Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 40 (1.10.1930)
- Date
- 1930-10-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. Nr. 40. Frankfurts größtes Speziaihaus bietet „Beste Qualität zu billigsten Preisen“. Uhren aller Art Gold . Silber «Juwelen Bestecke Trau ringe urio soHn Nur Zeil 95 irTTöngesg. 25-27 Wir Juden möchten zur Beruhigung des Auslandes sagen, duß uns das gefallene Wort gar nicht so sehr zu schrecken vermag, wie man es dort annimmt. Denn schließlich kann doch das gesprochene Wort nicht schlimmer sein als die geübte Tat: — Ueberfülle auf einzelne Juden gehören in Stadt und Land schon längst zu den Erscheinungen des Tages; die Zahl der Friedhofsfchändungen nähert sich dem Hundert. Die diese Schandtaten begehen, gehören samt und sonders zur Gefolgschaft derer, die jetzt, durch die Siege ermutigt, dem Kind den richtigen Namen geben. Die Mehrheit des deutschen Volkes hat mit diesen Dingen nichts zu tun und die Regierung wird —- darüber mag das Ausland beruhigt sein — auch fernerhin nicht von Goebbels und Konsorten geleitet werden. Jüdische Leichen für Sekkionszrvecke. , In . der polnischen Haupt- und Universitätsstadt Warschau tobt seit Jahr und Tag ein Kampf um die jüdischen Leiche n. Die Anatomie verlangt von den Spitälern in gleichem Maße die Herausgabe auch jüdischer Leichen zum Zwecke der Sektion. Rabbinat, jüdische Spitalverwaltung und Gemeindeinstanzen wehren sich dagegen aus religiösen Gründen die die akademischen Behörde nicht verstehen wollen. Weht eine antisemitische Welle über die Rampe der Universität, was in Warschau gelegentlich ebensogut vorkommt, wie in Bukarest, Budapest, Wien und Posen, dann werden die jüdischen Studenten aus der Anatomie von ihren Kommilitonen hinausgeboxt. Leichen her oder ihr bleibt von der Medizin weg! Die Unbeugsamkeit des Rabbinates wurde auch in manchen thorafremden jüdischen Kreisen nicht verstanden und gebilligt. Wurden doch voriges Jahr die Rabbiner von jüdischen Medizinstudenten bestürmt, dem Verlangen der Universitätsbehörden nachzukommen, da ihnen sonst der Weg zum Studium und die akademische Laufbahn abgeschnitten würde. Für das Rabbinat blieben aber die 'Bestimmungen des Schulchan Aruch von d^n^n des akademischen Senates unberührt. Nunmehr wird durch die ITA folgende Nachricht aus Warschau verbreitet: „Durch eine Verordnung des Innenministers wurde die Frage der Auflieferung jüdischer Leichen an die anatomischen Institute zu Studi.enzwecken wie!'folgt geregelt: Auf Grund der neuen Verordnung, müssen Leichen von in Krankenhäusern Verstorbenen, deren Verwandten bis zum vierten Grade auf'beten Wünsch äusgeliefert werden. Haben die Verstorbenen jedoch keine Familie oder nur Verwandte ferneren Grades, so sind die Leichen dem Anatomischen Institut zu übergeben." Es wird M der Notiz nicht gesagt, wie sich Rabbinat und jüdische Spitalverwaltungen zu. dieser „Lösung" verhalten. Vermutlich sind sie gar nicht gefragt worden, in der naiven Annah ine, daß die jüdische Liebespflicht gegen einen toten Bruder Mt der Abnahme des Verwandtengrades sich mindert und verschwindet. Wir zweifeln keinen Augenblick, daß die Hüter der jüdischM Religion das Ministerium bald über das Irrige dieser Annahme, belehren werden. Wiegt doch nach jüdischer Auffassung und jüdischer Tradition die letzte Liebespflicht an einem „Toten ohne Annehmer", also an einem ni8v n» noch schwerer als in sonstigen Fällen, so schwer, daß alle anderen Pflichten des Tages vor dieser zuriicktreten. Es kann somit bei dieser Wendung von einer „Lösung der Frage" nicht die Rede sein. Der Israelit 1. Oktober 1930 Die Methoden, des « Berliner Landesverbandes,. Eine Entgegnung zu den Ausführungen des Herrn Provinzialrabbiners Dr. -Gra- " denwitz in Nr. 37 des „Israelit" vom 18. Ellul 5690. ■; Vost Rechtsanwalt Abraham Horovitz in Frankfurt a. M. Ohne auf die allgemeine Kritik der Leistungen des Berliner Verbandes, die der Verfasser oornimmt, an dieser Stelle einzugehen, liegt es mir ob, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen, die sich HerrPrövinzialrabbiner Dr. Eradenwitz dahin gestattet, es mühten „offenbare Unrichtigkeiten" zurückgewiesen werden, Ich schicke dabei nur voraus, dllh die Konservative Fraktion im Verbandstäg des Preuhischen Landesverbands jüdischer Gemeinden Berlin, der ich bisher vorzustehen die Ehre hatte, sich, wie stets, auch auf dem letzten Verbcmdstag für eine gemeinsame Arbeit der beidjen Verbände, also des Berliner Verbandes und des Halberstädter Verbandes, ohne Rücksicht aus Rang- und Prestige-Fragen eingesetzt hat. - Ich habe auf dem Verbandstag keinen Anlaß genommen, das Provinzialrabbinat Hanau zu erwähnen. Ich bin nun gezwungen, an Hand der Ausführungen des Herrn Provinzialrabbiners Dr. Eradenwitz auf den von ihm erwähnten Fall genauer einzugehen, zumal Herr Provinzialrabbiner Dr. Eradenwitz mir. das Recht streitig macht, mich wegen Anstellung eines Lehrers in eine Gemeinde zu begeben, von der ich gewußt habe, dah sie dem Halberstädter Verband angehört und mir im Anschluß daran sogar den Vorwurf der birz mpn— madj’t Zunächst ist es unhaltbar, dah jeder, der in einem Verband tätig ist, sich deshalb nicht wegen religiös-dringlicher Fragen in die Gemeinde eines anderen Verbandes begeben dürfte. Die ganze Tätigkeit aller gesetzestreuen Institutionen und Verbände wäre, nebenher gesagt, ganz unmöglich, wenn dieser Grundsatz Geltung haben sollte. Aber auch die Tatsachen zeigen klar, dah gür keine Rede davon sein kann, daß ich oder der Berliner Verband sich in Angelegenheiten des Halberstädter Verbands dadurch „eingemischt" hätte, dah ich die betreffende Gemeinde besucht habe. Die Gemeinde W. ist seit Kriegsbeginn etwa ohne Lehrer. Seit dem Jahre 1928 hat diese Gemeinde mir Mitteilen lassen, sie wünsche gemeinsam mit einer benachbarten Gemeinde, die nur dem Berliner Verband angehört, einen Lehrer zu erhalten und Hierwegen mit dem Berliner Verband zu verhandeln. Einer der Vorsteher schrieb damals, dah die Gemeinde, ohne weiteres dem Berliner Verband beitrete, wenn sie durch ihn endlich einen Lehrer bekomme. Um die beiden Gemeinden herum liegen noch eine Reihe von kleinen Gemeinden, die außer W., sämtlich dem Preußischen Landesverband, Berlin, angehören, und es tauchte der Plan auf, diese sämtlichen Gemeinden zu einer Bezirkslehrerstelle zu vereinigen. Auf nochmaliges, mir weitergegebenes Ersuchen im Jahre 1929 und auf ein besonderes Schreiben der benachbarten Gemeinde an den Preuhischen Landesverband vom September 1929, das mir in Abschrift übersandt wurde, besuchte ich dann im November 1929 zu einer Besprechung mit den Vorstehern der fünf in Betracht kommenden Gemeinden (wovon also vier dem Preuhischen Landesverband bereits angehörten) die Gemeinde W., und es wurde dort in stundenlangen Verhandlungen eine Regelung verabredet, die die Gemeinden einigermaßen befriedigen konnte. Es schien endlich, dah die fünf Gemeinden eine Versorgung, finden konnten. Die Bezirksältesten sprachen die bestimmte Hoffnung und ihren Dank dafür, aus, dah die Angelegenheit endlich-einen Erfolg zu haben scheine, und baten sogar um. eine nochmalige- Zusammenkunft zwecks Erörterung von Einzelheiten. . - Indessen wandte sich .die Gemeind^ W. mn den. Preußischen Landesverband und schrieb diesem: , . „In dem Glauben, daß 'der Halberstädter Verband konservativ, der Ihrige nur liberaler Richtung sei. schlossen wir uns seinerzeit dem erfteren' ast." Der, Synagogenälteste fügte stpzelne Wünsche wegen - der Regelung an und brächte auch zum Ausdruck, dah ich mich,.„in sehr dankenswerter'Weist unserer Gemeinde angenommen" hätte. Er-,schloß Mit dein Ausdruck der Hoffnung, „dah unsre Lehrerstelle nach löjähriger Verwaisung recht bald ihre Besetzung findet." Es gelang auch unter erheblichen Schwierigkeiten, unter einer ganzen Reihe von Kandidaten, die zum Teil von den gesetzestreuen Seminaren benannt worden waren, einen geeigneten Kandidaten ausfindig zu machen, gegen dessen gesetzestreue Führung und gegen dessen Eignung Bedenken nicht bestehen konnten. Der betreffende Herr setzte sich mit der Gemeinde ins Benehmen, die nun aber meldete, sie habe sich „ordnungsgemäß an das Vorsteheramt" gewandt. Daß das Vorsteheramt mit der Sache zu tun hatte, war mir ganz unbekannt, und ich brachte das auch dem Gemeindeältesten gegenüber schriftlich zum Ausdruck, gab aber zu erwägen, jedenfalls doch recht schnell das Weitere zu tun. Ich erklärte mich auch bereit, mit dem betreffenden Herrn des Vorsteheramts zwecks Beschleunigung itzs Benehmen zu treten. Ich veranlahte alsbold den Kandidaten, sich mit dem zuständigen Herrn Provinzialrabbiner und dem Vorsteheramt ins Benehmen zu setzen; das geschah auch. Während die Gemeinden dem Kandidaten mitteilten, sie . seien mit seiner Einstellung völlig einverstanden, bemerkte Herr Provinzialrabbiner Dr. Eradenwitz dem Kandidaten gegenüber, so schnell könne die Sache nicht erledigt werden. Auf Rückfrage bei dem Vorsitzenden des Vorsteheramts hörte ich von diesem, Herr Provinzialrabbiner Dr. Zigarren 4Q Wolf Zeil "Hl Tel. Hansa 274!» | Mrahenwitz habe ihm mit geteilt, dah '* 'Kriegen Schaffung einer Bezirkslehrerstelle^ auch für Wh Gemeinde W. Verhandlungen mit dem Halber- .Mivter Verband schwebten und dah „.dst. baldige ' >.-;Mesetzung der Stelle in Aussicht stehe".?^''' '(Von" den schwebenden Verhandlungen wegen--'Besetzung der Lehrerstelle für W. mit dem Halberstädter Verband war den Vorstehern der Gemeinde W. bis zum Februar 1930 und in den laNgep Zeiten seit 1928 offenbar nichts bekannt gewesen^ - •£uj Me? auch . dM Vo^ntzen. des Vorsteheramts darauf hin; „Für mich ist die Hauptsache, daß endlich die trostlosen Verhäitnisse die, sich ' in W., S. usw. herausgestellt haben, und die der GemeinLevorstand mir auf das Schlimmste geschildert hat,- beseitigt werden. Auch das dortige Vorsteheramt mühte doch das stärkste Interesse daran haben, dah endlich wieder ein Lehrer in die verwahrloste Gemeinde kommt". Am 19. März 1930 erhielt ich von dem Synagogenältesten in W. die Nachricht, „dah wir in Anbetracht der gegebenen Verhältnisse im Halberstädter .Verband bleiben wolleü, da wir nur mit dem Vorsteheramt arbeiten können." Das Vorstehende ist der akt?nmähige Sachverhalt. . . Alles was von mir in Berlin gesagt wurde, trifft zu. Ob der Herr Provinziakrabbiuer und da's 'Vorsteheramt..hie Verhältnisse in den einzelnen beteiligten Gemeinden als unwürdig, nachteilig und traurig ansehen, kann ich nicht beurteilen. Die Gemeindevorsteher, die wir gesprochen hatten, haben jedenfalls die Verhältnisse so angesehen und haben UNS in diesem Sinne berichtet. Allerdings hat mir dann im März 1930 Herr Provinzralrabbiner Dr. Gr^depwitz mitgeteilt, von meiner Verwahrlosung der Gemeinden iönne „stine Rede sein. Er hat mir auch geschrieben, dah er vor drei Jahren schon die Idee einer Zusammenfassung zu einer Bezirkslehrerschaft geäußert habe, dah sich aber dieser Gedanke bei zweimaligem Ausschreiben mangels geeigneter Kräfte nicht habe verwirklichen lassen. Die Gemeinden, von denen meines Wissens vier dem Provinzialrabbinat Hanau angehören, haben aber ihrerseits jedenfalls das Fehlen eines eigenen Funktionärs auf das Empfindlichste vermiht und entsprechende Klagen uns geäußert. Bewerber für die Bezirkslehrerstelle waren uns auch ausreichend benannt worden. Hätte man schnell zugegriffen, wäre die Stelle längst besetzt. Ob sie jetzt endlich besetzt ist, weih ich nicht einmal. Aus den Akten ergibt sich somit mit aller Klarheit a) dah die Gemeinden, nachdem sie offenbar von anderer Seite zu wenig Unterstützung, vielleicht auch zu wenig Initiative gefunden zu haben meinten, sich an uns gewandt haben, b) dah ein Kandidat, der auch von gesetzestreuem Standpunkt aus jede Garantie bot und der übrigens inzwischen in einer anderen gesetzestreuen Gemeinde zur Freude seiner Gemeinde Anstellung gefunden hat,, sofort hätte eingestellt werden können, c) dah die Gemeinde W., ihren bereits dem Berliner Verband mitgeteilten demnächstigen Beitritt zum Berliner Verband offenbar zurückzog, „da wir nur mit dem - Vorsteheramt arbeiten können." Was die Angaben in den: gedachten Artikel über das Schreiben des Herrn Provinzialrabbiner Dr. Eradellwitz vom 19. März 1930 an mich anlangt,. fö bezieht sich dieses allerdings in seinem ersten Teil auf die Angelegenheit eines Lehrers, den der Herr Provinzialrabbiner Dr. Eradenwitz nach diesem Schreiben von sich aus veranlaßt.: hatte, durch mich an denn Berliner Verband heranzutreten. In dem zweiten Teit des Briefes war die Angelegenheit der Gemeinde W gehandelt,, und dieser ausführliche'i zweite Teil des Briefes/' schließt mit den folgenden Worten: '; „Ob. wir dieses Mgl (bei der Ausschreibung für WZ besseren Erfolg, haben, werden, - scheint mir sehr, zweifelhaft, wie ich aus meinen' Erfahrungen in anderem Gemeinden weih. - Eines habe ich zu meiner - Drohen Freude konstatieren können: Auch der Berliner Verband kocht nur mit Wasser." Damit schloß das Schreiben, und auf dieses Schreiben, und zwar auf diesen zweiten Teil, habe ich wörtlich wie folgt geantwortet: „Wenn Sie jetzt aber eine Ausschreibung , vornehmen, bin ich sicher, dah Sie Erfolg haben, werden,, und es würde mich jedenfalls freuen, dah unsere Bemühungen dazu geführt haben, dah in jedem Falle die Angelegenheit der Gemeinde W: beschleunigt zu einem günstigen Ende geführt worden ist. Ich würde mich dann nicht darüber freuen oder darüber klagen, ob der oder jener Verband die Gemeinde behält, viel mehr wäre mir die H a u p i - s a ch e, dah endlich eine wirklich geeignete Kraft an den einen oder anderen Ort kommt." Mit dem Vorstehenden sind die Ausführungen des Herrn Provinzialrabbiners Dr. Gradenwitz richtig gestellt. — Ich beschränke mich aus die Mitteilung dieser Tatsachen. Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton- S. Schachnowitz, Frankfurt a. M.; Inserate i. B.: S. Schach» nowitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann, ln Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Berlag des Israelit und Hermon G. m. b> H., Frankfurt a. M. — Drucke Hermon-Druckerei, Frankfurt a. M.