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Der Israelit · 1930-09-26 · Heft 39 (26.9.1930) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 39 (26.9.1930)
Date
1930-09-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 39. Seite 5 26. September 1930 uttb Wurstwaren beim jüdischen Metzger einkauft! Ganz besonders richten wir an alle diejenigen Glaubensgenossen die dringende Bitte, uns zu unterstützen, welche bis heute in speisegesetzlicher Hinsicht auf der Plattform öes Judentums standen. Bringt alle das kleine Opfer, zeigt, was jüdische Gemeinschaft ist, denn die, welche das Schächtverbot gemacht haben, — wollen nicht die Tiere, indem sie Tierquälerei vorschützen, schonen, sondern uns Juden alle damit treffen. Wir werden bestrebt sein, trotz der schweren finanziellen Opfer, welche durch das Schächten in austerbayerischen Ländern entstehen, Euch stets wie bisher mit frischester Qualitätsware zu versorgen. In vier bis fünf Stunden wird das Fleisch mittels Bahn und Autolastwagen, in Kühlwagen, seinen Bestimmungsort erreichen. Angesichts der allgemeinen schweren Wirtschaftslage wird, trotz bedeutender Mehrspesen, auch von uns das schwere Opfer gebracht, indem wir kein e.. Erhöhung des F l e i s ch p r e i f e s eintreten lassen werden. Unterstützt unsere sämtlichen bayerischen Fleisch- und Wurstwarengeschäfte, indem Ihr beim jüdischen Metzger kauft, damit das seit Jahrhunderten bestehende jüdische Fleischergewerbe nicht schmachvoll untergeht! Eröffnung der LSnder-konferenz von Ose. Berlin, 17. Sept. Am 16. September abends wurde im Logenhaus zu Berlin die Konferenz des Verbandes für Gesundheitsschutz der Juden „Ose" in Anwesenheitvon zahlreichen Delegierten der Ose-Organisation aus fast allen europäischen Ländern — meist hervorragenden Vertretern der Aerztewelt —, Vertretern der Jüdischen Gemeinde Berlin und befreundeter Organisationen eröffnet. Der Verbandsvorsitzende Dr. Tschlenow, begrützte die Erschienenen. Im Namen der Berliner Jüdischen Gemeinde und des Preuhischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden begrützte deren stellvertretender Vorsitzender Dr. Alfred Klee die Konferenz. Nach einer langen Reihe von Begrüßungen erstattete Dr. T s ch l e n o w den Bericht der Zentralverwaltung von Ose für die Jahre 1927 bis 1929, aus dem NaW stehendes heroorzuheben ist: In der Berichtsperiode erfolgte eine völlige Umstellung der Arbeit von Ose, welche früher vorwiegend/ Hejlfürsorge umfaßte, auf prophylaktische Tätigkeit. 1925 waren mehr als die Hälfte der Anstalten reine Heilanstalten. 1929 sind unter 199 Anstalten nur 56 reine Heilanstalten, die übrigen 143 dienen prophylaktischen -Zwecken. In den Jahren 1927 bis 1929 sind 71 neue /prophylaktische und Kinderanstalten in Betrieb gesetzt worden. In der Gesamtzahl der gegenwärtig in Betrieb stehenden Anstalten sind enthalten: 3 Schwangerenfürsorgestellen, 18 Säuglingsfürsorgestellen, 19 Höhensonnekabinette zur Rachitisbekämpfung, 38 schulhygienische Stationen, 39 Sommeranstalten, 21 zahnärztliche Kabinette, 4. Röntgenkabinette, 43 Ambulanzen, 3 Tuberkulose-Fürsorgestellen und 11 verschiedene andere Anstalten. Die Anzahl der durch den Mutter- und Säuglingsschuh von Ose betreuten Kinder betrug im Jahre 1929 bereits 2762. Während 1935 bis 1926 die Säuglingsfürsorgestellen blohe Ambulanzen waren, wird heute dort auf vorbeugende Fürsorge das Hauptgewicht gelegt. Die Milchküchen haben - im Jahre 1929 534 000 Flaschen Milch und 38 000 Kg. Nährmittel verteilt. Infolge der Arbeit des Ose sank die Sterblichkeit der von ihr betreuten Kinder in Kischinew auf die Hälfte der nichtersahten. Während der Hungerperiode von 1929 dehnten die Säuglingsfürsorgestellen ihre Tätigkeit auch aus Kinder im Alter von über zwei Jahren aus und haben zur Zeit der ärgsten Not einige hundert Kinder gespeist und versorgt. Die Rachitisbekämpfung .konnte dank einer speziellen Stiftung des Herrn Jacob Michael im Jahre 1929 durch Errichtung von sieben neuen Höhensonnenkabinetten in Rumänien, Lettland und Litauen bedeutend erweitert werden. Die Zahl der dort behandelten Kinder ist von 385 im Jahre 1927 auf 2210 im Jahre 1929 gestiegen. Die schulhygienische Fürsorge umfaht Zahnbehandlung, Tuberkulose-Bekämpfung und Betreuung physisch defekter Kinder und wurde 1929 in 37 Städten durchgeführt. 152 Schulen mit etwa 20 700 Schülern standen unter ständiger Aufsicht. Die Arbeit der Schulärzte wird , durch spezielle Fürforgeschwestern , unterstützt. Für die Eltern Mirden Beratungsstunden eingeführt. Mit Hilfe des Joint, Der Israelit der den Verband Ose stets in großzügiger Weise unterstützt hat, konnten im Jahre 1929 in Litauen und Betzarabien Schulspeisungen durchgeführt Zierden. Die Hilfe des Joint ermöglichte auch die Errichtung von Sommerferienkolonien, in denen im Jahre 1929 2032 Kindet untergebracht ^werden konnten. In den zahnärztlichen Stationen wurden im Verlauf von drör Jahren 4707 Schüler behandelt. In den' letzten drei Jahren wurden zwei Gesundheilshäuser errietet, das erste 1927 in Köwno, das den Namen des verstorbenen Gründers der Oje, Dr. S. G. Frumkin, trägt, das zweite anfangs 1929 in Kischinew. Das Gesundheitshaus in Kowno besitzt einen Turn- und Vortragssaal, ein hygienisches Museum, eine Poliklinik, eine schülhygienische Fürsorgestelle, ein Lichtheilkabinett, ein Sonnenbad und ein Schulbad. Das Gesundheitshaus in Kischinew hat eine Mutter- und Säuglingsfürsorgestelle, eine Schwangerenberatungsstelle, eine schulhygienische Fürsprgestelle, ein Röntgenkabinett und ein Lichtheilkabinett. Einen wesentlichen Teil der gesamten Tätigkeit bildet die hygienische Aufklärung durch Broschüren, Merkblätter und Plakate in jiddischer Sprache, sowie durch die Herausgabe eigener hygienischer Blätter als Beilage zu jüdischen Zeitungen. Ferner haben 300 Vorträge und 220 Besprechungen stattgefunden. Es wurde ein hygienisches Wandermuseum geschaffen und eigene Propagandawochen als „Gesundheitswochen" veranstaltet. Die Hauptforge der Zentralverwaltung war die Beschaffung von Mitteln zur Stärkung der materiellen Grundlage der lokalen Organisationen. Diese Arbeit war durch die Wirtschaftskrise der Jahre 1928 und 1929 sehr gehemmt. Die Hauptquelle auswärtiger finanzieller Unterstützungen war der Joint, der jedoch genötigt war, seine Subvention von 48 000 Dollar im Jahre 1927 aus je ca. 14 000 Dollar in den Jahren 1928 und 1929 zu reduzieren. Dieser Ausfall an auswärtigen Unterstützungen konnte durch die Steigerung lokaler Einkünfte nur einigermatzen ausgeglichen werden. Es ist jedenfalls zu begrüßen, datz im Gegensatz zu den Jahren 1924 und 1925, in denen nur '40 Prozent der Mittel lokal aufgebracht werden konnten, in der Periode 1927 bis 1929 schon 60 bis 70 Prozent der Ausgaben ^an Ort und Stelle gedeckt werden konnten, wodurch das Budget des Verbandes größere Sicherheit und Stabilität erhält. In Amerika wird eine größere Aktion zur Werbung von Mitgliedern einzuleiten sein. Die Sammlungen in den westeuropäischen Ländern wurden im Rahmen des gemeinsamen Hilfskomitees Ort-Ofe-Emigdirect geführt. 1929 hat der deutsche Landesverband Sammlungen eingeleitet, die besonders in Berlin gute Erträge erbrachten. Schwel;. Jüdische Vertretungen auf der Internationalen Konferenz für Wandererschuh. Genf, 16. Sept. Am 11. und 12. September tagte in Genf die 7. Session der Permanenten- Internationalen Konferenz für Wandererschutz unter Vorsitz von S. Cohen, Mitglied der Executive der Konferenz und Sekretär der Jewish Association for. the Protection of Girls and Women. Auf der Tagung wuren über vierzig Organisationen aus dreizehn Ländern vertreten, darunter folgende jüdische Gesellschaften: die JCA, das Joint Foreign Comitee, der Hilfsverein der Deutschen Juden, die Jewish Association for the Protection of Girls and Women, Emigdirect und die Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge in Berlin. Der Vorsitzende der Session und die Vertreter einiger Organisationen widmeten dem verstorbenen Lucien Wolf, einem der Gründer und tätigsten Mitarbeiter der Konferenz, Worte des Gedenkens. Wie immer bei diesen Tagungen erschien auch dieses Mal der Direktor des Internationalen Arbeitsamtes, Herr Albert Thomas, um die Konferenz der wirksamen Mithilfe des Internationalen Arbeitsamtes zu versichern und darauf hinzuweisen, datz sowohl das Internationale Arbeitsamt als auch der Völkerbund sich die praktischen Erfahrungen der zahlreichen Organisationen für Wandererschutz, die der Konferenz angeschlossen sind, bei ihrer Arbeit nutzbar machen. Die Konferenz beschloß, eine Reorganisation durchzuführen, die es ermöglichen soll, in Zukunft eine wirksamere Tätigkeit zu entfalten. Insbesondere galten. die diesbezüglichen Beratungen einer finanziellen Stärkung der Organisation. Mehrere Organisationen erklärten sich aus freien Stücken bereit, ihre Mitgliedsbeiträge für die Konferenz zu erhöhen, wodurch eine festere finanzielle Basis geschffen wurde. Die Beratungen galten folgenden, für den Wandererschutz sehr wichtigen Probleme: Leistung und Lebensunterhaltsbeiträgen durch die Ausgewanderten an Familienmitglieder, die im Heimatslande mittellos zurückgeblieben sind; Auswahl und Placierung von ausländischen Arbeitern; Pflichtversicherung der Schifsspassagiere; Jntelligenzprüfung der Auswanderer durch die amerikanischen Konsulate; Situation von mittellosen Personen, die zur Rückwanderung in ihre Heimat gezwungen sind; Frage der Gleichstellung der eingewanderten Personen mit Einheimischen hinsichtlich sozialer Versicherung. Die Konferenz gab der Executive eine Reihe wertvoller Anregungen für die weitere Bearbeitung aller dieser Fragen; man hofft, datz in den nächsten Tagungen Beschlüsse gefaßt werden, die für das Schicksal von Tausenden von Wanderern wichtig sind. Die Mitarbeit jüdischer Organisationen an der Konferenz, die sich immer mehr die Sympathie und die Anerkennung des Völkerbundes und des Internationalen Arbeitsamtes erwirbt, ist von großer Bedeutung. Der Executive gehören aus Vertretungen jüdischer Organisationen die Herren Direktor Edouard Oungre und S. Cohen an. polen. Die polnische Landesorganisalion der „Agudas Jisroel" und die bevorstehenden Sejm-Wahlen. Warschau, 16. Sept. Das Zentralkomitee der polnischen Landesorganisation der „A g u d a s I i s r o e l" trat am Sonntag Abend zu einer Plenarsitzung zusammen, an der die führenden Mitglieder sowohl der kongreß-polnischen, als auch der galizischen und polnisch-litauischen Gruppenverbände teilnahmen. Die Sitzung, die erst in den frühen Morgenstunden ihr Ende erreichte, ergab die einheitliche Stellungnahme der Agudas Jisroel zu den Wahlen. Es wurde beschlossen, die von der Exekutive bisher abgegebenen Erklärungen zu billigen, die darauf hinausgehen, datz angesichts der schwer gefährdeten ökonomischen und politischen Lage der jüdischen Massen für die Wahlen ein einheitlicher technischer Block sänitlicher jüdischer Parteien zu erstreb e n ist, wobei jeder Versuch einer Vorherrschaft der einen Partei über die andere ausgeschlossen bleiben mutz. Entsprechend den vor einem halben Jahre getroffenen Abmachungen mit den der „Agudas Jisroel" nicht formell angeschlossenen chassidischen Führern werden auch diese Hand in Hand einheitlich mit der „Agudas Jisroel" vorgehen, so datz die Orthodoxie geschlossen in den Wahlkampf eintritt. Das Zentralkomitee ernannte eine besondere Wahlexekutive, in der alle an dem orthodoxen Block teilnehmenden Gruppierungen vertreten sind. Die Exekutive wird eine politische, eine technische und eine finanzielle - Kommission einsetzen. Alle Nachrichten von angeblichen Differenzen zwischen den Führern der polnischen Agudas Jisroel insbesondere auch diejenigen, die sich auf die Person des Abgeordneten Kirschbraun beziehen, werden als gegenstandslos dementiert. Rumänien. Die antisemitischen Unruhen in Borscha vor Gericht. Marmaros-Sziget, 17. Sept. Der Generalstaatsanwalt von Marmaros-Sziget, Bastle Chindris, hat die Untersuchung über die antisemitischen Ausschreitungen in Borscha und in S z i g e t abgeschlossen, und die Anklage fertiggestellt. Es wird gegen 86 Personen die Anklage erhoben. Unerwarteter Weise befinden sich unter den Angeklagten auch 1"7 Juden, gegen die wegen Gewalttätigkeit die Anklage erhoben wird, obwohl sich die Juden in einem Verteidigungszustand befunden haben. Unter den Hauptangeklagtein sind auch die Priester B e r i n d e und D u m i t r e s c u. Die Anklage des Aufruhrs wird gegen 59 Bauern erhoben, die unter Einwirkung der Hetzreden Damilas sich der Gendarmerie widersetzten. Die Hauptverhandlung beginnt noch in diesem Monat vor dem Gericht in Marmaros-Sziget. Die Verteidiger der Angeklagten haben die Einvernahme von

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