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Der Israelit · 1930-09-26 · Heft 39 (26.9.1930) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 39 (26.9.1930)
Date
1930-09-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. Nr. 39 Der Israelit 26. September 1930 zu verleihende, sondern vor allem die Hm als dem Ebenbild G'ttes von G'ttbereits verliehene, ihmrnnewohn ende Würde. ■ IV. G'tt hat aber uns Menschen auch noch eine zweite Möglichkeit gegeben, durch die wir zu unserer, aus GM abgeleiteten 1122 gelangen können. Da, dieser zweite Weg gibt uns erst die Möglichkeit zum richtigen Schreiten aus dem ersten. Denn wenn wir G'tt nachwandeln wollen, barmherzig zu werden, wie Er ist, milde zu werden, wie Er ist, so kann des Menschen Subjektivität Hn leicht zu falscher Würdigung und Anwendung dieser Möglichkeiten bringen. Denn Irren ist menschlich, und nur bei G'tt ist die Absolutheit des Nichtirrens. Und darum gab uns G'tt Seine Thora, daß sie nicht nur Maßstaü für unser menschliches Tun sei, daß sie darüber hinaus zum gestaltenden Prinzip jeder unserer Handlungen werde. Die Thora als G'ttes geoffenbarter Wille verpflichtet uns auf das aus dem Wesen G'ttes fließende g'ttliche „Wollen". Hier darf ein- Wort emgefügt werden, welches dem Chacham Bernays, Hamburgs großem Rabbiner, Hirschs großem Lehrer, nachgesagt wird: Wenn Moses in seiner Sterbestunde Worte des Segens über das Volk ausspricht, und G'ttes Schutz auf die einzelnen Stämme herabfleht, dann spricht er im Hinblick aus Levi zu G'tt: narr ’Ml Deine “pun Tain gabst Du dem Manne der Hingebung an Dich. Bei G'tt sind es tnnKi D'mn* Aus G'ttes nla^an-aus G'ttes Ganzheit und Vollendung fließt die Thora als der helle Strahl Seines, des g'ttlichen Wesens murr« Der Weg des Menschen geht umgekehrt von v'iirr zu ü'ain- Die Erleuchtung, die ihm aus dem in die Thora gebannten Lickststrahl kommt, breitet vor ihm aus das nia'aiv welches G'tt wesenseigen ist. Zwischen G'tt und Mensch steht, den Menschen zu G'tt emporzuziehen, die nv'an m nun- Und dieser der Thora innewohnende Charakter gestaltet die ni'ian tq2- So fließt aus der 'n 1122 die nnnn 1122 und so aus ihr die nmnn 1122v. So haben wir das Gebet rn 1122 ]n pm •jasrV zu verstehen, so sollen wir es begreifen. Gib G'tt uns die Kraft, daß unferm so oft geblendeten Auge sich -offenbart der Sinn wahrer TDD wie er sich widerspiegelt in 'n 1122 -minn 1122 und ni'22,-1 1122« Es ist kein Gebet um die Anerkennung und Würdigung durch Andere, es ist ein Gebet um die richtige Gestaltung unseres Ich, um die richtige Wertung unserer irdischen Aufgabe, um das rechte, gewissenhafte, verantwortungsbewußte Prüfen unseres Tuns am g'tt- Al eines Feuilleton. Der arme Bruder. Von Kar! Darmstadter in Mannheim. Ich werfe alle Tageslast heute ab, wie du. Ich bin nicht arm, du bist nicht reich, wir sind in G'ttes Ruh. War ich gestern hungerkrank, warst du gestern satt. Mag sein, ich bick nur mehr als du vorn vielen Fasten matt. Und bin ich manchmal obdachlos' und bleibe frierend wach, heut trägst du mein, ich dein Gewand unter dem gleichen Dach. Wir beten beide, du und ich, . wie seit alter Zeit, mir füg ich oft ein Wort hinzu von Elend, Not und Leid... Vom Abend bis zum Abend find wir zwei einander gleich. Dann bin ich wieder, was ich war, bin arm, und du bist reich. lichen Wesen, an der 'n 1122am g'ttlichen Willen, an der mm«i 1122- So auch, glauben wir, hat Samson Raphael Hirsch dieses psr*? fn 1122 ]n pnv so diese Bitte verstanden, wenn er -erläuternd' dazu bemerkt: „Erst wenn wir durch den rückhaltslos G'tt zu zollenden Gehorsam uns selbst umwandelt haben werden, dann geht mit unserer Selbstumwandlung Hand in Handauch die Umwandlung unseres Geschickes, die G'itestreue wirdzu Ehren kommen, die G'ttesfurcht der Menfchenpreis werden, G'tt suchen wird keine Lächerlichkeit mehr sein-, das G'^Erwarten, den Mund öffnenkönnen, und die Wiederherstellung und Vollendung dler jüdischen nationalen Bestimmung in dem dieser Bestimmung angehörenden Lande unter dieser Bestimmung heiliger Königsleitun-gwird die jüdische Blüte und Frucht dieser unserer Umwandlung sein." lVochenrundschau. Der erste Oktober in Bayern. Der erste Oktober, oder, um das stabilere Datum zu nennen, der Rüstetag zum Jomkip p u r, wird ein Gedenktag der bayrischen- Judenheit, im weiteren Sinne der deutschen Judenheit, sein. Mit dem Inkrafttreten - des Schächt verbot es feiert eine engherzige, die Gewissensfreiheit eines großen Bevölkerungsteiles stark beeinträchtigende Gesetzgebung ihren letzten Triumph. Eine harte Prüfung ist in einer Zeit schwerer politischer und wirtschaftlicher Rot unseren Brü d ern in Bayern auf erl egt, und ein Menetekel für die Judenheit im ganzen Reiche droht von jenseits der blauweißen Grenzpfähle in Gebete zum iMa U’ns, die vom abzuwendenden „Ankläger und Bedränger" sprechen, mit doppelter Inbrunst zu beten. Es erübrigt sich, hier auf die Geschichte des Verbotes noch einmal einzugehen. Von uns übelwollender Stelle ausgehend, fand das Projekt bald feine warmen Anwälte in den Kreisen der an sich gewiß gut me-inend-en Ti erschutzvereine und eine feste Resonanz in der Volksstimmung ÄNes Landes, das heute von Hitler seine geistige Struktur bekommt. Da wog die Stimme der Vernunft nicht viel. Von jüdischer Seite tmtr&e mit Hilfe nichtjüdischer hervorragen¬ Unser neuer Roman! Im Laufe des Monats Oktober beginnen wir mit dem Abdruck einer größeren Erzählung Meikemeiers Weg zum Kreml Die Geschichte einer Zeit und eines Schicksals von K. Jzchakr Die Erzählung ist ein Zeitdokument, das in den Wanderungen und seelischen Wandlungen eines jungen jüdischen Menschen eine sturm- und kampfbewegte Periode unserer Zeitgeschichte wiederfpiegelt. Außerdem wird das Feuilleton während der Wintermonate eine große Reihe fesselnder Skizzen, kleinerer Novellen und Reiseschilderungen bringen. der Vertreter des Rechtes und der Wissenschaft alles ausgeboten,, um mit einem erdrückenden Gutachtenmaterial dem Volke und seinen Räten ad oculos vorzuführen, wie es absurd sei, im Interesse einer höchst problematischen Dierschomm0 in die religiösen Rechte treuer Staatsbürger e-inzugrefen und ihnen den Bisten Fleisch aus dem Munde zu reißen. Es verschlug auch nicht der Nachweis, daß nach Feststellungen großer Autoritäten von allen heute zur Anwendung kommenden Betäubungsmitteln das beste und zuverlässigste der Sch ä chtschn i t t sei'. Alles vergebens. Engherzigkeit hat über Recht und Vernunft gesiegt, zum Tage der Versöhnung tritt dieser -Akt menschlicher U n v e r s 0 h n - lichkeit in Kraft, und wir fürchten—oder hoffen — keiner wird feine Freude an der Ernte aus. dieser Saat haben. Die jüdischen M e tz g e r v e r e i n e in Bayern haben im Einvernehmen mit den Rabbinern und I Gemeindevertretern ihre Maßnahmen zur Ver-1 sorguug der jüdischen'Bevölkerung mit Fleisch,! das von auswärts bezogen wird, getroffen. Diese Maßnahmen werden naturgemäß eine schwere Belastung des Kofcherfleifchhandels bedeuten, den Metzgern wie noch mehr dem Konsumenten empfindliche Opfer auferlegen. Die mbiwitm — ja auch direkten — Leidtragenden werden aber auch döe mchtjüdischen Großschlächter und Vertreter des Biehhandels in Bayern sein. Sie haben in ihren Organen und Versammlungen wirksam genüg die warnende Stimme gegen das Verbot erhoben, wurden aber als „Interessenten" und „Nutznießer eines jüdischen Sonderrechtes" glatt beiseite geschoben. Es kann an diesem Stichtage des Unrechtes auch das Verhalten der bayrischen Sozialdemokratie nicht unerwähnt bleiben, die aus Verärgerung über den Artikel eines liberalen Rabbiners zuerst aktiv und dann passiv durch 'Stimmenthaltung am Zustandekommen des Gesetzes mitgewirkt hat. Ein solch kleinliches Benehmen wäre am wenigsten von der Partei zu erwarten gewiesen, die -auf die große Linie der Menschenfreiheit geradezu eingeschrieben ist. Wir wollen es ihr am Tage der Vergebung nicht nachtragen, um so mehrmals die große sozialdemokratische Partei für das Reich den Fehler ihrer bayrischen Landsmannschaft gut gemacht und inzwischen wohl diese selbst die innere Unnatur ihres Handelns eiNgesehen hat. Der Schlag für die bayrische Judenheit kam von außen, aber er ist gegen das innerjüdische Leben geführt, gegen die Weihe des jüdischen Hauses und des jüdischen Tisches, gegen d'ie Reinheit und Heilgkeit des jüdischen Lebens, Briefe an einen Skädker. Von I. L-b-b—g. Zu unserer letzten Unterhaltung schweifen noch immer meine Gedanken prrück. Wie herrlich, die vielen Anregungen von ehrlichen Freunden auf Tagungen zu hören » und wie furchtbar, alle Anstrengungen an unsrer materiell I len Schwäche scheitern zu sehen. Nein — wir dürfen I die Hoffnung nicht aufgeben, wir müssen weiter für die Lösung unsrer Klall Iisroel-Aufgaben im Dienste der Tauroh Sorge tragen. Du versuchtest mir Deine Ansicht zu erklären: „Wenn ich noch einmal jung wäre, würde ich den Städtern den Rücken kehren und meinen Wohnsitz auf dem Lande aus-- schlagen." Ich kann mir wohl denken, daß Ihr Aelteren, die Ihr das Leben erlebt habt, diese Theorie teilt. In der Praxis sind die Beweise noch zu erbringen. Wir können im deutschen Judentum den Wanderungsprozetz — Dorf — Kleinstadt — Großstadt meist als Folge der besseren materiellen Verhältnisse immer wieder verfolgen. In welchem Verhältnis ist das "Gegenteilige der Fall? Tausende unsrer Brüder aus dem Osten haben sich 'in den Städten niedergelassen und hätten in Gemeinden von 50 Familien spielende Existenz als jüdische Handwerker ohne Konkurrenz gefunden. Wie leicht hätten wir aus diese Weise manch aussterbender Gemeinde jüdisches Leben zuführen können und müßten auf ganzen Strichen nicht erleben, daß uns nur noch Friedhöfe von der Existenz einstiger Kehillaus erzählen. i Hat man nötig, in luftarmen Mietswohnungen zu darben oder in Kellerwohnungen sein ganzes Leben zu fristen? Müssen wir denn immer wieder erleben, wie in jüdischen Stadtteilen* manch durchgeistigtes gebücktes Golusgesicht winziges Geschäft treibt? Aber das Wichtigste

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