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Der Israelit · 1930-10-06 · Heft 41 (6.10.1930) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 41 (6.10.1930)
Date
1930-10-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Der Israelit 6. Oktober 1930 Teils 6. Nr. 41. Diese Zustände sind es, welche uns jüdischen Wir glauben, daß auf diese Art die Errich Gastwirten die Freude an unseren Beruf vertuna guter Restaurants in den Städten durch leiden und in vielen von uns den Entschluß haben reifen lassen, unsre Betriebe zu verkaufen. Wie mancher von uns — und damit kommen wir zum Thema des Artikels — die wir Fachleute sind, würde gerne, um in der Zeit, in der das Sommersaisonhotel geschlossen ist, einen Verdienst zu haben, ein Stadt-Restaurant betreiben! Die Verhältnisse ermutigen nicht dazu. Wovon soll man leben? Wir befinden uns nicht mehr in den Zeiten des sel. Rabbiner S. R. Hirsch. Tempo, Tempo ist die Parole. Der Geschäftsreisende fährt im Auto und hat ferne Zeit mehr, sich an die Table d'hote zu setzen er nimmt sich kaum Zeit zum Mittagessen. Abends wohnt er im Hotel und muß auch dort etwas verzehren. So kommt es, daß selbst die Stadtrestaurants .in Großstädten, welche mittags sehr viel zu tun haben, abends, wo beim Service nach der Karte, etwas verdient werden könnte, leer stehen. Von Freitag bis Montag ist der orthodoxe Geschäftsreisende meist zu Hause, der Restaurantbetrieb läuft leer, wenn er nicht durch Ortsansässige unterstützt wird. Aber auch das ist nicht der Fall. Diejenigen Kreise, welche es sich heute noch leisten können, abends auswärts zw essen, suchen die mondänen Restaurants auf, wo getanzt wird ufw. Dort kann man auch Wein trinken, welcher bei uns verpönt ist. Es ist eine durch die Erfahrung immer wieder bestätigte Tatsache, daß selbst da, wo in Großstädten gut geleitete Restaurants bestehen, sie nicht existieren können, weil eben die kleine Minderheit der orthodoxen Gäste nicht genügt. Der nicht Orthodoxe kommt nicht, aus Gleichgültigkeit, er denkt gar nicht daran, daß man auch koscher essen könnte. Ein ganz gewaltiger Irrtum ist es jedoch, wenn Herr Löwenthal, der doch die Verhältnisse kennen müßte, glaubt, daß man mit geringen Mitteln ein modernes Restaurant errichten kann. Dann kommt eben wieder eine „Garküche" heraus, „wo der Appetit schon vergeht, ehe die Mahlzeit begonnen." Für wenig Geld kann man wohl eine Wohnung in Hinterhäusern und abgelegenen Wohnungen mieten, wie der Herr Verfasser sich sehr richtig ausdrückt, ein modernes Restaurant, das auch den liberalen Juden durch seine Aufmachung anlocken soll und allein existenzfähig sein kann, muß gut gelegen und entsprechend eingerichtet sein, und das kostet eben Geld. Auf einen andern Widerspruch möchten wir noch Hinweisen. Es wird der Mangel an jüdischen Hotelfachleuten beklagt. Im gleichen Artikel steht: Gibt es nicht ältere jüdische Mädchen, die sich auf diese Weise eine selbständige Existenz begründen und vielleicht auch dadurch heiraten können? — Dieser Satz ist ein Eingeständnis dafür, daß heute die Restaurants, wie sie in vielen' Städten bestehen, wohl einer Witwe oder einem jüdischen Mädchen eine Existenz bieten, Nicht aber einem Fachmann und Familienvater. In der Schlußfolgerung können wir Herrn Löwenthal nur beipflichten und wir möchten hier auch einen gangbaren Weg weisen. Es müßten die Gemeinden oder einezu diesemZweck g e g r ü n d e t e Gesell s ch a f t, um dem Unternehmer e i n e n T e i l des R i s i k o s a b z u n e h m e n, das Lokal zur Verfügung stellen. Der Unternehmer' pachte seinerseits d as e i n-g e r td)t e t e Q o t a l v o n derbetreffendenOrganisationund diese erhält die Pachtsumme in Form eines bestimmten Prozentsatz e s v o m U m s a tz. In di e s e r F o r m werden die B a h n h o f s r e st a u r a t i o - neu verpachtet, auchschon viele Privatunternehmen. Auf diese Art w ürde d i e ® emei nte einen Teil des Risikos tragen, a n d e r e r s e i t s a u ch bei gutem Geschäftsgang a nt G e - winn te? lnehmen. Heranziehung tüchtiger Fachleute am besten gefördert werden könnte. Der Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser e. V. in H a mb u r g schreibt uns: Die Ausführungen des Herrn Jehudo Arjeh im Sprechsaal Ihres gesch. Blattes vom 26. September gibt uns zu einigen Bemerkungen Anlaß.' Soweit sich die Aeußerungen des Einsenders au; bereits bestehende Eßgelegenheiten beziehen, möchten wir auf eine Erwiderung verzichten, ohne uns deswegen mit dem Verfasser des Artikels in allen Punkten einig zu erklären. Das von ihm behandelte Problem ist aber nicht so einfach, wie es aus den Ausführungen des Schreibers erscheint. Um so mehr haben wir Anlaß, uns mit den weiteren Ausführungen des Herrn Einsenders zu beschäftigen; zunächst mit der Behauptung, die Eßgelegenheiten in unserem Verzeichnis befänden sich meistens in Bädern. Eine oberflächliche Stichprobe der ersten drei Seiten unseres Verzeichnisses ergibt 32 Speisehäufer an Verkehrsorten gegenüber nur 10 an Badeplätzen. Hiermit soll keineswegs gesagt sein, daß nicht ein dringendes Bedürfnis nach Errichtung weiterer Speisehäuser besteht, und es ist ebenso selbstverständlich, daß wir ständig bemüht sind, jeder Möglichkeit zur Schaffung ovn weiteren Ehgelegenheiten mit größtem Eifer nachzugehen. Daß das Ergebnis unserer Bemühungen leider nicht in einem vernünftigen Verhältnis zu der angewandten Mühe steht, liegt an Verhältnissen, die der Artikelschreiber u. E. nicht zu würdigen versteht. Wenn auch nicht bestritten werden soll, daß es „eine ganze Anzahl gesetzestreuer Reisende gibt,.die an vielen Plätzen bei religiöszuverlässigen Leuten essen, die nicht unter Aussicht des Hamburger Vereins stehen," so wird jeder Einsichtige doch zugeben müssen, daß die angeführten Tatsachen keineswegs hinreichen, um solche Eßgelegenheiten ohne weiteres in unser Register aufzunehmen. Wer als Privatmann sich selbst das Recht und die Fähigkeit zufchreibt, über die rituelle Zuverlässigkeit eines Privathaushaltes ZU entscheiden, mag es immerhin tun. Unser Verein aber muß erst den objektive n Beweis der religiösen Zuverlässigkeit in Händen haben, bevor er ein Speisehaus in seinen Heften verzeichnen kann. Der Herr Einsender gibt nun die Gründe dafür an, daß die von ihm erwähnten Eßgelegenheiten nicht in unserem Verzeichnis zu finden sind und zwar 1. daß es Leute gibt, die sich für so vertrauenswürdig halten, daß sie die Aufsicht als ein Manko ansehen. Die Tatsache mag zutreffen. Sie bedeutet aber jedenfalls, daß die betr. Leute sich dann nicht bewußt sind, welches Unrecht sie den jüdischen Reisenden ' gegenüber begehen, indem sie sich durch ein falsches Ehrgefühl davon abhalten lasten, sich die religiöse Zuverlässigkeit bescheinigen zu lasten. Fälle, in denen „der Verein bezw. der Aufsichtführende besondere Schwierigkeiten bereiten, deren Berechtigung wohl begründet sein dürften", sind eben solche, die für unseren Verein nicht in Betracht kommen können und für den gewissenhaften Privatmann auch nicht in Betracht kommen dürften. 2. Leute, die die Kost e n scheuen, die ihnen der Verein bereitet, gibt es aber entgegen der Behauptung des Artikelschreibers n i ch t. In k e i n e m einzigen Falle, wo es sich um einen Privatmittagstifch handelt, zumal wenn ein solcher nur zum Nebenverdienst betrieben wird, erhebt unser Verein irgendwelche Kosten oder Gebühren. Im Gegenteil: in vielen solchen Fällen leistet der Verein einen laufenden Zuschuß zur Erhaltung der betr. Mittagstische. Wir können demnach wohl behaupten, daß die Auskünfte, die der Arti-kelschreiber erhalten hat, nicht zutreffend sind. Was seine Schlußbemerkung betrifft, dürfen wir in aller Bescheidenheit bezweifeln, daß die Absicht des Artikelfchreibers sich verwirklichen läßt. Im übrigen können wir darauf Hinweisen, daß wir im Begriffe stehen, einen, großzügigen Plan zur Schaffung von weiteren Eßgelegenheiten an kleineren und mittleren Plätzen zu verwirkliche?!, und , demnächst eine?? diesbezüglichen Fragenbogen an Interessenten ausgehe?? tasten werden. Soweit solche Interessenten nicht Mitglieder unseres Vereins sind, bitten wir um Aufgabe der betr. Adressen und werden alsdann den Fragebogen auch an diese versenden. * * * Auch von anderer Seite finfr uns mehr oder minder beachtenswerte Aeußerungen zu dem Gegenstände zugegangen. Einer dieser Einsender weist mit Recht darauf hin, daß man nicht in dem begreiflichen Wunsche, dem verwöhnten Geschmack Rechnung zu. tragen die elementarsten Notwendigkeiten übersehen dürfe. Es schlägt darum vor, die gesetzestveuen Rabbiner möchten alle ihren? Einfluß zugänglichen Kantoren und Schochtim auch auf den kleinsten Plätzen dazu anregen, daß sie sich bereit erklären, Reisenden ihr Haus, sei es auch nur zu einem bescheidenen Mahle gegen Entgelt, zu öffnen. Der Hamburger Verein würde alsdann bald in die Lage kommen, den Reisenden zehn?nal soviel Gelegenheiten zu einem religiös einwandfreien Mittagstisch nachzuweifen als bisher. Korrespondenzen « Nac-rlcdte». DeEches Nsich. Schochtimschule der frankfurter Iefchirva. Frankfurt a. M., 1. Okt/ Die der Frankfurter Jeschiwa angegliederte Schochtimschule des „Vereins' zur Ausbildung jüdischer Ritualbeamten" wird zur Zeit von 11 Schülern besucht. Die fünf Schüler des vorjährigen Lehrganges bestanden die Abschlußprüfung mit gutem Ergebnis und erhielten die Autorisation zur Ausübung der Schechita. Drei von ihnen haben bereits Stellen erhalten: die Herren Jakob Bloch in Neckarbischofsheim (Baden), Ifak Lange in Wächtersbach-Orb, Eugen G r o tz in Krumstadt (Hessen). Mehr denn je ist die Ausbildung tüchtiger Schochtim in Deutschland ein dringendes Gebot. Möge der Verein, der sich um die Stärkung des jüdischen Lebens in Deutschland so sehr verdient macht, und der durch die wirtschaftliche Notlage mit außerordentlichen Schwierigkeiten zu ringen hat, in seinem so bedeutungsvollen Werk durch Zuwendungen aller Kreise, denen die Zukunft des Thorajudentums in Deutschland am Herzen liegt, tatkräftig gefördert werden. Der Vorsitzende Herr Rabbiner Dr. Joseph Breuer ist zu jeder Auskunft gerne bereit. Zuwendungen nimmt der Kassierer, Herr Simon Mugdan, unter Postscheckkonto 50 714 Frankfurt a. M., dankend entgegen. Weltkongreß für das arbeitende Palästina. Berlin, 29. Sept. Am Samstag ist nach mehrmonatlicher Vorbereitung im ehemaligen Herrenhaus der erste Weltkongreß für das arbeitende Palästina in Anwesenbeit von 200 Delegierten und etwa 1000 Gästen eröffnet worden. Bei der hebräischen Eröffnungsrede Ben G u r i o n s im Rainen der palästinensischen Arbeiter- : Organisation (Histhadrut) gab es Lärm und Protest *'■ der linken Poale Zion, die Jiddischreden verlangten. Diese radikale Gruppe vollzog dann, als S o k o l o w das Wort ergriff, einen Erodus, wurde aber später wieder versöhnt. Von den Gästen ergriff der greise Sozialistensührer Eduard B e r n st e i n , alsdann Prof.

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