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Der Israelit · 1930-09-26 · Heft 39 (26.9.1930) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 39 (26.9.1930)
Date
1930-09-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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an Seite 4. Nr. 39 Der Israelit 26.., September 1930 bergen" einen solch furchtbaren Gedanken,' vor dessen vernichtender Gewalt die zuvor verkünde ten Verhängnisse in den Schatten treten Da drängt sich uns die Frage aus: Soll , der Prophet mit der tiefen Tragik von seinen Zeitgenossen Abschied nehmen,. daß er ihnen den unüberbrückbaren Abgrund! zeigt, an dessen schmalem Rande sie sich bereits befinden? Gibt es nicht ein einziges Mittel, selbst dieser erschütternden Strafandrohung zu entgehen? Steht nicht dem E-inzelnen und der Gesamtheit noch aus ödr untersten Stufe der Gesunkenheit die Teschuwoh zu Gebote, durch welche sich G'tt so gerne bestimmen läßt, das Geschick der Menschheit zum Guten zu wenden? In der Tat, auch hier ist noch Teschuwoh möglich, ja damit bewährt sie erst recht ihre sieghafte Kraft. Und so spricht der Prophet im engen Anschluß an die erschütternde Botschaft noch einmal von Teschuwoh und schildert sie in solch anschaulicher, leicht faßlicher Form,, daß man im Geiste den geschichtlichen Augenblick feiern möchte, in welchem der Gedanke der Rückkehr aus dem düsteren Gewölk der Zeit leuchtend hervortrat. Nehmen wir es gleich vorweg: - n- Die Angelpunkte der beiden Verse, die grundsätzlich wohl den Sinn der Teschuwoh erschöpfen, bilden die Wörtchen iy und *?x. Schon unser Lehrer Moscheh beNente sich ihrer. (5. B. M. .Kap. 30/ Verse 2 undlilO.) Als er sie erwähnte, schaute er Israels Zukunst, schaute also auch die Zeiten, über welche der Prophet Hosea das göttliche Urteil der Vernichtung auszusprechen hatte. Indes waren die schlimmen Tage in Wirklichkeit noch nicht herangerückt. Moscheh streifte, sie nur in geistiger Vorausschau. Die Gegenwart stand auf einer gewissen sittlichen Höhe, indem das Volk im Begriffe war, ins heilige Land zu ziehen. Da bedurfte es nur des Hinweises auf den Kerngedanken der Teschuwoh, wie er in ly und i-x besiegelt ist. Dem Propheten Hosea blieb es dann Vorbehalten, in der Stunde des Ernstes an diese schlichten, das Heil der Menschheit verbriefenden Worte anzuknüpsen, um die in ihnen keimartig enthaltenen Gedanken zu entfalten. Moscheh hatte die Worte als AngebmÄe der Tauroh am Sinai empfangen. Sie zeigen als das Urbild der Teschuwoheinen Weg. w bezeichnet seine Stationen, bx weist auf das Ziel. Den Stationen und dem Ziele widmet Hosea an unsrer Stelle je einen Vers, die einander ergänzen. Irren wir nicht, so ist der hier gedachte Weg der Teschuwoh der gleiche, der jedem Menschen als Weg des Lebens vorgezeichnet ist und ist somit der Weg, den auch die Frommen wandeln, die von jeher Fehl und Sünde gemieden. Gerade am Rausch Haschonohfeste tritt der Weg in diesem .SinN»e'i in den Bereich unsrer Vorstellung Das GÄesAericht scheidet an--' diesem Tage die --r'GküPpen: die Vollkommeneü', Und die Geseßtösen. Dle'Vtill? köwüren^n stehen am Ziele (==';fr* *?x);' di^ Gesetzilosen verharren in bewußter'Meise absetts vom Wege; -die - Durchschnittsrnenschen * bevölkeM den Weg vom Fuße bis' MM Gipfel' Es gibt ein herrliches Naturgemälde, dessen Fläche ein breiter, sonnenbeschienen>er Weg einnimmt und dessen Landschaft nur aus der Ferne in -zarten Linien grüßt. Solch ein Weg ist ein Bild des Züd^NtuMS', dessen ganzer Inhalt einem zur Höhe führenden Wege gleicht.^. Die innere BefbiMguM'- welche das Judentum seinen Getreuen' bereitet,:liegt in der frohen Wanderung aus der--Flur dieses Weges. Die Unzähligendie von d'er NMÄüng bis zur lichtumspielten Spitze deck 'Weg beleben, sind von einem Bands der Gemeinschaft umschlungen^ denn der ganze Wegfolgt der einen Richtung: H iv ■?= „bis zu G'tt-. ' Es ist schließlich - zugleich der Weg, -der aus der Abirrung zu G'tt Zurückkehrenden. Auch ihnen steht der helle Weg des Judentums mit, stmer Freiheit‘ und feiner Freude 'offen/ - Die Abschiedsworte Hofetts^an fein entartetes Geschlecht gestalten sich daher züÄner unvergleich-- lichen Löbpreisüüg des TefchMMDedänkensi Er. schaut im ersten Verse Israel als eine geschlossene Einheit und redet, sein Volk demgemäß in öer Form der Einzahl an. Das gange Volk hält er für fähig, den h bis zu G'tt, führen den Weg zu be.schretten. .Darum spricht er in heißem Verlangen die Bitte' aus(nsiV ist die Form des Wunsches), wie wett. W^ochch,''. von,^.Peiner Bahn abgewrchen sein mögest, es bedarf'nstr der Rückkehr auf den rechten Weg, dann befindest Du Dich schon wieder h iy „auf dem Wege zu G'tt" und bist nur dem Grade nach von denen getrennt,, die auf dem gleichen. Wege bereits weiter empörgeschrttten' sind. ' \! Darän schließt sich der zweite Vers, der die Krönung des Tefchuwoh-Gedankens bildet. Hier wendet sich der Prophet an die Einzelnen, aus welchen sich die Gesamtheit zusammensetzt und spricht daher zu ihnen in der Form der Mehrzahl. Er möchte sie für die innige G'ttesnähe gewinnen - und ruft sie daher auf, h Vx -gang z u - G ' t t 'zurückzukehren. Dttseti trauten, gna- -öeNvoWen G'ttesnähe entsprechend nennt der Prophet G'tt in unserm Verse mit dem Ausdrucke dev! v'vnltt rn»' wählend im vorigen Verse bei der Bo r st ü f e zur unmittelbaren G'ttesnähe die Bezeichnung der pin r>i» beigefügt war. Der Prophet steigt in die Seelen der Einzelnen hinab und spricht zu ihnen-: mit Worten, die Eurem Herzen entstammen, vermöget Ihr voll und ganz zu G'tt zurückzugelangen. Ja, er nennt ihnen die Worte; sie enthalten die Bjtte uyii Verzsthung, um die wohlgefällge Aufnahme der , guten Werke, die sie zu üben nun bereit sind, und gipfeln in dem Vorsatz, ihr^ Versprechen, fortan nur G'tt zu dienen, mit stiergleicher Kraft zu erfüllen. ' ' So ist Hosea von. dem Gedanken! getragen, daß jeder, der mit innerer Ueberzeugung den Rückweg b i s zu G'tt (= nv) gefunden, um keü nen Preis rasten wird, bis er sich mit seinem Tun und Lassen ganz in der beglückenden Nähe G'ttes (=■ t“?x) fühlen darf. Mit Worten, die eine T a t bedeuten, mit wahrem Bekenntnis feiner Fehler, wird man dieser Nähe teilhaftig. . Der Gedanke aber, welcher sich in dem Abstande von nv und bx aüsspvicht, leuchtet uns aus dem Tempel und aus der Prophetie, den beioen Gebieten der Offenbarung der g'Mchen Herrlichkeit entgegen. Einige Beispiele mögen dafür zum Belege dienen. Im Hohepriester erblicken wir eine ideale Höhe, welche sinnbildlich der ^>x~ Stufe entspricht, während die übrigen Priester die iv-Stufe vergegenwärtigen. Das Allerheiligste ist die Stätte der G'ttesgegenwart (=H Vx)- vor ihm liegenden Tempelräume gleichen den Etappen, die wir als h iv begreifen. Von den Blutsprengungen. des Stieres und des Ziegenchpck^s^^aW/lJMN).-Hakpurim weist die eine, nach .oben Mrichjete fjr nach-.unten gerichtetem ckuf jbi.ei7Mghr,. odG-MjMerj:-fernen - Stationen des WegeK,n(,M^ MÜ/.Wd gM/in der her^ f,'Moscheh sbtzfMpnsich^naMSssx^tz^ B. ' M.) Kap; alSjHer-Eröje. Seme-PxppheMs tzcttte? ZMitii-De-SWe - erreicht. Indes Jesaias, obwohl er zu den- Höchststehenden aller Zeiten zählt, war als. Prophet der Erde näher als dem Himmel, so daß seine Prophetie der Sphäre angehörte, die im Vergleich zur Prophesie.,Moschehs nur- H-;IST::verblieb7 -„r ..Djefe . Beispiele, beleuchten diiie Tragweite der Worte, mit welchen Hosea.-sein Volk zu-r- Teschuwoh ermahnte. Dergryße Augenblick, iy welchem sie gesprochen -.wurden, fand ein schwaches, Geschlecht. Seitdem Hallen die Worte durch Zetteü und Länder, um Menschenherzen, zu gewinnen und sie zu überzeugen, daß der Weg derMeschuwoh der.Weg des frisch pulsierenden jüdischen' Lebens ist; um das G'ttesreich vorzuheretten, das alle Menschen am Ziel, ihrer Wanderungin der G'ttesnähe - h. ^x — unzertrennlich vereinigen wird. -s - Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das--Feuilleton S. Sch achnowitz, Frankfurt a. M.; InsekatüU.-Brr?S.- Schachnowitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer'JB. Kaufmann, in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag des Israelit und Hermon ®. m. b. H., Frankfurt a. M. Druck: Hermon-Druckerei, Frankfurt a. M. jlokWponaevrea » Nacdricdte«. E Deurfches Äeich? Semesterfchlutz der Frankfurter Iefchrwa. Frankfurt a. M., 22. Sept. Mil dem zu Ende gehenden -.Sommersemester darf die Frankfurter Jeschiwa wiederurn aus eine ebenso arbeitsvolle wie erfolgreiche Tätigkeit im Dienste der Thorawissenschaft zurückblicken. Die.stets zunehmende Zahl der Hörer legt beredtes Zeugnis, ab für die stille, jeder unangebrachten Reklamq abholden und so bedeutsamen "Heiligtumssaat, die sie, unbeirrt von allen Wechselerscheinungen der Zeit für eine immer größere Erstarkung des thoratreuen jüdischen Lebens in Westeuro^ ausstreit. .Dieser Tatsache hat nunmehr, auch die Vorgesetzte staatliche 'Behörde Rechnung getragen, indem., sie "der E x h ö h u n g d e r H ö r e r z a '.h l . a u f 1 0 0 ihre Zu - stimm un g gegeben hat. ' . Die Schwere der wirtschaftlichen Verhältnisse lastete wohl auch auf der Jeschiwa. Mit Genugtuung darf jedoch verzeichnet werden, daß sich immer mehr die Erkenntnis Bahn bricht, daß diese Hochschule der Thorawissenschaft auf die tatkräftige Förderung weitester Kreise vor allein. 'Westeuropa zu rechnen einen An-- spruch hat. Je' mehr diese Erkenntnis sich in Taten umsstzt, destomehr wird es der Jeschiwa beschieden sein, den großen Anforderungen in einem vollendeterem Umfange gerecht - zu werden, die gerade in dieser schweren Zeit in gesteigertem Maße an sie herantreten. Da^.' Wintersemester beginnt am 28. Tischri — (20. Sklober) mit der Prüfung der neu eintretendei^ Hörb'r.''Beginn der Vorlesungen und Schiurim Dienstag, ''den 29. Tischri — (21. Oktober 1930). „Gebt unseren jüdischen Handwerksbrüdern Arbeitsmöglichkeitt" Berlin, 16. Sept. Der Zentralverband jüdischer Handwerker Deutschlands c. V., Sitz Berlin, (Vorsitzender Wilhelm Marcus) erläßt den folgenden Aufruf: „Furchtbar und verheerend sind die Auswirkungen der Wirtschaftsnot in jüdischen Kreisen,^ vor allem im gewerblichen Mittelstand; verursacht -aber durch - einen sich täglich steigernden Antisemitismus. Unzählige selbständige Existenzen sind nicht nur erschüttert, sondern zum Teil zum Erliegen gebracht worden. Menschen, die früher in geordneten Verhältnisseir gelebt haben, sehen keine Möglichkeit mehr, den Daseinskampf aufzunehmen, wenn in diesem Augenblick höchster Not der Ernst der Stunde von denen nicht erkannt wird, .dic^ in der glücklichen^ Lage sind, von der ganzen Wucht des Wirtschaftskampfes nicht betroffen zu sein., Aas.chevg.rstehende Rausch^aschonoh-Aestz das.^^uns zur^Nnkehr und Nachdenklichkeit-.tzrahnt, Toll-"und -muß allen -Glau- ..H^üshrüdern' Wb'.j-Schwestern•• gstnz bsipuders -iVerantzlf-- .sirnjg fein, derer., ^u, gedenken,-,^die utzjer der sjLoG^.der täglichen Sorgen,AU zerbrechen -drohen., c- ,,.-..Dqrum gpp.esiixren wir?-an das,,Holidar.itfttKgeWl eines Jeden und wenden uns mit besonderer Eindringlichkeit an unsere Glaubensbrüder mit der Bitte: Gebt unseren jüdischen Handwerksbrüdern Arbeitsmöglichkeitk Entlohnt sie aber auch nach ihren Leistungen! Keiner nütze die Arbeitskraft seiner Mitmenschen infolge, dsr,iln- .geheuren Not aus!" , . Landesverband jüdischer Metzgermeister - - in Bayern, j 7- München, .20.--Sept:- Obiger Landesverband richtet folgenden Aufruf analle unsere Glaubensgenossen:. ' ' Am 1. Oktober, dieses Jahres tritt das voin bayeri-' Heu Landtag beschlossene S ch ä ch t v e r b 0 t in ' Kraft. ' Wir bayerischen,- jüdischen Metzgermeister wenden Ms deshalb an alle- Unsere Glaubensgenossen in Stadt- und ' Land/ Helft uns in dem Kampf' um unsere gefährdetL' Mipenz, denn 'diese - steht aus dem Spiele.. TWget alle hei zur Erhaltung unserer seitlangen. Jahren.hestehenden.' 'Geschäfte,' indem' Ihr Eueren täglichen Bedarf'an Fleisch--'-

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