schneider, der weitbekannte Ehason der orthodoxen Talmud-Thora-Synagoge Keilstratze, feiert am 5. Oktober seinen 70. Geburtstag. Seine auffallend schöne würdevolle Erscheinung, sein tiefsinniges Chasonus und sein prachtvoller Bariton, der bis heute seine erstaunliche Frische bewahrt hat, ist den vielen süddeutschen Messebesuchern seit langen Jahren wohl vertraut. In Leipzig und weitestem Umkreis erfreut sich der Jubilar, der auch ein vielbeschäftigter Mohel ist, größter Beliebtheit und Verehrug. Breslau, 25. Sept. In der Nummer des „Israelit" vom 19. Sept. befindet sich ein Badebrief aus Jost a n n i s b a d , in dem wiederholt auf das dort befindliche jüdische Restaurant hingewiesen wird. Wir werden erst nachträglich darauf hingewiesen, datz dieses Restaurant nicht unter Rabbinatsaufsicht steht und datz Gesinnungsgenossen, die es genau nehmen, dort nicht essen können. Wir halten uns für verpflichtet, l-ipaa monihierauf aufmerksanr zu machen. Borken i. W., 30. Sept. Als Lehrer an der jüdischen Volksschule und als Vorbeter wurde Herr Lehrer Bezalel Locker gewählt. Herr Locker, der bisher Lehrer in Salzkotten war, trat sein Amt am 1. Sept. an und wurde am ersten Tage des Rauschhaschonohfestes in der Synagoge beim G'ttesdienst von Herrn Bezirksrabbiner Dr. Köhler herzlichst begrützt. Der Rabbiner legte ibm ans Herz, sich stets bewußt zu sein, datz er zur Erhaltung der jüdischen Schule, die auf eine fast 100jährige Geschichte zurückblickt, zu wirken habe und wünscht ihm, datz seine ganze Arbeit ihm selbst, den .Kindern und der ganzen Gemeinde zum Segen gereiche.! Gemen i. W., 30. Sept. Herr Benjamin S a f s r a , bisher Lehrer in Crumstadt bei Darmstadt, wurde zum Lehrer, Kantor und Schauchet hier gewählt, und trat am 15. Sevt. ds. Js. sein Amt an. Herr Saffra wird gleichzeitig Religionslehrer in verschiedenen Gemeinden des Rabb'inatsbezirkes Borken sein, die Zeinen eigenen Kultusbeamten unterhalten können. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden in Berlin hat sich für die Versorgung der Kleingemeinden sehr warm eingesetzt und sich zur^ Subventionierung des Lehrergehaltes bereit erklärt. Am 20. Sept. wurde Herr Saffra beim G'ttesdienst in der Synagoge der Gemeinde Gemen durch Herrn Bezirksrabbiner Dr. Köhler aus Borken in Westfalen in sein heiliges Amt eingeführt. Herr Bezirksrabbiner Dr. Köhler richtete im eigenen Namen und auch im Namen des Vorstandes der Snnagogen- Gemeinde Gemen, der ihm unterstehenden Gemeinden der Umgebung und des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden herzliche Worte der Begrüßung an den neuen Lehrer und sprach den innigen Wunsch aus, datz es Herrn Saffra gelingen möge, im alten Geiste den Kindern nicht nur Lehrer, sondern auch Vorbild in Lehre und Leben zu sein, die Schechitoh im überlieferten Sinne in den einzelnen Gemeinden auszuüben und als Vorbeter der Gemeinde Gemen zu wirken. Herr Saffra gelobte, in dem ihm vom Rabbiner erteilten Aufträge stets wirken zu wollen und seine ganzen Kräfte zur Erfüllung dieses Zieles einzusetzen. Köln, 30. Sevt. Die jüdische Durchwandererfürsorge (Jüdischer Hilssausschutz), die bisher ihre Büros Glockengasse 7 hatte, verlegt dieselben am Dienstag, 30. September, nach dem Israelitischen Wohlfahrtshaus Rubens st ratze 33 1. (Telefon: 212560), wohin alle Zuschriften zu richten sind. Die Beratungsstelle in Patz- und anderen Angelegenheiten hält ihre Sprechstunden täglich nachmittags von 6 bis 7 Uhr ab. Warschau, 26 .Sept. Das Kreisgericht in Biala Podlaska, Wojwodfchaft Warschau, verurteilte drei junge jüdische Kommunisten aus Radzin, Abraham Kahan, Pinchas Sosnowicz und Abraham Niewiazski zum Tode durch den Strang. Die Verurteilten werden beschuldigt, am 31. Mai 1930 in Radzin den ehemaligen Kommunisten und späteren Polizeikonfidenten Siedlacz ermordet zu haben aus Rache dafür, daß er Kommunisten der Polizei verraten hat. Das Urteil wird in Polen scharf kritisiert, weil die Angeklagten nicht geständig waren und für ihre Täterschaft nur schwache Indizien Vorlagen, Kahan konnte sogar Nachweisen, daß er an dem kritischen Tage in feiner Geburtstadt Mezricz geweilt hat. Lemberg, 26. Sept. Vor dem Czortkower Kreis gericht ging soeben unter leidenschaftlicher Anteilnahme jüdischer und antisemitischer Kreise ein Prozeß gegen zehn Juden wegen Totschlags, begangen an zwei polnischen Soldaten, zu Ende. Nachstehend die Vorgeschichte: An: 28. November 1929 entstand in einer Branntweinschänke zwischen drei betrunkenen polnischen Soldaten und jüdischen Gästen ein Streit, in dessen Verlaus ein Jude durch einen Bajonetthieb schwer verletzt wurde. Von herbeigeeilten Freunden des Verletzten bedrängt, ergriffen die Soldaten die Flucht und wurden von der erregten Menge verfolgt. Beim Passieren einer Brücke fielen zwei von den Soldaten in den Sereth-Flutz und ertranken, während der dritte in die Kaserne entkam. — Zehn Teilnehmer an der Verfolgung, und zwar der Spengler Josef Aschkenasi, der Tischlergehilfe Maische Zimmer, der Handlungsgehilfe Chaim Klinger, der Tischler Moische Knecht, der Fleischergehilfe Hersch Liebmann, der Fuhrmann Lipa Denkberg, sowie die Arbeiter Jakob Denkberg, Joseph Acker und Abraham und Dow Schweiger, hatten sich gegen die Anklage, die Soldaten ins Wassergetrieben und durch Steinwürfe gegen sie ihren Ertrinkungstod herbeigeführt zu haben, zu verantworten. Kronzeuge gegen die Beschuldigten war der Polizeiagent Jehuda Fuchs, der seinerzeit ebenfalls im Zusammenhang mit dem Vorfall verhaftet, später aber, unter gleichzeitiger Aufnahme in den Polizeidienst aus der Haft entlassen worden war. In die Verteidigung der Angeklagten teilten sich zehn hervorragende Anwälte, unter ihnen der aus dem Steigerprozetz bekannte Dr. Leib Lansau. Nach Abschluß des Beweisverfahrens, in dessen Verlaus zwei medizinische Sachverständige einoernommen und Lokalaugenscheine durchgeführt worden waren, erfolgte die Verurteilung der Angeklagten Lipa und Jakob Denkberg und Chaim Klinger zu je 6, Josef Acker und Herch Liebmann zu je 5 und Josef Aschkenasi zu 3 Jahren Gefängnis; die übrigen -Angeklagten wurden freigesprochen. Sämtliche Verurteilten haben Berufung eingelegt. Die Woche. Die erste Jahrzeit von Naftali Schwabacher Am Freitag, den 3. Oktober, rundete sich ein Jahr seit dem Ableben von Naftali Schwabacher Das Wort „unvergeßlich" ist in diesem Falle.keine leere Phrase. Unvergessen bleibt Naftali Schwabacher in Familie und Freundeskreis, unvergessen in seiner Gemeinde, unvergessen in seiner Synagoge, in der er, der erste Karnes, Jahre hindurch den Morgen mit Psalmenliedern weckte. Ain ersten Jahrzeitstage fand das liebende Gedenken mannigfaltigen und herzlichen Ausdruck. In weihevollster Stunde, in einer gedankenvollen Predigt vzr dem Mussafgebete am Jom-Kippur, gedachte der Herr Rabbiner in der vollgefüllten Synagoge Schwabachers, indeni er von Simeon dem Gerechten erzählte, der, nach einem talmudischen Bericht, am letzten Jom-Kippur seines Lebens das Allerheiligste mit der Gewißheit verließ, es nicht mehr zu betreten. Mit dem Jom-Kippur, der heiligen Versöhnung, im Herzen, ging Schwabacher voriges Jahr, einen Tag nach dem Feste, von uns. Am Freitag morgen, dem Jahrzeitstage selbst, trat der Vorstand, nach dem G'ttesdienste zu einem E e - dächtnis lernen zusammen. In den Räumen des .M e k o r - C h a j i m trug der Dozent im Rahmen eines Stiftungslernens Mischnah aarV vor. Möge das mar des so früh Heimgegangenen aw oaas seiner Gemeinde beistehen. Sukkaus im Verein «Alekor Lhajim" L. V. Frankfurt. 1. Tag (Dienstag): nach Schluß der Synagoge im Hörsaal Jahrzeitstiftungslernen: Emanuel Landau-Stiftung, Nathan Homburger-Stiftung, Herr Dr. Eliefer Posen. 1 Stunde vor Nacht im Hörsaal: mav-Gedanken Herr Dr. S. Ehrmann. 2. Tag (Mittwoch): 1 Stunde vor Nacht im Hörsaal a’j»a: nvaarr-Gedanken im tsms Herr Studienrat Max Munk, isivn Vm nachmittags 3/i Stunden vor im Vereinslokal raaaan nxn Herr Dr. Willy Hofmann; nachmittags im Anschluß an nnn im Hörsaal „Die letzten acht Verse der Thora", Herr Red. S. Schachnowitz. Sonntag A b e n d : uaa ruppim Lernen im Vereinslokal. Beginn abends 8.30 Uhr (Unkostenbeitrag Mk. 1.50). Gäste willkommen!, nun nn»r morgens 6 Uhr im Vereinslokal nvapn mit nainn riK-np (Es ist vorgesehen, jeden Teilnehmer aufzurufen). laos an (Donnerstag, den 16. Oktober 1930) Beginn des Winterprogramms. Sukkausvorkrag in der A. I.-Iugendgruppe. Am ersten Tag Sükkaus um 15.30 Uhr hält Herr H erz H alp er n im Vereinslokal einen Vortrag übe: I a u w e l und S ch m i t t o. Gäste willkommen.

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